{"id":9297,"date":"2016-11-11T12:29:39","date_gmt":"2016-11-11T11:29:39","guid":{"rendered":"http:\/\/192.168.10.16\/newsportal\/stadtzeitung\/index.php\/2016\/11\/11\/christian-von-grumbkow-mit-70-gehe-ich-noch-lange-nicht-in-rente\/"},"modified":"2022-12-06T22:41:26","modified_gmt":"2022-12-06T21:41:26","slug":"christian-von-grumbkow-mit-70-gehe-ich-noch-lange-nicht-in-rente","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2016\/11\/11\/christian-von-grumbkow-mit-70-gehe-ich-noch-lange-nicht-in-rente\/","title":{"rendered":"Christian von Grumbkow: \u201eMit 70 gehe ich noch lange nicht in Rente&#8230;\u201c"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_55932\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 883px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-55932\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/grumbkow_2352k_Jpg-1-2-1024x671-2.jpeg\" alt=\"\" width=\"873\" height=\"561\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Der Maler Christian von Grumbkow am Eingang seines Ateliers im Schlo\u00df L\u00fcntenbeck &#8211; \u00a9 Rupert Warren<\/span><\/div>\n<p>Aus Anlass seines 70. Geburtstags gab\u00a0 der bekannte und erfolgreiche Wuppertaler K\u00fcnstler der STADTZEITUNG dieses Interview:<\/p>\n<p><strong>DS: 70 Jahre, welche Gef\u00fchle \u00fcberkommen Sie da?<\/strong><\/p>\n<p>Christian von Grumbkow: \u201eDie Zahl selbst l\u00e4sst mich ziemlich kalt. Ich erlebe mich ja selbst. Da spielt die Zahl keine Rolle. Wenn ich das aber von aussen betrachte, klingen 70 Jahre schon schrecklich, wenn ich bedenke, dass mein Vater mit 72 Jahren gestorben ist. Dann setzt man sich schon ein wenig mit dem eigenen Ende auseinander. Insofern ist die 70 schon eine markante Zahl.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Setzten Sie sich wirklich schon mit dem Tod auseinander?<\/strong><\/p>\n<p>Christian von Grumkow: \u201eIch habe noch sehr viel vor, aber ich setze mich schon mit meinem Ende auseinander. Allerdings in dem Sinne, dass ich versuche, so zu leben, dass der Tod mich nicht so schnell ereilt. Ich ern\u00e4hre mich beispielsweise sehr gesund und habe noch sehr viel Spa\u00df an meiner Arbeit. Als K\u00fcnstler geht man ja nicht in Rente. Solange die Schaffenskraft reicht und ich Erfolg habe, solange mache ich auch weiter.<\/p>\n<p><strong>DS: Wenn Sie Ihr Leben Revue passieren lassen, welche drei Meilensteine gab es?<\/strong><\/p>\n<p>Christian von Grumbkow: \u201eIch stamme ja aus einer preussischen Adelsfamilie. Der erste Meilenstein meines Lebens war die Entscheidung, mit 18 Jahren meinen eigenen Weg zu gehen. Meine Eltern wollten dagegen, dass ich Offizier werde. Der zweite Meilenstein war, dass ich mich als Kunststudent entschieden habe, mit Hoelderlin eine Profi-Musik-Karriere zu starten. Der dritte Meilenstein war, dass ich die Chance genutzt habe, u.a. an Hochschulen wie der Folkwang-Schule in Essen Kunst zu unterrichten und so meine Erfahrungen und Emotionen weitergeben konnte.\u201c<\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #000000;\">DS: Wie sehen Sie aus heutiger Sicht Ihre Erfolge mit der Art-Rock-Band Hoelderlin?<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Christian von Grumbkow: \u201eIch bin stolz darauf, weil wir als Gegenpol zum anglo-amerikanischen Rock etwas ganz Besonderes geschafft haben. Wir waren Anfang der 70er Jahre die ersten, die mit deutschen Texten gearbeitet haben. Wir haben mit Hoelderlin progressive Rockmusik gemacht, mit Cello, mit Geige und Querfl\u00f6te. Wir konnten das auch live auf die B\u00fchne bringen, weil wir das n\u00f6tige musikalische R\u00fcstzeug dazu hatten.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Kommen Ihnen Ihre Erfahrungen als Rockmusiker in Ihrer Karriere als Maler zugute?<\/strong><\/p>\n<p>Christian von Grumbkow: \u201eIn vielen Punkten. Ich habe f\u00fcr Hoelderlin auch die Platten-Cover gestaltet, Dia-Projektionen kreiert und auch die Songtexte geschrieben. Dann war ich bei den Konzerten und auf gro\u00dfen Festivals auch f\u00fcr die Ansagen zust\u00e4ndig. Vor 10.000 Menschen zu spielen, ist ein Ding, dann aber mit dem Publikum zu kommunizieren, ist eine andere Sache. Das hat mir viel Selbstbewu\u00dftsein gegeben. Als Sprecher der Band habe ich viele Radio-, TV- und Zeitungs-Interviews gegeben. Dadurch konnte ich viele Kontakte kn\u00fcpfen, die ich heute noch nutze.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_34123\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 513px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-34123\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/d79a82d2f5fec24bca9003dcd85cd2e9-2.jpg\" alt=\"\" width=\"503\" height=\"368\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Galerist Vok Dams (l.) mit dem K\u00fcnstler Christian von Grumbkow &#8211; \u00a9 Vok Dams iNotes<\/span><\/div>\n<p><strong>DS: Wie sehr hat der Tod Ihres Bruders Jochen Ihr Leben gepr\u00e4gt?<\/strong><\/p>\n<p>Christian von Grumbkow: \u201eJochen war ja nicht nur mein Bruder, er war auch mein Freund. Wir bildeten ja den Kern der Band Hoelderlin und haben fast alle Songs geschrieben. Er war 40, als er in einem Anfall einer endogenen Depression aus dem Fenster gesprungen ist. Ich habe es als pers\u00f6nliche Niederlage gesehen, dass ich ihm nicht habe helfen k\u00f6nnen. Das hat dazu gef\u00fchrt, dass ich meine Malerei, die mir bei der Bew\u00e4ltigung meiner Probleme hilft, noch einmal umgestellt habe. Ich habe beispielsweise damit begonnen, mit \u00d6l zu malen. Damit konnte ich mich letztlich von der Todeserfahrung befreien.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Ihre Philosopie lautet: \u201eIch male Farbe, keine Gedanken\u201c. Was wollen Sie damit ausdr\u00fccken?<\/strong><\/p>\n<p>Christian von Grumbkow: \u201eMir ist es wichtig, authentisch sein. Es ist eine Selbstl\u00fcge, wenn man glaubt, man k\u00f6nne mit Kunst die Welt ver\u00e4ndern. Ich bringe ja wirklich nur Farbe auf die Leinwand. Aber wenn meine Werke beim Betrachter positive Bilder in der Phantasie hervorrufen oder wenn er durch die Farbe auch noch emotional ber\u00fchrt wird, dann habe ich mein Ziel erreicht. Farbe ist nun einmal Tr\u00e4ger und Ausl\u00f6ser von Emotionen.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Wenn Sie die vergangenen 70 Jahre betrachten, was w\u00fcrden Sie heute anders machen?<\/strong><\/p>\n<p>Christian von Grumkow: \u201eIch habe in meinem Leben viele Fehler gemacht, sowohl im privaten, wie auch im professionellen Bereich. Nachzukarten bringt wenig, weil man diese Fehler ja nicht r\u00fcckg\u00e4ngig machen kann. Aber ich habe jedenfalls immer aus meinen Fehlern gelernt und mich st\u00e4ndig weiter entwickelt.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Welche Ziele haben Sie f\u00fcr die n\u00e4chsten Jahre?<\/strong><\/p>\n<p>Christian von Grumbkow: \u201eIch tr\u00e4ume immer noch davon, das optimale Bild zu malen. Dieser Traum wird sich nie erf\u00fcllen. Aber ich werde mich bem\u00fchen, dem Ideal immer wieder ein St\u00fcck n\u00e4her zu kommen. Das Geheimnis von Malerei ist Gottseidank noch nicht entschl\u00fcsselt.\u201c<\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #000000;\">DS: Wer sind denn Ihre Vorbilder?<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Christian von Grumbkow: \u201eIch hatte ja mehrere Lehrauftr\u00e4ge in London und habe mir bei der Gelegenheit die Originale von William Turner anschauen d\u00fcrfen. Das war eine unglaubliches Erlebnis. Das ist ein K\u00fcnstler, den ich bewundere und der mich auch beeinflusst hat.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Wie sehen Sie die Wuppertaler Kultur-Szene?<\/strong><\/p>\n<p>Christian von Grumbkow: \u201eIch sehe Wuppertal als Aufsteiger. Wir haben hier tolle M\u00f6glichkeiten. Es gibt viele spannende Unternehmen und spannende Leute. Dazu haben wir kulturelle Highlights, um die uns andere St\u00e4dte beneiden. Da nenne ich stellvertretend Tony Craggs Skulpturenpark &#8222;Waldfrieden&#8220; und demn\u00e4chst das Pina Bausch Zentrum oder auch das von der Heydt-Museum, von dem ich mir w\u00fcnsche, dass auch einmal Wuppertaler K\u00fcnstler ber\u00fccksichtigt werden.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Welchen Geburtstagswunsch haben Sie?<\/strong><\/p>\n<p>Christian von Grumbkow: \u201eIch w\u00fcnsche mir f\u00fcr die Wuppertaler Gl\u00fcck, Zufriedenheit, Ausgewogenheit, Ehrlichkeit, Offenheit, Authentizit\u00e4t. Das versuche ich vorzuleben und das m\u00f6chte ich auch mit meiner Kunst her\u00fcber zu bringen. Und dann w\u00fcnsche ich mir, dass unser Charity-Projekt f\u00fcr Fl\u00fcchtlings-Kinder \u201eKunst kann helfen\u201c weiterhin so erfolgreich ist.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Vielen Dank f\u00fcr das interessante Gespr\u00e4ch.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Das Interview f\u00fchrte Peter Pionke<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Er wirkt jung und unverbraucht, strahlt eine unheimliche Dynamik aus. Aber Personalausweise l\u00fcgen nicht. Und dort steht unter Geburtsdatum nun einmal der 02. November 1946. Christian von Grumbkow, der erfolgreiche Wuppertaler K\u00fcnstler, wurde runde 70 Jahre alt.\u00a0<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":9295,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[29],"tags":[75,3343,3283,190,173],"class_list":["post-9297","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kultur","tag-christian-von-grumbkow","tag-folkwanghochschule","tag-hoelderlin","tag-kultur","tag-kunst"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-13 08:34:28","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9297","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9297"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9297\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":58888,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9297\/revisions\/58888"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/9295"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9297"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9297"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9297"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}