{"id":92522,"date":"2026-06-15T14:15:00","date_gmt":"2026-06-15T12:15:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=92522"},"modified":"2026-06-15T14:15:00","modified_gmt":"2026-06-15T12:15:00","slug":"lichtverschmutzung-eine-ernstzunehmende-bedrohung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2026\/06\/15\/lichtverschmutzung-eine-ernstzunehmende-bedrohung\/","title":{"rendered":"Lichtverschmutzung \u2013 eine ernstzunehmende Bedrohung"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_92524\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 817px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-92524 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Preisfeld-Presse-Privat-2.jpg\" alt=\"\" width=\"807\" height=\"506\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Professorin Dr. Gela Preisfeld, Biologin an der Bergischen Universit\u00e4t Wuppertal &#8211; \u00a9 privat<\/span><\/div>\n<p>Und doch handelt es sich tats\u00e4chlich um eine noch immer untersch\u00e4tzte Art der Umweltverschmutzung, die eine Gefahr f\u00fcr unsere Artenvielfalt ist, und weitreichende Folgen f\u00fcr unsere \u00d6kosysteme hat. In Europa und den Vereinigten Staaten betr\u00e4gt die Lichtverschmutzung nahezu 99 Prozent. Gela Preisfeld hat sich mit dem Thema auseinandergesetzt und sagt: \u201eDas Au\u00dfenlicht und auch das nach au\u00dfen scheinende Innenlicht ver\u00e4ndern die Anzahl der Photonen, also der Lichtpartikel, die auf der Erde sind und die sich dann auf Organismen oder auch andere Strukturen auswirken.\u201c Verst\u00e4rkt werde diese Wirkung zudem bei feuchter Luft sowie auf allen Wasseroberfl\u00e4chen, denn da werde das Licht noch einmal reflektiert, wodurch sich der Photonenanteil weiter erh\u00f6he.<\/p>\n<h4>Lichtverh\u00e4ltnisse auf der Erde bestehen seit ewigen Zeiten<\/h4>\n<p>Um zu verstehen, warum k\u00fcnstlich geschaffene Lichtquellen das Leben ver\u00e4ndern, beschreibt Preisfeld die urspr\u00fcngliche Situation auf dem blauen Planeten. \u201eDie Lichtverh\u00e4ltnisse bei uns auf der Erde bestehen ja seit ewigen Zeiten. Wir haben z. B. den 24-Stunden Sonnenzyklus. Darauf ist die belebte Umwelt mit allen Organismen und auch die unbelebte Umwelt, also das Wasser oder die Temperatur, eingestellt.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Bei allen haben sich Anpassungen entwickelt, mit denen sie m\u00f6glichst gut von der ihnen zur Verf\u00fcgung stehenden Lichtintensit\u00e4t profitieren k\u00f6nnen. Das ist der Prozess der Evolution.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_44822\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 440px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-44822\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Logo-Transfergeschichten.jpg\" alt=\"\" width=\"430\" height=\"138\" \/><span class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Bergische Universit\u00e4t<\/span><\/div>\n<p>Als Beispiele nennt sie die Licht- und Schattenbl\u00e4tter der Linde oder die hochsensitiven Sehzellen der Tiere in der Tiefsee. Werden die Bedingungen im Habitat gest\u00f6rt, hat das Auswirkungen auf die Organismen. \u201eKommen jetzt also gro\u00dfe Mengen an k\u00fcnstlichem Licht &#8211; daf\u00fcr gibt es auch das sch\u00f6ne Akronym ALAN (Artificial light at night) &#8211; auf die Organismen, ver\u00e4ndern sich die Bedingungen, an die sie angepasst sind.\u201c Nicht nur jeder einzelne Organismus reagiere darauf individuell, k\u00fcnstliches Licht st\u00f6re zudem die Ebene der Artengemeinschaften und \u00d6kosysteme. Das l\u00e4sst sich auch fundiert belegen.<\/p>\n<p>Dazu die Wissenschaftlerin: \u201eEs gibt ein Sonderheft der Philosophical Transactions mit 16 Studien zum Einfluss von ALAN auf Organismen und \u00d6kosysteme, an dem auch deutsche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ma\u00dfgeblich beteiligt sind. Hier wurden nicht nur die Bienen auf der Wiese untersucht, sondern gro\u00dfe Areale \u00fcber eine l\u00e4ngere Zeit \u00fcberpr\u00fcft und festgestellt, dass die Artenvielfalt und auch die Gr\u00f6\u00dfe der Populationen \u00fcber die Zeit tats\u00e4chlich abnehmen. Und das wirkt sich dann auch auf andere Beteiligte des Nahrungsnetzes aus. Wenn die Insekten fehlen, haben die Amphibien und V\u00f6gel nichts zu fressen, usw.\u201c Auch in Deutschland werden die negativen Lichtauswirkungen u.a. im Zentrum f\u00fcr Integrative Biodiversit\u00e4tsforschung (iDif) intensiv beforscht.<\/p>\n<h4>Was haben Biorhythmus und Licht miteinander zu tun?<\/h4>\n<p>Alle S\u00e4ugetiere und auch Menschen nehmen das sichtbare, nat\u00fcrliche Licht, also den Spektralbereich, der auf der Erde vorherrscht, wahr. \u201eDas ist der Bereich, der uns am meisten beeinflusst\u201c, erkl\u00e4rt die Biologin. \u201eDas f\u00fcr uns sichtbare Licht wird durch die Netzhaut mittels Rezeptoren aufgenommen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>Es hat sich in der Evolution (z.B. bei S\u00e4ugern) so eingespielt, dass Sonnenlicht die biologische Uhr in den Kernen des Hypothalamus (Der Hypothalamus ist ein Abschnitt des Zwischenhirns im Bereich der Sehnervenkreuzung, Anm. d. Red.) mit dem solaren 24-Stunden-Zyklus synchronisiert, indem sie auf Lichtimpulse der Netzhaut reagieren. Wir nennen diese innere Synchronisation mit dem externen Sonnenlicht, bzw. dem 24-Stunden-Tagnachtrhythmus den circadianen Rhythmus.&#8220; (Der cirkadiane Rhythmus ist die innere, etwa 24-st\u00fcndige Uhr des K\u00f6rpers, die physiologische Prozesse wie Schlaf-Wach-Rhythmus, Hormone und K\u00f6rpertemperatur steuert, allgemein als Biorhythmus bekannt, Anm. d. Red.)<\/p>\n<div id=\"attachment_92525\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1930px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-92525 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Lichtverschmutzung-Die-Erde-bei-Nacht-gemeinfrei.jpg\" alt=\"\" width=\"1920\" height=\"960\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Lichtverschmutzung: Die Erde bei Nacht &#8211; \u00a9 gemeinfrei<\/span><\/div>\n<p>K\u00fcnstliches Licht st\u00f6rt diesen Ablauf. Die Forschung auf diesem Gebiet sei noch sehr jung, wei\u00df Gela Preisfeld, denn erst Ende der 1990er Jahre wurden diese Rezeptoren \u00fcberhaupt entdeckt.<\/p>\n<h4>Kaltwei\u00dflicht ver\u00e4ndert den Biorhythmus<\/h4>\n<p>Die Rezeptoren im Auge reagieren am st\u00e4rksten auf kurzwelliges, relativ energiereiches Kaltwei\u00dflicht, auch als Blaulicht bezeichnet. Und das sei leider auch das Licht, welches nachts am meisten k\u00fcnstlich strahlt. \u201eDie LEDs sind oftmals kaltwei\u00df und sie regen die Rezeptoren in der Netzhaut an. Dann sorgen die Rezeptoren daf\u00fcr, dass bestimmte Hormone ausgesch\u00fcttet werden. Dieses Blaulicht sorgt daf\u00fcr, dass Melatonin, das Schlafhormon, nicht ausgesch\u00fcttet wird. Stattdessen wird dann aber Cortisol, das Wachsamkeits- (und auch Stress-)hormon, ausgesch\u00fcttet.\u201c<\/p>\n<p>Der K\u00f6rper kommt regelrecht durcheinander, Licht kann also biologische und psychologische Aspekte beeinflussen. \u201eMan kennt das aus den nordischen L\u00e4ndern\u201c, erkl\u00e4rt Preisfeld, \u201edie Leute dort nutzen Tageslichtlampen, weil sie ansonsten zu Depressionen neigen k\u00f6nnen.\u201c Kommt der K\u00f6rper durch Lichtverschmutzung in der Nacht nicht zur Ruhe, ist auch die kognitive Leistungsf\u00e4higkeit geringer. \u201eAuch schwaches Blaulicht wie von Computern, Laptops, oder Tablets st\u00f6rt massiv. Viele Kinder d\u00fcrfen sich ja auch abends noch eine Geschichte auf dem Laptop ansehen, oder man schaut auf dem Fernseher im Schlafzimmer. All das sendet Blaulicht aus.\u201c<\/p>\n<p>Der Mensch kann, zumindest f\u00fcr sich, daran etwas \u00e4ndern. Tiere sind den sich \u00e4ndernden Lichtverh\u00e4ltnissen allerdings schutzlos ausgeliefert. \u201eIn Anpassung an die Lichtverh\u00e4ltnisse auf der Erde gibt es tagaktive, nachtaktive oder d\u00e4mmerungsaktive Tiere. Und die nacht- und d\u00e4mmerungsaktiven Tiere werden dann aktiv, wenn das Licht unter ein bestimmtes Niveau sinkt, was, wenn diese k\u00fcnstliche Lichtverschmutzung da ist, nicht passiert. Und das kann dann Konsequenzen haben.\u201c<\/p>\n<h4>Die fehlende Dunkelheit in der Nacht<\/h4>\n<p>Viele Tiere, also S\u00e4ugetiere, V\u00f6gel, Insekten, Fische, aber tats\u00e4chlich auch solche, von denen man es nicht glaubt, n\u00e4mlich Bodenorganismen, werden vom Licht beeinflusst, also von fehlender Dunkelheit in der Nacht. Gela Preisfeld macht es am Beispiel der Insekten deutlich. \u201eInsekten m\u00fcssen sich orientieren. In der Nacht langt in der Regel das Mondlicht. Wenn das nicht da ist, dann reicht das Sternenlicht. Unnat\u00fcrliches Licht ist aber heller, und das ist das Problem. D.h., die Insekten orientieren sich an einer Stra\u00dfenlampe und sie fliegen normalerweise im rechten Winkel zur Lichtquelle. Wenn aber so ein Lichtkegel da ist, dann f\u00fchrt es dazu, dass sie rundherum kreisen. Die Blauanteile sind dabei am gef\u00e4hrlichsten, weil sie darauf extrem reagieren und ihre Orientierung verlieren.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_92529\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 660px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-92529 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/jackerkun-street-lights-6941706.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"800\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Eine moderne Stra\u00dfenbeleuchtung, wie man sie aus vielen St\u00e4dten kennt &#8211; \u00a9 Pixabay<\/span><\/div>\n<p>Untersuchungen aus dem Jahr 2000 zeigen, dass in Deutschland an einer einzigen Stra\u00dfenlampe in jeder Sommernacht durchschnittlich 150 Insekten zugrunde gehen. Wird das auf die ca. 6,8 Millionen Stra\u00dfenlaternen auf deutschen Stra\u00dfen hochgerechnet, ergibt dies jede Nacht \u00fcber eine Milliarde tote Insekten. Darin sind andere Lichtquellen, wie z. B. in Industriegebieten noch gar nicht mitgerechnet. Sterben die Tiere nicht direkt vor Ort, verlieren sie jedoch ihren Tag- und Nachtrhythmus, ihre Fortpflanzungsrate sinkt und das Sterberisiko steigt.<\/p>\n<p>\u201eTagaktiven Insekten suggeriert das Licht, dass noch Tag sei, und sie finden keine Ruhe\u201c, beschreibt sie die weitere Entwicklung. \u201eIhr Stoffwechsel ist noch hochgefahren, sie brauchen mehr Nahrung, die sie nachts nicht finden. Das f\u00fchrt zur Abnahme ihrer Fitness und Abwehrbereitschaft, evtl. gekoppelt mit gest\u00f6rter Eiablage, weil sie gar nicht wirklich sehen k\u00f6nnen, wo sie die Eier ablegen oder auch \u00fcberhaupt keine Partner finden. Als Nebeneffekt durch diese Desorientierung werden seltener nachtbl\u00fchende Pflanzen best\u00e4ubt und das beeinflusst wiederum die Pflanzen.\u201c<\/p>\n<p>Korallen beispielsweise produzierten ihre Nachkommen in Abh\u00e4ngigkeit vom Mond, der aber heute oft nicht das hellste Licht ausstrahle. F\u00fcr wandernde Fische seien hell erleuchtete Br\u00fccken ein Hindernis und sie bek\u00e4men so ein falsches Signal. \u201eV\u00f6gel, ein kaum zu \u00fcberh\u00f6rendes Beispiel, fangen oft nachts an zu singen, weil es nicht dunkel genug ist. Sie sind aktiv und verwechseln das Kunstlicht mit dem D\u00e4mmerungslicht, verl\u00e4ngern den Tag und ben\u00f6tigen dann mehr Nahrung, genau wie bei den Insekten. Sie werden dann oftmals auch angeregt, zu fr\u00fch zu legen, weil ihnen der Tag l\u00e4nger vorkommt, so wie es im Fr\u00fchjahr, bzw. Fr\u00fchsommer w\u00e4re. Aber dann ist es noch zu kalt f\u00fcr die Gelege, es gibt noch nicht genug Nahrung f\u00fcr die Jungtiere und die Jungen sterben.\u201c<\/p>\n<p>Viele weitere Tierarten sind betroffen. Meeresschildkr\u00f6ten finden bei beleuchteten Str\u00e4nden nicht den Weg ins rettende Wasser und auch die Orientierung von Zugv\u00f6geln ist gef\u00e4hrdet. Da gibt es auch schon einen Begriff zu, das sogenannte Towerkill-Ph\u00e4nomen. Dazu Gela Preisfeld: \u201eZugv\u00f6gel fliegen meistens nachts und orientieren sich am Sternenhimmel. Kommen sie nun in die N\u00e4he von St\u00e4dten, wo gro\u00dfe Lichtglocken sind, werden sie \u00fcber weite Strecken von ihrem Weg abgelenkt, sie fliegen in die St\u00e4dte. Und wenn dort hohe, erleuchtete Geb\u00e4ude stehen, dann fliegen sie dagegen und sterben beim Aufprall, also Towerkill.\u201c<\/p>\n<h4>Weniger Licht in der Nacht \u2013 Stra\u00dfenbeleuchtung nach unten ausrichten<\/h4>\n<p>Das simple Dimmen des Lichtes k\u00f6nnte schon viele Tiere retten, doch es sei eben viel komplizierter, konstatiert die Wissenschaftlerin. Man rede zwar von Nachhaltigkeit, aber ob man das auch umsetzen wolle, wenn es einem nicht direkten Profit verspreche, sei noch eine andere Sache. \u201eFl\u00e4chendeckendes Dimmen w\u00fcrde einen komplexen Abw\u00e4gungsprozess zwischen Umweltschutz und Nachhaltigkeit erfordern, aber auch Sicherheit und Verkehrssicherheit sowie nat\u00fcrlich die Kosten sind zu ber\u00fccksichtigen. F\u00f6rderrichtlinien konzentrieren sich in der Regel auf Energieeffizienz und nicht auf Umwelt- oder Tierschutz. Sie setzen keine \u00f6kologischen Lichtfarben ein, sondern das, was am g\u00fcnstigsten ist.\u201c<\/p>\n<p>Zwar w\u00e4re weniger Blauanteil generell schon gut, doch auch die B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger h\u00e4tten oft etwas dagegen, denn man empfinde n\u00e4chtliches Licht auch als Sicherheitsfaktor. Zudem seien unsere Stra\u00dfenlaternen in der Regel auch zum Dimmen bereits zu alt, so dass technische H\u00fcrden mit enormen Kosten verbunden w\u00e4ren. Auf z. B. der kanarischen Insel La Palma habe man die Beleuchtung der Stra\u00dfenlaternen vor vielen Jahrzehnten wegen des dort liegenden Forschungsteleskops nach unten ausgerichtet. \u201eBei uns strahlen viele Dinge immer noch in den Himmel, und das k\u00f6nnte doch schon mal helfen\u201c, schl\u00e4gt sie als kleine Ma\u00dfnahme vor.<\/p>\n<h4>Reparatursysteme der Pflanzen werden durch k\u00fcnstliches Licht gest\u00f6rt<\/h4>\n<p>N\u00e4chtliche Beleuchtung st\u00f6rt auch den Wachstumszyklus unserer Pflanzen. Nat\u00fcrliches Licht sei ein wichtiger Informationstr\u00e4ger, erkl\u00e4rt die Fachfrau. \u201ePflanzen, Algen, Cyanobakterien, all die, die eine oxidative Photosynthese durchf\u00fchren k\u00f6nnen, sind auf das normale Licht angewiesen, denn sie nutzen diese Lichtinformation auch zur Bl\u00fch- und Blattentwicklung. Neben dem 24-Stunden-Rhythmus gibt es noch einen monatlichen Rhythmus und auch einen Jahresrhythmus. Diese normalen Ver\u00e4nderungen in der Lichtqualit\u00e4t und Quantit\u00e4t geben den Organismen Jahreszeiten an und diese reagieren dann darauf mit Fortpflanzung oder Blattabwurf.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_92531\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 860px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-92531 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/baggeb-motorcycle-5458114.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"625\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Hell erleuchtete Hochh\u00e4user, fast taghelle Stra\u00dfen, bekannt aus den Metropolen &#8211; \u00a9 Pixabay<\/span><\/div>\n<p>Auf k\u00fcnstliches Nachtlicht reagieren Pflanzen jedoch mit verz\u00f6gertem Blattabwurf. Deutlich merke man das in den St\u00e4dten, wo die Bl\u00e4tter l\u00e4nger an den B\u00e4umen haften als im Umfeld, was aber mit einer erh\u00f6hten Gefahr bei Frost einhergehe, und dies schw\u00e4che den Baum. Konkret hei\u00dfe das: \u201eDie Pflanzen regieren mit verminderter Bl\u00fctenbildung und mit einer verminderten Fortpflanzungsrate, auch, weil die Insekten sie nicht mehr best\u00e4uben. Der interne Stoffwechsel ist gest\u00f6rt, sie atmen nachts st\u00e4rker, produzieren mehr CO<sub>2<\/sub> als normal, speichern weniger Energie und produzieren weniger Biomasse. Das hat dann auch Konsequenzen auf die Lebensgemeinschaft und das \u00d6kosystem. Dazu kommt noch, dass die Reparatursysteme der Pflanzen in der n\u00e4chtlichen Ruhephase angeschaltet werden. Bleibt Dunkelheit aus, wird auch die Regeneration gest\u00f6rt.\u201c<\/p>\n<h4>Scotobiologie (Dunkelheitsbiologie) \u2013 ein neues Forschungsgebiet<\/h4>\n<p>Bei Menschen stellt man bei erh\u00f6htem k\u00fcnstlichen Lichteinsatz oft einen gest\u00f6rten Schlaf-Wach-Rhythmus fest. Israelische Forscher sahen gar einen Zusammenhang zu Brustkrebserkrankungen bei Menschen, die sich nachts nicht genug vor Lichteinstrahlung sch\u00fctzen konnten. Aber auch da tut sich was, denn mittlerweile gibt es sogar ein Fachgebiet in der Biologie, welches sich mit Dunkelheit auf Lebewesen besch\u00e4ftigt, die sogenannte relativ junge Disziplin der Scotobiologie, zu deutsch: Dunkelheitsbiologie. \u201eDas ist ein spannendes Feld\u201c, beginnt Preisfeld, \u201edie Scotobiologie erforscht die essentielle Bedeutung wirklicher Dunkelheit, nat\u00fcrlicher Dunkelheit f\u00fcr Lebewesen und fragt: Was passiert, wenn es dunkel ist und was passiert, wenn es nicht dunkel ist? Sie untersucht also auch die negativen Auswirkungen von k\u00fcnstlichem Licht in der Nacht auf Biosysteme, Biorhythmen, sowie den Hormonhaushalt und entwickelt auch Schutzma\u00dfnahmen.\u201c<\/p>\n<p>Es gebe in der Tat Hinweise darauf, dass das Krebsrisiko bei Menschen ansteige, denn auch unser K\u00f6rper werde durch k\u00fcnstliches Licht in seiner Regeneration gest\u00f6rt. \u201eWenn der Melatoninlevel gesenkt wird, dann wei\u00df man, dass es u.a. zu Herz-Kreislauferkrankungen kommen kann, zu Depressionen, einem erh\u00f6hten Risiko von Fettleibigkeit und gest\u00f6rter Fruchtbarkeit. Auch gastrointestinale Erkrankungen k\u00f6nnen passieren. Licht, bzw. fehlende Dunkelheit in der n\u00e4chtlichen Regenerationsphase hat gro\u00dfe physiologische Konsequenzen.\u201c<\/p>\n<h4>Keine elektronischen Ger\u00e4te 1\u20132 Stunden vor dem Schlafen<\/h4>\n<p>Die Auswirkungen der Lichtverschmutzung auf Mensch und Tier sind beachtlich. Doch wir k\u00f6nnen auch selber etwas dagegen tun. \u201eIndividuell f\u00fcr uns k\u00f6nnen wir nat\u00fcrlich versuchen, solche Ger\u00e4te wie Laptop oder Fernseher von unserem Schlafraum fernzuhalten und auch ein oder zwei Stunden, bevor wir beabsichtigen zu schlafen, solche Ger\u00e4te nicht mehr zu nutzen\u201c, r\u00e4t die Biologin. \u201eGanz besonders f\u00fcr Kinder ist das wichtig, damit die auch zu ihrer Ruhephase kommen, denn Kinder sind ja noch st\u00e4rker im Lernprozess als Erwachsene, obwohl auch die lebenslang lernen. Das Gelernte wird nachts beim Schlafen konsolidiert, da passiert der Lerneffekt.\u201c<\/p>\n<p>Zudem k\u00f6nne man im eigenen Garten \u00f6kologisch angepasste Beleuchtungssysteme nutzen, die viele Tiere retten w\u00fcrden. \u201eIch habe mal recherchiert was der Bund f\u00fcr Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) empfiehlt\u201c, sagt Gela Preisfeld abschlie\u00dfend.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>\u201eInsektenvertr\u00e4glichere Leuchtmittel nutzen, keine kurzwelligen Blaulichtanteile bei der Au\u00dfenbeleuchtung einsetzen und dann auch mit einem Timer versehen, denn, wenn wir ins Bett gehen, schaut keiner mehr in den Garten vom Zimmer aus. Die Geh\u00e4use, die diese Leuchtstoffe enthalten, sollten unn\u00f6tigen Austritt von Licht vermeiden, also ganz besonders nach oben hin, f\u00fcr Insekten nicht zug\u00e4nglich und niedrig angebracht sein, damit die Tiere nicht verbrennen. Grunds\u00e4tzlich sollte man auch in Naturschutzgebieten, oder wo man wei\u00df, dass dort eine hohe Artenvielfalt lebt, Dunkelzonen um ein Gebiet herum einrichten, um m\u00f6glichst wenig k\u00fcnstliches Licht zu produzieren.\u201c<\/p>\n<p><strong>Uwe Blass<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_92526\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 210px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-92526 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Preisfeld-Presse-Privat.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"219\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Prof. Dr. Gela Preisfeld &#8211; \u00a9 privat<\/span><\/div>\n<h4>\u00dcber Professorin Dr. Gela Preisfeld<\/h4>\n<p>Professorin Dr. Gela Preisfeld studierte, promovierte und habilitierte an der Universit\u00e4t in Bielefeld. Nach kurzen Forschungsaufenthalten in Australien und einer Vertretung an der Goethe-Universit\u00e4t Frankfurt\/Main nahm sie 2006 den Ruf auf den Lehrstuhl Biologie und ihre Didaktik, Zoologie an der Bergischen Universit\u00e4t an.<i><\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lichtverschmutzung ist die zunehmende Aufhellung des Nachthimmels durch k\u00fcnstliche Lichtquellen und stellt eine ernstzunehmende Bedrohung dar, die Auswirkungen auf Tiere und Menschen hat, wie es die Biologin Prof. Dr. Gela Preisfeld kurz zusammenfasst, die uns Menschen nicht auf den ersten Blick &#8222;einleuchtet&#8220;. Ein spannendes Thema, das Autor Uwe Blass in der spannenden, lehrreichen Uni-Serie &#8222;Transfergeschichten&#8220; aufgreift.\u00a0<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-92522","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissen"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-06-22 16:45:28","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/92522","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=92522"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/92522\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":92532,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/92522\/revisions\/92532"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=92522"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=92522"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=92522"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}