{"id":9323,"date":"2016-02-24T10:14:00","date_gmt":"2016-02-24T09:14:00","guid":{"rendered":"http:\/\/192.168.10.16\/newsportal\/stadtzeitung\/index.php\/2016\/11\/12\/wsv-torwart-manni-mueller-machte-ein-traumkarriere\/"},"modified":"2022-01-31T17:13:55","modified_gmt":"2022-01-31T16:13:55","slug":"wsv-torwart-manni-mueller-machte-ein-traumkarriere","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2016\/02\/24\/wsv-torwart-manni-mueller-machte-ein-traumkarriere\/","title":{"rendered":"WSV-Torwart Manni M\u00fcller machte ein Traumkarriere"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Manfred M\u00fcller war 18 Jahre lang Fu\u00dfballprofi. \u201eIch hatte halt immer das Pech, beim falschen Verein zu spielen\u201d konstatiert er in einer Retrospektive. Als Torwart spielte der Essener von 1971 bis 1976 im Stadion am Zoo. Nach seiner Wuppertaler Zeit war er noch beim 1. FC N\u00fcrnberg und dem FC Bayern M\u00fcnchen aktiv, mit dem er zweimal Deutscher Meister und zweimal Pokalsieger wurde.<\/p>\n<p>Der aktiven Spielerlaufbahn folgte ein Wechsel ins Management des 1. FC N\u00fcrnberg, danach gr\u00fcndete der heute 69j\u00e4hrige eigene Video- und Fernseh-Produktionsfirmen (\u201eTopVision\u201c \/ \u201cSports and More\u201c) deren Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer er seit 1987 ist. F\u00fcr RTL sowie die Sat1-Sendung \u201eran\u201c produzierte er exklusiv die Au\u00dfen\u00fcbertragungen. Seine Firmen mit Sitz in N\u00fcrnberg, K\u00f6ln und Berlin besch\u00e4ftigen aktuell 70 Mitarbeiter, die f\u00fcr TV-Sender, Vereine der Fu\u00dfball Bundesliga, Agenturen und Unternehmen arbeiten und uns Fernsehbilder ins Wohnzimmer liefern. Die vier \u00dcbertragungswagen (einer kostet um 8,4 Mio. \u20ac) sind f\u00fcr alle Fernsehanstalten bei sportlichen, kulturellen und politischen Spitzenereignissen unterwegs. M\u00fcllers Schwerpunkte sind dabei Fu\u00dfball mit 70 und der Wintersport mit 20 Prozent Gesch\u00e4ftsanteilen. Das Markenzeichen ist \u201eMM\u201c.<\/p>\n<p>Ohne diesen Torwart h\u00e4tte es die Erfolgskurve der Rot-Blauen vielleicht gar nicht gegeben. Der WSV war in der Saison 1970\/71 nach eigener Wahrnehmung der beste Dritte, den es je gab. Die Mannschaft, die im dritten Jahr unter Horst Buhtz trainierte, verpasste am letzten Spieltag beim 2:2 in Aachen den sicher geglaubten Bundesliga-Aufstieg. Nicht der WSV, der VfL Bochum und Fortuna D\u00fcsseldorf stiegen auf. Fachleute waren sich einig, dass der 1969 von Neunkirchen gekommene Torwart Rudi Kr\u00e4tschmer ebenso wie sein Vertreter, WSV- Eigengew\u00e4chs Willi Janzik, die entscheidenden Schwachpunkte in der Elf waren.<\/p>\n<p>Trainer Buhtz holte deshalb vom Liga-Konkurrenten Schwarz-Wei\u00df Essen den damals 24j\u00e4hrigen Manfred M\u00fcller. Der hatte schon als Soldat von sich reden gemacht. W\u00e4hrend seiner Milit\u00e4rzeit war M\u00fcller Torwart der deutschen Soldatennationalelf gewesen. Dar\u00fcber erz\u00e4hlte er sp\u00e4ter: \u201cWolfgang Kleff war damals unser dritter Torwart, der danach dann bei Gladbach gro\u00df herauskam und sogar Nationaltorwart wurde\u201c. Umworben wurde M\u00fcller 1971 von 1860 M\u00fcnchen und vom Wuppertaler SV.<\/p>\n<p>Der h\u00f6her dotierte Vertrag gab schlie\u00dflich den Ausschlag f\u00fcr den WSV. M\u00fcllers Art zu spielen war eher unspektakul\u00e4r, er geh\u00f6rte nicht zu den \u201cFliegern\u201d, sondern bevorzugte das solide, risikolose Torwartspiel. Horst Buhtz \u00fcber ihn: \u201cMit seiner Ruhe und Erfahrung ist der Manni f\u00fcr uns unbezahlbar.\u201d Und so war das dann auch: Wuppertal stieg 1972 mit ihm in die Fu\u00dfball-Bundesliga auf. Der Neuling erreichte am Ende der Saison 1972\/73 einen vielbeachteten vierten Tabellenplatz.<\/p>\n<p><strong>Training auf Asche<\/strong><\/p>\n<p>Drei Jahre spielte man mit Klassetorwart Manfred M\u00fcller in der Bundesliga, scheiterte aber letztlich vor allem aus finanztechnischen Gr\u00fcnden. Fast alle Spieler waren damals noch berufst\u00e4tig. Bernd Hermes, der aus K\u00f6ln geholt wurde: &#8222;Ich war bei der Brauerei Wick\u00fcler im Au\u00dfendienst und trainiert wurde nur abends auf dem Aschenplatz des Stadions\u201c. Wenn man das mit dem Training von heute vergleicht, sind das nicht \u00fcber 40 Jahre, sondern gef\u00fchlte 140 Jahre her, hielt der verstorbene Sportamtsleiter Peter Keller in seinem Buch \u00fcber diese Zeit fest.<\/p>\n<p>\u201eWir waren der einzige Bundesligist, der auf Asche trainierte, gerade f\u00fcr einen Torwart ist das Gift\u201c, sagte Manni M\u00fcller. Sportjournalist Friedemann Br\u00e4uer erinnerte sich an eine besondere Charaktereigenschaft des Torwarts, die dessen au\u00dfergew\u00f6hnliches Selbstbewusstsein zum Ausdruck brachte: \u201eNie war er an einem Tor schuld.\u201c M\u00fcller res\u00fcmiert seine Jahre in Wuppertal: \u201eMehr war nicht drin, an Nationaltorwart Sepp Maier w\u00e4re ich ohnehin nicht herangekommen.\u201c<br \/>\n.<br \/>\nDer WSV stieg 1975 mit M\u00fcller als Stammtorwart wieder ab. Danach kam der WSV nicht zuletzt wegen einer fetten Steuernachzahlung in finanzielle Schwierigkeiten und musste verkaufen. Als die Spieler monatelang kein Geld mehr sahen, wechselte M\u00fcller 1976 zum aufstiegsambitionierten 1. FC N\u00fcrnberg. Da kam er allerdings vom Regen in die Traufe: Den Club dr\u00fcckten 1,2 Millionen Mark Schulden. Sein erstes Jahr in N\u00fcrnberg bezeichnete er r\u00fcckblickend als grausam. \u201eIch wollte dann auch so schnell wie m\u00f6glich wieder weg.\u201d<\/p>\n<p><strong>Dreimal \u00fcberschlagen<\/strong><\/p>\n<p>Im Mai 1978 \u00fcberlebte M\u00fcller einen schweren Verkehrsunfall unverletzt. Er hatte sich mit seinem Wagen auf regennasser Stra\u00dfe dreimal \u00fcberschlagen. Nur einen Monat sp\u00e4ter wurde er f\u00fcr N\u00fcrnberg zum Helden, als er am 9. Juni 1978 im Essener Georg-Melches-Stadion im entscheidenden Relegationsspiel um den Bundesligaaufstieg einen Elfmeter von Horst Hrubesch pparierte und somit den Franken den Aufstieg in die Bundesliga sicherte. Doch diesen Ruhm konnte er nur relativ kurz genie\u00dfen; es folgte der direkte Wiederabstieg der N\u00fcrnberger.<\/p>\n<p>Beim 3:3 gegen den Hamburger SV in der Saison 1978\/79 bestritt er nach einem Streit mit Trainer Zapf Gebhardt (der war 1963\/64 in der Regionalliga West Trainer des WSV) sein letztes Spiel f\u00fcr den Club. In der Pause hatte er Trainer Zapf Gebhardt wutentbrannt die Kapit\u00e4nsbinde vor die F\u00fc\u00dfe geworfen.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Tag wurde Manni M\u00fcller fristlos entlassen. Der wenig angenehme Abschied sollte f\u00fcr ihn jedoch noch zum Gl\u00fccksfall werden, dessen Ausgangspunkt ein weitere Autounfall war. Bayern M\u00fcnchens Torwart-Legende Sepp Maier musste n\u00e4mlich seine Karriere in der Folge eines am 14. Juli 1979 selbst verschuldeten Verkehrsunfalls beenden. Die Bayern in h\u00f6chster Not, holten sich den inzwischen zum ESV Ingolstadt gewechselten 33j\u00e4hrigen Manni M\u00fcller als Ersatztorwart f\u00fcr den noch jungen unerfahrenen Walter Junghans. M\u00fcller stand fortan bis 1982 im st\u00e4ndigen Wechsel mit dem unerfahrenen Keeper im Tor der Bayern.<\/p>\n<p>Im Bayern-Tor stand er auch im legend\u00e4ren Finale des DFB-Pokals gegen den 1. FC N\u00fcrnberg 1982: Nach einem zwischenzeitlichen 0:2-R\u00fcckstand gewann er mit den M\u00fcnchenern am Ende mit 4:2. Hier kassierte M\u00fcller ein Tor von Reinhold Hintermaier aus knapp 40 m Entfernung, das in die Geschichte einging. M\u00fcller diesmal ungew\u00f6hnlich selbstkritisch: \u201cKlar, den h\u00e4tte ich halten m\u00fcssen. Wenn ich eine Schaufel gehabt h\u00e4tte, ich h\u00e4tte mich in den Boden eingegraben.\u201c Pal Csernai, Trainer der Bayern, meinte: \u201cWenn nicht dieser Ball, was ist dann \u00fcberhaupt haltbar?\u201d Den besten Kommentar aber gab \u201cFu\u00dfballfachfrau\u201d Hilde Breitner in der Pause ab: \u201cWof\u00fcr haben wir eigentlich einen Torwart? Wohl nur, dass irgend jemand das Trikot mit der Nummer 1 tr\u00e4gt?\u201d<\/p>\n<p><strong>Kurioses Eigentor<\/strong><\/p>\n<p>Wohl auch deshalb kam nach der Weltmeisterschaft 1982 der Wechsel des belgischen Weltklassetorh\u00fcters Jean-Marie Pfaff zustande. Manni M\u00fcller mu\u00dfte in der Folge zur\u00fcckstehen und kam nur noch sporadisch zum Einsatz. So im Endspiel des Europapokals der Landesmeister 1982, wo er gegen Aston Villa eine 0:1-Niederlage hinnehmen musste. Mit dem FC Bayern M\u00fcnchen wurde er 1980 und 1981 Deutscher Meister und dann als Ersatztorh\u00fcter 1984 Deutscher Pokalsieger.<\/p>\n<p>1984 beendete er nach insgesamt 48 Eins\u00e4tzen im Tor der Bayern seine Laufbahn und arbeitete fortan im Management des 1. FC N\u00fcrnberg. Allerdings kehrte er noch einmal f\u00fcr ein Spiel als Ersatz f\u00fcr den rotgesperrten Andreas K\u00f6pke am 1. November 1986 ins Tor des 1. FC N\u00fcrnberg zur\u00fcck. Gegen Fortuna D\u00fcsseldorf gewann seine Mannschaft mit 4:3.<\/p>\n<p>Nach diesem kurzen Gastspiel in diversen Funktionen gr\u00fcndete M\u00fcller seine eigene Video- und Fernsehproduktionsfirma. Ein ehemaliger Bundeswehr-Kamerad war Sportlehrer und man sprach dar\u00fcber, dass es keine Fu\u00dfball-Lehrfilme gebe. Da hatte der gelernter Sportartikel-Kaufmann die Gesch\u00e4ftsidee, dessen Umsetzung der Chef von Foto Quelle N\u00fcrnberg finanzierte. Manfred M\u00fcller ist verheiratet und hat zwei inzwischen erwachsene T\u00f6chter. Er ist ein Elvis-Presley-Fan und spielt heute in seiner Freizeit gerne Golf, am liebsten mit seinem Freund Dieter Hoeness . M\u00fcllers Golfhandicap ist 10,1, also auch ein Traumwert in einer insgesamt traumhaften Karriere.<\/p>\n<p>Text: Siegfried J\u00e4hne<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Er ist der einzige der ehemaligen WSV-Stars, der nach heutigen Ma\u00dfst\u00e4ben richtiges Geld verdient hat. 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