25. Januar 2026Peter Pionke
Auch gegen Velbert verloren: Ein WSV-Spiel als „Drama“
Die WSV-Spieler bissen sich an der Velberter Abwehr die Zähne aus. Im Vordergrund Dervisevic – © Sportfotodienst / Jochen ClassenDer erhoffte Befreiungsschlag nach dem Trainerwechsel zu Mike Wunderlich blieb erst einmal aus. Die akute Abstiegsgefahr ist damit weiterhin evident. Nach dem Prolog sollte die Partie – so Trainer Mike Wunderlich – ergebnisorientiert sein und Fehler minimiert werden. Für viele war der Sieg in der Prognose vor dem Spiel nur eine Frage der Höhe. In der Ouvertüre war man gespannt, mit welchem „Ensemble“ Trainer Wunderlich in seine „Spielzeit“gehen würde.
Die Neuzugänge Nicolas Hirscherger und Marco Stojanovic waren wenig überraschend gesetzt. Eine neue Variante indes die Beförderung von Dominic-Maximilian Constantin Duncan zum Kapitän und die Ablösung von Ngemba Michael Luyambula in dieser Position. Ansonsten überraschte nur, dass der zuletzt so effektive Levin Müller nicht in der Start-Elf aufgeboten war und der Japaner Daiki Kamo gänzlich fehlte.
„Bitterer kann man den Auftakt nicht verlieren“
Der Epilog nach dem Spiel lautete: „Bitterer kann man den Auftakt nicht verlieren“. So konstatierte Mike Wunderlich das Geschehen in der Rückschau. Er zählte treffend drei bis vier Top-Möglichkeiten von Neuzugang Nikolas Hirschberger sowie Schaub und Bouzaraa auf, mit denen man längst auf der Sieger-Strasse hätte sein müssen, ehe die Gäste in der 65. Minute durch den eingewechselten, erst 19jährigen Innenverteidiger Kilian-Joel Wagenaar eine ihrer insgesamt nur zwei echten Torchancen (67.) als Abstauber nutzten. Danach wirkte das WSV-Team nur noch konsterniert, plan- und ideenlos.
Neuzugang Nicolas Hirschberger, der vom Ligakonkurrenten 1. FC Bocholt ausgeliehen wurde, konnte in seinem ersten Einsatz für den WSV noch keine Impulse setzen – © Sportfotodienst / Jochen ClassenDas 0:1 stellte indessen den Spielverlauf auf den Kopf. Wuppertal spielte aus einer sicheren Abwehr und einem durch Neuzugang Nicolas Hirschberg verstärkten Mittelfeld heraus tatsächlich überlegen, ließ allerdings ein flüssiges Kombinationsspiel vermissen. Viele lange Bälle aus der Tiefe fanden vorne einmal mehr nur selten Abnehmer, wurden verschossen oder von Velberts Torwart Kevin Jackmuth, ein Neuzugang der Gäste, glänzend parierend entschärft. Interessant auch: Das Spiel hatte ein kennzeichnendes, ungewöhnlich mageres Eckenverhältnis: WSV 2, SSVg 1.
Das größte Dilemma: Ein Spieler mit Torjäger-Qualitäten vermisste man beim WSV nach wie vor schmerzlich, und zwar trotz des Neuzugangs Hirschberger. „Wir hatten Chancen für zwei oder drei Spiele“, meinte der 26jährige später auch selbstkritisch. Geradezu unmöglich, was da alles vergeigt wurde. Insbesondere die Sturmspitze Amin Bouzraa, bisher zusammen mit Daiki Kamo mit je vier Treffern Top-Scorer der Rotblauen, scheiterte diesmal mehrfach kläglich.
Erst der zweite Saisonsieg der SSVg Velbert
Bogdan Komorowski (39), Velberts neuer Coach, gab seiner Verwunderung Ausdruck, dass die positive Entwicklung der Velberter in Wuppertal nach seiner Einschätzung offenbar nicht bemerkt oder unterschätzt wurden. „Wir spielen nicht mehr wie ein Absteiger und wollten auch gewinnen, meinte der UEFA A-Lizenz-Inhaber nach dem erst zweiten Saisonsieg der Velberter hintergründig und erklärend. Dem WSV bescheinigte er in den ersten 50 Minuten deren deutliche Überlegenheit.
Auch Dildar Atmaca (r.) konnte sich gegen die dicht gestaffelte Abwehr der Gäste nur selten durchsetzen – © Sportfotodienst / Jochen ClassenBeim WSV verdiente sich insbesondere Torwart Luyambula trotz eines erneuten Fehlpasses in Richtung Gegner, eine gute Note. Vor dem Treffer der Gäste nach einer Standardsituation parierte er noch glänzend, beim Nachschuss aber war er machtlos Sehr umtriebig im Mittelfeld war vor allem Vincent Schaub, während der neue Kapitän Duncan diesmal eher schwach und ohne Fortune agierte. Im recht tadellosen Abwehrzentrum – sieht man hier von fehlender Aggressivität beim Gegentreffer ab – fügte sich Neuzugang Marko Stojanovic gut und stabilisierend ein.
Gellendes Pfeifkonzert – Fans sahen sich im falschen Film
Eine im Stadion häufig gestellte rhetorische Frage war nach dem Spiel: Wenn man gegen das Schlusslicht nicht gewinnt, gegen wen will man dann eigentlich noch gewinnen? Die Antwort muss die Mannschaft jetzt auf dem Platz geben – und zwar schnell! Denn die Enttäuschung bei den treuen Fans, die sich im falschen Film wähnten, sitzt tief: „Ihr seid so lächerlich“, riefen sie nach dem Spiel. Der Frust der WSV-Anhänger war nach dem Abpfiff durch den umsichtigen Schiedsrichter Felix Weller (30) so groß, dass die Mannschaft gellend ausgepfiffen wurde. Und die WSV-Spieler waren so eingeschüchtert, dass sie sich erst nach der zweiten Aufforderung zur üblichen Verabschiedung in die Nordkurve trauten.
Aus der Kurve wurden erneut Forderungen nach einer Entlassung von Sportdirektor Gaetano Manno laut. Doch der blieb äußerlich gelassen und analysierte das Spiel sachlich: “Es war sehr, sehr enttäuschend. Es konnte nach dem Spielverlauf eigentlich nur einen Sieger geben. Wir hatten fünf oder sechs tausendprozentige Torchancen, Velbert hatte noch nicht einmal einen richtigen Torschuss. Aber so ist leider Fußball, denn das tut sehr weh. Unser Ziel bleibt es natürlich, nach dem 16. Mai über dem Strich zu stehen.“
Ein Foto, das Bände spricht: WSV-Sportdirektor Gaetano Manno (l.) und der neue Cheftrainer Mike Wunderlich müssen fassungslos zusehen, wie ihre Mannschaft gegen das Tabellenschlusslicht Velbert verliert – © Sportfotodienst / Jochen ClassenUnter den 2.110 Zuschauern befanden sich aufgrund des freien Eintritts rund 300 Kinder und Jugendliche. Es hätten freilich deutlich mehr sein können, wenn es nicht im Vorfeld zu Fehlinformationen zu den Eintrittspreisen gekommen wäre. Nach Darstellung der Velberter Fan-Szene „Blaue Löwen“ sei man geschlossen nicht nach Wuppertal gereist, weil sie einer massiven Fehlinformation zu den Eintrittspreise von 23 € bzw. 19 €, statt der tatsächlichen 13 € bzw. 10 € aufgesessen seien.
Wechselt Daiki Kamo zur SSVg Velbert ?
Nach unseren Informationen am Rande haben die Velberter, die zuhause blieben, möglicherweise einen doppelten Grund zur Freude: Einmal über den überraschenden Sieg bei bergischen Rivalen und dann soll sich auch noch der Wechsel von WSV-Stürmer Daiki Kamo zur SSVg Velbert anbahnen. Spielen da finanzielle Gründe eine Rolle, ist zu fragen? Kamo fand in der Aufstellung, wie schon erwähnt, diesmal keine Berücksichtigung. Ein Wechsel wäre technisch auch noch möglich, da die Transferliste erst am Montag (02.02.) schließt.
Trauriges Fazit: Es war war es ein „Sechs-Punkte-Spiel“, das der WSV gegen Schlusslicht Velbert verlor – und damit auch ein herber Rückschlag! Exakt 15 Spieltage bleiben dem WSV noch, um den drohenden Abstieg in die fünftklassige Oberliga noch zu vermeiden. „Du wirst niemals untergehen, mein WSV…“ – der Song des kürzlich verstorbenen Wuppertaler Musikers Paul Decker erklang nach dem Abpfiff wieder aus den Stadion-Lautsprechern. Es spiegelt gewiß die große Hoffnung wider, dass am 16. Mai 2026 beim WSV nicht das Genre „Schicksalsdrama“ oder gar „Tragöde“ auf dem Spielplan steht.
Text: Siegfried Jähne
Lange Gesichter bei der Pressekonferenz nach dem Spiel – zumindest auf Wuppertaler Seite: Cheftrainer Mike Wunderlich (r.) und Stadionsprecher Jonas Jütz (M.). Velberts Trainer Komorowski (l.) konnte dagegen mehr aus zufrieden sein – © Sportfotodienst / Jochen ClassenWuppertaler SV – SSVg Velbert 0:1 (0:0)
Aufstellung des Wuppertaler SV:
Luyambula – Nishimura (46. Müller), Dervisevic, Stojanovic, Miyamoto – Aydogan (61. Kleiner), Rebronja, Duncan, Schaub (76. Oostwoud) – Hirschberger, Bouzraa (66. Atmaca).
Aufstellung der SSVg Velbert:
Jackmuth – Wiese, Abdel Hamid (41. Wagenaar), Herzenbruch, Machtemes – Büyükarslan (74. Glavas), Büchte, Golubytskij (74. Böhm), Mehlich (57. Buczkowski) – Hilger, Mockschan (57. Ametov). Trainer: Komorowski
Tore: 0:1 Wagenaar (65.)
Schiedsrichter: Felix Weller – FC Freier Grund (Kreis Siegen-Wittgenstein)
Zuschauer: 2.110
Stadion: Stadion am Zoo
Gelbe Karten: Nishimura, Schaub – Wiese, Jackmuth, Trainer Komorowski
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