8. Februar 2026Peter Pionke
Der WSV hat wieder eine Mannschaft, die lebt
WSV-Neuzugang Josue Santo (M.) war als agile Sturmspitze von der BVB-Abwehr kaum zu stoppen – © Sportfotodienst Jochen Classen„Weil vie an de Heimat kleben, weil vie Woppertaler sind!“ Mit einem riesigen Spruchband im Wuppertaler Dialekt schmückten die Fans die Horst-Szymaniak-Tribüne im Stadion am Zoo und machten gleich zu Spielbeginn deutlich, dass die „Eiszeit“ zwischen ihnen und der WSV-Führung erst einmal beendet ist. Mit diesem Ziel hatte der Verein zuletzt mehrere, offenbar erfolgreiche Gespräche, mit verschiednen Fangruppen geführt.
Mit Fahnen und Gesängen „Wuppertaler SV, ole, ole“
Tatsächlich war der “Support“ von den Rängen jetzt wie in besten Zeiten und dürfte ihren Anteil an einem der besten WSV Spiele seit langen gehabt haben. Mit Fahnen, Gesängen und dem Schlachtruf „Wuppertaler SV, ole, ole“ wurde das diesmal ganz in Rot spielende Team von Trainer Mike Wunderlich lautstark angefeuert.
Gespannt war man, wie sich die Neuzugängen aus der Winterpause präsentieren würden. Warum Josue Santo (22) schon seit langem auf der Wunschliste des WSV stand, wurde schon in den ersten Minuten deutlich, als dieser als echte Spitze vorne wirbelnd nur knapp scheiterte, dann aber die entscheidende Vorarbeit für die 1:0-Führung durch Vincent Schaub in der 8. Minute leistete.
Dieses riesige Spruchband hatten die organisierten WSV-Fans über die Horst-Szymaniak-Tribüne gespannt – © Sportfotodienst Jochen ClassenTrainer Wunderlich bewerte die Leistung der Leihgabe von den Spfr. Siegen: „Santo ist drei Tage da, hat die Box besetzt, alles raus gedonnert, war gefährlich und am Ende stehend k.o. Hut ab!“
Cenk Durgun „ein Krieger und Anführer“
Ein riesiges Trainer-Kompliment bekam auch der als Spielmacher von Eintracht Hohkeppel verpflichtete Cenk Durgun (33). Wunderlich nach dem Spiel: „Er ist ein Krieger und Anführer. Er hat Wege nach vorne gemacht, damit haben wir über 90 Minuten nicht gerechnet. Er hat Grenzen überschritten und hatte den Willen. Er hat ein extrem gutes Spiel gemacht“.
Nicht alles lief gegen die Dortmunder indessen nach Wunsch. So sah die Abwehr in der ersten Halbzeit weder beim 1:1-Ausgleich noch beim 2:1 für die Gäste wirklich gut aus. Es war praktisch der erste Torschuss des BVB, den Michael Eberlein (29) in der 26. Minute etwas überraschend aus kurzer Distanz verwandeln konnte, während die WSV-Abwehr hier untätig wirkte. „Wir stehen mit drei, vier Mann drum herum. Das ist mir zu billig“, schimpfte der neue WSV-Trainer.
Vincent Schaub (r.) brachte den WSV in der 8. Minute gegen den Favoriten Borussia Dortmund U23 mit 1:0 in Führung – © Sportfotodienst Jochen ClassenEin sehenswerter Torschuss von der Strafraumkante durch den 18jährigen Deutsch-Russen Nick Chermy ließ alle WSV-Siegträume kurz vor der Pause schon wieder platzen, zumal das allerdings enorm scharfe Geschoss für WSV-Keeper Luyambula nicht unhaltbar schien. Jedenfalls lag gegen den hohen Favoriten zur Pause 1:2 hinten.
Ein „Pausentrank“, der Wirkung zeigen sollte
Was genau Trainer Wunderlich beim Pausentee gesagt hat, wissen wir nicht, aber es kam ein hochmotiviertes Team aus der Kabine. Unmittelbar nach den Seitenwechsel fiel sofort der Ausgleich. Cenk Durgun brachte eine Ecke herein, die in der 48. ausgerechnet der Portugiese Ousmane Diallo (Marktwert 1,5 Mio. €), wie schon im letzten Spiel der Dortmunder gegen die SF Lotte, ins eigene Tor verlängerte. Der WSV-Cheftrainer später bei der Pressekonferenz: „Mir war wichtig, dass wir nicht wild werden und zu schnell alles auf links drehen wollten, damit wir nicht in einen Konter laufen und das dritte Gegentor bekommen“.
Der neue WSV-Mittelstürmer Josue Santo (l.) im Zweikampf mit seinem Dortmunder Gegenspieler Leroy Kwadwo – © Sportfotodienst Jochen ClassenNach dem Ausgleich holte BVB-Trainer Daniel Rios seinen Portugiesen Diallo vom Platz und wechselte ihn gegen Ectibasi aus. WSV-Verteidiger Levin Müller hatte den „Star-Spieler“ der Gäste bis dahin nahezu völlig ausgeschaltet. In der Folge sah man eine Partie mit hohem Tempo und körperbetonten Einsatz mit Vorteilen sowie guten Möglichkeiten für die Gastgeber. Dabei ging Vincent Schaub in einem Zweikampf mit Elias Benkara im Strafraum zu Boden (57.), doch Schiri Davide Eisberg (Solingen) verweigerte dem WSV den fälligen Strafstoß und handelte sich damit das Mißfallen der Wuppertaler Fans ein, die ihrem Ärger mit “Schieber-Rufen“ Raum gaben, womit sie einmal mehr so für Stimmung sorgten.
„Der Glaube und dass Publikum waren da!“
Die gelb-schwarzen Dortmunder blieben jetzt eher farblos. BVB-Trainer Rios sprach von keiner guten Leistung seiner Mannschaft: „Das war zu wenig. Wir hatten nur drei, vier Situationen, die wir umgesetzt haben“. Aber auch der WSV-Coach ging kritisch mit Fehlern seiner Spieler um, die er offen ansprach, aber auch das wichtige Positivum nicht ausklammerte: „Der Glaube war da und auch das Publikum. Es geht nur mit harter Arbeit und Mentalität. Wir haben heute Meter gemacht, die sehr, sehr weh getan haben gegen eine fußballerisch sehr gute Mannschaft. Wir haben defensiv sehr stabil gestanden und hatten unsere Umschaltmomente“.
WSV-Sportdirektor Gaetano Manno (2.v.r.) mit dem Trainerstab Co-Trainer Kevin Rodrigues Pires (l.), Cheftrainer Mike Wunderlich (2.v.l.) und Co-Trainer Adli Lachheb (r.) – © Sportfotodienst Jochen ClassenIn der Schlußphase hatte Wunderlich auch noch Rebronja, Bouzraa, Atmaca sowie für wenige Minuten auch noch Neuzugang Noah Heim (84.) aus der Schalker „Knappenschmiede“ gebracht, während Neuzugang Hirschberger verletzungsbedingt fehlte. Wunderlichs Taktik war weitgehend aufgegangen. Interessant sein Spielsystem, welches sich nicht in eine enge Formel pressen ließ, sondern flexibel wie eine Ziehharmonika wirkte. Und seine Spieler folgten auch seiner Anweisung, wenn es eng wurde, nicht lange zu fackeln, sondern das Leder „lieber auf das Tribünendach zu wichsen.“
Es wird noch sehr eng im Abstiegskampf
Wie eng es ihn Abstiegskampf noch werden wird, zeigten nicht zuletzt die anderen Ergebnisse vom Samstag: Die abstiegsbedrohten Bochumer holten gegen Rödinghausen mit 2:0 ihren erst dritten Saisonsieg und auch die SSVg Velbert war mit ihrem erst dritten „Dreier“ wieder mit 1:0 erfolgreich, diesmal in Mönchengladbach. Beide Teams verringerten den Abstand zum WSV, der auf Rang 15 nach wie vor einem möglichen Abstiegsplatz einnimmt.
Text: Siegfried Jähne
Ein Unentschieden, das niemand so richtig glücklich machte: (v.l.) BVB-U23-Trainer Daniel Rios, WSV-Stadionsprecher Jonas Jütz und WSV-Cheftrainer Mike Wunderlich – © Sportfotodienst Jochen ClassenWuppertaler SV – Borussia Dortmund U23 2:2 (1:2)
Aufstellung des Wuppertaler SV:
Luyambula – Nishimura, Dervisevic, Stojanovic – Müller (77. Rebronja), Durgun, Duncan, Miyamoto – Aydogan (71. Bouzraa), Santo (71. Atmaca), Schaub (84. Heim) – Trainer: Mike Wunderlich
Aufstellung Borussia Dortmund U23:
Ostrzinski – Krevsun, Benkara, Kwadwo (71. Mansaray), Pejazic – Azhil, Drakas, Eberwein, Cherny (84. Fidjeu-Tazemeta), Diallo (53. Etcibasi) – Mutove – Trainer: Daniel Rios
Tore: 1:0 Schaub (8.), 1:1 Eberwein (25.), 1:2 Cherny (41.), 2:2 Diallo (Eigentor, 47.)
Gelbe Karten: Stojanovic – Mansaray, Azhil, Drakas, Etcibasi
Schiedsrichter: Davide Zeisberg
Zuschauer: 1.973
Stadion: Stadion am Zoo
Weiter mit:
Kommentare
Neuen Kommentar verfassen