{"id":94497,"date":"2026-10-05T15:13:36","date_gmt":"2026-10-05T13:13:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=94497"},"modified":"2026-10-05T15:14:14","modified_gmt":"2026-10-05T13:14:14","slug":"kann-einsamkeit-demokratie-gefaehrden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2026\/10\/05\/kann-einsamkeit-demokratie-gefaehrden\/","title":{"rendered":"Kann Einsamkeit die Demokratie gef\u00e4hrden?"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_94500\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 2570px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-94500 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Joris_Steg-Presse-2-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1797\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Der Soziologe Dr. Joris Steg erforscht das Thema Einsamkeit &#8211; \u00a9 Fakult\u00e4t f\u00fcr Human- und Sozialwissenschaften<\/span><\/div>\n<p><b>Einsamkeit ist ein kollektives gesellschaftliches und politisches Ph\u00e4nomen, dass nicht mehr nur \u00c4ltere betrifft.\u00a0<\/b><b>Was ist Einsamkeit eigentlich?<\/b><\/p>\n<p>Joris Steg: &#8222;Zun\u00e4chst einmal ist Einsamkeit nicht das Gleiche wie Alleinsein oder wie soziale Isolation, auch wenn diese Begriffe oft synonym verwendet werden. Soziale Isolation bezeichnet den objektiven Mangel an sozialen Kontakten. Und Alleinsein ist grunds\u00e4tzlich ein neutraler, manchmal sogar gewollter Zustand. Einsamkeit dagegen verweist stets auf etwas Negatives und Belastendes, auf Leidensdruck und ein Gef\u00fchl des Mangels. Einsamkeit kann definiert werden als subjektives Gef\u00fchl, das entsteht, wenn die sozialen Beziehungen als unzureichend wahrgenommen werden \u2013 wenn also eine L\u00fccke und Diskrepanz besteht zwischen der Quantit\u00e4t und vor allem der Qualit\u00e4t der sozialen Beziehungen, die man sich w\u00fcnscht oder die man braucht, und den sozialen Beziehungen, die man tats\u00e4chlich hat. Einsamkeit ist nicht einfach ein objektiver Mangel an Kontakten, sondern ein subjektiv gef\u00fchlter Mangel an sozialer Zugeh\u00f6rigkeit. Man kann allein sein, ohne sich einsam zu f\u00fchlen. Und man kann einsam sein, obwohl man nicht allein ist. Bei Einsamkeit geht es immer um ein belastendes Gef\u00fchl und ein schmerzhaftes Empfinden, weil die sozialen Beziehungen als unzureichend wahrgenommen werden.&#8220;<\/p>\n<p><b>Wenn Einsamkeit auf ein subjektives Gef\u00fchl verweist, warum befasst sich dann nicht nur die Psychologie, sondern mittlerweile auch die Soziologie als Wissenschaft von der Gesellschaft mit Einsamkeit?<\/b><\/p>\n<p>Joris Steg: &#8222;Zun\u00e4chst einmal besch\u00e4ftigt sich auch die Soziologie mit Einsamkeit, weil dieses Ph\u00e4nomen mittlerweile gesellschaftlich so weit verbreitet ist. Es wird auch von der \u201eEpidemie der Einsamkeit\u201c gesprochen oder Einsamkeit wird von Forschenden als \u201esoziale Frage\u201c bezeichnet. Einsamkeit ist also nicht nur ein individuelles und psychologisches Problem, sondern auch ein kollektives Ph\u00e4nomen und damit ein gesellschaftliches und politisches Problem. Dar\u00fcber hinaus hat Einsamkeit auch in Bezug auf die Ursachen und Folgen eine soziale Dimension: Einsamkeit entsteht n\u00e4mlich nicht im luftleeren Raum, sondern ist gesellschaftlich wenigstens mitbedingt.<\/p>\n<div id=\"attachment_44822\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 440px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-44822\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Logo-Transfergeschichten.jpg\" alt=\"\" width=\"430\" height=\"138\" \/><span class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Bergische Universit\u00e4t<\/span><\/div>\n<p>Gesellschaftliche Krisen wie z.B. die Corona-Pandemie, soziale Strukturen und gesellschaftliche Entwicklungstrends wie die Individualisierung, die soziale Infrastruktur, die Digitalisierung und der mediale Strukturwandel oder Ungleichheitsmuster, haben Einfluss darauf, wie viele und welche Menschen sich einsam f\u00fchlen. Auch bei den Folgen zeigt sich, dass Einsamkeit neben den individuellen Folgen auch gesellschaftliche und politische Auswirkungen hat. Hohe Einsamkeitswerte zeigen also nicht nur individuelle Probleme an, sondern verweisen auch und gerade auf den Umstand, dass in der Gesellschaft etwas nicht stimmt und nicht richtig funktioniert.&#8220;<\/p>\n<p><b>Bevor wir auf die Folgen zu sprechen kommen: Vor allem w\u00e4hrend und nach der Corona-Pandemie hat man Einsamkeit verst\u00e4rkt bei jungen Menschen festgestellt. Bei den 16- bis 23-j\u00e4hrigen in Deutschland geben laut Studien \u00fcber 50 Prozent an, dass ihnen manchmal oder immer Gesellschaft fehlt. Haben die das Kontaktkn\u00fcpfen in der Krise verlernt oder warum sind gerade junge Menschen von Einsamkeit betroffen?<\/b><\/p>\n<p>Joris Steg: &#8222;In der Tat erleben wir derzeit einen strukturellen Wandel. Einsamkeit galt traditionell als Ph\u00e4nomen \u00e4lterer Menschen, das vor allem \u00fcber 80-J\u00e4hrige getroffen hat. Seit einigen Jahren k\u00f6nnen wir aber beobachten, dass junge Menschen die Gruppe mit den h\u00f6chsten Einsamkeitswerten sind. Vor allem seit der Corona-Pandemie ist die Anzahl einsamer junger Menschen rapide angestiegen. Ich w\u00fcrde aber nicht unbedingt sagen, dass junge Menschen das Kontaktkn\u00fcpfen in der Krise verlernt haben. Selbstverst\u00e4ndlich hat die Corona-Pandemie mit ihren Ma\u00dfnahmen zur Eind\u00e4mmung \u2013 Lockdowns, Schulschlie\u00dfungen, Kontaktbeschr\u00e4nkungen etc. \u2013 gro\u00dfen Einfluss auf das Sozialverhalten und auf das Einsamkeitsempfinden der Menschen gehabt. Und gerade junge Menschen wurden von diesen Ma\u00dfnahmen in einer besonders sensiblen Entwicklungs-, Sozialisations- und Lebensphase, in der die Ausbildung von sozialen Beziehungen, Zugeh\u00f6rigkeiten und der eigenen Identit\u00e4t eine gro\u00dfe Rolle spielt, getroffen. Man kann aber nicht alles ausschlie\u00dflich mit der Pandemie erkl\u00e4ren.<\/p>\n<div id=\"attachment_94501\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1477px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-94501 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Einsam-1.jpg\" alt=\"\" width=\"1467\" height=\"1331\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Immer mehr Jugendliche f\u00fchlen sich einsam &#8211; \u00a9 \u00a0UniService Third Mission<\/span><\/div>\n<p>Wir k\u00f6nnen gerade ein Paradox erleben: Junge Menschen sind, gerade durch die sozialen Medien, so stark vernetzt und verbunden wie noch nie. Und trotzdem \u2013 oder gerade deshalb \u2013 f\u00fchlen sich so viele junge Menschen so einsam wie noch nie. Wenn es um die hohen Einsamkeitswerte bei jungen Menschen geht, m\u00fcssen neben den l\u00e4ngerfristigen Folgen der Pandemie, die gewiss eine zentrale Rolle spielen, auch andere strukturelle gesellschaftliche Entwicklungen und insbesondere der Einfluss der sozialen Medien als Faktor ber\u00fccksichtigt werden. Diese scheinen ambivalent zu wirken: Auf der einen Seite k\u00f6nnen soziale Medien Gef\u00fchlen der Einsamkeit entgegenwirken, weil man leicht Kontakte kn\u00fcpfen kann, auf der anderen Seite scheinen sie Gef\u00fchle der Einsamkeit zu bef\u00f6rdern, weil die Kontakte oftmals eher oberfl\u00e4chlich und fluide sind \u2013 und eben keine langfristige N\u00e4he und enge Bindungen erzeugen.&#8220;<\/p>\n<p><b>Jetzt ist es ja nicht so, dass einsame Menschen partout keinen Kontakt m\u00f6chten, aber es funktioniert oft nicht. Warum ist das so?<\/b><\/p>\n<p>Joris Steg: &#8222;Das ist ein entscheidender Punkt. Manche Menschen sind zwar gerne allein, aber niemand m\u00f6chte einsam sein oder ist freiwillig \u00fcber lange Zeit einsam. Einsamkeit bedeutet eben gerade nicht, dass jemand keinen Kontakt zu anderen Menschen haben m\u00f6chte, sondern dass ein Defizit besteht, dass die sozialen Beziehungen als unzureichend empfunden werden. H\u00e4ufig besteht ein starkes Bed\u00fcrfnis nach Bindung, N\u00e4he und Zugeh\u00f6rigkeit, aber gleichzeitig fehlen die M\u00f6glichkeiten, stabile soziale Beziehungen aufzubauen. Das kann individuelle Ursachen haben. Einsamkeit erzeugt n\u00e4mlich leider oft Verhaltensweisen, die das Problem weiter versch\u00e4rfen. Menschen, die sich einsam, isoliert, ausgeschlossen, nicht zugeh\u00f6rig f\u00fchlen, ziehen sich h\u00e4ufig noch weiter zur\u00fcck, wodurch Kontakte und der Aufbau sozialer Beziehungen erschwert werden. Ein wahrer Teufelskreis kann entstehen. Aber auch strukturelle Bedingungen spielen eine Rolle.<\/p>\n<p>Wie ist die soziale Infrastruktur? In welcher Region lebt man? Gibt es niedrigschwellige M\u00f6glichkeiten und soziale Orte, um andere Menschen kennenzulernen? Wie viel Geld und Freizeit hat man zur Verf\u00fcgung? Hat man im Beruf viel Kontakt zu anderen Menschen? Hinzu kommt die Individualisierung von Einsamkeit und ein Gef\u00fchl der Scham und des Scheiterns: Einsamkeit wird oft als Makel, als pers\u00f6nliches Versagen und individuelle Schuld wahrgenommen \u2013 und deshalb oft verschwiegen, wodurch sich das Problem verschlimmern kann. Einsamkeit ist aber nicht nur ein individuelles, sondern ein kollektives Problem. Einsamkeit zu bek\u00e4mpfen, ist daher nicht nur eine individuelle, sondern auch eine zivilgesellschaftliche und politische Aufgabe.&#8220;<\/p>\n<p><b>Welche Folgen und Auswirkungen hat Einsamkeit denn?<\/b><\/p>\n<p>Joris Steg: &#8222;Auch hier gilt, dass Einsamkeit zwar zuallererst ein individuelles Ph\u00e4nomen ist, aber in Bezug auf die Folgen eine auch soziale und politische Dimension hat. Einsamkeit an sich bedeutet zun\u00e4chst einmal pers\u00f6nliches Leid. Aber Einsamkeit und soziale Isolation bef\u00f6rdern auch noch andere k\u00f6rperliche und psychische Belastungen. Einsamkeit macht krank, darauf weist auch die WHO hin. Einsamkeit, vor allem chronische Einsamkeit, erh\u00f6ht das Risiko f\u00fcr Herz-Kreislauf-Erkrankungen, f\u00fcr ein schw\u00e4cheres Immunsystem, f\u00fcr Diabetes und f\u00fcr psychische Erkrankungen wie Depressionen, Angstst\u00f6rungen und auch f\u00fcr Suizidalit\u00e4t.<b> <\/b>Die Folgen und Auswirkungen von Einsamkeit reichen aber \u00fcber einzelne Personen und individuelle Problemlagen hinaus, sie sind auch gesellschaftlicher und politischer Natur. So sind einsame Menschen weniger zufrieden mit der Demokratie, sie haben auch weniger Vertrauen in Institutionen und Mitmenschen. Einsamkeit kann zudem Ressentiments und antidemokratische Einstellungen bef\u00f6rdern.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_94502\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1930px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-94502 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Caspar_David_Friedrich_-_Der_Moench_am_Meer-_-gemeinfrei.jpg\" alt=\"\" width=\"1920\" height=\"1221\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Der M\u00f6nch am Meer (1808 \u2013 1810) von Caspar David Friedrich. Grunds\u00e4tzlich wird das Bild als Zwiesprache eines einsamen Menschen mit der Natur in einem religi\u00f6sen oder politischen Kontext gelesen &#8211; \u00a9 gemeinfrei<\/span><\/div>\n<p><b>Mit ebendiesen gesellschaftlichen und politischen Folgen befassen sich sozialwissenschaftliche Analysen zunehmend. So wird Einsamkeit unter R\u00fcckgriff auf eine Formulierung der Soziologin Eva Illouz auch als \u201eundemokratische Emotion\u201c bezeichnet. Ein Autorenteam um die Soziologin Claudia Neu schreibt in dem Buch \u201eEinsamkeit und Ressentiment\u201c, Einsamkeit sei \u201edas Gef\u00fchl eines Mangels an sozialen Beziehungen, das nicht nur pers\u00f6nliches Leid, sondern auch demokratiegef\u00e4hrdende Potenziale entfalten kann\u201c. Wissenschaftliche Studien best\u00e4tigen nachweislich, dass chronische Einsamkeit und das Gef\u00fchl gesellschaftlicher Isolation die Anf\u00e4lligkeit f\u00fcr rechtspopulistische und autorit\u00e4re Positionen erh\u00f6hen. Kann Einsamkeit die Demokratie gef\u00e4hrden?<\/b><\/p>\n<p>Joris Steg: &#8222;Nat\u00fcrlich ist nicht jeder einsame Mensch automatisch demokratiefeindlich eingestellt und Demokratien gehen auch nicht zwangsl\u00e4ufig zugrunde, wenn es viele einsame Menschen gibt. Aber Einsamkeit ist definitiv ein demokratietheoretisch und praktisch-politisch relevantes Problem. Einsame Menschen haben im Durchschnitt weniger Vertrauen in Demokratie, Institutionen und Mitmenschen. Wenn Einsamkeit chronisch wird, ver\u00e4ndern sich die Wahrnehmung von der Welt und der Blick auf die Gesellschaft. Und es gibt, wie schon angedeutet, sehr robuste empirische Hinweise darauf, dass Einsamkeit mit der Anf\u00e4lligkeit f\u00fcr Ressentiments, Vorurteile, verschw\u00f6rungsideologisches Denken sowie f\u00fcr extrem rechte, autorit\u00e4re und antidemokratische Einstellungen zusammenh\u00e4ngt. Einsamkeit kann also auch zu Radikalisierung f\u00fchren, was gesellschaftlich und politisch gef\u00e4hrlich ist. Wichtig ist an dieser Stelle auch, dass Demokratie mehr ist als nur eine Staats-, Regierungs- und Verfassungsform. Demokratie ist immer auch eine Lebensweise. Demokratie lebt von der Partizipation und Teilhabe der Menschen, Demokratie lebt auch und gerade davon, dass Menschen sich als Teil einer Gemeinschaft begreifen. Wenn Menschen einsam sind und sich ausgeschlossen f\u00fchlen, geht das Gef\u00fchl der Zugeh\u00f6rigkeit verloren und der soziale Zusammenhalt kann erodieren. Einsamkeit kann also die soziale Basis, das gesellschaftliche Fundament von Demokratien untergraben. Einsamkeit ist daher eine gravierende Herausforderung f\u00fcr demokratische Gesellschaften.&#8220;<\/p>\n<p><b>Einsame Jugendliche glauben etwa nicht, dass es sich lohnt, sich f\u00fcr die Gesellschaft zu engagieren, das Vertrauen in demokratische Strukturen ist bei den stark Einsamen deutlich geschw\u00e4cht: 63\u00a0Prozent zeigen sich unzufrieden mit der Demokratie in Deutschland, bei den nicht Einsamen sind es 41\u00a0Prozent, sagt eine Schell-Jugendstudie. Es gibt mittlerweile sogar eine Einsamkeitsstrategie der Bundesregierung von Dezember 2023. Hat der Staat das Problem also erkannt oder wird das Ph\u00e4nomen der Einsamkeit gesellschaftlich und politisch immer noch untersch\u00e4tzt?<\/b><\/p>\n<p>Joris Steg: &#8222;Ich glaube, dass sich gesellschaftlich und politisch gerade etwas ver\u00e4ndert. Einsamkeit wurde lange Zeit eher individualisiert und damit als privates Problem betrachtet. Damit lag dann auch die Verantwortung zur L\u00f6sung des Problems beim Individuum. Mittlerweile hat sich die Wahrnehmung ver\u00e4ndert. Zum einen wird Einsamkeit, weil inzwischen so viele Menschen darunter leiden, sehr viel st\u00e4rker beachtet, in Deutschland wie auch international. Das zeigen Analysen und Zahlen der WHO, die Vielzahl an wissenschaftlichen Studien zum Thema Einsamkeit oder die Einsamkeitsstrategie der Bundesregierung, zu der auch das Einsamkeitsbarometer geh\u00f6rt, das 2026 zum dritten Mal erschienen ist. Zum anderen wird die soziale Dimension von Einsamkeit, also die Tatsache, dass Einsamkeit auch gesellschaftliche und politische Ursachen sowie Folgen hat, mittlerweile sehr viel st\u00e4rker ber\u00fccksichtigt. Beides ist ein gro\u00dfer Fortschritt, denn Einsamkeit wurde lange vernachl\u00e4ssigt und nicht als gesellschaftliches Problem anerkannt. Nur weil das Problem mittlerweile erkannt wurde, hei\u00dft das aber nicht, dass es auch gel\u00f6st wurde.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_94504\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 2570px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-94504 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Bild-scaled.png\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1827\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Einsamkeit ist keine Frage des Alters, es kann jede und jeden treffen &#8211; \u00a9 Pixabay<\/span><\/div>\n<p><b>Welche konkreten Ma\u00dfnahmen gibt es denn schon gegen Einsamkeit? Und was kann man Ihrer Meinung nach kurz- und mittelfristig gegen Einsamkeit machen?<\/b><\/p>\n<p>Joris Steg: &#8222;Gegen Einsamkeit gibt es bereits eine Vielzahl an Strategien und Ma\u00dfnahmen. Alleine die Strategie gegen Einsamkeit der Bundesregierung umfasst deutlich mehr als 100 Ma\u00dfnahmen \u2013 diese reichen von Forschung und Monitoring \u00fcber Hilfs-, Beratungs- und Unterst\u00fctzungsangebote, den Ausbau niedrigschwelliger Begegnungsm\u00f6glichkeiten, die Sensibilisierung und Enttabuisierung bis hin zur seit 2023 j\u00e4hrlich stattfindenden Aktionswoche \u201eGemeinsam aus der Einsamkeit\u201c. Grunds\u00e4tzlich glaube ich, dass sich Einsamkeit nicht mit einer einzelnen Ma\u00dfnahme oder einer einzigen Strategie beseitigen l\u00e4sst. Es ist gut und notwendig, dass der Staat das Problem erkannt hat und etwas gegen Einsamkeit tut, aber diese l\u00e4sst sich nicht per Dekret aus der Welt schaffen. Einsame Menschen d\u00fcrfen nicht alleine gelassen werden, ihnen muss geholfen werden. Ganz konkret mit psychischen Unterst\u00fctzungsleistungen, aber auch in der M\u00f6glichkeit, mit Menschen in Kontakt zu treten.<\/p>\n<p>Da Einsamkeit auch mit strukturellen Faktoren wie der Wohnregion und der Wohnsituation, dem Alter, Armut, fehlender Mobilit\u00e4t und der Nutzung sozialer Medien zusammenh\u00e4ngt, braucht es auch strukturelle Antworten der Politik. Von entscheidender Bedeutung ist meiner Meinung nach, dass eine funktionierende soziale Infrastruktur besteht, die Teilhabe, Zugeh\u00f6rigkeit und soziale Kontakte erm\u00f6glicht. Es braucht Institutionen, Gelegenheiten und soziale Orte, die Begegnungen auf niedrigschwelliger Ebene m\u00f6glich machen, wie Vereine, Bibliotheken, Hofl\u00e4den, Nachbarschaftshilfen, Jugendtreffs oder Kulturzentren. Einsamkeit und Einsamkeitsbek\u00e4mpfung sind nicht nur eine individuelle Frage, sondern ein gesellschaftliches und politisches Problem und damit auch eine gesellschaftliche und politische Aufgabe.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Uwe Blass<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_94506\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 210px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-94506 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Joris_Steg-Presse.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"311\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Dr. Joris Steg &#8211; \u00a9 Fakult\u00e4t f\u00fcr Human- und Sozialwissenschaften<\/span><\/div>\n<h4>\u00dcber Dr. Joris Steg<\/h4>\n<p>Dr. Joris Steg ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut f\u00fcr Soziologie der Fakult\u00e4t f\u00fcr Human- und Sozialwissenschaften der Bergischen Universit\u00e4t.<i><\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Laut Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist jeder sechste Mensch weltweit von Einsamkeit betroffen. In Deutschland f\u00fchlt sich sogar knapp ein F\u00fcnftel der Menschen einsam, sagt eine Studie, die im Auftrag der linksliberalen Denkfabrik &#8218;Das Progressive Zentrum&#8216; entstanden ist. Den Hintergr\u00fcnden geht Autor Uwe Blass im Rahmen der lehrreichen Uni-Reihe &#8222;Transfergeschichten&#8220; im Gespr\u00e4ch mit dem Soziologen Dr. Joris Steg auf den Grund. <\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-94497","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissen"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-10-12 16:41:16","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/94497","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=94497"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/94497\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":94509,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/94497\/revisions\/94509"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=94497"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=94497"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=94497"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}