11. März 2026Peter Pionke
WSV: Große Unruhe im Klub steigert die Abstiegsgefahr!
Gaetano Manno, sportlicher Leiter des WSV, hat es wahrlich nicht leicht. Zuerst musste er das Kunststück vollbringen, mit einem Mini-Etat eine Regionalliga-Mannschafft zusammen zu stellen, jetzt wird er auch noch von der organisierten Fan-Szene als alleiniger „Spündenbock“ abgestempelt – © Archivfoto Jochen Classen„Unruhe“ von außen wird von verantwortlicher Seite in erster Linie als Hauptursache für den derzeit desolaten Zustand der Mannschaft gesehen. „Feuer im Team“, spürbare Spannungen, offene oder verdeckte Streitigkeiten, wirken nach Expertenmeinung wie ein Gift, welches Produktivität, Arbeitsmoral und den Zusammenhalt nachhaltig zerstören. Unruhen werden häufig im Arbeitsleben als „teure Fehler“ gebrandmarkt.
„Feuer im Team“ wirkt wie Gift
Vor der am 26.März anstehenden Jahreshauptversammlung ist jetzt öffentlich von zwei Lagern die Rede, die sich nicht gerade freundlich gesonnen sind und die Zukunft des Vereins gestalten möchten. Von Bäckermeister Dirk Polic, seit August im Verwaltungsrat und noch Stellvertreter des inzwischen amtsmüden Vorsitzenden Dr. Jürgen Hoss, stammt die Ankündigung, mit einer neuer Mannschaft zur Jahreshauptversammlung antreten zu wollen. Spätestens damit wurden erheblichen Diskrepanzen innerhalb der WSV-Führung erkennbar.
Lange Schatten: Treten Ex-WSVer wieder an?
Aus gut unterrichteten Kreisen war zu erfahren, dass Personen mit WSV-Vergangenheit zurück ins Rampenlicht drängen könnten. In dem Zusammenhang fallen die Namen von Ex-Vorstand Marvin Klotzkowski und von Ex-Verwaltungsrat Eckhard Osberghaus, die sich zur Wahl stellen wollen, so glaubwürdige Quellen. Im Gespräch ist auch Stephan Küster, im Januar ausgeschiedener Sportdirektor beim Drittligisten Viktoria Köln (Vertrag wurde 2026 nicht verlängert). Er soll – so ist zu hören – nach den Plänen des einen Lagers Nachfolger von Sportdirektor Gaetano Manno werden. Dazu passt: Ex-WSV-Sportdirektor Küster ist seit Wochen ständiger Tribünengast im Stadion am Zoo.
Gaetano Manno bezieht klar Stellung zu den bekannt gewordenen Spekulationen: „Ich habe hier innerlich bereits abgeschlossen. Es geht aber nicht um mich, sondern um den WSV. Mein Ziel ist es, die Mannschaft über den Strich zu halten und somit den Abstieg zu verhindern. Das ist immer noch möglich!“
Die Zukunftsperspektiven fehlen
Eine der Kernfragen ist indessen, wie es sein kann, dass das WSV-Team mit etlichen Spielern, denen man durchaus „Regionalliga-Reife“ bescheinigen kann, im Abstiegskampf, wie zuletzt in Wiedenbrück (0:4) oder zuhause gegen Paderborn (1:3), völlig versagen konnte?
Ex-Vorstandmitglied Marvin Klotzkowski (l.) wird nach seinem Rücktritt vom Verwaltungsrats-Vorsitzender Dr. Hoss (M.) und von Vorstand Dr. Leonhardt (r.) verabschiedet – taucht er demnächst als WSV-Verwaltungsratsmitglied wieder auf? – © Jochen ClassenSeit dem 08.02.2025, nach der 0:1-Niederlage beim FC Schalke 04, steht der sportliche Leiter Gaetano Manno im Kreuzfeuer der Kritik. Seither gibt es kaum noch einen WSV-Auftritt, bei dem nicht lautstark oder mit Transparenten – selbst bei erfolgreichen Spielen – der Rauswurf des Sportdirektors gefordert wird. Der Ex-Kapitän und Ex-Publikumsliebling ist als Sportdirektor für die Zusammensetzung des Kaders verantwortlich. Keine Frage. Aber Gaetano Manno stand für den Aufbau einer schlagkräftigen Regionalliga-Truppe nur ein denkbar knapper Etat zur Verfügung. Dennoch wird er von der organisierten Fan-Szene zum alleinigen „Sündenbock“ abgestempelt, während auf der anderen Seite die Mannschaft, die nur selten überzeugt, im Abstiegskampf von den Fans „ohne wenn und aber“ unterstützt wird.
Inwieweit aber strahlt die Unruhe von außen auf das sportliche Team und dessen Spielanlage aus? Die Antwort: Weil Gaetano Manno als sportlicher Leiter durch die Vereinsführung keine klare und unmissverständliche Rückendeckung erfährt, ist seine Autorität nachhaltig beschädigt und damit sein Einfluß und sein Handlungsspielraum stark begrenzt. Nicht wenige Beobachter glauben inzwischen, dass die Vereinsführung mit einem Sündenbock und Blitzableiter Gaetano Manno sehr gut leben kann. „Warum sonst positioniert sie sich nicht eindeutig?“ wird inzwischen gefragt.
Es geht um mehr als um die Person Manno
Dabei geht es um weitaus mehr als die Person Gaetano Manno. Die Spieler, deren Verträge auslaufen, brauchen eine Zukunfts-Perspektive und Planungssicherheit. Doch die kann die Gaetano Manno als vermeintliches Auslaufmodell keinem mehr bieten. Jeder muss davon ausgehen: „Der ist ohnehin bald weg, sein Wort zählt nichts mehr.“ Während andere Klubs schon das Kader-Gerüst für die neue Saison zimmern, kann beim WSV (auch angesichts von Geldnöten) im Moment niemand einem Spieler, der eigentlich gehalten werden soll, ein seriöses, längerfristiges Angebot machen. Diese Tatsache löst große Unsicherheit aus und schlägt sich letztendlich auf die Leistung nieder. Spieler, die sich Sorgen um die Zukunft machen, bringen selten Topform.
Das kann nicht ohne Folgen bleiben, es sei denn, man akzeptiert, dass der WSV – vorausgesetzt er schafft den Klassenerhalt überhaupt noch – auch in der nächsten Spielzeit wieder mit einer komplett neuen Mannschaft antreten muss. Nachhaltigkeit sieht anders aus. Dieses Dilemma dürfte auch eine Folge von Fehlern sein, die lange vor Gaetano Mannos Amtszeit gemacht wurden.
Ungeachtet dieser prekären Ausgangslage hofft man beim WSV aktuell immer noch darauf, dass die bestehenden Chancen auf den Klassenerhalt doch noch genutzt werden. Die nächsten drei Spiel müssen zeigen, ob auch das Umfeld begreift, dass es hier um mehr geht, als um Gaetano Manno und die Kampagne vielleicht doch – als positives Signal an die Mannschaft – ruhen lässt.
Freitag geht es noch Siegen, Dienstag nach SV Rödinghausen, bevor am 21. März die SF Lotte zu Gast sein werden. Theoretisch könnte man da bis zu neun Punkte holen, womit die Welt aus Wuppertaler Fan-Sicht schlagartig wieder besser aussehen würde. Wohlgemerkt könnte. Schon am Freitag sind zumindest mit den beiden zuletzt gelbgesperrten Levin Müller (22) und Toshiaki Miyamoto (26) sowie dem genesenen Marko Stojanovic (31) wieder drei etatmäßige Außenverteidiger dabei, die der Abwehr Halt verleihen könnten.
Text: Siegfried Jähne
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