27. März 2026Peter Pionke
Wichtige Punkte gegen den Abstieg: BHC siegt beim HSV
BHC-Torhüter Christopher Rudeck zeigte eine starke Leistung in Hamburg und konnte sich über zwei wichtige Punkte im Kampf gegen den Abstieg freuen – © Archivfoto Jochen ClassenOhne Nico Schöttle (Schulterprobleme), aber dafür mit Elias Scholtes, der sich nach einer Sprunggelenksverletzung zurückmeldete, trat der BHC in der Sporthalle Hamburg an. Von Anfang an war die Fehlerquote hoch. Diverse Bälle gingen im Angriff verloren, so dass der gute Start von Torhüter Christopher Rudeck in die Karten spielte. Daher gerieten die Gäste zunächst nicht in Rückstand, mussten sich allerdings darüber ärgern, ihren kleinen Vorsprung nicht auszubauen.
Denn wenn die Löwen auf das Tor warfen, landete der Ball fast immer im Netz. Bis zum Schlusspfiff parierte Robin Paulsen Haug zwischen den HSV-Pfosten lediglich sechs Bälle, was eine Fangquote von 15 Prozent bedeutete. So waren die Chancen für viele Treffer da, doch eigene Fehler hemmten die Entwicklung des Ergebnisses.
Trotzdem war der BHC die bessere Mannschaft, die viele schöne Tore erzielte. Sören Steinhaus übernahm erneut erfolgreich die Verantwortung, Johannes Wasielewski traf vor der Pause ebenfalls vier Mal, und auch über den Kreis lief beim BHC viel – sowohl mit Aron Seesing als auch Lars Kooij.
In der Deckung hatte die Mannschaft ebenfalls Zugriff, so dass sie nach 20 Minuten mit 12:9 führte und die Gelegenheit hatte, die Weichen etwas nachhaltiger zu stellen. HSV-Trainer Torsten Jansen setzte allerdings auf das Sieben gegen Sechs – eine Maßnahme, die Erfolg hatte. Rudeck, der bis dahin gut im Spiel war, sah sich nun deutlich mehr Abschlüssen aus sechs Metern gegenüber. Den Hamburgern fiel das Tore werfen offensichtlich leichter.
Noah Beyer (Nr. 2) steuerte 5 Treffer zum Erfolg in Hamburg bei – © Archivfoto Jochen ClassenTrotzdem gelang es den Löwen, den Vorsprung vorerst zu halten. Im letzten Angriff vor der Pause aber ging wieder ein Ball durch einen Fehlpass verloren, so dass es nicht zum Abschluss zum möglichen 19:16 kam. Stattdessen konterten die Gastgeber und trafen durch Kaj Geenen zum Anschluss.
Das 18:18 ließ nach der Pause nicht lange auf sich warten. Bis zum 25:25 war das Match nun komplett offen – es hagelte Tore. Dann aber scheiterten die Bergischen zwei Mal in Folge und gerieten zum ersten Mal überhaupt in Rückstand. Fast fünf Minuten blieb der BHC ohne Treffer, hatte dann wieder Mühe und geriet ins Zeitspiel. Beim letzten Pass rechneten die Hanseaten mit einem Abschluss des starken Kim Voss-Fels. Aber der Ball landete bei Noah Beyer, der sich unbemerkt freilief und aus sechs Metern zum 26:26 netzte. Es sollte nicht der letzte Streich des Linksaußen gegen seine künftige Mannschaft gewesen sein.
Der HSV legte noch zwei Mal vor, hatte besonders in Moritz Sauter einen treffsicheren Spieler in seinen Reihen. Er schien es nun auch einfacher zu haben, zu Toren zu kommen. Trotzdem glichen Eloy Morante Maldonado und Kim Voss-Fels jeweils aus. Im nächsten Angriff scheiterte Sauter am eingewechselten Lukas Diedrich, Morante traf zum 29:28 für den BHC. Lars Kooij bestrafte den nächsten Hamburger Ballverlust mit dem 30:28. Als dann auch noch Gerdas Babarskas blockte und Tomas Babak abgezockt auf 31:28 stellte, lag plötzlich wieder der Löwen-Sieg in der Luft.
Doch es wurde noch ein Drama. Der HSV verkürzte nach einer Auszeit und profitierte vom nächsten BHC-Fehler. Babak sorgte mit dem 32:30 für Beruhigung, aber zweieinhalb Minuten vor Schluss fiel der Ausglich dennoch. Nun zählte es: Steinhaus knallte die Kugel zum 33:32 in die Maschen, den nächsten Angriff der Hausherren verteidigte der BHC bravourös. Bei 60 Sekunden auf der Uhr hatten die Löwen die Riesenchance zur Entscheidung. Und Beyer schlug erneut zu. Er verwandelte von außen zum 34:32, Fynn Hangstein legte das 35:33 hinterher. Was für ein Sieg.
Das BHC-Trainergespann Arnor Thor Gunnarsson (l.) und Markus Pütz hat genau die richtige Taktik für das wichtige Spiel in Hamburg ausgetüftelt – © Archivfoto Jochen ClassenStimmen zum Spiel
Markus Pütz: „Wir sind sehr zufrieden, dass wir zwei Punkte in Hamburg geholt haben – die sind sehr wichtig für uns. Wir spielen eine gute erste Halbzeit, machen uns aber das Ergebnis durch unsere technischen Fehler kaputt. Wir begehen im ganzen Spiel 14 Stück, Hamburg macht sieben. Das ist ein hohes Missverhältnis. Deshalb geht es nur mit 18:17 in die Halbzeitpause, obwohl wir schon 17:14 geführt haben. Es war sicher kein Spiel, das von den Torhütern geprägt war. Aber wir mussten gut angreifen, weil Hamburg eine überragende Qualität in der Offensive hat. Wir hatten Probleme im Sieben gegen Sechs. Da haben wir nicht die Lösungen gefunden, so dass es uns entgegenkam, dass Niklas Weller schon früh zweimal zwei Minuten hatte. Gerade in der Phase, als das Spiel hätte kippen können bei 26:25, haben wir es wieder gedreht. Da machen die Jungs auch in der Schlussphase immer wieder vorne abgezockt Tore. Das war schon stark. Deswegen haben wir wichtige Punkte im Abstiegskampf geholt.“
Torsten Jansen: „Es war letztlich ein verdienter Sieg, auch wenn ich das ungern heute sage. Alleine statistisch kann man in den Wurfquoten Unterschiede sehen. Die waren bei uns nicht so gut. Wir haben dann auch einfache Tore bekommen. Das schlägt irgendwann aufs Gemüt. Als wir die Phase hatten, in der wir dann mal führen, haben wir den Moment nicht genutzt. Das ist einfach schade. Das war auch die Situation, in der wir lange verteidigen und am Ende Noah Beyer dann irgendwie den Ball bekommt und wir da ein bisschen pennen. Das macht einen schon fertig – auch das eine oder andere Eier-Tor. Das reiht sich dann aneinander, und in der Summe ist es dann zu viel. Wir stehen mit leeren Händen da, was mich unheimlich wurmt. Das Spiel wollten wir unbedingt gewinnen. Wir hatten eine gute Woche nach der Länderspielpause. Aber da kann man wieder sehen, dass es alles trügt. Egal wie man trainiert hat, ob es dann auch umgesetzt wird, ist eine andere Frage. Die Punkte haben wir liegenlassen. Wir wollten sie holen, zu Hause hätten wir sie eigentlich holen müssen. Schade, aber so ist es.“
Fabian Gutbrod: „Nüchtern analysiert haben wir zu viele technische Fehler gemacht und zu viele Würfe von sechs Metern bekommen. Trotzdem gewinn wir, weil wir mental extrem gut gewesen sind. Weil wir gut angegriffen und viele Zweikämpfe gewonnen haben. Weil wir einen breiten Kader hatten, in dem eigentlich alle Spieler funktioniert haben. Das waren sehr wichtige zwei Punkte. Enorm geholfen hat uns Kim Voss-Fels. Er war unheimlich emotional, hat gut gedeckt und hat zwei ganz wichtige Tore geworfen.“
HSV Hamburg – Bergischer HC 34:35 (17:18)
HSV Hamburg: Paulsen Haug, Pein – Gadza, Norlyk (1), Kofler, Lassen (4), Jörgensen (5/1), Weller (3), Geenen (6), Botta, Andersen (5/1), Apelt, Olafsson, Sauter (10), Valiullin. Trainer: Torsten Jansen
Bergischer HC: Rudeck, Diedrich – Beyer (5/2), Becher, Hangstein (4), Steinhaus (7), Morante Maldonado (2), Babak (2), Babarskas, Seesing (3), Kooij (4), Thiele, Wasielewski (4), Voss-Fels (2), Scholtes, Fuchs (2). Trainer: Arnor Gunnarsson und Markus Pütz
Schiedsrichter: Julian Köppl und Denis Regner
Siebenmeter: 2/4 – 2/2
Zeitstrafen: 3 – 2 (Weller (2), Kofler – Wasielewski (2))
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