{"id":93223,"date":"2026-07-27T12:20:52","date_gmt":"2026-07-27T10:20:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=93223"},"modified":"2026-07-27T12:20:52","modified_gmt":"2026-07-27T10:20:52","slug":"rainer-gruenter-der-forschende-rektor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2026\/07\/27\/rainer-gruenter-der-forschende-rektor\/","title":{"rendered":"Rainer Gruenter: Der forschende Rektor"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_93225\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 774px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-93225 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Rainer-Gruenter-und-Johannes-Rau-bei-einem-Empfang-1979-Foto-Wilfried-Bell.jpg\" alt=\"\" width=\"764\" height=\"555\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Uni-Rektor Rainer Gruenter und der damalige NRW-Wissenschaftsminister und sp\u00e4terer NRW-Ministerpr\u00e4sident Johannes Rau bei einem Empfang (1977) &#8211; \u00a9 Uniarchiv der BU \/ Wilfried Bell<\/span><\/div>\n<p><b>Wie sind Sie dazu gekommen, eine Biographie \u00fcber Rainer Gruenter (*10.06.2018 &#8211; \u202005.02.1993) f\u00fcr eines der wichtigsten Nachschlagewerke Deutschlands, die Neue Deutsche Biographie, zu erstellen?<\/b><\/p>\n<p>Georg Eckert: &#8222;Zun\u00e4chst einmal ist wichtig, wie die Neue Deutsche Biographie darauf gekommen ist. Das Werk ist eine Nationalbiographie, die sich besonders wirkungsm\u00e4chtigen \u201ePers\u00f6nlichkeiten des gesamten deutschen Sprach- und Kulturraums\u201c widmet und aus wissenschaftlichen Kurzbiographien besteht. Mittlerweile online weitergef\u00fchrt, ist dieses gro\u00dfe gelehrte Unterfangen getragen von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften \u2013 zuletzt sind beispielsweise Artikel erschienen \u00fcber die Unternehmerin Melitta Bentz (die den gleichnamigen Kaffeefilter erfunden hat), \u00fcber den bedeutenden Mathematiker Kurt G\u00f6del, den DDR-Dissidenten Robert Havemann und den ehemaligen Bundesminister des Ausw\u00e4rtigen Klaus Kinkel.<\/p>\n<p>Bei einem solchen gelehrten Werk bewirbt man sich nicht. Vielmehr entscheidet die Redaktion, welche Pers\u00f6nlichkeiten historisch so relevant sind, dass ihnen ein Artikel gewidmet werden sollte (und auch, wer als Autor geeignet ist). Dazu z\u00e4hlt sie mittlerweile eben Rainer Gruenter: \u00fcbrigens eine wichtige Anerkennung f\u00fcr unsere Bergische Universit\u00e4t heute. Angesichts von Gruenters Bedeutung hat die Redaktion mich gebeten, einen Artikel \u00fcber ihn zu erstellen. Gerne habe ich zugesagt, vor einigen Jahren hatte ich gemeinsam mit dem inzwischen emeritierten Historiker Prof. Dr. Gerrit Walther und dem ehemaligen Universit\u00e4tsarchivar Dr. Joachim Studberg die Festschrift zum 50j\u00e4hrigen Jubil\u00e4um unserer Universit\u00e4t verfasst.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_44822\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 440px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-44822\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Logo-Transfergeschichten.jpg\" alt=\"\" width=\"430\" height=\"138\" \/><span class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Bergische Universit\u00e4t<\/span><\/div>\n<p><b>Rainer Gruenter war der Gr\u00fcndungsrektor der Gesamthochschule Wuppertal, heute Bergische Universit\u00e4t. F\u00fcr ihn in diesem Amt hat sich der damalige Wissenschaftsminister und sp\u00e4tere Bundespr\u00e4sident Johannes Rau stark eingesetzt. Warum?<\/b><\/p>\n<p>Georg Eckert: &#8222;Genaue Gr\u00fcnde hat Rau nie benannt, vielleicht war das f\u00fcr ihn \u201eHerrschaftswissen\u201c. Vorzeigbar sollte der neue Rektor sein, das hat Rau explizit betont: aber inwiefern genau, hat er nie offengelegt. Manche Motive lassen sich gleichwohl nachvollziehen. Das wichtigste k\u00f6nnte sein, dass Gruenter auf Rau einen vertrauensw\u00fcrdigen Eindruck gemacht hat \u2013 in der direkten pers\u00f6nlichen Begegnung, die f\u00fcr Johannes Rau immer ein wichtiger Faktor war: Er hat Politik in Personen gedacht, nicht in abstrakten Programmen, und Gruenter, dem Rau etwa beim Wuppertaler Industriellenpaar Stella und Gustav Adolf Baum mehrfach begegnet war, konnte sehr gewinnend wirken. Johannes Rau hat sich auf den Rat eines weitgespannten Netzwerks verlassen, \u00fcber das er rund um Wuppertal verf\u00fcgte, auch und gerade in gro\u00dfb\u00fcrgerlichen Kreisen, in denen Gruenter schon l\u00e4nger verkehrte. So lie\u00df sich diese Ernennung au\u00dferhalb sozialdemokratischer Kreise gut \u201everkaufen\u201c, nicht zuletzt in der Wissenschaft: Gruenter hatte ein gewisses Prestige, er war ein anerkannter Gelehrter in seinem Fach.<\/p>\n<div id=\"attachment_93226\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 560px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-93226 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Portrait-Eckert-foto-Mathias-Kehren-1.jpg\" alt=\"\" width=\"550\" height=\"391\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Der Historiker Dr. Georg Eckert von der Bergischen Universit\u00e4t &#8211; \u00a9 Mathias Kehren<\/span><\/div>\n<p>Dieser Ruf sollte auf die neue \u201eGesamthochschule\u201c ausstrahlen: damit sie in der Wissenschaftswelt ernstgenommen und nicht als P\u00e4dagogische Hochschule verspottet wurde, die nur ein neues T\u00fcrschild bekommen habe. Doch auch f\u00fcr sozialdemokratische Bildungsreformer war Gruenter ein plausibler Kandidat, immerhin hatte er mehrere Jahre an der als besonders progressiv geltenden Freien Universit\u00e4t in Berlin gewirkt, kritisch die nationalistische Vergangenheit der Germanistik thematisiert und sich sogar aus germanistischer Sicht mit Max Horkheimer besch\u00e4ftigt, also mit einem der S\u00e4ulenheiligen der \u201e68er\u201c. Au\u00dferdem hatte Gruenter sich in diversen popul\u00e4ren Publikationen als Hochschulreformer profiliert und war demonstrativ nach nur einem Jahr von seinem Amt als Rektor der Universit\u00e4t Mannheim zur\u00fcckgetreten, in einem massiven Dissens \u00fcber die Grundordnung der erst im Jahre 1965 zur Universit\u00e4t erhobenen Hochschule \u2013 Gruenter und die \u201elinken\u201c Studenten standen hier auf derselben Seite gegen das baden-w\u00fcrttembergische Kultusministerium. Er war also pers\u00f6nlich, gesellschaftlich, politisch und wissenschaftlich vorzeigbar.&#8220;<\/p>\n<p><b>Was hat er denn im Laufe seiner Amtszeit (1972 \u2013 1983) in Wuppertal so alles in die Wege geleitet?<\/b><\/p>\n<p>Georg Eckert: &#8222;Gruenter hat zun\u00e4chst einmal eine kluge Arbeitsteilung betrieben \u2013 und sich um die \u201egro\u00dfen Linien\u201c zu k\u00fcmmern versucht; den m\u00fchseligen administrativen Alltag \u00fcberlie\u00df er eher anderen, insbesondere seinem Kanzler Dr. Klaus Peters, der die Wuppertaler Verh\u00e4ltnisse sehr gut kannte. Der Kanzler war so etwas wie der Innenminister der Gesamthochschule, der Rektor gab eher den Au\u00dfenminister, der viel gesellschaftliche Unterst\u00fctzung aktivierte, der mit eleganten Ansprachen beeindruckte und der mit der Kraft seiner gelehrten Pers\u00f6nlichkeit f\u00fcr das Konzept der Gesamthochschule einstand. Das hei\u00dft nicht, dass sich der Rektor nicht f\u00fcr schn\u00f6de Details der Hochschulpolitik interessiert h\u00e4tte \u2013 zum Beispiel betrieb er energisch die Berufung von Bazon Brock und anderen, mit denen er eine Avantgarde nach Wuppertal zu locken vermochte. Aber wichtiger war f\u00fcr ihn, eine inspirierende Atmosph\u00e4re zu schaffen und selbst mit dem guten Beispiel eines Professors voranzugehen, der w\u00e4hrend seines f\u00fcr damalige Verh\u00e4ltnisse ungew\u00f6hnlich langen Rektorats pionierhaft die Kulturgeschichte der Aufkl\u00e4rung erforschte und daf\u00fcr sogar eine eigene Arbeitsstelle in Wuppertal aufbaute: ein forschender Rektor, das war ein Signal nach innen und nach au\u00dfen.&#8220;<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><b>Er war sehr eng mit dem Wuppertaler Industriellenpaar Gustav Adolf und Stella Baum verbunden, die zu Beginn seiner Amtszeit auch mithalfen, das gesellschaftliche Leben an die Universit\u00e4t zu binden. Da gab es interessante Treffen, oder?<\/b><\/p>\n<p>Georg Eckert: &#8222;Manche Zeitzeugen, die Berichte \u00fcber diese Treffen hinterlassen haben, erinnern sich fast schw\u00e4rmerisch an ereignisreiche Begegnungen, die mitunter Happening-Charakter hatten; es m\u00fcssen schwungvolle, inspirierende Veranstaltungen gewesen sein. Die engen pers\u00f6nlichen Beziehungen, die sich dabei entwickelten, passten zu Gruenters Selbstverst\u00e4ndnis \u2013 er hat vergleichsweise wenige B\u00fccher geschrieben, aber daf\u00fcr viele geistreiche Essays. Er, der ja in einer alten M\u00fchle an der Erft wohnte (und in zweiter Ehe mit einer Adeligen verheiratet war), gab sich ein wenig wie ein geselliger britischer Landadeliger aus dem 18. Jahrhundert. Auf eine solche Wahrnehmung konnten sich aus gegens\u00e4tzlichen Gr\u00fcnden \u00fcbrigens sowohl diejenigen verst\u00e4ndigen, die Gruenter sehr sch\u00e4tzten, als auch diejenigen, die ihm einen eitlen Hang zur Selbstpr\u00e4sentation nachsagten.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_93227\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1311px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-93227 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Gruenter-in-Ledersessel-1985-86-Foto-Petra-Zoellner.jpg\" alt=\"\" width=\"1301\" height=\"812\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Rainer Gruenter im Sessel (Herbst 1985\/86) &#8211; \u00a9 Uniarchiv der BU \/ Petra Z\u00f6llner<\/span><\/div>\n<p><b>Wo haben <\/b><b><i>Sie<\/i><\/b><b> sich \u00fcberall zum Thema informiert?<\/b><\/p>\n<p>Georg Eckert: &#8222;Gruenters Bedeutung als Germanist kann man daran ersehen, wo sein Nachlass zu finden ist. Die Korrespondenz des \u201eEuphorion\u201c, einer wichtigen literaturwissenschaftlichen Fachzeitschrift, als deren Herausgeber Gruenter \u00fcber drei\u00dfig Jahre wirkte, befindet sich mittlerweile in Speyer, in der dortigen Landesbibliothek. Der gr\u00f6\u00dfte Teil von Guenters Nachlass allerdings, von seinem Tagebuch aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs \u00fcber seine Vorlesungsmanuskripte bis hin zu vielen Briefen, kann man im Deutschen Literaturarchiv Marbach einsehen \u2013 das belegt seinen Rang eindr\u00fccklich. Sein Wirken als Rektor ist nat\u00fcrlich vor allem im Wuppertaler Universit\u00e4tsarchiv einsehbar: ob nun in seinen Reden, in Protokollen unz\u00e4hliger Gremiensitzungen, in zahlreichen Akten zu Themen, in die der Rektor irgendwie eingebunden war respektive sich selbst einschaltete, in den \u00fcberaus spannenden Zeitzeugeninterviews, die im Vorfeld des Universit\u00e4tsjubil\u00e4ums entstanden sind, in seiner Personalakte oder in vielen anderen Quellen.&#8220;<\/p>\n<p><b>Wie hilfreich war denn das Material aus dem Archiv der Bergischen Universit\u00e4t?<\/b><\/p>\n<p>Georg Eckert: &#8222;Die gerade erw\u00e4hnten Quellen geben nur einen ersten Eindruck von den umfangreichen Best\u00e4nden im Universit\u00e4tsarchiv, um dessen Aufbau sich Dr. Joachim Studberg so herausragende Verdienste erworben hat. Wenn man Gruenter vor allem in seinem Wirken als Rektor fassen m\u00f6chte, ist es die zentrale Anlaufstelle \u2013 und eine, die Forscher ganz hervorragend unterst\u00fctzt. Das sehr kundige und hilfreiche Team um unsere so engagierte Universit\u00e4tsarchivarin Dr. Friederike Jesse bietet hervorragende Bedingungen f\u00fcr solche und viele andere Studien.&#8220;<\/p>\n<p><b>Welchen Einfluss hatte Gruenter denn in Bezug auf die Hochschulentwicklung in NRW?<\/b><\/p>\n<p>Georg Eckert: &#8222;Die Entwicklung in Nordrhein-Westfalen insgesamt war f\u00fcr Gruenter wenig relevant \u2013 in D\u00fcsseldorf machte er sich eher in Angelegenheiten bemerkbar, die Wuppertal unmittelbar betrafen. Zu grunds\u00e4tzlichen Fragen der Hochschulentwicklung nahm er zwar weiterhin Stellung, aber betrieb keine Politik im Landesrahmen; das Verh\u00e4ltnis der etablierten Universit\u00e4ten zu den neugegr\u00fcndeten \u201eGesamthochschulen\u201c war nicht ganz unproblematisch, hier konkurrierten die Interessen durchaus. Vielmehr verfolgte Gruenter in Wuppertal seine eigene Agenda, wie sie auch von b\u00fcrgerlichen Kreisen betrieben worden war, die am Ende der 1960er Jahre gezielt auf die Gr\u00fcndung einer Universit\u00e4t hingearbeitet hatten.<\/p>\n<p>Sozialdemokratische Aufstiegsversprechungen, die hingegen von der dann gegr\u00fcndeten \u201eGesamthochschule\u201c ausgingen, waren f\u00fcr ihn eher nebens\u00e4chlich \u2013 ihm kam es darauf an, aus \u201eseiner\u201c Gesamthochschule eine besonders feine Universit\u00e4t zu machen. Das ist ihm auch gelungen, ab dem Jahre 1983 hie\u00df sie offiziell \u201eBergische Universit\u00e4t \u2013 Gesamthochschule Wuppertal\u201c. Sie geriet freilich wesentlich gr\u00f6\u00dfer, als Gruenter es gew\u00fcnscht hatte: Seine Idee war gewesen, der \u201eMassenuniversit\u00e4t\u201c etwas entgegenzusetzen. Gruenter huldigte aus \u00dcberzeugung einem \u201eGesetz der kleinen Zahl\u201c, mehr als 8.500 Studenten sollte es seiner Ansicht nach nicht geben. Als er im Jahre 1983 aus dem Amt schied, war diese Zahl l\u00e4ngst \u00fcberschritten.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_93228\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1327px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-93228 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Rainer-Gruenter-an-seinem-Schreibtisch-1977-Foto-Rainer-Haldenwang.jpg\" alt=\"\" width=\"1317\" height=\"743\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Rainer Gruenter an seinem Schreibtisch im Rektorenb\u00fcro (1977) -\u00a9 Uniarchiv der BU \/ Rainer Haldenwang<\/span><\/div>\n<p><b>Welche Bedeutung hat er f\u00fcr das Bergische Land?<\/b><\/p>\n<p>Georg Eckert: &#8222;Blickt man aus heutiger Sicht und mit heutigen Begriffen auf Gruenters Wirken zur\u00fcck, w\u00e4re einerseits die Vernetzungsleistung zu nennen, an der er f\u00fchrend beteiligt war; Gruenter hat Verbindungen kn\u00fcpfen und festigen k\u00f6nnen, und er vermochte einflussreiche Leute daf\u00fcr zu gewinnen, ihre M\u00f6glichkeiten und Kontakte in den Dienst der Gesamthochschule respektive Universit\u00e4t zu stellen. Vor allem gab er der sehr wolkigen und f\u00fcr manche eher bedrohlich klingenden Idee der \u201eGesamthochschule\u201c, die gerade im B\u00fcrgertum eher nach der ungeliebten \u201eGesamtschule\u201c klang, ein \u00fcberaus freundliches Gesicht und machte den eigenartigen Namen vergessen. Gruenter sah eben rundum nach Universit\u00e4t aus. Wie er es einmal selbst in Anlehnung an Max Weber formulierte: Eine Universit\u00e4t sollte geleitet werden durch eine \u201ePers\u00f6nlichkeit, die wirklich Wissenschaft als Beruf verk\u00f6rpert\u201c. Das tat Gruenter, und das war f\u00fcr das Bergische Land wichtig: ganz konkret, weil qualifizierte k\u00fcnftige Arbeitskr\u00e4fte in der Region gehalten oder sogar gewonnen werden konnten, und etwas abstrakter, weil die Bergische Universit\u00e4t l\u00e4ngst zur Identit\u00e4t einer Gegend geh\u00f6rt, die sich als innovativ versteht.&#8220;<\/p>\n<p><b>Was war denn f\u00fcr <\/b><b><i>Sie<\/i><\/b><b> der interessanteste Aspekt bei der Recherche zu seinem Leben?<\/b><\/p>\n<p>Georg Eckert: &#8222;Der vielleicht spannendste Befund ist ein ganz paradoxer: n\u00e4mlich derjenige, dass Gruenter eigentlich \u00fcberhaupt nicht zur Idee der Gesamthochschule passte \u2013 und ausgerechnet deshalb war er die passendste, die beste Besetzung f\u00fcr das Amt des Gr\u00fcndungsrektors. Gerade seine Weltl\u00e4ufigkeit \u00fcberstrahlte die biedere Anmutung einer Hochschule, die zun\u00e4chst gerade keine Universit\u00e4t sein sollte. Aber Gruenter sorgte daf\u00fcr, dass sie eben doch eine solche wurde. Er verwirklichte die Gesamthochschule also kurzerhand, indem er sie aufhob.&#8220;<\/p>\n<p><b>Nachdem Sie nun seine Biographie f\u00fcr die neue deutsche Bibliothek geschrieben haben, die seit dem 1. April online ist, wie w\u00fcrden Sie ihn als Menschen beschreiben?<\/b><\/p>\n<p>Georg Eckert: &#8222;Historiker sind keine Charakterkundler: Was in den Quellen zu lesen ist, sind oft Projektionen und Konstruktionen, die wiederum mit bestimmten Perspektiven und Interessen einhergehen. Aber f\u00fcr einen Rektor der 1970er Jahre war Gruenter bei allem Elit\u00e4ren, das f\u00fcr ihn \u00fcbrigens zur Universit\u00e4t dazugeh\u00f6rte und dazugeh\u00f6ren musste, \u00fcberaus liberal und nahbar. Souver\u00e4nit\u00e4t im Auftritt stritten ihm nicht einmal seine Kritiker ab, die es auch gab. Gruenter war eine elegante Gestalt, aber schon auch eine kantige: eine Karriere, wie er sie gerade deshalb erlebt hat, w\u00e4re heute kaum mehr m\u00f6glich.&#8220;<\/p>\n<p>Der Link zum Artikel in der Deutschen Biographie: <a href=\"https:\/\/www.deutsche-biographie.de\/dbo058501-5.html#dbocontent\">https:\/\/www.deutsche-biographie.de\/dbo058501-5.html#dbocontent<\/a><span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><strong>Uwe Blass<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_93229\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 210px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-93229\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Portrait-Eckert-foto-Mathias-Kehren-2-1.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"278\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Dr. Georg Eckert &#8211; \u00a9 Mathias Kehren<\/span><\/div>\n<h4>\u00dcber Dr. Georg Eckert<\/h4>\n<p>Dr. Georg Eckert studierte Geschichte und Philosophie in T\u00fcbingen, wo er mit einer Studie \u00fcber die Fr\u00fchaufkl\u00e4rung um 1700 mit britischem Schwerpunkt promoviert wurde, und habilitierte sich in Wuppertal. 2009 begann er als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fach Geschichte und lehrt heute als Privatdozent in der Neueren Geschichte.<i><\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Historiker Georg Eckert hat die Rainer-Gruenter-Vita des Gr\u00fcndungsrektors der Bergischen Universit\u00e4t f\u00fcr die Neue Deutsche Biographie erstellt, eines der wichtigsten Nachschlagewerke Deutschlands. Ein spannendes Thema, das Autor Uwe Blass im Rahmen der beliebten, lehrreichen Uni-Reihe &#8222;Transfergeschichten&#8220; aufgreift.\u00a0<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-93223","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissen"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-08-03 12:51:50","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/93223","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=93223"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/93223\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":93234,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/93223\/revisions\/93234"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=93223"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=93223"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=93223"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}