20. März 2026Peter Pionke
KZ-Überlebender Altmann mit 103 Jahren gestorben
Der Auschwitz-Überlebende Jacques Altmann ist jetzt im Alter von 103 Jahren in Paris gestorben- © Begegnungsstätte Alte SynagogeJacques Altmann, der eigentlich Adolf mit Vornamen hieß, nahm nach dem Krieg den Namen seines von den Nazis ermordeten jüngeren Bruders Jakob (Jacques) an. Er wurde am 3. März 1923 als zweiter Sohn des Schneiders Sucher Altmann und seiner Frau Dina Schwarz in Elberfeld geboren.
In der Paradestraße 29 betrieben die Eltern eine Schneiderei. 1932 zog die Familie nach Dortmund um, aber weil der Vater im Verdacht stand, Kommunist zu sein, verließ die mittlerweile fünfköpfige Familie schon kurz nach der nationalsozialistischen Machtübernahme Deutschland und flüchtete nach Frankreich. Dort ließ sie sich in Nancy, später dauerhaft in Romainville bei Paris nieder. Auch hier verdienten die Altmanns ihren Lebensunterhalt mit einer Schneiderei. In Romainville wurden nach den drei Söhnen nun noch zwei weitere geboren.
Jacques, der Sportler und leidenschaftlicher Boxer war, wurde 1941 zum ersten Mal verhaftet, weil er sich in eine Schlägerei mit Nazis verwickeln ließ, die das Geschäft seines Vaters mit NS-Propaganda beklebt hatten. Er landete in einem Pariser Gefängnis, konnte durch ein Fenster entkommen und flüchtete auf einem Polizeifahrrad nach Sablé in der Sarthe, später nach Nantes.
Ein Familienfoto der Altmanns aus glücklichen Zeiten – © Begegnungsstätte Alte SynagogeDort schloss er sich unter falschem Namen einer Widerstandsgruppe an, die in ihrer Autoreparaturwerkstatt vor allem Wehrmacht-LKW durch Sabotage untauglich machte. Aber im Rahmen einer Razzia flog Jacques Altmanns wahre Identität auf. Er wurde sofort verhaftet und in das Durchgangslager nach Drancy bei Paris verbracht, um am 10. Februar 1944 in das Vernichtungslager Auschwitz (Polen) deportiert zu werden.
Dort waren seine Eltern und seine vier Brüder bereits im Jahr zuvor, am 3. November 1942, von den Nazis ermordet worden. In Auschwitz wurde Jacques Altmann dem Kommando „Kanada“ zugeteilt, das an der so genannten „Rampe“, der Ort, an dem die Deportationszüge ankamen und an dem die sogenannte Selektion der Häftlinge stattfand, arbeiten musste. Später wurde er in die Effektenabteilung zwangsversetzt, der zentralen Verwaltungsstelle, die für die Registrierung, Lagerung und den Weiterversand der persönlichen Habe der deportierten und ermordeten Häftlinge zuständig war. Im Oktober 1944 wurde Altmann nach Ohrdruf, einem Außenlager von Buchenwald, überstellt, wo er im April 1945 von amerikanischen Truppen befreit wurde. Jacques Altmann war der einzige Überlebende seiner Familie.
In der Dauerausstellung der Begegnungsstätte Alte Synagoge, die Jacques Altmann mit seiner Frau Lucie mehrfach besucht hat, ist ein lebensgeschichtliches Zeitzeugen-Video zu sehen.
Die Nummer, die Jacques Altmann in Auschwitz von den Nazis auf den Arm tätowiert wurde – © Begegnungsstätte Alte SynagogeWeiter mit:
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