18. Dezember 2015

Vok Dams

Colja Dams: Für den Erfolg seiner Firma lebt er 200 Tage im Jahr aus dem Koffer

Das Event-Marketing-Unternehmen VOK DAMS inszenierte bereits über 3.000 Events weltweit. Peter Pionke hat sich mit Colja Dams und Pressesprecher Wolfgang Altenstrasser unterhalten.

Colja Dams © VOK DAMS Gruppe

Über 3.000 inszenierte Events in 37 Ländern, 101 hohe Auszeichnungen weltweit, 14 Niederlassungen verteilt auf dem ganzen Globus. Colja Dams (44) – verheiratet, drei Kinder (2/8/12 Jahre alt) – hat die Erfolgsgeschichte des Wuppertaler Event-Marketing-Unternehmens VOK DAMS Group nahtlos fortgeschrieben. Mit rund 150 kreativen Mitarbeitern arbeitet VOK DAMS für Globalplayer wie Porsche, Bayer, BMW, Ferrari, Daimler, Nokia, Evonik, Nespresso und Puma. Peter Pionke unterhielt sich mit Colja Dams und Pressesprecher Wolfgang Altenstrasser.

DS: Sie sind weltweit erfolgreich. Was hat Ihnen Ihr Vater Vok Dams mit auf den Weg gegeben und was haben Sie aufgrund Ihres Talents eingebracht?

Colja Dams: „Mein Vater hat mir erst einmal die gesamte Basis mitgegeben. Er hat diesen Markt erst geschaffen. Als er begann, gab es überhaupt noch keinen Begriff, für das, was wir heute machen. Das war ein tolles Fundament, auf das wir aufsetzen konnten. Ich habe das Thema neue Medien und Internet mit eingebracht und auch das Thema Internationalisierung vorangetrieben, indem wir Niederlassungen in aller Welt eröffnet haben. Dadurch konnte sich die Firma weiterentwickeln.“

DS: Wie schwer ist es, in die Fußstapfen eines solch erfolgreichen Vaters zu treten?

Colja Dams: „Das ist eine interessante Frage. Darüber habe ich so in der Form auch noch gar nicht nachgedacht. Das ganze Unternehmen hat sich ja immer wieder neu erfunden. Das war zu Zeiten meines Vaters so und das ist auch heute so. Es ist natürlich toll, so einen Mann wie meinen Vater als Mentor zu haben, der mich auch heute noch auf meinem Weg sehr intensiv begleitet. Und das hilft.“

Wolfgang Altenstrasser: „Mit den Fußstapfen ist das so eine Geschichte. Früher war die Branche sehr stark personenorientiert, da gab es die Pioniere wie Vok Dams, der das Unternehmen aufgebaut hat. Inzwischen legen wir wesentlich mehr Wert auf die Marke VOK DAMS. Es geht nicht mehr um einzelne Personen, sondern darum, die Marke weiter zu entwickeln. Deshalb kann man eigentlich gar nicht davon sprechen, dass Colja in die Fußstapfen seines Vater getreten ist oder treten musste.“

DS: Ihr Vater und Sie haben ja noch einige Jahre zusammen gearbeitet. Wer hatte das letzte Wort?

Colja Dams: „Wir haben im Sinne der Sache Dinge auch sehr intensiv diskutiert, aber mein Vater hat mich eigentlich immer machen lassen. Das sieht man erst Jahre später mit einem gewissen Abstand, was da für eine Stärke und Persönlichkeit dahinter stand. Im Vergleich zu anderen Familien-Unternehmen hatte ich das Riesenglück, dass sich mein Vater systematisch zurückgezogen hat.“

Wolfgang Altenstrasser: „Es gab damals ein starkes Zeichen in der Kommunikation intern. Coljas Vater hat demonstrativ sein Büro geräumt und an seinen Sohn übergeben. Damit hat er ganz klar gemacht, dass jetzt Colja der operative Geschäftsführer ist. Ein großer Unterschied zwischen den beiden ist: Vok Dams hat das Unternehmen von Wuppertal aus gesteuert. Colja ist viel in der Welt unterwegs, um die Projekte vor Ort zu betreuen.“

Colja Dams: „Die Zeiten haben sich in unserer Branche total geändert. Damals gab es eine Postbesprechung, das bedeutete, die gesamte hereinkommende und herausgehende Post ging über den Schreibtisch meines Vaters. Und die wurde dann besprochen. Das wäre heute gar nicht mehr möglich, in einer Zeit, in der ich täglich 400 E-Mails bekomme. Mein Vater hat früher immer ein Diktiergerät genutzt. Das konnte ich nie. Das bedeutet nicht, dass mein Vater gegenüber der modernen Technik nicht aufgeschlossen ist. Im Gegenteil. Er hat immer das neueste iPhone und ist immer begeistert von all den neuen Features. Mein Sohn bringt ihm dann alles bei.“

DS: Inwieweit hat sich Ihr Geschäft in den letzten Jahren verändert?

Colja Dams: „Das Geschäft ist deutlich komplexer, internationaler und breiter geworden. Während wir früher direkte Kommunikation mit definierten Zielgruppen machten, etwa Trainingstagungen, hieß es dann irgendwann Event und heute sprechen wir von Live Campaign, ganze Kampagnen aus dem Erlebnis kommend, das Digitale und alle Bereiche der Kommunikation mit einschließend.“

DS: Sie sind eine der größten Live-Event-Agentur der Welt. Wie schwer ist es, diesen Spitzenplatz zu verteidigen?

Colja Dams: „Die Größe ist für uns nicht so wichtig, da ist es ja immer die Frage, nach welchen Kriterien diese gemessen wird. Wir haben für uns vier Leistungs-Dimensionen definiert, in denen wir führend sein wollen: Im Bereich der Internationalität, also Kunden, die wir weltweit betreuen. Zweitens, dass wir in der Qualität führend sind. Sie liefert die Basis. Wenn die Qualität nicht stimmt, verfehlt die Kampagne ihr Ziel. Drittens, dass wir strategisch führend sind, dass wir uns sehr klar herauspicken, wie die Trends der Zukunft aussehen oder wie sich der Markt entwickeln wird. Die vierte Leistungs-Dimension: Dass wir kreativ führend sind, welche Ideen können wir aus Bereichen der Kunst, der Wissenschaft übernehmen, um eine maßgeschneiderte Kommunikation-Kampagne für unseren Kunden zu entwickeln.“

DS: Nach welchen Kriterien entscheiden Sie dabei oder ist das ein reines Bauchgefühl?

Colja Dams: „Das ist relativ einfach. Das ist eine knallharte Kosten-Nutzen-Rechnung. Das heißt, wir schauen, wie können wir mit einem minimalen Mitteleinsatz das Maximum für die Zielsetzung unserer Kunden erreichen. Und daraus entwickeln wir dann eine Idee, die genau das erfüllt.“

DS: Man kann ja nicht jeden Pitch gewinnen. Wie gehen Sie mit Niederlagen um?

Colja Dams: „Man kann wirklich nicht jeden Pitch gewinnen, aber es sollte der Anspruch sein. Ich ganz persönlich ärgere mich schwarz. Einen Picht nicht zu gewinnen, das tut richtig weh.“

Wolfgang Altenstrasser: „Das gehört nun einmal mit zum Geschäft. Nach einer kurzen Analyse und nach einer Rücksprache mit dem Kunden, was wir möglichweise falsch gemacht haben, treten wir beim nächsten Pitch auch wieder an. Manchmal versucht man es drei- oder viermal, um beim fünften Mal dann doch den Job zu bekommen.“

DS: Von ihrem Vater haben Sie ja auch die Liebe zu Ihrer Heimatstadt geerbt. Was macht Wuppertal für Sie so liebenswert?

Colja Dams: „Wuppertal zeichnet aus, dass es eine Stadt für die Liebe auf den zweiten Blick ist. Man braucht ein wenig, bis man sie erkundet hat. Ich bin immer wieder völlig begeistert, wenn ich kleine Juwelen in dieser Stadt finde, die kaum jemand kennt. Ich habe kürzlich meinem Vater als Geheimtipp ein Café zeigen können, wo es den besten Espresso der Stadt gibt. Er war total begeistert.“

DS: Wo sehen Sie Kritikpunkte, was die Außendarstellung angeht?

Colja Dams: „Es würde ja schon helfen, wenn sich die Wuppertaler nicht immer gleich für ihre Stadt entschuldigen würden, wenn sie gefragte werden, wo sie herkommen. Man muss etwas an dem Selbstbewusstsein des Wuppertalers an sich tun. Ich selbst bin immer wieder positiv überrascht. Ich habe einen Vortrag in Kanada gehalten. Und plötzlich kommt ein Mitarbeiter einer kanadischen Agentur auf mich zu und erklärt mir auf Deutsch, dass er in Wuppertal aufgewachsen ist. Mein absolutes Highlight habe ich am Flughafen in New York erlebt. Man kennt ja die amerikanischen Einreisebehörden, man steht stundenlang in der Schlange. Und ich stehe dort auch und habe jede Menge Equipment dabei. Neben mir eine Kamera-Crew vom SWR. Als ich wieder wegflog, waren die immer noch nicht durch den Zoll. Was war passiert: Der amerikanischen Zollbeamte schaute in meinen Pass und fragen dann auf Englisch: ‚Barmen or Elberfeld?‘. Er erzählte dann, dass seine Eltern hier aufgewachsen sind. Er machte einen Haken an meine Papiere und ich war durch. Wuppertaler halten eben zusammen – auch international. Auf meiner Weltkarte, die ich als ‚Icebreaker‘ bei Präsentationen im Ausland einsetze, seht Wuppertal im Mittelpunkt der Welt. Das bleibt bei allen Zuhörern hängen.“

DS: Weniger als zehn Prozent Ihrer Mitarbeiter, die in der Zentrale Wuppertal beschäftigt sind, wohnen auch hier. Worauf führen Sie das zurück?

Colja Dams: „Das liegt an der Attraktivität Wuppertals. Gerade die jüngeren Mitarbeiter nehmen es lieber in Kauf, in einer Wohngemeinschaft in Düsseldorf oder Köln zu wohnen als hier in Wuppertal, obwohl hier die Mieten günstiger sind. Denen hat Wuppertal einfach zu wenig zu bieten. Für ältere Mitarbeiter, die sesshaft werden wollen, ist es schon eher eine Überlegung wert, nach Wuppertal zu ziehen, weil hier die Grundstückspreise noch erschwinglich sind. Schmunzeln muss ich immer, wenn Führungskräfte unserer Niederlassung aus China nach Wuppertal kommen. Die sagen immer: ‚Wir wussten gar nicht, dass unser Headquarter auf dem Land liegt‘.“

DS: Sie sind sehr viel weltweit unterwegs. Bekommen Sie da nicht allmählich Ärger mit Ihrer Familie?

Colja Dams (lacht): „Das ist ein ganz schlechtes Thema. Aber ich verbringe wirklich mehr als die Hälfte des Jahres in Hotelzimmern. Gerade für die Kinder ist das sicher hart. Aber wir telefonieren häufig über FaceTime oder Skype, so dass ich meine drei Kids via Kamera sehen kann und sie mich auch. Wenn ich in Deutschland bin, verbringe ich dann die Zeit, die ich mit den Kindern verbringen kann, sehr intensiv. Ich bin bis Mitte Dezember beruflich in Portugal unterwegs, werde dann aber den Rest des Monats mit meinen drei Kids verbringen. Und zwar zuhause.“

DS: Was machen Sie in der Zeit, in der Sie nicht in der Weltgeschichte herumfliegen oder am Schreibtisch sitzen?

Colja Dams: „Sie fragen mich jetzt nach Hobbies, die aber eigentlich gar nicht habe. Mein Hobby sind meine drei Kinder. Ich bin zwar ein begeisterter Skifahrer, aber ich komme viel zu selten dazu.“

DS: Wenn Ihnen jetzt die berühmte Fee zweckgebunden 50 Millionen Euro in die Hand drücken würde, mit der Maßgabe, Wuppertal attraktiver zu machen, wofür würden sie das Geld ausgeben?

Colja Dams: „Wir haben mit der Historischen Stadthalle eine tolle Location, wir haben einen IC-Bahnhof, was fehlt, ist ein großes Hotel mit 1.000 Betten. Dafür würde ich das Geld ausgeben. Hotels mit dieser Kapazität gibt es in Deutschland ganz selten. Damit könnte man aus Wuppertal in kürzester Zeit eine der beliebtesten Veranstaltungs-Destinationen Deutschlands machen.“

DS: Vielen Dank für das Gespräch

 

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