27. März 2026Peter Pionke
WSV mit neuen Gesichtern in eine schwierige Zukunft
Der neugewählte Verwaltungsrat des Regionalligisten Wuppertaler SV: In der Mitte Ex-Oberbürgermeister Andreas Mucke, der mit überwältigender Mehrheit gewählt wurde – © rot-blau.comDer große Eklat blieb bei der mit Spannung erwarteten Jahreshauptversammlung (JHV) im Barmer Bahnhof aus. Die dreistündige Versammlung lief erstaunlich ruhig ab, fraglos ein Verdienst der geschickten Regie des nur noch zweiköpfigen Vorstandes. Neben Leonhardt wirkte hier auch Ludger Kineke mit seinen immer sachlichen und geschickten Einlassungen als diplomatische Integrationsfigur. Da, wo es eng wurde, stellte er die Gründung eines „Arbeitskreises“ in Aussicht, womit er die Lösung des Problems erst einmal vertagte.
Das wurde unter Punkt „Anträge“ besonders deutlich, als Sprecher der Fan-Gruppierungen ans Mikro traten und um Beantwortung der „quälenden Fragen“ nach den Entscheidungsgrundlagen der jüngsten Vergangenheit stellten, die auf den Trainerwechsel, aber auch auf der Freistellung von Sportdirektor Gaetano Mano zielten.
Als Moderator Jürgen Harmke unterbrach und auf die Tagesordnung verwies, gab es lautstarke Proteste aus dem Publikum. Erst nach kurzer Diskussion konnten die Fragesteller ihren Vortrag fortführen, ohne wirklich befriedigende Antworten zu bekommen. Bei anderen im Raum stehende Themen, etwa nach den Hintergründen des Ausscheidens von Vorstandsmitglied Thomas Richter oder Marvin Klotzkowsky, blieben die Aussagen vom Podium eher vage oder wurden mit dem Ausdruck des Bedauerns und des Verständnisses begleitet.
Dr. Jochen Leonhardt, Finanzvorstand des Wuppertaler SV – © Siegfried JähneDirk Policks „brachialer“, aber erfolgreicher Einsatz
Als Sieger durfte sich bei dieser Mitgliederversammlung aber vor allem Bäckermeister Dirk Polick sehen. Er erhielt bei der Verwaltungsratswahl 164 Mitglieder-Stimmen und wartete als einziger Bewerber mit einem zukunftsorientierten Personal-Konzept auf, was am Ende offenbar in Gänze als erfolgversprechend angesehen wurde. Policks Einsatz wurde indessen von einigen Protagonisten als zu brachial empfunden, was ihm wohl dann bei der Wahl auch einige Stimmen kostete. Der bisherige Vorsitzende, Dr. Jürgen Hoss, fühlte sich von Polick hintergangen und nannte Policks Wirken sowie sein Missfallen über den Stil des Gremiums bei der Trennung von Gaetano Manno, neben seinem Lebensalter als Grund für seine Nicht-Kandidatur und seinen Rücktritt.
Zuvor hatte sich das langjährige und „dienstälteste“ Verwaltungsrat-Mitglied Harald Lucas aus dem Kandidatenkreis spektakulär zurückgezogen. Er beschuldigte Dirk Polick, ihm unterstellt zu haben, er habe Personen, die für ihn stimmen würden, eine Belohnung versprochen. Harald Lucas kündigte öffentlich die Beschreitung des Rechtsweges an.
Heimo Schitters Einsatz wurde belohnt
Mit Heimo Schitter (187 Stimmen) schaffte es der Baufachmann als Zweitplatzierter als einziger, aus der ganz alten Garde in den Verwaltungsrat. Die Versammlung honorierte damit seine erkennbaren, unermüdlichen, kämpferischen Einsätze für die Belange des Vereins. Dicht gefolgt von Marc Schulz (182). Der heutige Koordinator im Büro der Oberbürgermeisterin Scherff und ehemaligen Vorsitzender der Grünen-Fraktion ihm Stadtrat versprach eine bessere, strategische Ausrichtung im Wuppertaler SV.
WSV-Mitglieder bei der Stimmabgabe zur Wahl des neuen Verwaltungsrates – © Siegfried JähneDie weiteren Platzierungen: Benedikt Post (166), Jens Klein (160), Ralf Bartsch (159), Bernd Gläßel (155) und Christian Wimmer (153). Nicht in den Verwaltungsrat schafften es Uwe Mausbeck (61 Stimmen), Silvio Pagano (41), Ralf Dasberg (30) und Guido Gehrenbeck (29). TV-Journalist Markus Lindemann hatte noch kurz vor der Wahl einen Rückzieher gemacht und dabei Dirk Polick massiv angegriffen, der keine Ahnung vom Fußball hätte und trotzdem im Falle von Gaetano Manno kräftig an dessen Stuhl gesägt habe.
Gute Nachrichten von Anker-Sponsor EMKA
Dr. Leonhard bezifferte das absehbare derzeitige finanzielle Defizit der laufenden Saison mit (nur) 18.000 Euro, was er mit erhöhten Kosten, aber auch mit unerwarteten Strafzahlungen sowie einem reduzierten Besucherschnitt begründete. Waren in der Saison 24/25 im Schnitt noch gut 1.900 Zuschauer gekommen, reduzierte sich die Durchschnittswerte in diesem Jahr sogar auf nur noch 1.500 – und das inklusive von Freikarten für Jugendliche.
Gute Nachrichten aber gibt es vom Ankersponsor EMKA, der seinen Sponsor-Beitrag bekanntlich kräftig reduziert hatte. Allerdings, so Leonhardt, habe mit EMKA ein Weg gefunden werden können, die Verbindlichkeiten, die der WSV durch den Vorabverkauf wertloser Gesellschaftsanteile angehäuften Verbindlichkeiten schrittweise abzubauen: Und zwar um 1,25 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2025, um eine weitere Marge im zweiten Halbjahr. Den Rest werde Emka in 2026 übernehmen. Die Mitgliederversammlung entlastete der Verwaltungsrat darauf bei nur wenigen Gegenstimmen.
Ludger Kineke, Vorstandsmitglied des Wuppertaler SV – © WSVPlan „B“ mit Abstieg wird realistischer
Wenn auch nur am Rande, so kam erstmals auch ein „Plan B“ zur Sprache. Für den Fall eines Abstiegs plane man weiter mit dem Stadion am Zoo, die mögliche Ausweich-Spielstätte „Gelber Sprung“ wurde verworfen, auch weil dort keine Kostenvorteile zu erwarten seien. Diese Information wurde von den Mitgliedern mit großem Beifall aufgenommen.
Dass man sich mit dem möglichen Abstieg sieben Spieltage vor Saisonende vertraut machen muß, wurde auch am Rande deutlich, als man von der anwesenden Mannschaft das jüngste Ergebnis eines Testspieles gegen den niederländischen Zweitligisten FC Den Bosch vom gleiche Tag erfuhr, das mit 1:0 verloren ging. Für den WSV war es das vierte Spiel in Folge ohne eigenen Torerfolg. Schlimmer auch: Semir Saric, Josue Santo und Marko Stojanovic fehlten erkrankt, Aldin Dervisevic soll wegen muskulärer Probleme erst nächste Woche wieder ins Training einsteigen. Mittelfeld-Akteur Imad Lamnaour Sekaki fiel bereits nach 15 Minuten mit Nasenbeinbruch aus und auch Subaru Nishimura schied verletzt aus, fehlt aber ohnedies wegen einer Rot-Sperre zwei Spieltage.
Dr. Jürgen Hoss, bisheriger Vorsitzender des WSV-Verwaltungsrates, stellte sich diesmal nicht mehr zur Wahl – © Siegfried JähneWichtige Entscheidungen stehen noch aus
Auch wenn die Mitgliederversammlung gute Zukunftsansätze, insbesondere auch in den Abteilungen Jugendfußball oder Kinderturnen zeigten, die Perspektiven für den WSV haben sich nicht unbedingt verbessert, denn die finanzielle Situation für die nächste Spielzeit ist noch relativ offen. Und die Zeit drängt, will man da noch rechtzeitig an wichtigen personellen Weichenstellungen, ob beim Spielerpotential oder gar im unterbesetzten Vorstand, herantreten. Für den neuen hoch motivierten Verwaltungsrat also maximal herausfordernde Aufgaben.
Text Siegfried Jähne
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