21. März 2026

Sport und Religion: Fußball im Ramadan

In diesen Tagen endet für Muslime der Fastenmonat Ramadan. Der Umgang mit dem islamischen Fest und der damit verbundenen Fastenzeit ist in den Fußball-Bundesligen in den meisten Stadien bei Abendspielen zu einem festen Bestandteil des Spielbetriebs geworden. Dort gibt es  zusätzlichen Trinkpausen während der Partien. Ganz anders in den unteren Spielklassen, etwa den Fußball-Regionalligen wie beim Wuppertaler SV.

Amin Bourzraa jubelt nach seinem „Zaubertor“ in der Nachspielzeit gegen die U23 des 1. FC Köln. Seither kam der Muslim nicht mehr zum Einsatz – © Archivfoto Jochen Classen

Hier herrscht eher eine gewisse Sprachlosigkeit, es gibt keine dokumentierten Hinweise auf Auswirkungen, geschweige denn eine öffentliche Diskussion. Dabei sind volljährige Muslime angehalten, jeden Tag bis zum Einbruch der Dunkelheit zu fasten, was sicher nicht ohne Einfluß auf die Leistungen bleiben kann. „Es fehlt Energie und Kraft, das merkt man schon“, berichtete Semih Sahin vom 1. FC Kaiserslautern kürzlich in einem Interview.

Während des Fastenmonats verzichten Muslime traditionell zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang auf jegliche Speisen und Getränke. Selbst einfaches Wasser ist bis zum Fastenbrechen bei der abendlichen Iftar-Mahlzeit nicht erlaubt. Für Profisportler, deren Leistungen sehr stark von der richtigen Ernährung, Hydration und Regeneration abhängen, stellt das eine besondere Herausforderung dar.

Unterbrechungen nach Sonnenuntergang

Spieler, Vereine und Schiedsrichter haben indessen vielfach schon Wege gefunden, Leistungssport und religiöse Traditionen zu vereinbaren. Beispielsweise werden ganze Trainingseinheiten in die Abendstunden verlegt. Die meisten Ligen des Kontinents und die internationalen UEFA-Wettbewerbe haben für den Ramadan längst eine Unterbrechungspraxis etabliert. Die Bundesliga beispielsweise unterbricht die Spiele mit Trinkpausen seit 2022, damit soll muslimischen Spielern ermöglicht werden, nach Sonnenuntergang ihr Fasten zu brechen, ohne das Spielgeschehen zu beeinträchtigen.

In einigen Ligen, wie der Premier League, gibt es feste Absprachen, die dies ermöglichen. Wenn ein Spiel während oder kurz nach Sonnenuntergang stattfindet, unterbricht der Schiedsrichter die Partie bei nächster Gelegenheit (z. B. Einwurf, Fouls, Spielunterbrechung) für einen kurzen Moment. Die fastenden Spieler nutzen die Pause, um am Spielfeldrand Wasser zu trinken, Datteln zu essen oder Energiegels zu sich zu nehmen. Die Entscheidung, ob ein muslimischer Spieler fastet oder nicht, kann jeder nur persönlich treffen.

Pep Guardiola fordert Respekt

Dass diese Entscheidung dann nicht immer ungeteilten Beifall bei den Fans findet, war unlängst beim Premier League Spiel zwischen Leeds United und Manchester City zu vernehmen, als hier laute Buhrufe der Leeds-United-Anhänger von von den Rängen schallten. Dafür gab es heftige Kritik – unter anderem von Manchester-Coach Pep Guardiola: „Es gibt Menschen, die wegen des Ramadan fasten. Warum buht ihr, wenn das Spiel für ein oder zwei Minuten unterbrochen wird? Zeigt etwas Respekt gegenüber der muslimischen Religion! Wir leben doch in einer modernen Welt, oder? Schaut, was heute in der Welt passiert. Es geht darum, alle Religionen zu respektieren. Wo ist das Problem?“

Auch der Name von Abwehr-Chef Aldin Dervisevic fehlt seit der Partie gegen den 1. FC Köln U23 auf dem Spielberichtsbogen – © Archivfoto Jochen Classen

FC Schalke 04 hat acht „fastende“ Spieler

Offen, aktiv und positiv, geht Zweit-Bundesligist FC Schalke 04 mit dem Fastenmonat Ramadan um, insbesondere durch die Unterstützung von Spielern (Iftar-Pause): In der 2. Bundesliga kam es im März 2026 zu Unterbrechungen von Schalke-Abendspielen, um den muslimischen Spielern zu ermöglichen, nach Sonnenuntergang ihr Fasten zu brechen. Ein bekanntes Beispiel war eine Unterbrechung nach etwa 22 Minuten, die von Erstliga-Schiedsrichter Tobias Reichel im Spiel gegen Arminia Bielefeld  beim Stande von 1:0 ermöglicht wurde. Kurz nach Sonnenuntergang erhielten die fastenden Spieler die Möglichkeit, ihr tägliches Fasten zu beenden.

Miron Muslic, 42jähriger Cheftrainer des FC Schalke 04 mit bosnischen Wurzeln, zeigte sich dankbar gegenüber gegnerischen Mannschaften, die einer solchen Pause zugestimmt haben, um den sieben bis acht fastenden Spielern in der Mannschaft Respekt entgegenzubringen.

Fragezeichen beim Wuppertaler SV

Auch beim Wuppertaler SV gibt es mehrere Spieler mit muslimischer Glaubensausrichtung. Es kommt zu Spekulationen, weil Leistungsträger wie Amin Bouzraa (bisher 5 Tore) und Abwehr-Chef Aldin Dervisevic von Chef-Coach Mike Wunderlich für drei Spiele bis nach der Partie gegen die Sportfreunde Lotte am 21. März vom Trainings- und Spielbetrieb freigestellt sind. Ausgerechnet an dem Tag endet der Ramadan.

Von irgendwelchen Verfehlungen der besagten Spieler war ausdrücklich nicht die Rede. Und Trainer Wunderlich betonte in der Pressekonferenz vor dem Lotte-Spiel, dass er mit Bouzraa und Dervisevic ständig in Kontakt stehen würde. Das wirft die Frage auf: Will er in der heißen Phase des Abstiegskampfes ganz bewusst nur auf Spieler setzen, die körperlich topfit auflaufen können und nicht möglicherweise durch religiöses Fasten geschwächt sind? Diese Frage dürfte spätestens nach dem Spiel gegen die Sportfreunde aus Lotte beantwortet werden.

Text: Siegfried Jähne

 

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