4. Februar 2026Peter Pionke
WSV will dąs „Abstiegs-Gespenst“ verscheuchen
Ludger Kineke, Vorstandsmitglied des Regionalligisten Wuppertaler SV – © Siegfried JähneGinge es nach den nackten Zahlen, wäre der nächste WSV-Gegner BVB Borussia Dortmund II kaum zu bezwingen. Allein der Sturm der Gäste wird mit einem Marktwert 2,1 Mio. € beziffert, das ganze Wuppertaler-Team verkörpert einen Buchwert von gerade mal etwa 1 Mio. €. Allein Dortmunds spanischr U19 Nationalspieler Ousmane Diallo (18) wird mit 1,5 Mio € taxiert. Zum Vergleich: Die beiden teuersten WSV-Spieler sind lediglich mit jeweils 75.000 € gelistet und dazu noch von anderen Klubs ausgeliehen.
Marktwert eines BVB-Spielers 1,5 Mio. €
Dies sind zwei Neuzugänge, der ugandisch-deutsche Mittelstürmer Stürmer Josue Santo (22) von den Spfr. Siegen. Sportdirektor Gaetano Manno: „Josue Santo ist unser absoluter Wunschstürme“. Außerdem der Offensivspieler Nicolas Hirschberger (26) vom FC Bocholt. Über ihn sagt Gaetano Manno: „Genau dieses letzte Puzzlestück hat uns im Kader noch gefehlt“. Beide Spieler sind vom WSV bis zum Saisonende ausgeliehen. Daneben kamen Cenk Durgun (von Eintracht Hohkeppel) für das Zentrum im Mittelfelds und als absoluter Führungsspieler („Leader“), Abwehrspieler Marco Stojanociv vom 1. FC Bocholt sowie der 21jährige Offensivspieler Noah Heim, von dem man sich Tore erhofft. Noah Heim war einst Teil der „Knappen-Schmiede“ des FC Schalke 04.
Da mag es tröstlich sein, dass im Fußball statistische Werte nicht immer den Ausschlag geben. So war jener „teure“ Ousmane Diallo beim 1:1-Unentschieden im letzten Heimspiel der Dortmunder gegen die SF Lotte beim Gegentreffer beteiligt, als er einen Pass unglücklich verlängerte. Und der heute abstiegsgefährdete WSV entführte beim Hinspiel in der Kampfbahn „Rote Erde“ im August letzen Jahres nach Treffern von Armin Bouzraa und Hans-Juraj Hartmann mit einen 2:2-Unentschieden immerhin einen wichtigen Punkt.
Der Blick ist auf die fünf Neuen gerichtet
WSV-Trainer Mike Wunderlich hat am kommenden Samstag tatsächlich die Qual der Wahl und man darf gespannt sein, wer aus dem Kader von immerhin rund 30 Spielern zum Einsatz kommen wird. Kein Prophet aber, wer auf die vier genannten Neuen setzt. Für Coach Wunderlich war es in der vergangenen Woche wichtig, seinen Spielern nicht nur taktische Impulse zu geben, sondern für sie auch ein Erfolgserlebnis zu arrangieren. Die sollten in der Vorbereitung Tore schiessen (üben), was ja beim 4:1- Erfolg in einem Testspiel gegen einen unbekannten Drittligisten (man darf Viktoria Köln vermuten) unter Ausschluss der Öffentlichkeit dann ja wohl auch geschah. Der Cheftrainer brachte zum Ausdruck, dass schon ein richtiges Erfolgserlebnis die Lage schlagartig verbessern könnte.
Verwaltungsrat Dr. Jürgen Hoss stand den WSV-Fans Rede und Antwort – © Siegfried JähneBemerkenswert, dass sich auch Borussia Dortmnd II in der Transfer-Phase noch einmal verstärkte, und zwar mit dem Abwehrspieler Leroy Kwadwo (29), einem ehemaligen Zweit- und Drittliga-Spieler, der der Abwehr nach Auskunft von Trainer Daniel Rios (bisher 30 Gegentore in 19 Spielen) mehr Halt geben soll.
Von Fan-Sachlichkeit eher überrascht.
Im Vorfeld der Begegnung gegen die Dortmunder kam es am Dienstagabend beim WSV im relativ gut besuchten Stadion-Presseraum unter Beteiligung von Vorstandsmitglied Ludger Kineke, Verwaltungsrats-Chef Dr. Jürgen Hoss und Trainer Mike Wunderlich zu einem Fan-Abend mit dem Ziel, in einem direkten Dialog die „Eiszeit“ (Einstellung Fan-Support) mit der Szene zu beenden. „Wir haben den Zeitpunkt bewußt so gewählt,“ verriet Moderator und Verwaltungsratsmitglied Heimo Schitter. Wer jedoch hier eine emotionale Auseinandersetzung erwartet hatte, war wie Schitter selbst, angesichts der Sachlichkeit überrascht.
Bevor es zu gezielten Fragen aus dem Plenum kam, erläuterte Trainer Mike Wunderlich die Eindrücke und erklärte seine Philosophie. Danach habe er eine verunsicherte Mannschaft vorgefunden, der es vor allem an Selbstvertrauen fehle. Der Bemerkung aus dem Plenum, man sei erschrocken, das erste Spiel unter seiner Regie gegen Velbert sei eine „ schlimme Katastrophe“ gewesen, stimmte er hinsichtlich der Chancenverwertung und der anschliessenden Kopflosigkeit zu. Ihm als Trainer könne es aufgrund der akuten Abstiegsgefahr nicht mehr unbedingt um ein schönes Spiel gehen, es gelte vielmehr darum, sich der Situation anzupassen und die nötigen Punkte zu sammeln. Es gehe um Klarheit und Ergebnisse. “Da muss man auch mal einen Ball über die Tribüne wichsen“. Er wolle keine Spiele mehr „verschenken“, erwarte von seinen Spielern deshalb auch über 90 Minuten bedingungslosen Einsatz und den Kampf um jeden Ball, und zwar gleichgültig ob mit Dreier-Vierer- oder Fünferkette. Es gelte „mutig und leidenschaftlich nach vorne zu spielen, wobei die Intensität über allem steht“.
Die sportliche Kompetenz im WSV ist dünn
Für den Verwaltungsrat brachte es Jürgen Hoss auf den Punkt: Wir sind nicht auf Rosen gebettet und nach der Umstellung von einem Mäzen-Verein, zu einem Klub geworden, der sich auf eigene Beine stellen muss. Das Budget werde trotz der Neuverpflichtungen eingehalten, erklärte Ludger Kineke und ergänzte: „ Wir haben zudem Hilfe von dritter Seite bekommen. Dadurch haben wir fast Budgetneutralität“.
Heimo Schitter moderierte den Fan-Abend des Wuppertaler SV – ©Siegfried JähneDann wurden wichtige Zukunftsfragen angesprochen, wobei sich seitens der Fans das Unverständnis darüber zum Ausdruck kam, dass der Verein keinen „Plan B“ (Abstieg und dann? ) habe und wohl auch keine kompetente Ergänzung für den jetzt aus nur noch zwei Personen bestehenden Vorstand in Sicht sei. Vielmehr habe man die Aufgabengebiete aufgeteilt und nach unten delegiert, was gleichzeitig eine Überlastungssituation erzeuge. Es folgte da noch eine Bitte um Unterstützung von außen, die man gut gebrauchen könne.
Daneben wurde seitens der Fans auch mit Blick auf die Zukunft Fragen gestellt. So auch die nach der sportlichen Kompetenz in den Vereinsgremien, die ja offenkundig nur noch bei dem sportlichen Leiter Gaetano Manno liege. Hierauf gab es keine befriedigende Antwort. Nur soviel: „Angebote haben wir genug, aber die Realisierung scheitete bislang an unseren Budgetgrenzen“. Folgerichtigi könne man aktuell auch noch nicht an die Planungen für die nächste Saison gehen.
„Hört sich eher nach Kreisklasse an“
Fazit von Ludger Kineke: „Es gibt nichts zu beschönigen…“ Und Moderator Heimo Schitter erklärte in seinem Schlußwort: „Ich bin überrascht, wie gesittet es zuging.“ Ein engagierter Teilnehmer sagte später: „Ich bin entsetzt über die finanzielle Situation des Vereins.“ Man habe so noch keine Gespräche für die nächste Spielzeit führen können. Das höre sich alles eher nach Kreisklasse an.
Ob die aktuelle Eiszeit (Einstellung des Fan Supports) nach den Vorfällen von Büderich und dem spektakulären Pokal-Aus mit diesem Fanabend beendet ist, läßt sich noch nicht abschätzen. Erst am Freitag soll es ein weiteres Gespräch mit den „Ultras“ des Vereins geben. Eine gewisse Entwarnung ist indessen bereits von Seiten des „Sicherheits- und Stadionverbots-Beauftragten des Wuppertaler SV“, Bernd Gläßel gegeben, der uns zum Thema der gefürchteten „Stadionverbote mitteilte: „Wenn in der Fan-Szene angekommen ist, dass im Dezember 2025 nach dem Spiel in Büderich vom WSV ‚Stadionverbote‘ ausgesprochen worden seien, dann entspricht das nicht den Tatsachen“.
Die gültigen Richtlinien sähen ohnedies keine Stadionverbote für die Niederrhein-Pokalspiele vor und ebenso nicht für alle Spiele unterhalb der Regionalliga. Anregen müsste dies im übrigen die Polizei der Kreispolizeibehörde Neuss, als örtlich zuständige Polizeidienststelle. Diese Anregung würde sich an den Verein FC Büderich richten. „Dies ist bislang aber nicht geschehen. Ein bundesweit geltendes Stadionverbot könnte, wenn überhaupt, nur über den DFB ausgesprochen werden“, so Bernd Gläßel.
Text: Siegfried Jähne
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