26. Januar 2026

Peer Gynt: Ein Leben von der Illusion in der Illusion

„Was ist der Mensch?“ und „Wie sollen wir leben?“ Diesen beiden philosophischen Fragen geht im Kern das  Schauspiel Wuppertal mit dem „Theater der Generationen“ in dem aktuellen Stück „Peer Gynt“ nach. Darin will ein Lügner und Fantast der traurigen Realität am Rand der Gesellschaft entfliehen. Zeithistorische, thematische Bezüge von Gier und Größenwahn zur Gegenwart lassen sich schnell herstellen. Im Theater am Engelsgarten hatte das  sehenswerte Stück von Hendrik Ibsen jetzt eine sehr erfolgreiche  Premiere.  

Fantast Peer Gynt mit seiner Mutter – © Uwe Schinkel

Peer Gynt ist in der Ursprungsgeschichte von 1897 ein charmanter, aber fauler und arroganter Bauernjugendlicher, der mit Lügengeschichten versucht, der Realität zu entfliehen. So verdrängt er, dass sein Vater, der einst sehr angesehene Jon Gynt, Hof und Habe durch Misswirtschaft und zahlreiche Alkoholeskapaden verloren hat. Um sein geringes Selbstwertgefühl aufzubessern, verklärt er seine eigene Nichtsnutzigkeit zu Heldenhaftigkeit.

Eine zentrale, ambivlaente Rolle spielt seine Mutter, als emotionale Bezugsperson, die Peer einerseits durch ihre enge Bindung prägt und ihn andererseits durch ihre Nachsicht in seiner fantastischen Realitätsflucht bestärkt. Sie verkörpert die häusliche Realität, aus der Peer flieht, ist jedoch die Einzige, die ihn trotz seiner Lügengeschichten bedingungslos liebt. 

Wie eine Zwiebel, die viele Hüllen, jedoch keinen Kern aufzuweisen hat

Es entfaltet sich die  rastlos Lebensreise eines Antihelden, der mit Fantasie, Übertreibung und Selbsttäuschung der Wirklichkeit  begegnet.  Peer träumt von Größe und Bedeutung, reist um die Welt, trifft Fabelwesen und verliert sich zunehmend in seinen eigenen Illusionen, lebt von der Illusion in der Illusion. Doch als seine Scheinwelt letztlich zerbricht, wird er mit sich selbst konfrontiert und muß einer ernüchternden Wahrheit ins Gesicht schauen. In einer berühmten Szene vergleicht sich Peer mit einer Zwiebel, die viele Hüllen, jedoch keinen Kern aufzuweisen hat.

Szene aus dem exzellent gespielten Ibsen-Stück „Peer Gynt“ – © Uwe Schinkel

Als einer der Begründer der Theatermoderne wird Henrik Ibsen oft als „Vater des Realismus“ bezeichnet und ist einer der einflussreichsten Dramatiker aller Zeiten. Das Stück des norwegischer Dramatikers, dessen unerschütterliches Engagement für persönliche Freiheit, Wahrhaftigkeit und die Hinterfragung gesellschaftlicher Normen hat ihn fest in der humanistischen Tradition verortet, obwohl seine Stücke viele Zeitgenossen einst schockierten. Ibsens Einfluss auf die britische und irische Kultur wird als tiefgreifend beschrieben.

Eine exzellente Wuppertaler Aufführung

Aufführung Regie, Ausstattung und Dramaturgie der exzellenten Wuppertaler Aufführung lag in den Händen von Charlotte Arndt, die nach profunder Ausbildung seit 2020 als Theaterpädagogin für das Schauspiel Wuppertal tätig ist. Mit Unterstützung von Laura Hutta, Alina Kaps und Inga Tworg schuf sie zudem ein lebendiges, eindrucksvolles Bühnenbild, das den Zuschauer einfühlsam mit auf die Reise nimmt.

Text: Siegfried Jähne

Peer Gynt, der in seiner Phantasiewelt lebt – © Uwe Schinkel

Es ist eine Produktion vom Spielclub „Theater der Generationen“

Es besteht aus Menschen im Alter von 15 bis 85 Jahren, die in jeder Spielzeit unter professioneller Anleitung ein Stück auf die Bühne bringen. 

Dauer: Ca. 2 Stunden, eine 20minütige Pause.

Weitere Aufführungstermine Termine: Sa. 07.02.2026 – 19:30 Uhr – So. 08.02.2026 – 18:00 Uhr – So. 22.02.2026 – 18:00 Uhr. 

BESETZUNG

Inszenierung & Leitung

CHARLOTTE ARNDT 

INGA TWORK

Mitarbeit

ALINA KAPS
Mitarbeit

LAURA HUTTA
Mitarbeit

ALEXANDER PEILER
Unterstützung

SILVIA MUNZÓN LÓPEZ
Unterstützung

HANNAH STAMBORSKI
Unterstützung

Ensemble:

LEANDER DIEDAM

FELIX LEHNIGK

HARTMUT KRÜPE-SILBERSIEPE

PETRA MOLL

MIKA SCHLOTMANN

TIMO HOLZEM

EMIL MULTHAUP

PRUDENCE TSOMO

CHRISTIANE INHOFFEN

HANDE EZGIMEN

TANJA RÖSLER

HILDEGARD KRÜGER

BARBARA SOJKA

NELE WAHL

MICHELLE MIDDELHOFF

JULIA GIROD

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