{"id":93497,"date":"2026-08-14T15:49:36","date_gmt":"2026-08-14T13:49:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=93497"},"modified":"2026-08-14T15:49:36","modified_gmt":"2026-08-14T13:49:36","slug":"siegfried-weischenberg-ein-pionier-der-journalistik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2026\/08\/14\/siegfried-weischenberg-ein-pionier-der-journalistik\/","title":{"rendered":"Siegfried Weischenberg &#8211; ein \u201ePionier der Journalistik\u201c\u00a0"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_93501\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 2570px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-93501 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/RIN_4755-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1816\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Der renommierte, in Wuppertal aufgewachsene Kommunikationswissenschaftler und Soziologe Prof. Dr. Siegfried Weischenberg &#8211; \u00a9 privat<\/span><\/div>\n<p>In Wikipedia wird Dr. Siegfried Weischenberg zusammen mit\u00a0 dem sp\u00e4teren Bundespr\u00e4sidenten Johannes Rau aktuell zu den bekanntesten Absolventen seiner Schule aufgef\u00fchrt. Er selbst sieht sich in der Nachschau eher als &#8222;mittelm\u00e4ssigen Sch\u00fcler &#8220; &#8211; wenn \u00fcberhaupt. Das habe daran gelegen, weil ihn immer wieder etwas anderes mehr als die Schule interessiert habe.<\/p>\n<h4>\u201eFehlendes intellektuelles Niveau\u201c<\/h4>\n<p>Nicht ganz zu Unrecht habe der Schuldirektor es sogar abgelehnt, dem Vorschlag der Abschlussklassen zuzustimmen, Siegfried Weischenberg \u00a0die Abschlussrede halten zu lassen. Seine nicht gerade charmante Begr\u00fcndung, Sch\u00fcler Siegfried Weischenberg w\u00fcrde nicht das intellektuelle Niveau seines Gymnasiums Schule repr\u00e4sentieren. Da mag man schon an dem Urteilsverm\u00f6gen damaligen Schulleiters zweifeln, wenn der Deutschlandfunk Siegfried Weischenberg heute als &#8222;Doyen der Journalistik\u201c (rang\u00e4ltestes Mitglied) adelt und er in der von Jakob Augstein herausgegebenen Journale \u201eder Freitag\u201c als einer der renommiertesten Journalismus-Forscher in Deutschland bezeichnet wird.<\/p>\n<p>Seine journalistische Arbeit hatte Weischenberg nach seiner Schulzeit als Redakteur in der Wuppertaler NRZ- Sportredaktion begonnen, sie fiel in die Zeit der Bundesliga-Jahre des Wuppertaler SV. Es folgten Studien der Soziologie- Wirtschafts- und Kommunikationswissenschaften, Promotion sowie T\u00e4tigkeiten als Professor an den Universit\u00e4ten Dortmund, M\u00fcnster und Hamburg, in Dortmund und Hamburg in der Funktion als Institutsdirektor.<\/p>\n<h4>Sportreporter: \u201eDie Au\u00dfenseiter der Redaktion\u201c<\/h4>\n<p>Mit seiner Promotion \u201eDie Au\u00dfenseiter der Redaktion\u201c (1976) leistete er eine bahnbrechende Arbeit, indem er das bis dahin oft bel\u00e4chelte Sportressort erstmals empirisch und soziologisch analysierte. Bekannt ist Dr. Siegfried Weischenberg nicht nur durch seine \u00a0Schriften zur Journalistik, sondern vor allem auch durch seine vielbeachteten Studien zum Journalismus in Deutschland. Diese f\u00fchrte er Mitte der 1990er-Jahre in M\u00fcnster und ein Jahrzehnt sp\u00e4ter in seiner Wahlheimat Hamburg durch. Sie geh\u00f6ren bis heute zum Kernbestand des Fachs &#8222;Journalistik&#8220; (vgl. exemplarisch Weischenberg et al. 2006).<\/p>\n<div id=\"attachment_93503\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 610px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-93503 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/IMG_9046-2.jpeg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"894\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Ein angesehener Medien-Wissenschaftler: Prof. Dr. Siegfried Weischenberg &#8211; \u00a9 privat<\/span><\/div>\n<p>Weischenbergs Arbeit hat die wissenschaftliche Erforschung des Journalismus in Deutschland ma\u00dfgeblich gepr\u00e4gt und akademisch institutionalisiert. International wie national bekannt ist sein analytisches \u201eZwiebelmodell des Journalismus\u201c, das auf mehreren Ebenen basiert. Es dient als Standard-Referenzrahmen, um die Einfl\u00fcsse auf journalistisches Handeln systematisch einzuordnen.<\/p>\n<h4>Fehlentwicklungen in der \u201eBoulevardisierung\u201c<\/h4>\n<p>Dabei war Siegfried Weischenberg stets einflussreicher und streitbarer Medienkritiker. In der Fachwelt gilt er bis heute als profilierter Debattant, der Fehlentwicklungen im Mediensektor (wie Boulevardisierung, \u00f6konomischen Druck oder Qualit\u00e4tsverlust) klar und unmissverst\u00e4ndlich benannte. Von 1999 bis 2001 war er zudem Bundesvorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV).<\/p>\n<p>In den vergangenen Jahren hat sich der Kommunikationswissenschaftler und Soziologe Weischenberg dem \u00dcbervater der Soziologie, Max Weber, gewidmet. In zwei monumentalen Schriften ging er mit die \u201eVermessung&#8230;\u201c (2014) und die \u201eEntzauberung der Medienwelt\u201c (2012) auf den B\u00fccher-Markt . Sein neuestes Werk tr\u00e4gt den Titel \u201eSchuld und Geheimnis\u201c und beschreibt Bekenntnisse aus Autobiografien von ausgew\u00e4hlten \u201eMedienlegenden\u201c in der deutsch-j\u00fcdischen Publizistik. Es geht hier um Dimensionen des Verschweigens und Verdr\u00e4ngens.<\/p>\n<h4>Dimensionen des Verschweigens und Verdr\u00e4ngens<\/h4>\n<p>Siegfried Weischenberg analysiert in seinem Buch etwa 100 Autobiographien und zeigt auf, wie ausgew\u00e4hlte deutsche Medienlegenden nach dem Zweiten Weltkrieg ihr NS-Mitl\u00e4ufertum munter umdeuteten und relativierten. Es sind\u00a0 gro\u00dfen Namen im Mediengewerbe vor und nach dem Krieg, die hier auftauchen, z.B. Georg Stefan Troller, Sebastian Haffner, Henri Nannen, Werner H\u00f6fer oder Elisabeth Noelle. Siegfried Weischenberg wird konkret: \u201eGeorg Stefan Troller war ein \u00f6sterreichischer Jude, der emigrieren musste und Haffner jemand, der vor den Nazis geflohen ist, die er nicht ertragen konnte. Auf die drei anderen aber trifft &#8218;Mitl\u00e4ufertum&#8216; &#8211; wenn nicht sogar mehr.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_93504\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 610px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-93504 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/9E15A229-083F-4850-A608-8106D07ADCC6.jpeg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"847\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Siegfried Weischenberg &#8211; Schuld und Geheimnis, Herbert von Halem-Verlag &#8211; K\u00f6ln &#8211; 2026 &#8211; \/11 Seiten &#8211; 76,00 \u20ac &#8211; ISBN 978-3-86962-747-2 (als Print \/ PDF \/ eBook erh\u00e4ltlich)<\/span><\/div>\n<p>Was er bei seiner Buch-Recherche findet, reicht bis in unsere Gegenwart. \u201eWer durch Weischenbergs Buch bl\u00e4ttert, wird erst recht belohnt mit einer lebensprallen Innen-Sicht auf den Journalismus aus individuell sehr verschiedenen Perspektiven\u201c, ist der Rezension der renommierten Frankfurter Allgemeinen Zeitung F.A.Z. (\u201e Die Antisemiten sterben nicht aus\u201c) zu entnehmen. Und weiter: \u201eEin opulenter Band zeichnet in 36 Portraits Br\u00fcche und Kontinuit\u00e4ten, Wahrheiten und Lebensl\u00fcgen der deutschen Publizistik nach und kommt zu dem Ergebnis &#8218;Subkutan habe sich der Antisemitismus in den Medien auf diese Weise fortgeschleppt&#8216;.&#8220;<\/p>\n<h4>Wie Legenden die Gegenwart beeinflussen<\/h4>\n<p>Die Entzauberung der besagten Medienlegenden kommt f\u00fcr \u201eOPUS Kulturmagazin\u201c (\u201eKulturmagazin mit Charakter\u201c)\u00a0 zu einem willkommenen Zeitpunkt. Denn hier ist zu lesen: \u201eExtremisten und Populisten aus dem rechten Spektrum der Gesellschaft attackieren mit zunehmender Intensit\u00e4t systematisch Dokumente, Gedenkst\u00e4tten und Spuren, die Zeugnis von den Gr\u00e4ueln des NS-Regimes ablegen. So gesehen ist Schuld und Geheimnis auch ein verdienstvoller Beitrag zur Bewahrung der Erinnerungskultur.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Schuld und Geheimnis&#8220; ist, da ein journalistisch wissenschaftliches Produkt, auch als zeitgeschichtlicher Lesestoff empfehlenswert, welches zeigt, wie Legenden die Gegenwart beeinflussen.<\/p>\n<p><b>Text: Siegfried J\u00e4hne<\/b><b><\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn in den Medien vom \u201ePionier der Journalistik\u201c Prof. Dr. Siegfried Weischenberg (78) die Rede ist, wissen nur noch wenige, dass dieser Wuppertaler Wurzeln hat. Er, einer der bedeutendsten und einflussreichsten deutschen Kommunikationswissenschaftler und Journalistik-Professoren der letzten Jahrzehnte, ist im Stadtteil Wichlinghausen aufgewachsen und besuchte hier in seiner Geburtsstadt das Carl-Duisberg-Gymnasium. Heute macht er insbesondere als Buchautor von sich reden. Sein neuestes Werk tr\u00e4gt den Titel \u201e Schuld und Geheimnis\u201c.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[29],"tags":[],"class_list":["post-93497","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kultur"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-08-21 17:21:38","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/93497","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=93497"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/93497\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":93507,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/93497\/revisions\/93507"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=93497"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=93497"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=93497"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}