28. März 2026Peter Pionke
Emotionaler Kampf für ein „Ja“ zu Olympia ab 2040
Beeindruckend, das Werk des Wuppertaler Lichtkünstler Gregor Eisenmann – © Siegfried JähneMit dem Titel „City of Movement“ – also: „Stadt der Bewegung“ präsentierte der Lichtkünstler Gregor Eisenmann dann eine eindrucksvolle Show auf der Stadion-Schildwand.Es war weniger eine klassische politische Info-Veranstaltung, sondern eine emotional inszenierter Event-Mix aus Lichtshow, Talk und Sport-Promotion, die schon im Vorfeld mit rund 500 Eintrittskarten schnell ausverkauft war. Dabei geht es darum, bei dem bevorstehenden Bürgerentscheid in der Briefwahl das „Ja“ von 10 Prozent der berechtigen Wuppertaler Bürger (25.400) zu erhalten und vorhandene Vorbehalte zu zerstreuen. Wuppertal gehört zu den 17 NRW-Städte zum Verbund der Region „Rhein-Ruhr“. Eine einzige größere Stadt könnte das Projekt kippen.
Enorme Signal-Wirkungen für Wuppertal
Wuppertal ist bei der Olympia-Bewerbung insgesamt nicht entscheidender Treiber, eher Baustein im Gesamtprojekt. Gleichwohl hat ein Votum großen Einfluss auf Entwicklungsprozesse, weit über Olympia hinaus. Man weiß, dass für das Internationale Olympische Komitee bei ihrer Vergabe heute aus gutem Grund die breite Zustimmung der Bevölkerung hoch bewertet. Ein anderer wichtiger Aspekt aus regionaler Sicht sind die Signale, die eine Stadt ungeachtet sportlicher Interessen aussendet, nicht zuletzt mit politischen Folgen auf Wirtschaft und Infrastruktur.
Nicht von ungefähr trat der Wuppertaler Unternehmer Thomas Riedel, der mit seiner Firma seit vielen Jahren Olympische Spiele auf der ganzen Welt mit Funktechnik ausstattet, auch am Freitagabend auf der Bühne am Zoo-Stadion auf und nannte die aus seiner Sicht guten Begründungen für die Bewerbung seiner Stadt, die als Metropole im Zentrum der Rhein-Ruhr-Region von 10 Mio. Einwohnern Konzentration und Nähe verspricht. Wie auch Oberbürgermeisterin Scherff, so wies auch er auf die Fördergelder hin, die bei einem negativen Ausgang in Wuppertal zwangsläufig in andere Regionen abflössen.
Ein Talk rund um Olympia auf der Bühne am Stadion: Moderator Martin Schneider (r.) im Gespräch mit dem Unternehmer Thomas Riedel (l.) und dem Lichtkünstler Gregor Eisenmann – © Siegfried JähneTatsächlich wird bundesweit für die Spiele geworben, die im Land, so der deutschen Verband (DOSB), Zuversicht stiften und zu Höchstleistungen aller Art motivieren könnten. Erwartet werden in diesem Zusammenhang für Bewerberstandorte auch finanzielle Unterstützungen von Land und Bund für den Ausbau von Infrastruktur, sollten sie tatsächlich Austragungsort der Spiele werden. Die zusätzlichen Mittel könnten zum Beispiel den ÖPNV verbessern und Wohnraum schaffen, heißt es.
Perspektiven für kommende Generationen
Bei der Wuppertaler Bewerbung geht es um die „Locations“ Stadion am Zoo und die Schwimmoper, die sich für Fußball und Wasserball anbieten. Dabei denkt man hier nicht unbedingt an die ganz großen Wettbewerbe, denn auch die kleineren Begegnungen versprechen ja interessant zu sein, zum Beispiel die „Paralympics“ oder auch schlicht Vorrunden-Wettkämpfe, etwa im Fußball, wo man gerade kleinere Arenen benötigt. Und da es bei dieser Bewerbung sowohl um die Spiele 2036 (inzwischen stark in Frage gestellt!) als auch 2040 oder 2044 geht, geht es auch um die Perspektiven einer Generation, die noch gar nicht geboren ist, worauf die in Wuppertal fachlich zuständige Alexandra Szlagowski gerne hinweist.
Auf der Bühne von Martin Schneider versammelten sich dann auch ehemalige Wuppertaler Olympia-Medaillengewinner quasi „Generationen-Übergreifend“, nämlich Holger Fach (Fußball), Simone Osygus und Peter Nocke (beide Schwimmer) sowie Jochen Wollmert (Tischtennis, Paralympic). Alle schwärmten von ihren großartigen Erlebnissen und berichteten aus dieser spannenden Zeit-Epoche.
„Wahl-Deadline“ ist der 19 April
Die Ideen von Lichtkünstler Gregor Eisenmann brachten das Element Wasser symbolisch von der einen olympischen Spielstätte, der Schwimmoper, zu der anderen, dem Stadion am Zoo, musikalisch effektvoll untermalt. Ein Ball auf dem Wasser, ein Ball auf dem Rasen und ein Wind voller friedlicher Botschaften vom Lichtkünstler produziert auf 80 m denkmalgeschützter Stadionwand. „Wie gut, das wir die im Zuge der Stadion-Umbauten erhalten haben“, eine durchaus zweideutige scherzhafte Ansage von Martin Schneider, da man für das Geld ein neues Stadion hätte bauen können.
Das Motto der Olympia-Kampagne auf die Tribünen-Rückwand projiziert – © Siegfried JähneKosten musste auch der Lichtkünstler bei seiner Gestaltung im Auge behalten, weil die Olympischen Ringe als solches ein geschütztes Gut sind und nicht kostenlos dargestellt werden dürfen, also beschränkte er sich auf die Darstellung ganz normaler, einfacher Ringe und jeder wußte auch so, um was es am Ende geht.
Für die Abstimmung per Briefwahl gibt es die Deadline“, nämlich den 19 April 2026, die Entscheidung ist dann endgültig. Erste Hochrechnungen sagten zuletzt für Wuppertal einen kleinen Vorsprung der Befürworter voraus. Wuppertal ist aber kein klarer „Ja-Selbstläufer“. Deutliche Pro-Voten sieht man dagegen inzwischen in Düsseldorf, während die wichtige Schlüsselstadt Köln wohl noch in beide Richtungen offen ist. Insgesamt aber werden die Chancen der Region „Rhein-Ruhr“ positiv eingeschätzt, vor allem auch der Tatsache geschuldet, dass viele Einrichtungen bereits vorhanden sind und nicht wie anderorts nach den Spielen Brachen zu befürchten sind.
Der weite Weg zu den Spielen
Wie auch immer: Vor der Wahl ist nach der Wahl. Erst wenn die Entscheidung über die deutschen Bewerbungen München, Hamburg, Berlin und „RheinRuhr“ vom deutschen Verband (DOSB) im Herbst diesen Jahres getroffen ist, geht die deutsche Bewerbung in das internationale Rennen. Hier gibt es mit den USA, Asien, Afrika und dem Nahen Osten wichtige internationale Konkurrenz.
Deutschland werden für 2040 gute Chancen eingeräumt, gilt indes aber nicht als Favorit, eher die USA. Wichtig sei, so hört man, das Vertrauen des IOC in ein glaubwürdiges Konzept des Bewerberlandes, das die Zustimmung der jeweiligen Bevölkerung gefunden haben sollte. Wuppertal kann da also ein (ganz kleines), gleichwohl nicht unwichtiges, Zeichen setzen.
Text Siegfried Jähne
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