6. Februar 2026Peter Pionke
Tom Gerhardt: „Hausmeister Krause geht nicht in Rente“
Der erfolgreiche Comedy-Star Tom Gerhardt als „normaler Mensch“ ohne Verkleidung. Auch mit 68 Jahren ist sein Tour-Kalender noch prall gefüllt – © Steffi Henn80 Folgen der TV-Serie liefen mit großem Erfolg beim Privatsender Sat 1. Die Drehbücher schrieb Tom Gerhardt, ein ehemaliger Kulturredakteur, selbst. Seine Serien-Kinder Janine Kunze und Axel Stein sind inzwischen selbst gefragte Kino- & TV-Stars. Hausmeister Krause hat ihnen sozusagen den Weg in eine erfolgreiche Karriere „freigefegt“. Tom Gerhardt und seine Kunstfiguren eroberten in Filmen wie „Voll normaaal“, „Ballermann 6“, „Siegfried“ oder „Die Superbullen“ sogar die Kino-Leinwände. Trotz des großen Erfolges, der ihm mittlerweile seit Jahrzehnten treu bleibt, ist Tom Gerhardt auch heute noch der bescheidene, sympathische und bodenständige Mann von nebenan.
Auch inzwischen 68 Jahren denkt er nicht im Traum daran, den grauen Hausmeister-Kittel an den Nagel zu hängen und in Bühnen-Rente zu gehen. Dafür macht ihm der Job, Menschen zum Lachen zu bringen, noch viel zuviel Spaß. Wir haben uns mit Comedy-Star Tom Gerhardt, der am 03.03. mit seinem Solo-Programm „Volle Packung“ in „Der Börse“ auftritt, im Rahmen unserer Interview-Reihe „Hand aufs Herz“ ausführlich unterhalten:

DS: Sie haben als freier Mitarbeiter der Leverkusener Rundschau und später als Kulturredakteur beim Kölner Express gearbeitet. Hatten Sie damals schon eine Vorahnung, dass Sie irgendwann einmal als erfolgreicher Comedian auf der Bühne und im TV landen würden?
Tom Gerhardt: „Nein!, auf keinen Fall Ich war damals ein verbummelter Student, hatte eine kleine Mansardenwohnung und musste zum Duschen ins Schwimmbad gehen. Während meine Kommilitonen schon einen Mittelklassewagen besassen, fuhr ich immer noch mit meinem Mofa durch die Gegend. Für die Kölnische Rundschau schrieb ich damals über so spannende Themen wie die berühmten Dackelzucht- und Kaninchenzuchtvereine.“
DS: Aber dann kreuzte Entertainer und TV-Moderator Jürgen von der Lippe Ihren Weg, wie kam es dazu?
Tom Gerhardt: „Nach meiner Zeit beim Express bin ich beim WDR gelandet und schrieb dort zunächst Hörspiele. Dort lernte ich auch Jürgen von der Lippe kennen, der dort regelmässig seine erfolgreiche Shows „Donnerlippchen“ und „So isses“ produzierte. Er machte mich schliesslich zum Rechercheur für seine Sendung „Donnerlippchen“.“
Tom Gerhardt als legendärer Hausmeister Dieter Krause auf der Bühne der Kunst- & Kultur-Galerie S-ART in Essen – © Marc WaterwieseDS: Und er hat ja auch dafür gesorgt, dass Sie Ihren ersten großen Fernsehauftritt hatten. Eine glückliche Fügung?
Tom Gerhardt: „Na ja, im Nachhinein schon. Ich hatte in der Strassenbahn zwei total schrille Typen beobachtet. Sie sassen minutenlang teilnahmslos nebeneinander, redeten kein Wort miteinander. Plötzlich drehte einer von ihnen den Kopf zur Seite und fragte seinen Nachbarn im Proll-Jargon: ‚Eye, haste den neuesten ‚Rambo‘-Film gesehen?‘ – ‚Nee‘, antwortete der andere. ‚Musste aber. Boa ey, watt hat der mit seinem Maschinengewehr rumgeballert: bum, bum, bum, ratter, ratter, ratter – alles kapott! Ey voll geil, der Typ!’ In meinem Kopf war die Kunstfigur ‚Tommie‘ geboren. Ich entwickelte den Charakter weiter, letztendlich zum ‚Vollproll auf den Brettern, die die Welt bedeuten‘. Eine Kostprobe spielte ich Jürgen von der Lippe vor und der sagte sofort: ‚Die Nummer musst Du in meiner Show präsentieren‘. Und so stand ich als Tommie mit Pudelmütze, ärmelloser Jeansweste und Cowboy-Stiefeln vor der TV-Kamera. Vor mir ein älteres, gediegenes Publikum. Am Ende meines Auftritt herrschte fast Totenstille, keiner verzog eine Miene, nur zwei Mädchen lachten sich schlapp. Ich dachte: ‚Das war es mit Deiner Karriere, bevor sie überhaupt richtig begonnen hat.“
DS: Keine Lacher, kein Applaus, das ist die Höchststrafe für einen Comedian. Wir haben Sie diese Enttäuschung verarbeitet?
Tom Gerhardt: „Das viel mir nicht leicht, ich war geknickt! Aber kurze Zeit später wurde ich für eine Veranstaltung im Rheinland gebucht. Als ich dort ankam, war der Saal ausverkauft. Superstimmung. Die beiden Mädels, die einzigen, die bei „So isses“ über meine Nummer gelacht hatten, waren auch da. Ganz offensichtlich war mein Auftritt zuhause vor den Fernsehern viel besser angekommen als live im TV-Studio.“
DS: Gibt es eigentlich so etwas wie ein reales Vorbild für „Hausmeister Krause“?
Tom Gerhard: „Dieter Krause hat eigentlich früher als der Tommie sozusagen das Licht der Welt erblickt. Ich hatte schon in meiner Jugendzeit einen solchen Ordnung liebenden Zeitgenossen kennen gelernt. Schlüsselerlebnis war aber meine Begegnung mit einem Ordner bei einem Event, dass ich im Auftrag der Kölnischen Rundschau besuchte. Er spielte sich unheimlich auf und ließ total heraushängen, dass er total wichtig war oder sich zumindest dafür hielt: ‚Moment – so einfach kommst Du hier nicht rein!‘ Der Typ war meine Vorlage für Dieter Krause, der Mann im grauen Kittel, für den das kleinste Problem eine Katastrophe darstellte und dessen Glas immer halbleer war.“
Hausmeister Klause (Tom Gerhardt) eingerahmt von Redakteurin Andrea Becker (l) und einer Freundin – © Andrea BeckerDS: Es hat doch sicher im Laufe der Jahre auch Reaktionen von echten Hausmeistern gegeben, fühlten die sich nicht veräppelt?
Tom Gerhardt: „Ganz im Gegenteil! Das Erstaunliche ist, dass sogar viele echte Hausmeister in ihrem echten Outfit in meine Shows kommen. Die können über meinen Dieter Krause herzliche lachen – die meisten zumindest.“
DS: Sie haben Germanistik und Philosophie studiert und Ihre Magisterarbeit über den Humanisten Nicolaus Cusanus geschrieben, der im 15. Jahrhundert lebte. Fällt es Ihnen als kluger, intelligenter Kopf eigentlich schwer solche schlichten Gemüter wie Tommie oder Hausmeister Krause zuspielen, deren Intelligenz stark limitiert ist?
Tom Gerhardt: „Ich habe damit keine Probleme. Ich stelle ja Typen, die ich persönlicher erlebt habe, überzeichnet dar und schmücke diese Charaktere mit erfundenen Geschichten aus. So haben sie zwar einen realen Kern, sind aber in Wirklichkeit Kunstfiguren.“
DS: Cindy aus Marzahn, Atze Schröder, Olaf Schubert und Paul Panzer sind Kunstfiguren, genau wie Ihre Geschöpfe Tommie, der verklemmte Heinz, Türsteher Hansi oder eben Hausmeister Krause. Verdeckt man sich bewusst hinter solchen erfundenen, schrillen Gestalten, um nicht soviel von sich selbst Preis geben zu müssen?
Tom Gerhardt: „Natürlich bin ich nicht Tommy oder Hausmeister Krause und schon gar nicht Hansi, der aus Arbeitsmangel mit total schrillem Outfit zum proletenhaften Weihnachtsmann und Geschenkeboten mutiert ist. Besonders er hat harte Sprüche drauf. Da ist es schon hilfreich, dass ich diese krassen Sprüche meinen Kunstfiguren in den Munde legen kann. Ich war ja lange der Bad Boy der Comedy-Szene und sehr froh, als Ingo Appelt auf der Bildfläche, sprich auf der Comedy-Bühne auftauchte. Er hat mich mit seinen derben, teilweise sehr schlüpfrigen Sprüchen sogar noch überholt.“
DS: Sie haben Janine Kunze und Axel Stein, Ihren „Kindern“ aus der TV-Serie „Hausmeister Krause“, massgeblich den Weg in eine erfolgreiche Karriere geebnet, wie ist Ihr Verhältnis heute zu den beiden?
Tom Gerhardt: „Ich stehe mit beiden in engem Kontakt. Janine und Axel haben eine tolle Karriere hingelegt. Und ich bin stolz durchaus darauf, dass ich ihnen ein wenig dabei helfen konnte.“
Tom Gerhardt alias Hausmeister Dieter Krause mit dem bekannten Essener Pop-ART-Künstler Sharyar Azhdari – © Andrea BeckerDS: Sie haben Hauptrollen in Kinofilmen wie „Voll normaaal“, „Ballermann 6“, „Siegfried“ oder „Die Superbullen“ gespielt. Einen Oscar haben Sie dafür nicht bekommen, aber jede Menge Bekanntheit. War das ein Turbo für den Erfolg Ihrer Bühnenprogramme?
Tom Gerhardt: „Das kann man so sagen. Durch die Filme bin ich über Nacht bundesweit bekannt worden. Erst danach kam ja das Fernsehen auf mich zu. Meine so gewonnene Popularität mir auf jeden Fall dabei geholfen, die Hallen auch mit meinen Bühnen-Tourneen zu füllen.“
DS: Political Correctness spielt heute eine immer größere Rolle, nehmen Sie in Ihrer Programmen Rücksicht darauf und verwenden verbotene Begriffe wie das berühmte N-Wort nicht mehr – oder sagen sie einfach – krass ausgedrückt: „Scheiß drauf!“?
Tom Gerhardt: „Ich sage ganz klar: Scheiß drauf! Ich sage auf der Bühne das, was ich sagen will und nehme keinerlei Rücksicht auf Political Correctness. Ich spiele da ganz bewusst nicht mit. In meinem Programm Hausmeister Krause gendere ich meinen Dackel Bodo als ‚Dackel*in‘, aber nur um drastische aufzuzeigen, was für einen Schwachsinn diese ganze Genderei ist. Ich habe auch das Gefühl, dass diese ganze Wokeness-Welle langsam wieder abebbt.“
DS: Wie schwer ist es, in dem Genre, in dem fast täglich neue Talente ins Rampenlicht drängen, über so viele Jahre erfolgreich zu sein?
Tom Gerhardt: „In der Comedy-Szene ist für alle Platz. Für alte Hasen wie mich, aber auch für den Nachwuchs. Es gibt genügend Auftrittsmöglichkeiten: TV-Comedy-Shows, Streamingdienste und auch Locations, um seine Bühnenprogramm zu präsentieren. Ich bin mit zwei Programmen unterwegs, mit „Hausmeister Krause – man lebt nur zweimal“ und dem Solo-Programm „Volle Packung“. Seit Corona habe ich schon über 600 Shows gespielt. Ich kann mich also nicht beklagen.“
Tom Gerhardt im „Tommie-Outfit“ freut sich über das Pop-Art-Portrait, das der Essener Künstler Sharyar Azhdari von ihm geschaffen hat – © Andrea BeckerDS: Der Komiker Fips von Asmussen hat einmal gesagt: ‚Mich nervt total, wenn mich die Leute auf der Straße anquatschen: ‚Komm Fips, erzähle uns mal einen Witz!‘ Die sagen doch auch nicht zu Wladimir Klitschkow: Komm, hau mir eine rein!“ – Wie gehst Du mit solchen Situationen um?
Tom Gerhardt: „Natürlich kann das schon manchmal nervend sein. Er recht, wenn man Witze-Erzähler ist, wie Fips es war. Nach dem Motto: ‚Komm, erzähle mal einen’. Das ist bei mir ganz anders, meine Programme sind da komplexer. Es kommt schon mal vor, das jemand sagt:’ Mach mal den Tommie’! Aber die Leute respektieren in der Regel schon, dass ich, wenn ich nicht auf der Bühne stehe, Privatmensch bin. Sie sind sehr freundlich und respektvoll zu mir. Genauso handhabe ich das umgekehrt.“
DS: In jedem normalen Leben und auch im Berufsleben gibt es Höhen und Tiefen – was würdest Du als Deinen absoluten Tiefpunkt bezeichnen?
Tom Gerhardt: „Beruflich hatte ich zum Glück keinen richtigen Tiefpunkt, privat kann ich mich nur an einen erinnern, wenn man den überhaupt Tiefpunkt nennen kann: In jungen Jahren war ich einmal unsterblich in ein Mädchen verliebt, habe aber leider kein Gehör bei ihr gefunden.“
DS: Gibt es für Sie eine Deadline, an der Sie sagen: Jetzt reicht es, jetzt ist Feierabend?
Tom Gerhardt: „Die gibt es nicht. An Rente denke ich gar nicht. Wie schon erwähnt ,habe ich seit Corona über 600 Mal auf der Bühne gestanden. Mein Tour-Kalender ist voll. Meine Mutter ist 98 Jahre alt geworden. Ich habe offensichtlich gute Gene. Deshalb kann ich ganz klar sagen: Solange mich die Leute sehen wollen, mache ich auch weiter!“
DS: Kann es sein, das Dieter Krause auch im Fernsehen ein Comeback gibt und noch einmal seinen Besen schwingt?
Tom Gerhardt: „Wenn ein Sender ernsthaftes Interesse dafür zeigt, warum nicht. Gute Ideen für eine spannende, lustige neue Staffel habe ich genug. Klar ist allerdings, dass man die Serie von damals nicht einfach fortsetzen kann. Die Kinder sind längst aus dem Haus und auch Dieter Krause hat sich weiter entwickelt. Das wäre sicher eine reizvolle Aufgabe.“
DS: Vielen Dank für das spannende, offene Gespräch.
Das Interview führte PETER PIONKE
Tom Gerhardt bei der Veranstaltung „S-ART-Talk & Comedy“ in der Kunst- & Kultur-Galerie S-ART in Essen – © Marc WaterwieseVita von Tom Gerhardt
Tom Gerhardt erblickte am 12. Dezember 1956 als Thomas Justin Fritz Gerhardt in Köln das Licht der Welt. Seine Mutter war Apothekerin, sein Vater Pianist. Nach seinem Abitur leistete er seinen Bundeswehr-Grunddienst bei den Panzerjägern an. Anschließend studierte er Germanistik und Philosophie. Seine Magisterarbeit schrieb er über das Thema „Die Sprachphilosophie des Nicolaus Casanus“. Nikolaus von Kues (1401 – 1464) war ein deutscher Philosoph, Theologe, Kardinal, Mathematiker und Physiker.
Tom Gerhardt arbeitete als freier Mitarbeiter bei der Zeitung Leverkusener Rundschau, danach als Kultur-Redakteur beim Kölner EXPRESS. Anschließend wechselte er zum WDR, schrieb dort Hörspiele und arbeitete als Rechercheur für die TV-Show „Donnerlippchen“ von Entertainer, Kabarettist und Moderator Jürgen von der Lippe. Dieser ebnete ihm den Weg ins Fernsehen, indem er Tom Gerhardt in seiner Show „So isses“ auftreten liess“. Gerhardt hatte mehr aus dem Zufall heraus seine Kunstfigur „Tommie“ entwickelt. Vorbild waren zwei Typen, die er in der Strassenbahn beobachtet hatte. Sein erster Auftritt war beim Studio-Publikum ein Flop, bei den Zuschauern vor den TV-Geräten kam der „prollige Voll-Idiot Tommie“ aber bestens an.
Kino-Filme wie „Voll normaal“ (1994), „Ballermann 6“ (1997), „Siegfried“ (2005), „Die Superbullen“ (2011) oder „Der Blender“ (2012) machten Tom Gerhardt weit über Deutschland hinaus bekannt. Mit seiner Paraderolle Dieter Krause war er von 1999 – 2010 in 80 Folgen der Sat1-Serie „Hausmeister Krause – Ordnung muss sein“ auf der Mattscheibe. Die Drehbücher stammen aus seiner Feder. Auch mit seinen Bühnenprogrammen wie u.a. „Dackel mit Sekt“ war er erfolgreich unterwegs. Zur Zeit tourt er mit seinen Lach-Erfolgen „Hausmeister Krause – Du lebst nur zweimal“ und „Volle Packung“ durch Deutschland.
Tom Gerhardt ist Vater einer Tochter und eines Sohnes. Seit 2019 ist er mit der Brasilianerin Nadja da Silva verheiratet.
Das Plakat zur Tour – © Handwerker PromotionTermine Solo-Tour „Volle Packung“:
18.02.2026 – Rostock – Moya
20.02.2026 – Neuruppin – Kulturhaus Stadtgarten
21.02.2026 – Leipzig – Kupfersaal
22.02.2026 – Magdeburg – Theater grüne Zitadelle
24.02.2026 – Saarbrücken – Garage
25.02.2026 – Euskirchen – Stadttheater
03.03.2026 – Wuppertal – Die Börse
04.03.2026 – Bielefeld – Lokschuppen
Tickets unter http://www.eventim.de
und http://www.wuppertal-live.de
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