{"id":94838,"date":"2026-10-23T13:02:17","date_gmt":"2026-10-23T11:02:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=94838"},"modified":"2026-10-23T13:02:17","modified_gmt":"2026-10-23T11:02:17","slug":"die-zeiten-wo-riesige-firewalls-schuetzten-sind-vorbei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2026\/10\/23\/die-zeiten-wo-riesige-firewalls-schuetzten-sind-vorbei\/","title":{"rendered":"Die Zeiten, wo riesige Firewalls sch\u00fctzten, sind vorbei"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_94842\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1717px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-94842 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Jager-Mues-2.jpeg\" alt=\"\" width=\"1707\" height=\"1134\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Die Wissenschaftler Prof. Dr.-Ing. Tibor Jager (l.) und Jun.Prof. Dr. Malte Mues besch\u00e4ftigen sich intensiv mit dem Sicherheitsrisiko Hacker &#8211; \u00a9 UniService Third Mission<\/span><\/div>\n<p>Autor Uwe Blass hat das brisante Thema in der beliebten, lehrreichen Uni-Reihe &#8222;Transfergeschichten&#8220; aufgegriffen und sich \u00fcber Hackerangriffe, KI und die nahezu vollst\u00e4ndige Abh\u00e4ngigkeit des digitalen Europas mit den Wissenschaftlern Tibor Jager und Malte Mues ausgetauscht.<\/p>\n<p>Man \u00a0kann in den Statuten des Chaos Computer Clubs (CCC) lesen: \u201eDie gr\u00f6\u00dfte Hackervereinigung Europas (\u2026) ist Vermittler im Spannungsfeld technischer und sozialer Entwicklungen, (\u2026) fordert und f\u00f6rdert den Spa\u00df am Ger\u00e4t und lebt die Grunds\u00e4tze der Hackerethik\u201c. \u201eIn der Regel nutzen b\u00f6swillige Hacker irgendwelche Sicherheitsl\u00fccken aus, die sie entweder selber entdeckt haben oder die sie auf dem Schwarzmarkt gekauft haben\u201c, sagt Jager und f\u00e4hrt fort, \u201ees gibt aber auch bei den Nachrichtendiensten solche Leute, die sich Sicherheitsl\u00fccken einkaufen.\u201c Es sei immer schwer vorherzusehen, woher b\u00f6swillige Angriffe k\u00e4men, denn das k\u00f6nne man den Daten nicht ansehen. Aber anhand der Uhrzeiten oder der genutzten Tools, aus denen man vielleicht sogar einen Quellcode identifizieren k\u00f6nne, seien mit detektivischer Arbeit Verursacher oft zu erkennen. \u201eDas k\u00f6nnen Einzelt\u00e4ter oder auch staatlich organisierte Gruppen sein.\u201c<\/p>\n<h4>Social Engineering \u2013 Der Mensch als Ausgangspunkt f\u00fcr Cyberkriminalit\u00e4t<\/h4>\n<p>Jager fasst den Begriff des Hackers weiter und nennt daf\u00fcr ein Beispiel: \u201eWenn man sich mit einer bis dato unbekannten Person zu einem Interview treffen m\u00f6chte und eine andere Person das erf\u00e4hrt, k\u00f6nnte sie theoretisch 15 Minuten fr\u00fcher kommen, sich als die eigentliche Person ausgeben und als erstes den Interviewpartner nach dem vielleicht geheimen Forschungsprojekt fragen. Das nennt man Social Engineering.\u201c (Social Engineering ist die psychologische Manipulation von Menschen, um sie zur Preisgabe vertraulicher Daten, zur Umgehung von Sicherheitsvorkehrungen oder zu finanziellen Transaktionen zu bewegen, Anm. d. Red.). Damit nicht genug, gibt es \u00fcberdies auch Hacker, die z. B. Smartcards oder auch Schl\u00fcssel angreifen, mit denen man anderer Leute B\u00fcro aufschlie\u00dfen k\u00f6nne.<\/p>\n<div id=\"attachment_44822\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 440px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-44822\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Logo-Transfergeschichten.jpg\" alt=\"\" width=\"430\" height=\"138\" \/><span class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Bergische Universit\u00e4t<\/span><\/div>\n<p>Prof. Malte Mues, Juniorprofessor f\u00fcr Reliable Software and Distributed Systems an der Bergischen Universit\u00e4t best\u00e4tigt, dass diese Hackerform des Social Engineering immer st\u00e4rker in den Fokus von Unternehmen r\u00fccke, denn der Mensch sei immer noch das schw\u00e4chste Glied im System. H\u00e4ufiger ge\u00e4nderte Passw\u00f6rter und das Erkennen von Phishing-Mails seien erste Schritte, dagegen anzugehen. \u201eIn der Forschung fokussieren wir uns mehr auf technische Verfahren, die Systeme wirklich gegen Angriffe, wo Leute versuchen etwas technisch zu ver\u00e4ndern, absichern.\u201c Oft handele es sich dabei um noch immer laufende alte Systeme oder vergessene Rechner, etwa in einer Produktionshalle, die mit einer veralteten Windows-Version am Netz hingen, und von Hackern ausfindig gemacht w\u00fcrden. \u201eSo finden Hacker ihre Ziele. Dabei gibt es immer auch Leute, die aus Langeweile suchen, denn es sind nicht nur organisierte staatliche Akteure, sondern ganz oft auch Menschen, die einfach Dinge ausprobieren\u201c, erkl\u00e4rt Mues.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<h4>Umgehen von Sicherheitsbarrieren<\/h4>\n<p>\u201eProgrammierfehler sind die h\u00e4ufigsten Ursachen, warum ein Hacker ins Programm findet, und die M\u00f6glichkeiten sind unheimlich facettenreich\u201c, sagt Jager. Schutzmechanismen wie Passw\u00f6rter oder digitale Signaturen, hinter denen sofort nach Eingabe ein Programmcode pr\u00fcft, ob alles in Ordnung ist, seien Logiken, die aber auch Programmierfehler beinhalten k\u00f6nnten, die einem Hacker als Entree ins Programm dienten. Dann sei es nur eine Frage der Zeit und der Einsatz entsprechender Software, um sich im fremden Computer umzusehen. \u201eDie Passw\u00f6rter waren lange Zeit ein beliebter Trend, der heute gar nicht mehr so beliebt ist, weil man in der Regel ein starkes Passwort hat und dies auch in allen anderen Bereichen benutzt\u201c, sagt Mues und erg\u00e4nzt: \u201eSpotify hat durch das Hacken von Useraccounts vor ein paar Jahren viele Nutzeraccounts verloren, die alle wieder im Darknet auftauchten. Und wenn ich diese Accounts durchsuche, bekomme ich auch das Passwort raus, was damals benutzt wurde, kann mich auf anderen Stellen einloggen und Schaden anrichten. Es gibt eine Liste von h\u00e4ufigen Passw\u00f6rtern, die ist einsehbar und \u00f6ffentlich. Super beliebt in diesen Listen ist das Passwort: 1-2-3, ein Schutz ist da nicht gegeben.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_94844\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 2570px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-94844 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Hacker-n-Action-scaled.jpeg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1350\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Nur ein gro\u00dfes Klischee: Ein Hacker heimlich in Aktion &#8211; \u00a9 Colourbox<\/span><\/div>\n<p>Wer pr\u00fcfen m\u00f6chte, ob die eigene E-Mail bereits gehackt wurde, kann das tun. \u201eEs gibt eine Seite, die hei\u00dft: <a href=\"https:\/\/haveibeenpwned.com\/\">https:\/\/haveibeenpwned.com\/<\/a>. Da kann ich meine Emailadresse eingeben und dann sehen, ob Login-Daten von mir in solchen Leaks enthalten sind und wann und auf welcher Liste meine Passw\u00f6rter bereits aufgetaucht sind\u201c, sagt Mues. Eine andere M\u00f6glichkeit sei das sogenannte Voice Cloning (Voice Cloning ist ein Computerprogramm zum Nachahmen von Stimmen, es nutzt K\u00fcnstliche Intelligenz, um eine menschliche Stimme anhand von H\u00f6rproben t\u00e4uschend echt zu kopieren, Anm. d. Red). Dazu Jager: \u201eEs hat schon Beispiele gegeben, wo Tankstellen ausgeraubt wurden, weil sich ein Hacker per Telefon bei neuen Mitarbeitern als Chef ausgegeben hat und sich die Codes der Apple-Karten hat durchgeben lassen.\u201c Da m\u00fcsse vielerorts noch einiges umgebaut werden, best\u00e4tigt Mues, denn viele Informationen w\u00fcrden immer noch \u00fcber das Telefon \u00fcbermittelt.<\/p>\n<h4>Die L\u00fccke in Systemen finden\u2026 und unerkannt verschwinden<\/h4>\n<p>Schadsoftware oder Trojaner werden meist auf fremden Systemen installiert, wenn es den Hackern gelingt, eine L\u00fccke im bereits bestehenden System zu finden. \u201eDann nutzt man diese L\u00fccke, um darauf Rechte zu bekommen, um etwas zu machen\u201c, erkl\u00e4rt Mues und nennt ein Beispiel aus j\u00fcngster Zeit. \u201eIm Mai sorgte unter anderem die als \u00b4Copy Fail (CVE-2026-31431)` bekannt gewordene Sicherheitsl\u00fccke in Linux-Systemen f\u00fcr Aufsehen, die es lokalen Nutzern erm\u00f6glichte, schnell erweiterte Rechte zu erlangen. Wir nennen das Privilege Escalation. Nutzer mit eingeschr\u00e4nkten Zugriffsrechten waren auf einmal in der Lage, Systeme zu kontrollieren oder auch Daten zu stehlen.\u201c Normalerweise gebe es ein Rechtemanagement im Betriebssystem Linux, aber mit diesem schon seit 10 Jahren herumliegenden St\u00fcck Software konnte jemand auf einmal auf einem Server, wo mehrere Leute Zugriff hatten, beliebige Rechte bekommen und machen, was er wollte.<\/p>\n<p>\u201eMan entdeckt also auch Jahre sp\u00e4ter erst Systeminhalte, die man auch anders nutzen kann als urspr\u00fcnglich gedacht.\u201c \u00c4hnlich verhalte es sich, wenn man jemandem eine PDF mit Schadstoffsoftware schicke. \u00d6ffnet man diese PDF-Datei, k\u00f6nne sie einen Code ausf\u00fchren, den sie eigentlich nicht ausf\u00fchren sollte. Da reiche oft eine fehlerhafte Zeile aus, an der der Hacker dann ansetzen k\u00f6nne. \u201eAuf dem Computer passiert unglaublich viel\u201c, betont Jager, \u201edas kann man gar nicht alles mitschreiben. Systeme haben an bestimmten Stellen solche Logdateien, z. B. Authentifizierungslogs. Wenn ich die als Angreifer finde, kann ich die l\u00f6schen und niemand kann nachvollziehen, dass ich \u00fcberhaupt im System war.\u201c Mues erg\u00e4nzt: \u201eWenn ich einmal die volle Kontrolle \u00fcber den Rechner habe, dann bestimme ich auch, was auf dem Rechner ist, wie die Dateien aussehen und wie die Festplatten aussehen. Dann kann ich die in jeden beliebigen Zustand versetzen, also auch l\u00f6schen.\u201c<\/p>\n<h4>Hackermethoden \u00e4ndern sich<\/h4>\n<p>Auf die Frage nach den g\u00e4ngigsten Hackermethoden, erkl\u00e4rt Mues, dass es mittlerweile einen Wandel in der Vorgehensweise gebe. \u201eFr\u00fcher waren das konzentrierte Aktionen, da hat man ein Unternehmen mehrere Tage angegriffen. Mittlerweile funktionieren diese Angriffe \u00fcber lange Zeit, weil auch das Monitoring besser geworden ist. Man schreibt ein Log und kann es sich direkt angucken, so dass man Anomalien oder ein ungew\u00f6hnliches Userverhalten schneller entdecken kann. Also greife ich ein Unternehmen nicht mehr den ganzen Tag an, sondern warte nach einem Angriff eine Zeitlang ab, damit die Monitoringsysteme vielleicht auch sagen, das wieder alles in Ordnung sei und starte dann den n\u00e4chsten Angriff.\u201c Durch KI-Systeme spiele der Zeitfaktor keine Rolle mehr. So k\u00f6nne ein Angreifer schleppnetzm\u00e4\u00dfig durch das Internet gehen und schauen, was passiert.<\/p>\n<h4>Der gute und der schlechte Hacker und die schwierige Gesetzeslage<\/h4>\n<p>Nicht jeder Hacker ist kriminell. Man unterscheidet in der Branche zwischen Black-Hat-Hacker, White-Hat-Hacker und Grey-Hat-Hacker. Mues erkl\u00e4rt es: \u201eBlack-Hat-Hacker ist, glaube ich, die einfachste Kategorie an der Stelle. Das sind Leute, die eine b\u00f6se Absicht haben und Unternehmen angreifen, weil sie es auseinandernehmen wollen. Nun gibt es aber auch Leute, die versuchen das Unternehmen zu sch\u00fctzen und die pr\u00fcfen dann die Verteidigungsstruktur. Das sind oft Menschen, die sich im Social Engineering auskennen und die ihr Wissen zum Wohle des Unternehmens einsetzen. Die nennt man White-Hat-Hacker.\u201c \u201eWir haben sogar ein White-Hat-Hackerteam hier am Lehrstuhl\u201c, lacht Jager, \u201edas sind Studierende, die sich gerne kreativ mit Technik auseinandersetzen. Die versuchen zu verstehen, wie Hackerangriffe funktionieren, um zu lernen. Oft versteht man auch erst, was der eigene Computer macht, wenn man sich die Frage stellt: \u00b4Was passiert denn, wenn ich hier mal anders rangehe? ` Das ist ein freiwilliges Hobbyprojekt, die vernetzen sich und da achten wir auch die Hackerethik, d.h. keine fremden Systeme angreifen ohne Konsens, nur das anschauen, was vereinbart ist.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_94845\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1510px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-94845 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Sicherheit-im-Netz.jpg\" alt=\"\" width=\"1500\" height=\"1000\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Kann es absolute Sicherheit im Netz \u00fcberhaupt geben? &#8211; \u00a9 Colourbox<\/span><\/div>\n<p>\u201eGrey-Hat-Hacker\u201c, f\u00e4hrt Mues fort, \u201esind dann alle Hacker dazwischen.\u201c Und dieser Grad dazwischen sei recht schmal, da die Gesetzeslage in Deutschland suboptimal sei. Das best\u00e4tigt auch sein Kollege und erkl\u00e4rt: \u201eWirklich ungl\u00fccklich in Deutschland ist, dass es zum Beispiel den sogenannten Hackerparagraphen \u00a7202c StGB gibt. Da steht, dass nicht unterschieden wird zwischen denen, die Sicherheitsl\u00fccken entdecken und gutm\u00fctig melden und jenen, die sie entdecken und b\u00f6swillig nutzen.\u201c Das Problem sei, f\u00fchrt Mues aus, dass, wenn jemand im Auftrag im Netz suche, k\u00f6nne er m\u00f6glicherweise etwas finden, nach dem er gar nicht gesucht habe, mache sich dann aber unwissentlich strafbar. Das Aussp\u00e4hen gelte dann bereits als Straftat, wenn man es gescannt habe. \u201eSo leben selbst White-Hat-Hacker, die diesen Prozess befolgen, gef\u00e4hrlich.\u201c Habe man dann noch in einem Verfahren einen nicht technikaffinen Richter, kann der Fall kritisch werden.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<h4>No backup \u2013 no mercy<\/h4>\n<p>Sichere Systeme baue man heute anders als fr\u00fcher, erkl\u00e4rt Jager anhand des Beispiels eines Kartenhauses. \u201eWenn ich mir vorstelle, dass die ganze Netzwerkstruktur der Universit\u00e4t wie ein Kartenhaus aussieht, gehe ich heute so vor, dass ich mit m\u00f6glichst vielen Karten und m\u00f6glichst stabil arbeite, so dass ich auch an der einen oder anderen Stelle Karten entfernen kann, ohne dass das Haus zusammenbricht. Das ist der moderne Ansatz, so sollte man IT-Systeme heute bauen.\u201c Fr\u00fcher habe man das Kartenhaus mit so wenigen Karten wie m\u00f6glich gebaut, einen gro\u00dfen Zaun drum herum erstellt und gehofft, dass den niemand \u00fcberwinden k\u00f6nne. Wenn doch, f\u00fchrte das dazu, dass schon das Entfernen einer einzigen Karte das Haus zum Einsturz brachte. Sicherheit ist also die erste Devise und es gibt immer wieder Beispiele, wie man es nicht machen sollte. In Rum\u00e4nien hat vor Kurzem ein Hacker den kompletten Immobilienmarkt lahmgelegt. Er drang in das Netz der Katasterbeh\u00f6rde ein und versuchte nachher, das Amt mit den erbeuteten Daten zu erpressen. Als das nicht gelang, l\u00f6schte er die komplette Grundbuchdatenbank des Landes.<\/p>\n<p>Jager ist da mitleidslos und sagt als Fachmann mit einem Augenzwinkern: \u201eNo backup, no mercy!&#8220; und f\u00e4hrt dann fort: &#8222;Man muss sich \u00fcberlegen, da gab es eine wichtige Datenbank. Mit der M\u00f6glichkeit, dass irgendwann irgendwer darankommt und angreift, muss man heute einfach rechnen. Ein so gro\u00dfes System komplett abzusichern ist sicherlich hoffnungslos. Aber man muss nat\u00fcrlich fragen, warum es da keine Sicherungskopie gab, und warum diese Sicherheitskopie nicht irgendwo hinterlegt wurde, so dass der Hacker nicht drankommt.\u201c Schon seit vielen Jahrzehnten sei das bei wichtigen Daten, Usus, st\u00e4ndig sehr sorgf\u00e4ltige Backup-Kopien anzulegen, diese vom Netz loszukoppeln und die Kopie zum Beispiel in einen Safe zu legen.<\/p>\n<p>Bei besonders wichtigen Daten, zum Beispiel bei Banken, lagerten Kopien sogar normalerweise geographisch weit voneinander entfernt an anderen Standorten. Es gebe auch die M\u00f6glichkeit, Daten geschickt so aufzuteilen, dass ein Teil davon den Angreifern in die H\u00e4nde fallen kann, ohne dass diese damit etwas anfangen k\u00f6nnten. Die Technik daf\u00fcr sei mittlerweile vorhanden. \u201eUnser Start-up utilacy, welches aus meinem Lehrstuhl heraus entstanden ist, hat hier auch eine Technik daf\u00fcr entwickelt, wie man Daten in drei, vier, f\u00fcnf verschiedene Systeme aufteilen kann\u201c, sagt Jager. \u201eZusammen mit den \u00fcblichen Sicherheitsma\u00dfnahmen ist das der st\u00e4rkste Schutz, den man derzeit technisch erreichen kann. Und es geht auch relativ einfach.&#8220;<\/p>\n<h4>Ein zentralisiertes System f\u00fcr 80 Millionen Menschen?<\/h4>\n<p>Hackerangriffe wird es immer geben, doch es gibt auch Ideen, wie man den Schutz besser gew\u00e4hrleisten kann. Mues denkt da z. B. an Verwaltungsstrukturen. \u201eIch glaube, dass Verwaltung in Deutschland auch sehr viel dezentral organisiert wird. Wir fangen erst an, alles zu zentralisieren, aber im Moment ist es so, dass jeder Kreis und jede kleine Kommune lange lahmgelegt sind, wenn sie angegriffen wird. Wenn ich das jetzt alles zentralisiere und in eine Datenstruktur packe, die in einer Datenbank liegt, dann gibt es schlie\u00dflich ein einheitliches System f\u00fcr 80 Millionen Menschen, wo ich auch wirklich etwas bewirken kann. Ich schaffe nicht f\u00fcr 100 Landkreise eigene IT-Center mit denen ich mich auseinandersetzen muss, sondern ich konsolidiere die in eine gro\u00dfe Infrastruktur. Dann habe ich ein oder zwei attraktive Ziele und die werden auch sicher viele Angriffe abkriegen. Es gibt diesen Telecom Security Monitor (https:\/\/sicherheitstacho.eu) und wir sind im Schnitt bei zwei Millionen detektierten Angriffen pro Stunde.\u201c<\/p>\n<p>Da es sowieso einen Grundtraffic von Angriffen gebe, sei es sinnvoller, die Aufmerksamkeit auf ein gro\u00dfes, attraktives Ziel zu lenken, was man verteidigen k\u00f6nne. Das gleiche gelte f\u00fcr das Cloud-System (Ein Cloud-System speichert Daten und Rechenleistung nicht lokal auf einem Computer, sondern auf externen Servern im Internet, Anm. d. Red.). \u201eMan muss sich dar\u00fcber bewusster werden und mehr Kompetenzen aufbauen\u201c, erg\u00e4nzt Jager, und das muss ordentlich geschehen und kostet auch Geld. Aber wenn man an der Sicherheit spart und dann angegriffen wird, wird es am Ende noch viel teurer.&#8220;<\/p>\n<h4>KI macht sich selbst\u00e4ndig<\/h4>\n<p>Nun gibt es aber auch Hackerangriffe, die direkt durch die KI passieren. Der US-Konzern OpenAI hat die Verantwortung f\u00fcr einen Hackerangriff auf die KI-Plattform Hugging Face im Juli 2026 \u00fcbernommen. Dieser au\u00dfergew\u00f6hnliche Vorfall zeigt das Risiko potentieller Cyberattacken durch k\u00fcnstliche Intelligenz. Beim Testlauf neuer KI-Modelle von OpenAI drang die Software eigenst\u00e4ndig in Computersysteme einer anderen KI-Firma ein. Da hat die KI sozusagen den gesch\u00fctzten Raum eigenst\u00e4ndig verlassen. Den Hype um diese Meldung kann Jager nicht nachvollziehen, denn \u201eKI ist ziemlich gut darin, Muster in komplexen Daten zu erkennen, also auch Sicherheitsl\u00fccken in komplexen Daten zu erkennen\u201c, erkl\u00e4rt der Fachmann.<\/p>\n<div id=\"attachment_94846\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1510px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-94846 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Digitalisierung-Fluch-und-Segen-2.jpg\" alt=\"\" width=\"1500\" height=\"1000\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Digitalisierung: Fluch und Segen zugleich &#8211; \u00a9 Colourbox<\/span><\/div>\n<p>\u201eJe leistungsf\u00e4higer die KI wird, desto besser wird sie. Dass KI so gut darin ist, Sicherheitsl\u00fccken zu finden, ist auch ein gro\u00dfer Vorteil, denn jetzt kann jeder anfangen, Sicherheitsl\u00fccken in den eigenen Systemen zu finden und sie abzusichern. Das entlastet auch bisherige Arbeitsbereiche, wo sich Menschen damit intensiv besch\u00e4ftigen mussten. Es gibt Fachleute, die sagen, durch KI werden unsere Systeme sicherer werden, weil wir uns nicht mehr nur auf einige wenige Spezialisten st\u00fctzen m\u00fcssen.\u201c Das Problem sei aber, dass die meisten Anbieter, also OpenAI und wie sie alle hei\u00dfen, meist amerikanische oder chinesische Konzerne seien, und es fehle das europ\u00e4ische \u00c4quivalent. Jager fragt daher: \u201eWarum stecken wir nicht da mehr Ressourcen hinein? Auch im Bereich IT-Sicherheitsforschung! Im Augenblick sind wir, was solche KI-Methoden angeht, sehr stark von anderen abh\u00e4ngig.\u201c Die Technologie an sich sei jedenfalls ein Vorteil.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<h4>Abh\u00e4ngigkeiten beenden<\/h4>\n<p>Zwar rede man st\u00e4ndig davon, dass es souver\u00e4ne L\u00f6sungen f\u00fcr ein digitales Europa geben m\u00fcsse, sagt Mues, aber die gesamten Chip-Labs (Halbleiter-Designlabore) s\u00e4\u00dfen woanders. \u201eWir kaufen Hardware und Software im Ausland.\u201c Ein brisanter Vorgang in den Vereinigten Staaten Anfang des Jahres, unterst\u00fctzte noch einmal den Wunsch nach Unabh\u00e4ngigkeit. Mues fasst ihn so zusammen: \u201eDas Wei\u00dfe Haus hatte vor\u00fcbergehende Exportkontrollen f\u00fcr fortschrittliche KI-Modelle wie Fable 5 und Mythos 5 verh\u00e4ngt, wodurch das Unternehmen gezwungen war, den Zugriff f\u00fcr ausl\u00e4ndische Nutzer einzuschr\u00e4nken. Das war zu diesem Zeitpunkt die beste KI, die f\u00fcr Sicherheitsl\u00fccken zur Verf\u00fcgung stand.\u201c Fachleute diskutierten daraufhin auch die M\u00f6glichkeiten, die sich durch KI als potentielle Waffe im Softwarebereich ergeben k\u00f6nnten sowie die Frage, was passieren w\u00fcrde, wenn die Weiterentwicklung von ChatGPT 6 f\u00fcr Europa nicht mehr zug\u00e4nglich w\u00e4re.<\/p>\n<h4>Chancen im Cyberraum<\/h4>\n<p>Im Cyberraum k\u00f6nnen viele Dinge digitalisiert werden, die dem B\u00fcrger lange Wartezeiten bei Beh\u00f6rden und Unternehmen ersparen. Mues nennt die Anmeldung des Autos beim Stra\u00dfenverkehrsamt oder die Anmeldung und Abholung des Personalausweises. \u201eForschungen funktionieren besser, weil es diese Netzwerke gibt. Man muss aber bedenken, dass man jetzt auch technisch andere Risiken einkauft. Die Risiken sind da, seitdem wir das Internet haben, wir realisieren sie nur heute mehr.\u201c<\/p>\n<p>Tibor Jager nennt zum Schluss noch ein sehr gelungenes Beispiel europ\u00e4ischer Digitalisierung. \u201eEine gute Erfolgsgeschichte in der Digitalisierung ist die Corona Warn-App. Die ersten Versionen davon waren sehr schlechte Designs, bis dann ein Team aus Lausanne gesagt hat: das funktioniert nicht, wir bauen das jetzt mal richtig. Die haben dann Zeit und Ressourcen investiert und ein vern\u00fcnftiges Protokoll entwickelt. Apple und Google haben dann gl\u00fccklicherweise deren Protokoll \u00fcbernommen und alle anderen haben dieses Programm schlie\u00dflich adaptiert.\u201c<\/p>\n<p>Beide Wissenschaftler wissen um die Chancen und M\u00f6glichkeiten der sinnvollen Nutzung der Digitalisierung und sagen: \u201eWenn wir die Techniken, die da sind, nicht nutzen, werden wir immer \u00f6fter von Hackerangriffen lesen, die Unternehmen \u00fcber l\u00e4ngere Zeit arbeitsunf\u00e4hig machen.\u201c<\/p>\n<p><strong>Uwe Blass<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_94847\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 460px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-94847 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Jager-Mues-2.jpg\" alt=\"\" width=\"450\" height=\"290\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Die Wissenschaftler Prof. Dr.-Ing. Tibor Jager (l.) und Jun.Prof. Dr. Malte Mues &#8211; \u00a9 UniService Third Mission<\/span><\/div>\n<h4>\u00dcber Prof. Dr.-Ing. Tibor Jager \u00a0&amp; Jun.-Prof Dr. Malte Mues<\/h4>\n<p>Prof. Dr.-Ing. Tibor Jager leitet die Abteilung IT Security and Cryptography der Fakult\u00e4t Elektrotechnik, Informationstechnik und Medientechnik an der Bergischen Universit\u00e4t.<\/p>\n<p>Jun.-Prof. Dr. Malte Mues leitet die Abteilung Reliable Software and Distributed Systems der Fakult\u00e4t Elektrotechnik, Informationstechnik und Medientechnik an der Bergischen Universit\u00e4t Wuppertal.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eWir stellen uns immer vor, ein Hacker ist jemand mit einer Skimaske, der vor seinem Rechner sitzt und \u00fcbers Internet irgendwelche anderen Systeme angreift\u201c, sagt Prof. Tibor Jager, Leiter des Lehrstuhls IT Security and Cryptography der Fakult\u00e4t Elektrotechnik, Informationstechnik und Medientechnik an der Bergischen Universit\u00e4t, doch ganz so einfach sei das nicht, denn in erster Linie handele es sich immer um Programmierer, die auch in guter Absicht kreativ mit Technik umgehen k\u00f6nnten. Ganz aktuell bereitete die PHP-Sicherheitsl\u00fccke vielen Unternehmen und Usern gro\u00dfe Sorgen.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-94838","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissen"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-10-30 12:40:45","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/94838","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=94838"}],"version-history":[{"count":12,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/94838\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":94855,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/94838\/revisions\/94855"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=94838"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=94838"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=94838"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}