22. Februar 2026

WSV-Erfolg: Ein Spiel für die Geschichtsbücher

Das könnte ein Spiel für die WSV-Geschichtsbücher gewesen sein. Nach zehn Spieltagen ohne ein gewonnenes Match waren die rotblauen Fahnen beim WSV bereits auf Halbmast. Jetzt gelang dem Wunderlich-Team gegen die U21 des 1. FC Köln in Unterzahl in einer packenden, dramatischen Schlussphase ein nicht unverdienter 1:0 (0:0)-Erfolg. Das Siegtor gegen den Tabellenachten fiel in der 6. Minute der Nachspielzeit mit dem Schlusspfiff. Damit verliessen die Bergischen den möglichen Abstiegsplatz und rückten auf Rang 14 der Tabelle vor.

Der Deutsch-Marokkaner Amin Bouzraa entschied das Spiel gegen die U23 des 1. FC Köln durch seinen grandiosen Treffer in der Nachspielzeit – © Sportfotodienst Wuppertal / Jochen Classen

Der letzte Erfolg des WSV lag Monate zurück. Am 03. Oktober 2025 hatten die Wuppertaler beim 1. FC Bocholt 3:1 gewonnen. Bei den nur noch 1.059 Zuschauern (Negativ-Rekord 2025/26), die sich innerlich schon auf eine Punkte-Teilung eingestellt hatten, entluden sich nach diesem „Lucky Punch“ große Emotionen. Es war eine Begeisterung, wie man sie so im Stadion am Zoo schon lange nicht mehr erlebt hatte. Die Fans hatten schließlich bange Minuten hinter sich, drohte ihnen bei offenem Schlagabtausch, wie schon in unglücklichen Spielen zuvor, durch ein mögliches Gegentor in den Schlussszenen theoretisch ja auch noch ein bitteres Ende.

Ein bitterer Nachmittag für Kölns U21

Von einem „bitteren Nachmittag“ sprach indessen dafür Kölns Coach Evangelos Sbonias: „So haben wir uns das natürlich nicht vorgestellt“. Es war dann tatsächlich ein schier unfassbarer Treffer, den der erst kurz davor (72.) eingewechselte, aus Wermelskirchen stammende 23jährige Deutsch-Marokkaner Amin Bouzraa markierte. Er setze sich auf der rechten Spielhälfte allein durch, hatte aber noch vier Gegenspieler vor sich, als er das Leder von der Strafraumgrenze wuchtig im gegnerischen Netz unterbrachte. Wahrhaft ein „goldenes Tor“!

Aldin Dervisevic scheiterte in der 22 Spielminute mit einem Foulelfmeter an Kölns Torhüter Hauer – ©: Sportfotodienst Wuppertal / Jochen Classen

Sein Trainer Mike Wunderlich erklärte später: „Das Spiel war auf des Messers Schneide. Er ist vom Typ her ein Strassenfußballer, der sich wenig Gedanken macht.“ Amin Bouzraa selbst sagte in einem Interview nach der Partie: „Wir haben Herz und Blut gegeben, alles was wir innen hatten auf den Platz gebracht“.

An einen Sieg hatte man beim WSV-Anhang spätestens seit der 64. Minute nicht mehr glauben können. Da sah Neuzugang Josue Santo die Gelb-Rote Karte. Drittliga-Schiedsrichter Yannick Sager, ein  26 jähriger Dortmund Assistenzarzt für Urologie, hatte eine Unsportlichkeit gesehen. WSV-Coach Wunderlich sprach später von nicht zu übertreffender Dummheit, wenn man im Abstiegskampf sei, schon eine gelbe Karte habe und wenn man dann auch noch den Ball wegschieße. Bei genauerer Betrachtung war dies indessen keine Szene, die eine zweite gelbe Karte zwingend nach sich ziehen musste. Spätestens nach Auswertung der Fernseh-Bildern war klar, Santo hatte den Ball vielmehr nur unglücklich und ungewollt verlängert.

Wunderlichs richtige Taktik

Für den WSV war es bis dahin nur die Fortsetzung einer Pechsträhne, welche schon in der  22. Minute seinen Anfang nahm. Der starke Josue Santo wurde im Strafraum von Kölns Keeper Luis Hauer gefoult. Den fälligen  Elfmeter konnte Aldin Dervisevic jedoch nicht verwandeln. Der Kölner Keeper ahnte – oder kannte?- offenbar Dervisevics Lieblings-Ecke und parierte bravourös.

Josue Santo (blaues Trikot) lieferte eine starke Leistung ab, holte den Foulelfmeter heraus, handelte sich dann aber wegen Ballwegschlagens die gelb-rote Karte ein – © Sportfotodienst Wuppertal / Jochen Classen

Es war die erste Großchance eines an Chancen nicht armen Spiels. Santos Kopfball (8.) und  Müllers verpasste Aktion (61.) aus sechs Metern und Aydogans toller Schuss aus 20 Metern (79.), der nur die Latte traf, hätten ebenso die Führung sein können, Genauso wie Duncans Kopfball (85.) oder Schaubs Grätsche (87.). Beide Male landete der Ball knapp neben dem Kölner Tor. Aber auch die Domstädter hatten ihre Möglichkeiten, die mehr als einmal WSV-Keeper Michael Luyambula mit Glanzparaden zunichte machte.

Spielentscheidend war, dass der WSV trotz Unterzahl gegen eine stärker werdende Kölner Mannschaft leidenschaftlich kämpfte und weiterhin auf Sieg spielte. Hier hatte Trainer Wunderlich nach dem Platzverweis für Santos mit dem Einsatz von Amin Bouzraa (für Subaru Nishimura 72.) die richtige, am Ende erfolgreiche, Taktik gewählt.

Kölns Trainer Evangelos Sbonias sagte, dass ihm aufgrund des Platzverweises und der Platzverhältnisse klar war, dass es dann „wild“ werden würde. Er deute auch an, dass die ständige Umstellung in seinem Team aufgrund der personellen Anforderungen aus der Bundesliga-Mannschaft ein ständiges „Umkrempeln“ zur Folge hätten. „Aber in der ersten Halbzeit blitzte auf, was die Jungs imstande sind zu leisten.“ Der Fehler sei nur gewesen, am Ende das Tor zu kassieren.

Riesenjubel nach dem Schlusspfiff. Der WSV hatte in Unterzahl drei wichtige Punkte gegen den Abstieg erkämpft – © Sportfotodienst Wuppertal / Jochen Classen

„WSV-Fans haben uns  Kraft gegeben“

Für den WSV geht es jetzt in eine entscheidende Phase. Nächsten Samstag  trifft man auswärts auf Schlusslicht SC Wiedenbrück, dann am 25. Spieltag zu Hause auf SC Paderborn 07 II. Hier müssen unbedingt Punkte für den Klassenerhalt geholt werden, um das Abstiegsgespenst zu vertreiben. Den Grundstein hat das WSV-Team nach dem 1:5-Debakel in Schalke durch den Erfolg über Köln mit einer bemerkenswerten Einstellung gelegt. Wie sagte Amin Bouzraa treffend: „Wir müssen diesen Sieg genauso abhaken, wie die Niederlage in Schalke, aber nach Wiedenbrück die Motivation und das Selbstvertrauen mitnehmen.“

Sein besonderes Lob galt dann noch den WSV-Fans, die der Mannschaft bis zur letzten Minute erst die Kraft verliehen hätten, so zu spielen. Und in der Tat war der „Support“ der Anhängerschaft wieder wie in besten Zeiten. Sie alle folgten auch dem spektakulären Aufruf von Stadionsprecher Jonas Jütz zwei Minuten vor dem Abpfiff, sich von den Plätzen zu erheben um so das Siegtor noch zu erzwingen…

Wie wichtig ein Durchstarten für den Wuppertaler SV ist, zeigen nicht zuletzt erste Ergebnisse einer vom DFB eingesetzten Arbeitsgruppe zur Reform der Regionalligen. Ihr sogenannte „Kompass-Modell“ mit Berücksichtigung regionaler Elemente, sieht eine nur noch viergleisige Regionalliga mit jeweils 20 Mannschaften vor. In dieser Debatte um eine Anpassung der Aufstiegsregelung und eine Neustrukturierung der Regionalligen gibt es allerdings aktuell noch keine endgültige Lösung.

Text: Siegfried Jähne

So strahlen Sieger: Die WSV-Spieler Dervisevic, Bouzraa und Nishimura (v.l.) feiern den späten Sieg ihrer Mannschaft – © Sportfotodienst Wuppertal / Jochen Classen

Wuppertaler SV – 1. FC Köln U23 1:0 (0:0)

Aufstellung Wuppertaler SV:

Luyambula – Stojanovic, Dervisevic, Rebronja (83. Schaub), Nishimura (72. Bouzraa) – Duncan, Durgun (57. Hirschberger), Miyamoto – Aydogan, Santo, Heim (57. Müller).

Aufstellung 1. FC Köln U23:

Hauer – Özkan, Dabrowski, Mausehund – Neumann, Kristal, Borie (39. Yacobi), Harchaoui, Friemel (78. Dürholtz) – Adamyan, Lennemann (64. Akumu).

Tor: 1:0 Bouzraa (90.+6).

Gelbe Karten: Santo (31.), Aydogan (66.), Luyambula (77.) – Kristal (31.), Friemel (78.)

Schiedsrichter: Yannick Rupert (26), SC Husen-Kurl (Dortmund).

Zuschauer: 1.059

Stadion: Stadion am Zoo

WSV-Trainer Mike Wunderlich (r.) war die große Anspannung bei der Pressekonferenz nach dem Spiel noch ins Gesicht geschrieben. Köln-Coach Evangelos Sbonias (l.) ist die Enttäuschung deutlich anzusehen. In der Mitte WSV-Stadionsprecher Sam Barth – © Sportfotodienst Wuppertal / Jochen Classen

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