14. Februar 2026

Arthur Schnitzlers „Traumnovelle“ digital veröffentlicht

Die „Traumnovelle“ des österreichischen Arztes, Erzählers und Dramatikers Arthur Schnitzler gehört zu den bedeuteten deutschsprachigen Novellen des 20. Jahrhunderts. Weltweit bekannt wurde sie 1999 durch „Eyes Wide Shu“, dem letzten Film des US-amerikanischen Regisseurs Stanley Kubrick (*26.07.1928 - †07.03.1999). Die Hauptrollen spielten Tom Cruise, Nicole Kidman und Sydney Pollack. 

Prof. Wolfgang Lukas, Lehrstuhl für Neuere deutsche Literaturgeschichte und Editionswissenschaft, ist einer der Motoren des Forschungsprojektes „Arthur Schnitzler digital“ – © Friederike von Heyden

Zum 100. Jubiläum der Erstveröffentlichung der „Traumnovelle“ als Buch präsentiert das Forschungsportal „Arthur Schnitzler digital“ der Bergischen Universität nun eine historisch-kritische Edition des Textes mit allen überlieferten Dokumenten, die zur Entstehung der Traumnovelle gehören.

Das „Virtuelle Archiv“ der Schnitzler-Edition umfasst sämtliche überlieferte Dokumente des Autors in digitaler Reproduktion, darunter Textentwürfe, handschriftliche Notizen und andere Materialien. 

Im Mai 1926 erschien die „Traumnovelle“ von Arthur Schnitzer (*15.05.1869 – †21.10.1931) als Buch im Berliner S. Fischer Verlag. Im Mittelpunkt der Geschichte steht das Ehepaar Fridolin und Albertine. Die beiden gestehen sich erstmals ihre Sehnsüchte nach erotischen Abenteuern mit anderen Partnern und drohen sich daraufhin zu verlieren. Infolge eines wechselseitigen Erkenntnisprozesses und nach einer Reihe von Abenteuern finden sie schließlich wieder zueinander und scheinen am Ende auf einer neuen Ebene vereint.

Das „Virtuelle Archiv“ der Schnitzler-Edition umfasst sämtliche überlieferte Dokumente des Autors in digitaler Reproduktion, darunter Textentwürfe, handschriftliche Notizen und andere Materialien. Hier zu sehen ist eine Skizze zur Novelle vom 20.6.1907 – © Quelle Arthur Schnitzler digital/University Library Cambridge.

Der Entstehungsprozess der in früheren Fassungen noch mit einer Trennung der Partner endenden Erzählung ist eng mit Schnitzlers Lebensgeschichte und dem Auseinanderbrechen der eigenen Ehe verwoben. Auf welche faszinierende Weise seine 1925 fertiggestellte Geschichte von (Un-)Treue, Liebe und Eifersucht im Verlauf von rund vierzig Jahren Gestalt annahm und schließlich doch ihr „Happy End“ bekam, lässt sich jetzt mit Hilfe des erstmals vollständig edierten, knapp vierhundert Seiten umfassenden Materials auf dem Forschungsportal „Arthur Schnitzler digital“ im Detail verfolgen.

Die Edition präsentiert auch den zunächst handschriftlich notierten und später ausgeführten Entwurf zu einem Filmskript, das Schnitzler Ende 1930 begann. Zu seinen Lebzeiten kam die geplante Tonverfilmung nicht mehr zustande. Knapp 70 Jahre später realisierte dann aber Stanley Kubrick mit „Eyes Wide Shut“ eine mehrfach ausgezeichnete Verfilmung von Arthur Schnitzlers Meisterwerk.

„Traumnovell“ – Arthur Schnitzler – Zenodot Verlagsgesellschaft – 72 Seiten – ISBN-10: 3843015872 – ISBN-13: 978-3843015875

Über Arthur Schnitzler

Arthur Schnitzler wurde am 15. Mai 1962 in Wien (Österreich) geboren. Er starb am 21. Oktober in Wien an den Folgen einer Hirnblutung. Der Arzt, Erzähler und Dramatiker gilt als einer bedeutendsten Vertreter der Wiener Moderne. Er war ältestes Kind des jüdischen Medizinprofessors und Laryngologen Johann Schnitzler und dessen Ehefrau Luise. Er hatte noch einen Bruder und eine Schwester. Nach dem Abitur studierte Arthur Schnitzler auf Wunsch seines Vaters an der Universität Wien Medizin. Im Mai 1885 promovierte er zum Dr. med. und arbeitete danach als Assistenzarzt im Allgemeinen Krankenhaus Wien und später als Assistent seines Vater in der Poliklinik Wien. In dieser Zeit veröffentlichte er Publikationen über medizinische Themen.

Arthur Schnitzler hatte zwar bereits in früher Jugend literarische Texte verfasst, seine öffentliche, literarische Tätigkeit startete er erst im Jahr 1888. Einige seiner Gedichte und Erzählungen wurden u.a. in der Zeitschrift „An der schönen blauen Donau“ veröffentlicht.

Bekannte Werke Arthur Schnitzlers (Auswahl): Später Ruhm (1894) – Lieutenant Gustl (1900) – Frau Bertha Garlan (1901) – Der Weg ins Freie (1908) – Das weite Land (1911) – Casanovas Heimfahrt (1918) – Fräulein Else (1924) – Die Frau des Richters (1925) – Traumnovelle (1926) – Spiel im Morgenrauen (1927) – Flucht in die Finsternis  (1931). Die Erzählung  „Der Sekundant“ (1931) erschien erst 1932, ein Jahr nach seinem Tod.

Blu-ray-Cover des Filmes „Eyes Wide Shut“ – Regie: Stanley Kubrick – Cast: Tom Cruise, Nicole Kidman – Sydney Pollack u.a. – 1999 – Warner Bros (Platon Pictures) – ASIN: BOOOXCDOES

Über das Forschungsprojekt

Das Forschungsprojekt Arthur Schnitzler digital. Digitale historisch-kritische Edition (Werke 1905 bis 1931) wird von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an der Bergischen Universität Wuppertal, der University of Cambridge und dem University College London in Kooperation mit der Cambridge University Library, dem Deutschen Literaturarchiv Marbach, dem Arthur-Schnitzler-Archiv-Freiburg sowie mit dem Trier Center of Digital Humanities durchgeführt.

Das deutsche, Anfang 2012 gegründete und als Forschungsvorhaben der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste im Rahmen des Akademien-Programms geförderte Teilprojekt bearbeitet die Werke ab 1914.

Prof. Dr. Michael Scheffel, einer der Köpfe des Forschungsprojektes „Arthur Schnitzler digital“ – © Friederike von Heyden

Link zum Forschungsportal „Arthur Schnitzler digital“: 

https://www.schnitzler-edition.net/genetisch

 

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