29. März 2026

Auch den Sportjournalisten fehlt der Nachwuchs

Auch der Sportjournalismus als Ganzes gehörte zur Themenpalette der diesjährigen Jahreshauptversammlung des „Vereins Bergische Sportpresse“ (VBS). Nachwuchsmangel und eine teilweise eher schwache journalistische Reflexion auf die bergischen Krisen der sportlichen Leuchttürme wurden thematisiert, obwohl gerade das abgelaufene Jahr bemerkenswerte Vereins-Höhepunkte erlebte. Der Vorstand unter Führung von ZDF- Sport-Kommentator Martin Schneider (59) bekam auch im 69. Vereinsjahr dann auch einstimmig das Votum für ein weiteres Jahr.

Der alte und neue VBS-Vorstand: (v.l.) Erdinc Özcan Schulz, Roderich Trapp, Martin Schneider, Dieter May, Alexandra Szlakowski und Versammlungsleiter Siegfried Jähne – © Oliver Reiche

Martin Schneider, der zuletzt noch bei der Handball-EM in Dänemark ein Millionen-Publikum (13 Millionen Menschen allein Im ZDF) erreichte, erzählte aus dem Nähkörbchen einige Feinheiten, auf die er in der aktuellen „VBS Post“ dann noch ausführlich einging. Die Rede war von „Maulwürfen“ und Lauschangriffen, ausgelöst von enttäuschten Spielern, die einen besonderen Kommunikationsweg über Beratern und Klubmanagern bevorzugten und so für erhebliche Unruhe sorgten. Das Endspiel zu kommentieren, war in seinen 31 Jahren im Sportjournalismus für ihn schon ein ein ganz besonderer Tag, an dem er emotional sein und mitgehen wollte, aber auch sachlich ohne die Worte „wir“ und „uns“ zu gebrauchen. Am Ende sicher ein gelungener Tag für den ZDF-Mitarbeiter aus Barmen, der seit 1995 für den Mainzer Sender arbeitet.

Schneiders Höhepunkt in 31 Jahren Sportjournalismus

Zum Thema „Verjüngung“ passte auch VBS-Mitglied Fabian Breuer, der  Wuppertaler, der mit seinen erst 29 Jahren bei Olympia „Milano Cortina“ als  Sportjournalist für den in Madrid ansässigen Olympic Channel Services des Internationalen Olympische Komitees (IOC) im deutschsprachigen Raum berichtete. Ausführliche Informationen kamen von uns hierzu bereits am 7. März. Hier traf der in Cronenberg ansässige Breuer den neunfachen norwegischen Olympiasieger, Ski-Langlauf Welt-Star Johannes Høsflot Klæbo und ebenso den deutschen Überraschungssiegern, Skispringer Philipp Raimund.

Sam Burth (l.) und Jonas Pütz, zwei neue, junge Mitglieder im Verein Bergische Sportpresse (VBS) – © Siegfried Jähne

Martin Schneider: „Wie überall steht auch bei uns Verjüngung auf den ‚To-dos‘ ganz oben. Schließlich liegt das Durchschnittsalter der Mitglieder, viele davon längst im Ruhestand, inzwischen bei 65 Jahren. Schneider warb einmal mehr um den journalistischen Nachwuchs, den er „Willkommen“ hieß,  tatsächlich haben mit Sam Burth (22 Jahre) und Jonas Pütz (23 Jahre)  inzwischen zwei interessante Newcomer den Weg zu dem rührigen Journalisten-Club gefunden, wo sie als Bereicherung wahrgenommen werden. Beide sind noch Studenten im politischen und kommunikativen Bereich, Stadionsprecher beim WSV sowie bereits als Kommentator von Regionalliga-Begegnungen bei „League Football“.

Weischenberg, Pionier im Sportjournalismus

Da passte es ins Bild, dass der Kommunikationswissenschaftler Professor Dr. Siegfried Weischenberg an diesem Tage zu seinen Wurzeln zurückfand und mit seinen früheren Kollegen durchaus sachdienliche Vergleiche ziehen konnte. „Im Hamburg sehe ich durchaus auch Schwachpunkte, was die  Berichterstattungen etwa über den HSV angeht“.  Der Hamburger Universitätsdirektor (2001 bis 2008), einst Vorsitzender des deutschen Journalisten-Verbandes (DJV ) ist Wuppertaler und hat in den 70er Jahren die Sportredaktion der NRZ Wuppertal geleitet, als der WSV noch „Erst-Bundesligist“ war ( „Meine schönste Zeit“). Er gilt als bedeutender Architekt der modernen deutschen Journalistik-Theorien, sein bekanntes „Zwiebelmodell“ beschreibt die internen und externen Einflussfaktoren auf den Journalismus. Seine erste von inzwischen 30 Buch-Veröffentlichung hatte den Titel „Die Aussenseiter der Redaktion“.

STADTZEITUNGS-Sportjournalist Siegfried Jähne (l.) mit Prof. Dr. Siegfried Weischenberg und dessen langjähriger Lebensgefährtin – © Oliver Reiche

Bernd Bigge wird 80 Jahre

Für das kommende Sportjahr steht beim VBS wieder einiges auf dem Programm, unter anderem am 20. April im „Barmer Brauhaus“ eine Theken-Talk mit Tim Oberdorf (Fortuna Düsseldorf) sowie ZDF Insider Hanno Balitsch. Daneben ist eine mehrtägige Reise zu Wuppertals Partner-Stadt Schwerin geplant. Außerdem blickt man beim WSV schon jetzt auf „Ein echtes Schwergewicht“ der Wuppertaler Sportszene: Bernd Bigge will in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag feiern. Dem erfolgreichen Ex-Sportler und Unternehmer hat man in der neuen VBS-Post bereits einen Beitrag gewidmet, in dem seine Verdienste gewürdigt werden.

Grußbotschaft von Kurt Keils Tochter

Marion Keil, Tochter des 2020 verstorbenen Kurt Keil, Pressefotografen-Legende und langjähriges VBS-Mitglied, richtete eine Grußbotschaft an die Versammlung. Sie erinnerte an die am 15. April (17 Uhr) im Foyer der Uni-Bibliothek stattfindende Vernissage der Ausstellung „Durch die Linse von Kurt Keil – Revisiting Sportfotografie“. Dies ist bereits nach „Johannes Rau“ und „Schwebebahn“ die dritte von Studierenden kuratierte Ausstellung von Fotografien Kurt Keils aus dem „Revisiting“-Zyklus.

Text: Siegfried Jähne

Der Wuppertaler Unternehmer und Sportmäzen Bernd Bigge (r.) mit Erfolgstrainer Udo Lattek (†) und WSV-Legende Günter Pröpper (l.) – © Paul Coon

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