12. April 2026

WSV: Dem „Abgrund“ einen weiterem Schritt näher

Auch wenn man sich an den Gedanken langsam gewöhnen muß, wie ein Absteiger sah der Wuppertaler SV beim Spiel gegen die U23 des Zweitligisten VfL Bochum lange nicht aus. Im an sich 25.000 Zuschauer fassenden traditionsreichen, atmosphärischen,  Bochumer Ruhrstadion an der Castroper Strasse mochte man an ein neuerliches Debakel eine Stunde lang nicht glauben. Vor 1.846 Zuschauern unterlagen aber die Rot-Blauen am Ende dennoch mit 4:1 (0:0) Toren.

Vincent Schaub brachte den Wuppertaler SV in der 59. Minute mit 1:0 in Führung – sein Treffer war am Ende leider nur Ergebniskosmetik – © Archivfoto Jochen Classen

Ein Ergebnis, dass zu hoch ausfiel und dem Spielerlauf nicht gerecht wird. Der WSV ist indessen damit dem „Abgrund“ einen weiteren Schritt näher gekommen, zumal „Mitbewerber“ Rödinghausen am Samstag noch einen fast schon sensationell anmutenden 4:0-Sieg in Bocholt landete.

Nach vier Spielen und 441 Minuten ohne einen Torerfolg hatte der WSV zuvor zumindest diese „schwarze Serie“ beendet und war in der Ruhrmetropole nach einer knappen Stunde in Führung gegangen. Nach Vorarbeit von Cenk Durgun und Amin Bouzraa verwandelte Vincent Schaub mit einem sehenswerten Volley-Abschluss. Der Jubel im WSV-Block wollte kein Ende nehmen, hatte man hier doch mit einem großen Banner „Der WSV wird niemals untergehen“ und lautstarkem Support in dieser reinen Fußball-Arena mit entsprechender Akustik bereits vorher deutliche Akzente gesetzt.

 „Der WSV wird niemals untergehen“

Die hatte freilich bei den Gastgebern keine uneingeschränkte Zustimmung gefunden. Mitten in einer WSV-Drangperiode war den VfL-Offiziellen nach 35 Minuten nämlich das weithin sichtbare Spruchband aufgefallen. Über Platzlautsprecher forderte man die engagierten Wuppertaler Fans auf, den Banner, der angeblich einen Fluchtweg versperrte, aus Sicherheitsgründen zu entfernen. Ansonsten würde das Spiel abgebrochen.

Da zunächst eine Reaktion der Wuppertaler Fans ausblieb, unterbrach der umsichtig agierende, erst 23jährige Remscheider Schiedsrichter Kristijan Rajkovski die Partie dann kurz vor der Halbzeitpause für fünf Minuten, bis das Spruchband dann nach Intervention der WSV-Spieler Bouzraa, Luyambula und Miyamoto von den Fans umgehängt war.

Die WSV-Spieler schworen sich vor dem Anpfiff im Ruhrstadion ein – am Ende leider vergeblich – © Siegfried Jähne

Ein Remscheider Schri mit „Format“

Schiri Rajkovski zeigte nicht nur in dieser Situation ein besonders „Händchen, gilt er wohl nicht umsonst bereits in der Hierarchie des DFB als „Perspektiv-Schiedsrichter“, der gezielt für Aufgaben im Profifußball vorbereitet wird. Für den WSV ein wohltuender Kontrast zu einigen Ansetzungen der letzten Wochen.

WSV-Trainer Wunderlich hatte vor der Begegnung angekündigt, voll auf Sieg spielen zu wollen. Tatsächlich erfuhr das Spiel diesmal mit dem Einsatz von drei echten Angreifern in der Start-Elf, nämlich Amin Bouzraa, Fritz Kleiner rund Jeff Fehr, eine deutliche Belebung.

Drei Spitzen belebten das WSV-Spiel

Der WSV war lange das aktivere Team und kam vor dem Gehäuse von Torwart Hugo Rölleke zu guten Torgelegenheiten. So mußte sich der 2,03 m große VfL-Keeper bei einem Schuss von Vincent Schaub (29.) schon mächtig strecken, um die frühe Führung der Gäste zu verhindern. Auch Fehr und Hirschberger verpassten das Ziel nur knapp. Auf der anderen Seite machte aber auch der VfL-Nachwuchs immer häufiger Druck und kam zu guten Gelegenheiten, die von dem wieder glänzend aufgelegten WSV-Schlussmann Michael Luyambula zunichte gemacht wurden. Beide Teams konnten froh sein, mit einem torlosen 0:0 in die Pause gehen zu können.

Luyambulas mehrfach “Weltklasse-Reif“

Nach dem Seitenwechsel kam die U23 des Zweitligisten deutlich besser ins Spiel, ein Lattentreffer und mehrere torreife Szenen spielten sich vor Luyambulas Tor ab, der gleich dreimal hintereinander geradezu “Weltklasse reif“ reagierte. Umso überraschender in dieser Phase der erwähnte WSV-Führungstreffer (59.), dem noch eine Superchance für Fritz Kleiner vorausging. Doch die Freude der Wuppertaler Fans hielt nicht lange an, denn nur etwa sechs  Minuten später gelang Sanchez Fernandez mit einem ganz ähnlichem Treffer der Ausgleich für die Gastgeber.

Diese „Spruchband“ löste große Diskussionen und am Ende auch eine Spielunterbrechung aus – © Siegfried Jähne

Jetzt erlebte man ein WSV-Team, das gegen die mit hohem Tempo spielende Bochumer „U23“ (Spieler im Alter von 19 bis 23 Jahren!) nicht mehr ganz mithalten konnte und sichtlich k.o. ging. Die drei folgenden VfL-Treffer waren die logische Konsequenz. Ärgerlich besonders das 2:1, abermals durch Henri Sanchez Fernandez, dem ein Ausrutscher des wieder stark aufspielenden Levin Müller vorausging. Aber wo war die Abwehr, wo waren Dominic Dunca, Cenk Durgun und Marco Stojanovic in diesem Moment?

Ob am Ende hier Müllers Schuhwerk für die Rutschpartie der Grund war, ließ sich aus Tribünensicht nicht eindeutig ausmachen, interessant war aber, dass zuvor Jeff Fehr mitten im Spiel seine Schuhe gewechselt hatte. Treffer drei und vier erledigte Auswechselspieler und Joker Luis Hartwig, Sohn von WSV-Legende Knut Hartwig (1992-1994 und 2000-2005) mit seinem siebten und achten Saisontreffer. Wieder waren es unglaubliche Schwächen der WSV-Abwehr, die hier assistierten.

Eine niederschmetternde WSV-Bilanz

Eine Pressekonferenz nach dem Spiel gab es in Bochum erstaunlicherweise nicht. So sah man nur aus sicherer Entfernung einen WSV-Trainer Mike Wunderlich niedergeschlagen auf einer Treppe sitzend mit Berater Stephan Küsters im Gespräch. Ein bitterer Abend für den WSV in Bochum. Für die Medien war Wunderlich an diesem Abend nicht erreichbar. Seine Bilanz aus jetzt elf Spielen lediglich sechs, von rein theoretisch möglichen 33 Punkten.

Noch gilt es indes fünf Spiele zu bestreiten, das nächste am Sonntag, den 19.April, mit einem Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach II. Allerdings gewann der nächst platzierte SV Rödinghausen am Samstag mit 4:0 Toren in Bocholt sehr überraschend und liegt jetzt bereits fünf Punkte vor dem WSV. Ein Ergebnis übrigens, dass inzwischen schon Spekulationen auslöste.

Allerdings kam jetzt noch eine ganz neue Variante ins Spiel. Steigt nämlich aus der 2. Bundesliga ein West-Verein in die 3. Liga ab, gibt es einen Zwangsabstieg für deren U21/23 Mannschaften in den Regionalligen. In der Folge hätte man dann einen „klassischen“ Regionalliga-Absteiger weniger.  Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt…

Stehen jetzt vor einer offenbar schier unlösbaren Aufgabe: WSV-Cheftrainer Mike Wunderlich (r.) und Berater Stephan Küsters – © Archivfoto Jochen Classen

Zwangsabstiege als Hoffnungsschimmer

Und hier ist neben dem VfL Bochum auch noch Fortuna Düsseldorf im Spiel, die sich in der 2. Bundesliga im unteren Bereich der Tabelle befinden. Auch ein Grund, warum Bochums U-23-Trainer Heiko Butscher den Klassenerhalt am Freitag Abend noch nicht feiern wollte. Dabei hatte er sein Team mit jetzt acht ungeschlagenen Begegnungen in Folge aus der Abstiegszone geführt. Allerdings verfügt er im krassen Gegensatz zum Kollegen Wunderlich über ein junges Spieler-Potential, welches sich auf dem Sprung in die 2. Bundesliga sieht. Mit besonderer Aufmerksamkeit wird man jetzt beim WSV wohl auch deshalb immer die Spiele der 2. Bundesliga Liga genauestens verfolgen.

Text: Siegfried Jähne

VfL Bochum U23 – Wuppertaler SV 4:1 (0:0)

Aufstellung VfL Bochum II:

Rölleke – Köster, Tolba, Hülsenbusch, Keumo, Volkmer (84. Najjar), Holtkamp, Jahn (84. Turudija), Fernandez (76. Crimaldi), Wagbe (76. Hartwig), Akaegbobi

Aufstellung Wuppertaler SV:

Luyambula – Miyamoto, Duncan, Kleiner (70. Saric), Schaub (70. Bejdic), Hirschberger, Fehr (62. Santo), Müller, Stojanovic, Durgun, Bouzraa

Tore: 0:1 Schaub (59.), 1:1 Fernandez (65.), 2:1 Fernandez (75.), 3:1 Hartwig (77.), 4:1 Hartwig (89.)

Gelbe Karten: Volkmer – Schaub, Fehr

Schiedsrichter: Kristijan Rajkovski (Solingen)

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