31. März 2020

Patrick Stanke: ‚Corona-Krise trifft uns am härtesten‘

Er stand schon als "Sohn Gottes" in „Jesus Christ Superstar“ auf der Bühne, als Komponisten-Genie Wolfgang Amadeus Mozart in „Mozart“, als Revoluzzer Ché Guevara in „Evita“ oder als Degen-Hero D’Artagnan in „Die 3 Musketiere“. Doch im Moment sitzt Wuppertals Musical-Held Patrick Stanke zuhause - ausgebremst vom Coronavirus. Ein Karriere-Stopp von heute auf morgen. Alle Auftritte wurden abgesagt.

Musical-Star Patrick Stanke – © Thomas Sänger

 

Patrick Stanke, ein Multitalent. Der Musiker, Musical-Star, Gesangslehrer und Schauspieler ist in Deutschlands Musical-Szene seit vielen Jahren als Darsteller mit toller Stimme und viel Charisma sehr gefragt. Als Live-Musiker (u.a. „Stanke ohne Strom“) hat sich der 40jährige eine treue Fangemeinde geschaffen. Doch das alles zählt im Moment nicht.Wann und wie es in der Kunst- & Kulturszene weiter geht, steht in den Sternen. Doch wie wird Patrick Stanke mit der bislang einmaligen Situation fertig? Die STADTZEITUNG hat bei ihm nachgefragt.

DS: Wie gehen Sie als Künstler mit der Coronakrise um?

Patrick Stanke: „Unsere Zunft trifft sie am härtesten. Seit Tag eins gibt es ja ein Aufführungsverbot. Und das bedeutet für uns Sänger und Schauspieler den absoluten Super GAU! Es trifft mich und meine kleine Familie zum äusserst ungünstigen Zeitpunkt überhaupt.“

DS: Wie ist das zu verstehen?

Patrick Stanke: „Natürlich legt man sich als Freiberufler eine Sicherheit beiseite und sorgt in guten Zeiten dafür, dass es in schlechten Zeiten auch weiter geht! Nur gerade in diesem Jahr haben wir alles auf Risiko gesetzt, ein Haus gekauft und alle unsere Ersparnisse dort hinein gesteckt. Und das in der festen Überzeugung, dass wir im laufenden Jahr mit den vielen festen Aufträgen alles auffangen können, was wir Neues aufgebaut haben. Und dann kam Corona! Alle Aufträge, alle Konzerte und Veranstaltungen abgesagt! Da schläft man dann erstmal nicht mehr so ruhig!“

 

DS: Sie sind Familienvater, wie werden Ihre Kids damit fertig, dass ihr Papa jetzt (fast) immer zuhause ist?

Patrick Stanke: „Da unser Haus durch die Krise noch nicht fertig ist, schlafen wir seit acht Wochen auf Matratzen auf dem Fussboden in der Wohnung meiner Eltern! Papa ist jetzt viel zu Hause! Wir versuchen natürlich die guten wie auch die schwierigen Momente gut zu meistern. Es ist eine harte Nuss, die wir alle gerade knacken müssen.“

DS: Können Sie die gemeinsame Zeit mit der Familie überhaupt einigermassen geniessen, wenn Sie von Sorgen, vielleicht sogar von Existenzängsten geplagt werden?

Patrick Stanke: „Jetzt kommt der NRW-Rettungsschirm, über den ich selbstverständlich sehr dankbar bin, sollte ich ihn bewilligt bekommen. Aber auch dieser wird nicht die ganze Krise auffangen. Es sind ja nicht nur die Einnahmen, die aktuell wegbrechen. Es gibt ja auch die Planungsunsicherheit der Kunden, die sich jetzt erst einmal auf nichts Konkretes einlassen wollen. Das kann ich gut nachvollziehen! Ich denke, auch wenn wir das wirklich bis Mitte April geschafft haben und es dann wieder im Alltag normal laufen wird, wird der Schaden meiner Kollegen und von mir weit ins neue Jahr reichen! Und ich kann mir beim besten Willen noch nicht vorstellen, dass wir im Mai wieder fröhlich ins Theater gehen und dort für die Sommerproduktionen Proben werden.“

DS: Wie ist man als Künstler in solch einer extremen Situation überhaupt abgesichert?

Patrick Stanke: „Man ist überhaupt nicht abgesichert, da wir ja Freiberufler sind. Wenn wir an einem Theater arbeiten, sind wir zwar festangestellt, allerdings als Gastkünstler. Das bedeutet, wir haben die gleichen Renten- und Sozialabgaben wie ein fest Angestellter, aber lange nicht die gleichen Rechte. Wir haben keine Lohnfortzahlung und bekommen auch kein Ausfall-Geld oder ähnliches. Wir müssen alles selber tragen und stehen ziemlich alleine da.“

DS: Inwieweit lindert die Künstlersozialkasse jetzt die Verluste der Künstler ab, die momentan keinerlei Möglichkeiten haben, aufzutreten und Geld zu verdienen?

Patrick Stanke: „Eigentlich auch nicht wirklich. Wir müssen dort zu Beginn eines jeden Jahres die geschätzten Einkünfte angegeben. Auf dieser Basis wird dann die monatliche Belastung berechnet. Das kann man jetzt aufgrund der neuen Situation regulieren und anpassen lassen. Was nicht wirklich viel bringt, da wir ja auch die NRW-Hilfen versteuern, also als echte Einnahmen verbuchen müssen.“

Ein Herz für Bedürftige: Patrick Stanke als ehrenamtlicher Helfer bei der Essensausgabe der „Wuppertaler Tafel“. Rechts der Student Julian Bellenbaum – © Paul Coon

 

DS: Wie gehen denn die Künstler-Kollegen, mit denen Sie in Kontakt stehen, mit dieser aussergewöhnlichen Situation um?

Patrick Stanke: „Die Kollegen und ich sind natürlich fassungslos und wissen gerade nicht, wo uns finanziell der Kopf steht. Aber wir sind uns alle bewusst, dass es nur so geht! Zuhause bleiben, abwarten und das Virus bekämpfen. Viele sind sehr kreativ und präsentieren kleine Konzerte via Internet. Ich bin leider mit meinem neuen Haus zu sehr beschäftigt, als dass ich mich auch noch online präsentieren könnte.“

 

DS: Es kommen im Moment sehr viele Virologen zu Wort, die zum Teil völlig konträre Meinungen vertreten, inwieweit halten Sie die derzeitigen Massnahmen für gerechtfertigt?

Patrick Stanke: „Ganz klar ist: Genau so musste reagiert werden, alle Massnahmen zur Eindämmung der Pandemie sind wichtig und richtig! Wir sollten auf die Spezialisten hören und genau befolgen, was diese uns raten. Die Bilder und Nachrichten aus Italien, aus Paris und dem restlichen Frankreich sind erschreckend und ich kann nur jedem Menschen sagen: Bleib zu Hause!“

 

DS: Vielen Dank für Ihre offenen und ehrlichen Worte. Wir drücken Ihnen, Ihren Kolleginnen und Kollegen die Daumen, dass Sie die Coronakrise gesundheitlich und wirtschaftlich gut überstehen.

Das Gespräch führte Peter Pionke

Ein Herz für Bedürftige: Patrick Stanke als ehrenamtlicher Helfer bei der Essensausgabe der „Wuppertaler Tafel“. Rechts der Student Julian Bellenbaum – © Paul Coon

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