30. November 2025

Für WSV-Coach Tyrala stellen sich wichtige Fragen

Kein Aufatmen und erst recht kein Befreiungsschlag für den WSV. Auch beim ebenfalls vom Abstieg bedrohten Aufsteiger, „Rheinlöwen“ Bonner SC, gab es für die seit sechs Spieltagen sieglosen Rot-Blauen vor 1.530 Zuschauern im Keller-Derby trotz eines 1:1 (0:1) Unentschieden nur wenig Lichtblicke. Im Gegenteil: Wieder handelte sich das WSV-Team eine rote Karte ein und muss auch noch einen weiteren verletzungsbedingten Ausfall verkraften.

WSV-Cheftrainer Sebastian Tyrala (l.) und Sportdirektor Gaetano Manno hoffen jetzt vor der Winterpause beim Spiel in Köln auf ein kleines Wunder. Im neuen Jahr, wenn die gesperrten und die verletzten Spieler zurück sind, sollen dann mit vereinten Kräften die nötigen Punkte für den Klassenerhalt erkämpft werden – © Archivfoto Jochen Classen

Auch wenn man jetzt tatsächlich mit Rang 15 auf einem möglichen Abstiegsplatz gelandet ist, war man im Lager der Wuppertaler am Ende froh, in Unterzahl wenigstens noch den einen Punkt gerettet zu haben. Dabei hatte man ein Déjà-vu: Wie schon in der Vorwoche gegen die U23 der Düsseldorfer Fortuna konnte das Tyrala-Team auch im Bonner Nordpark – ebenfalls kurios – früh in Führung gehen.

In Begrenzung der Mittel auf Augenhöhe

Es war so etwas wie ein vorgezogenes Weihnachts-Geschenk, als der Dritt-Liga-Referee Jan Peter Weßels (Kreis Moers) schon in der 3. Spielminute nach einem Foul des Bonner Keepers Elias Bördner an Jeff Fehr auf den Elfmeterpunkt zeigte und Aldin Dervisevic den Strafstoß sicher verwandelte. Alle waren sich indessen einig: Das war kein „Elfer“. Vielleicht ein unterschwelliger Grund, warum Weßels dem WSV danach einen zweiten, jetzt fälligen Strafstoß verweigerte, als Eray Isik gegen Subaru Nishimura im Strafraum foulte, der Pfiff aber ausblieb (37.).

Es war, was die begrenzten spielerischen Möglichkeiten anging, ein Spiel auf Augenhöhe. Daiki Kamo hatte die Chance zum 2:0 für den WSV bei einem Kopfball schon in Minute 12 und auch Amin Bouzraa hätte schon in der ersten Hälfte (45.+1) erhöhen können. Anderseits hatte der BSC auch dicke Chancen, so als Keita, Serhat Koruk und Berg (20.) gleich mehrfach scheiterten (20.) oder als eine Bogenlampe von Pommer auf dem Tordach von WSV-Torhüter Luyambula landete.

Der durchaus aggressiv spielende WSV operierte vielfach mit langen Bällen, die allerdings vorne nur selten Abnehmer fanden. Der Sturm verdiente seinen Namen kaum, insbesondere die später ausgewechselte alleinige Spitze Daiki Kamo (ab 69. Arabaci) blieb nahezu wirkungslos. Immerhin brachten die Bergischen bei offenem Schlagabtausch mit etwas Glück ihre Führung diesmal in die Halbzeitpause.

Junger Schiri als „Schieber“ beschimpft

„Schieber Rufe“ und Pfiffe vom Bonner Anhangs begleitete den jungen Schiedsrichter Jan Peter Weßels (24) auf den Weg zum Pausen-Tee in die Kabine. Er pfeift seit der Saison 2024/25 immerhin auch in der dritten Liga und leitete zuletzt auch das Pokalspiel, das der WSV 3:1 in Essen gewann.

Jeff-Denis Fehr (r.) war die tragische Figur beim Spiel in Köln: Erst holte er den Elfmeter heraus, der zur 1:0-Führung für den WSV führte, später flog er nach einem völlig unnötigen Foul mit gelb-rot vom Platz – © Archivfoto Jochen Classen

Für WSV-Sportdirektor Gaetano Manno Bauch blieben diese Schmähungen nicht ohne Einfluss auf die zweite Halbzeit. „Er wurde so angemacht, dass er nur noch gegen uns gepfiffen hat. Das ist eine Frechheit!“ Es war indes auch ein schwer zu leitendes Spiel mit vielen Fouls und Nickeleien, ein typischer Abstiegskampf eben, bei dem niemand etwas zu verschenken hatte. Allein die gelbe Karte gab es nicht weniger als siebenmal, davon dreimal gegen den WSV.

Nach dem Seitenwechsel waren es die Wuppertaler selbst, die den Gastgeber nach einem eklatanten Fehler von Salmin Rebronja stark machten. Der spielte die Kugel in Minute 46 vor dem Strafraum in die Füße von Robin Bird und ermöglichte so den Gastgebern den Ausgleich. Torhüter Michael Luyambula, WSV-Kapitän und ansonsten starke Stütze, wird hier sein wieder einmal sehr riskantes Zuspiel in der eigenen Hälfte erklären müssen.

Fataler Fehler brachte Bonn ins Spiel

Aber es sollte noch schlimmer kommen: Nur fünf Minuten später mußte Aldin Dervisevic nach einem Tritt durch einen Schuh-Stollen verursacht, mit einer offenen, tiefen Fleischwunde an der Hand verletzt ausscheiden. Wenig später sah auch noch  der bereits gelb belastete 31jährige  WSV Angreifer Jeff-Dennis Fehr die Rote Karte, weil er Bonns Torwächter Börner beim Abschlag völlig unnötig von hinten rempelte. Einige mutmassten hier eine gezielte Provokation und Revanche seitens des Bonner Torwächters für die zum Elfmeter geführte Aktion in den Anfangsminuten.

Fünf ganz dicke Torchancen eröffneten sich in den letzten gut 20 Minuten jetzt für die in Überzahl agierenden Rheinländer. Bonns Trainer Björn Mehnert zählte später gar zehn Torschüsse in der 2.  Hälfte und nur einen einzigen für die Gäste von der Wupper. Der Schlusspfiff in der 96. Minute der Nachspielzeit einer Begegnung, in der es theoretisch um sechs Punkte ging, wirkte da für die wieder zahlreich angereisten WSV-Fans wie eine Erlösung.

Situation wird erkennbar prekärer

WSV-Trainer Sebastian Tyrala erklärte in der Pressekonferenz nach dem Spiel: „Wir nehmen diesen Punkt gerne mit, müssen uns aber hinterfragen, wie der Ausgleich passieren konnte und mit uns hart ins Gericht gehen.“ Das wird indes auch mehr als nötig sein. Wie schon beim Feldverweis für Dominic Duncan in der letzten mit 2:4 verlorenen Begegnung gegen Fortuna Düsseldorf, war der Platzverweis für Jeff-Denis Fehr auch hier nicht etwa Folge eines verständlichen Rettungsversuches, sondern völlig ein unnötiges Foulspiel. Ihrem Team haben damit beide Rot-Sünder keinen Dienst erwiesen. Im Gegenteil!

Der japanische Stürmer Daiki Kamo (blaues Trikot) war in Bonn völlig abgemeldet und wurde ausgewechselt – © Archivfoto Jochen Classen

Auch hier wäre für das Trainerteam anzusetzen, wenn man jetzt mit einem Rumpfkader in die bevorstehende Rückrunde gehen muß. Die startet für den WSV bereits am kommenden Freitag um 19:30 Uhr im Kölner Südstadion gegen den Tabellenführer Fortuna Köln. Mit zwei gesperrten Akteuren und immer noch zahlreichen Verletzten geht man erheblich geschwächt in das letzte Pflichtspiel dieses Jahres. Die Situation wird erkennbar prekärer, nachdem gerade an diesem Wochenende in der Abstiegszone gleich vier Mitbewerber um den Klassenerhalt punkten konnten. Da gewann die U23 des VfL Bochum in Düsseldorf völlig überraschend mit 2:0, Rödinghausen gegen Paderborn 2:1 und selbst Schlusslicht Velbert holte einen Punkt gegen Siegen.

Die überlebenswichtigen 20 Punkte

Das Hinspiel gegen Fortuna Köln im Zoo-Stadion hatte der WSV vor 4.449 Zuschauern mit 0:2 verloren. Auch in diesem ersten Saison-Spiel hatte ein Platzverweis die Rot-Blauen Wuppertaler geschockt: Nach rund 20 Minuten leistete sich damals Arambasic einen Ballverlust im Aufbau, zog dann Garcia am Trikot und musste  wegen dieser Notbremse mit glatt Rot runter.

Nachdem später Fehr im Strafraum den Ball an den Oberarm bekam, zeigte der Schiedsrichter auf den Punkt, der fällige Handelfmeter führte zum 1:0 (28.). Mit nur zehn Akteuren überzeugte das Tyrala-Team und kassierte den zweiten Treffer erst kurz vor dem Schlusspfiff.

Möglich, dass die Erinnerungen an dieses starke WSV-Spiel Gaetano Manno beflügelten, als er jetzt in Bonn sagte: „Wir hatten uns als Ziel die 20 Punkte-Marke gesetzt, jetzt müssen wir die fehlenden drei Punkte beim Spitzenreiter Fortuna Köln holen.“ Mit anderen Worten, wer keine Ziele und Träume hat, kann auch keine erreichen, also das scheinbar Unmögliche möglich machen. Auf denn, WSV…!

Text: Siegfried Jähne

Aldin Dervisevic verdanken die Wuppertaler den einen Punkt in Bonn. Er verwandelte den Foulelfmeter in der 3. Spielminute gewohnt sicher – © Archivfoto Jochen Classen

Bonner SC – Wuppertaler SV 1:1 (0:1)

Aufstellung Bonner SC:

31 Elias Jona Börner – 2 Massaman Keita, 3 Roman Doulashi, 7 Eray Ramazan Isik, 9 Serhat Zübeyir Koruk, 10 Maximilian Pommer (82. 19 Emmanuel Clinton Williams), 13 Jonas Berg (70. 11 Yannik Schlößer), 17 Haris Mesic, 23 Tobias Peitz (25. 18 Robin Bird), 27 Julijan Popovic, 30 Markus Dominik Wipperfürth – Trainer: Björn Mehnert

Aufstellung Wuppertaler SV:

24 Michael Luyambula – 2 Subaru Nishimura, 5 Aldin Dervisevic(52. 39 Kilian Bielitza), 13 Hans Juraj Hartmann, 3 Toshiaki Miyamoto – 4 Salmin Rebronja – 37 Amin Bouzraa, 22 Levin Müller (83. 9 Fritz Kleiner), 8 Celal Aydogan, 19 Jeff-Denis Fehr –11 Daiki Kamo (70. 31 Ronay Arabaci) – Trainer: Sebastian Tyrala

Stadion: Sportpark Nord

Zuschauer: 1.530

Tore: 0:1 Dervisevic (3., Foulelfmeter), 1:1 Bird (46.)

 

 

 

 

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