{"id":92299,"date":"2026-06-01T11:00:33","date_gmt":"2026-06-01T09:00:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=92299"},"modified":"2026-06-01T11:00:33","modified_gmt":"2026-06-01T09:00:33","slug":"maerchen-zur-fee-gibt-es-kein-maennliches-pendant","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2026\/06\/01\/maerchen-zur-fee-gibt-es-kein-maennliches-pendant\/","title":{"rendered":"M\u00e4rchen: Zur Fee gibt es kein m\u00e4nnliches Pendant"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_92302\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 910px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-92302 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Dr.-Laura-Wiemer-Foto-Susanne-Kurz.jpg\" alt=\"\" width=\"900\" height=\"599\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Die Romanistin Dr. Laura Wiemer von der Bergischen Universit\u00e4t organisiert eine spannende &#8222;M\u00e4rchen&#8220;-Tagung &#8211; \u00a9 Susanne Kurz<\/span><\/div>\n<p>Bei M\u00e4rchen denken wir sofort an die Br\u00fcder Grimm, die ihre Kinder- und Hausm\u00e4rchen ab 1812 herausgaben und international bekannt sind. Dass die M\u00e4rchentradition in Frankreich bereits schon im 17. Jahrhundert, von Frauen initiiert, in den Pariser Salons popul\u00e4r war, geriet aber in Vergessenheit. Laura Wiemer, Romanistin in der Fakult\u00e4t f\u00fcr Geistes- und Kulturwissenschaften an der Bergischen Universit\u00e4t organisiert nun eine internationale Tagung, auf der die geographischen, kulturellen und sprachlichen Grenz\u00fcberschreitungen von M\u00e4rchenstoffen-, -motiven und \u2013figuren, ausgehend von Frankreich, untersucht werden.<\/p>\n<h4>Die M\u00e4rchenreise beginnt in Frankreich<\/h4>\n<p>Die internationale Tagung vom 10. \u2013 12. Juni hat den Titel &#8222;M\u00e4rchenreisen&#8220;, und auch wenn man dann unwillk\u00fcrlich sofort an &#8222;Sindbad den Seefahrer aus 1001 Nacht&#8220; denkt, liegt der Schwerpunkt der Tagung auf Europa. \u201eEs gibt aber sogar Ber\u00fchrungspunkte zu 1001 Nacht\u201c, erkl\u00e4rt die Romanistin, \u201edenn es war der Pariser Orientalist Antoine Galland (1656 \u2013 1715), der erstmals die Geschichten aus 1001 Nacht in eine europ\u00e4ische Sprache -und zwar die Franz\u00f6sische- \u00fcbersetzt und editiert hat.\u201c Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schauen sich von Frankreich ausgehend vor allem die M\u00e4rchentraditionen in Spanien und Italien an. Aber auch Belgien und Deutschland bleiben im Fokus, und der Blick nach \u00dcbersee und in andere Kulturr\u00e4ume erweitert den Rahmen zus\u00e4tzlich.<\/p>\n<div id=\"attachment_44822\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 440px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-44822\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Logo-Transfergeschichten.jpg\" alt=\"\" width=\"430\" height=\"138\" \/><span class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Bergische Universit\u00e4t<\/span><\/div>\n<p>\u201eDie Tagung ergab sich im Zusammenhang mit meiner Lehre\u201c, sagt Wiemer, \u201edenn ich versuche immer Forschung, Lehre und Wissenstransfer zu verkn\u00fcpfen.\u201c Im Sommersemester bietet sie den Studierenden daher auch zwei M\u00e4rchenseminare an. \u201eDa w\u00fcrde ich dann gerne mit den Studierenden auch einen Blick in die M\u00e4rchen ihrer Herkunftskulturen werfen. Es sind sicher Studierende z. B. aus Polen, Russland oder der T\u00fcrkei dabei, so dass wir auch noch \u00fcber die romanischsprachigen L\u00e4nder und Europa hinausdenken k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>Diese transnational und transkulturelle Herangehensweise soll dazu f\u00fchren, wiederkehrende Erz\u00e4hlmuster zu identifizieren, die sich \u00fcber die Jahrhunderte immer wiederholen und in allen M\u00e4rchen \u00e4hnlich sind. \u201eBei der Tagung geht es mir um die Formen und Funktionen der M\u00e4rchenreisen mit der Frage:<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Wie reisen denn M\u00e4rchenstoffe und Motive in den verschiedenen Sprachen und Kulturen durch die Jahrhunderte?\u201c<\/p>\n<h4>Grimms M\u00e4rchen kommen meist aus Frankreich<\/h4>\n<p>Auf die Frage, welchen Einfluss denn die romanischen Geschichten auf die M\u00e4rchenerz\u00e4hlungen haben, erkl\u00e4rt Wiemer, dass all diese Erz\u00e4hlungen, oft auch m\u00fcndlich tradiert, lange Zeit durch Europa gereist seien, bevor sie bei den Br\u00fcdern Grimm landeten. \u201eDie Grimm`schen M\u00e4rchen, das wissen viele nicht, kommen zum Gro\u00dfteil aus Frankreich von Charles Perrault (1628 \u2013 1703).\u201c Am Beispiel von Dornr\u00f6schen k\u00f6nne man sehr sch\u00f6n erkennen, wie lange dieses M\u00e4rchen schon erz\u00e4hlt werde. Die Br\u00fcder Grimm hatten die Geschichte von Perrault im 19. Jahrhundert \u00fcbernommen, der sie wiederum schon von Giambattista Basile (1583 \u2013 1632) aus Italien kannte, wo sie im16. Jahrhundert niedergeschrieben war. Basiles M\u00e4rchen mache sogar Anspielungen auf die griechische Mythologie. \u201eFrankreich hatte eine ganz eigene M\u00e4rchentradition mit diesen M\u00e4rchen von Perrault, die unter dem Titel \u00b4Contes de f\u00e9es` publiziert wurden\u201c, sagt Wiemer.<\/p>\n<div id=\"attachment_92303\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 510px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-92303 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Beauty-and-the-Beast-Illustration-von-Walter-Crane-1874-gemeinfrei.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"574\" \/><span class=\"wp-caption-text\">&#8222;Beauty and the Beast&#8220;, eine Illustration von Walter Crane (1874) &#8211; \u00a9 gemeinfrei<\/span><\/div>\n<p>In Spanien wiederum haben die Kinder- und Hausm\u00e4rchen der Grimms in der landessprachlichen \u00dcbersetzung gro\u00dfe Verbreitung gefunden. Dazu Wiemer: \u201eDie eher kleine M\u00e4rchentradition in Spanien wurde vor allem durch Fern\u00e1n Caballero begr\u00fcndet. Man wei\u00df heute, dass er eigentlich eine Frau war, n\u00e4mlich Cecilia B\u00f6hl de Faber (1796 \u2013 1878). Faber ist ein deutscher Name, sie hatte also deutsche Wurzeln und ist nat\u00fcrlich mit den Grimm`schen M\u00e4rchen aufgewachsen, so dass sie dieses deutsche Kulturerbe in Spanien verbreitet hat.\u201c<\/p>\n<p><b>In Frankreich wird das Rotk\u00e4ppchen nicht gerettet<\/b><\/p>\n<p>Die Tagung &#8222;M\u00e4rchenreisen&#8220; besch\u00e4ftigt sich mit den reisenden Bewegungen der M\u00e4rchenfiguren. Am Beispiel der Geschichte um das Rotk\u00e4ppchen wird noch einmal deutlich, welche Zielgruppe eigentlich angesprochen werden sollte. \u201eDas Rotk\u00e4ppchen kommt urspr\u00fcnglich aus Frankreich, wieder von Charles Perrault\u201c, sagt Laura Wiemer. \u201eMan wei\u00df auch, wie es nach Kassel zu den Br\u00fcdern Grimm kam, denn Kassel stand zu der damaligen Zeit unter franz\u00f6sischer Besatzung. D.h., die franz\u00f6sische Sprache und Kultur war nat\u00fcrlich im Lebensumfeld sehr pr\u00e4sent. Man wei\u00df auch von welchen franz\u00f6sischen Frauen die Grimms diese Geschichte bekommen haben. Das waren die Schwestern Hassenpflug und daran sieht man, dass der Text oder das Motiv gereist ist.\u201c<\/p>\n<p>Und auch innerhalb des Textes reise das Rotk\u00e4ppchen, denn es breche auf zur Gro\u00dfmutter, gehe alleine durch den Wald und sei dann sozusagen auf einer kleinen Reise. Interessant ist vor allem der Schluss. Dazu Wiemer: \u201eDer Wolf fordert das Rotk\u00e4ppchen auf, sich zu ihm ins Bett zu legen, aber entkleidet. Da kommt eine deutlich erotisch sexuelle Komponente dazu, und am Ende dann auch eine Moral. Wenn man wei\u00df, dass diese Geschichten auch f\u00fcr junge Frauen geschrieben wurden, ist die Moral in der franz\u00f6sischen Version: Lass dich nicht auf fremde M\u00e4nner ein, denn der Wolf ist in dem Falle der Mann, der die Frau vom rechten Weg abbringt und sie dann in der Version auch noch verf\u00fchrt, so dass sie ihre Jungfr\u00e4ulichkeit verliert.\u201c<\/p>\n<p>So sehe man dann im Motiv der Reise, sie gehe von ihrem besch\u00fctzten Zuhause fort, gehe den Weg des Erwachsenwerdens und komme dann durch den Mann auf Abwege. Drastisch dann auch das Ende. \u201eIn der franz\u00f6sischen Version gibt es keinen J\u00e4ger, der Wolf frisst Rotk\u00e4ppchen und die Gro\u00dfmutter, und das M\u00e4rchen ist zu Ende.\u201c Eine \u00e4hnliche Moral vermittele auch das M\u00e4rchen &#8222;Die Sch\u00f6ne und das Biest&#8220;, denn die Quintessenz k\u00f6nne man ganz einfach formulieren: Sperr die Frau ein, du hast sie f\u00fcr dich und sie verliebt sich in dich. \u201eDas ist ja das, was das Biest am Ende schafft\u201c, sagt Laura Wiemer, \u201eda kann man schon gesellschaftskritisch viel aus den M\u00e4rchen herauslesen.\u201c<\/p>\n<h4>Viele Stoffe, Figuren und Motive sind international zu finden<\/h4>\n<p>Nun k\u00f6nnte man glauben, jedes Land habe seine eigenen M\u00e4rchen, doch es gibt Stoffe, Figuren und Motive, die sich \u00fcberall finden lassen. \u201eEs sind so viele Themen\u201c, wei\u00df die Fachfrau und z\u00e4hlt einige auf: \u201eDer Kampf des Guten gegen das B\u00f6se, Armut gegen Reichtum, Flei\u00df und Faulheit, Pr\u00fcfungen, Abenteuer und am Ende oft eine Heirat.\u201c Tiere k\u00e4men auch immer vor sowie eine deutliche Zeichensymbolik. Die tiefgr\u00fcndige Bildsprache verwandelt abstrakte Konzepte in greifbare Gegenst\u00e4nde. So steht der Spiegel f\u00fcr Selbsterkenntnis, Wahrheit oder Eitelkeit. Die Zahl drei spielt oft eine Rolle und als Orte werden oft der Wald als Ort der Pr\u00fcfung und Gefahrenzone oder ein Schloss f\u00fcr Sicherheit oder Isolation genannt. Und es gibt auch Figuren, die in allen M\u00e4rchen gleich sind.<\/p>\n<div id=\"attachment_92304\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 510px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-92304 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Jean-Marais-in-der-Verfilmung-von-Beauty-and-the-Beast-1946-gemeinfrei.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"600\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Jean Marais in der Verfilmung von &#8222;Beauty and the Beast&#8220; aus dem Jahr 1946 &#8211; \u00a9 gemeinfrei<\/span><\/div>\n<p>\u201eEin ganz konkretes Beispiel ist die Fee\u201c, erkl\u00e4rt Laura Wiemer. \u201eSie kommt in vielen M\u00e4rchen als Figur vor, egal ob es ein deutsches, franz\u00f6sisches oder spanisches M\u00e4rchen ist. Das Besondere dabei, was sich auch nie \u00e4ndert, ist, die Fee ist immer weiblich. Es gibt zur Fee kein m\u00e4nnliches Pendant. Es gibt eine Zauberin und einen Zauberer, es gibt auch eine Hexe und einen Hexer, aber die Fee ist einzigartig weiblich, meist positiv, eine Helferin mit magischen Zaubermitteln.\u201c<\/p>\n<h4>Das literarische Leben von Frauen in der franz\u00f6sischen Salonkultur<\/h4>\n<p>M\u00e4rchen avancieren mit dem Ende des 17. Jahrhunderts in Frankreich zum Unterhaltungsmoment der gesellschaftlichen Elite und zum festen Bestandteil der Salonkultur.\u00a0Da das Ver\u00f6ffentlichen als professionelle T\u00e4tigkeit f\u00fcr Frauen oft als unschicklich galt oder rechtliche Einschr\u00e4nkungen, wie die Zustimmung des Ehemanns bestanden, boten Ver\u00f6ffentlichungen unter \u00b4als Ehefrau von (Name des Mannes) ` die M\u00f6glichkeit, am literarischen Leben teilzunehmen. \u201eEs gibt eine sehr bekannte M\u00e4rchenautorin, Marie Catherine d`Aulnoy (1652 \u2013 1705), die aber unter dem Namen Madame d`Aulnoy ver\u00f6ffentlichte. Daran sieht man, sie war verheiratet, sonst h\u00e4tte sie unter Mademoiselle ver\u00f6ffentlicht.\u201c Ein anderes Beispiel sei das M\u00e4rchen \u00b4Riquet mit dem Schopf`, welches nachweislich aus der Erz\u00e4hlsammlung von Catherine Bernard (1626 \u2013 1712) stamme, die aber heute in Vergessenheit geraten sei. Daher werde die Geschichte dem Autor Charles Perrault zugeordnet, der sie jedoch \u00fcbernommen habe. Die Wissenschaftlerin widmet sich in ihrer Habilitation diesen heute oft unbekannten weiblichen Autorinnen sowie den von ihnen entwickelten M\u00e4rchenheldinnen und sagt: \u201eMich interessieren die Texte von Frauen, egal ob unter Pseudonym oder eigenem Namen. Und da gibt es in Frankreich viele Autorinnen, die eine gro\u00dfe weibliche M\u00e4rchentradition begr\u00fcndet haben.\u201c<\/p>\n<p><b>Der Aarne-Thompson-Uther-Index<\/b><\/p>\n<p>Wiemer arbeitet wie viele ihrer Wissenschaftskolleg*innen mit dem sogenannten Aarne-Thompson-Uther-Index. \u201eDas ist ein sehr ehrgeiziges Projekt, welches ich sehr bewundere\u201c, erkl\u00e4rt sie. \u201eDrei Forschende haben das Projekt nacheinander fortgesetzt. Der erste war ein finnischer M\u00e4rchenforscher, Antti Aarne. Er hat Anfang des 20. Jahrhunderts angefangen, M\u00e4rchen zu klassifizieren. Dann, Mitte des 20. Jahrhunderts hat Stith Thompson aus den USA dieses Modell fortgef\u00fchrt und Ende des 20. Jahrhunderts wurde es schlie\u00dflich von Hans-J\u00f6rg Uther aus Deutschland vervollst\u00e4ndigt. Das Ziel war, eine Systematik in diese vielf\u00e4ltigen M\u00e4rchenstoffe zu bringen.\u201c Daher wurden die M\u00e4rchen in verschiedene Kategorien gegliedert wie z. B. Tierm\u00e4rchen, Zauberm\u00e4rchen, religi\u00f6se M\u00e4rchen oder novellenartige M\u00e4rchen. Obwohl der Index international verbindlich sei, gebe es einen wesentlichen Kritikpunkt daran, denn er besch\u00e4ftige sich ausschlie\u00dflich mit M\u00e4rchen aus Europa.<\/p>\n<p><b>Internationale M\u00e4rchenforschende treffen sich in Wuppertal<\/b><\/p>\n<p>Laura Wiemer organisiert die Veranstaltung mit ihrer Kollegin Dr. Selina Seibel, die an den Universit\u00e4ten in K\u00f6ln und Stuttgart arbeitet. Die beiden Frauen nutzten ihre jeweiligen Kontakte und ver\u00f6ffentlichten zudem ein \u00b4Call for papers`, welches sie in all den Sprachen, die behandelt werden, auf eine internationale Plattform stellten. \u201eDa haben sich sehr viele Kolleginnen und Kollegen von unterschiedlichen Universit\u00e4ten gemeldet. Wir haben nun Marokko und Tunesien vertreten, aber auch Italien, Spanien, Frankreich und Belgien. Von \u00fcberall kamen Beitragsvorschl\u00e4ge.\u201c Die Tagung finde auch deshalb in Wuppertal statt, weil es hier an der Bergischen Universit\u00e4t einen der gr\u00f6\u00dften M\u00e4rchenforscher der deutschsprachigen Tradition gab: Prof. Dr. Heinz R\u00f6lleke.<\/p>\n<div id=\"attachment_92305\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 510px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-92305 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Herrfurth_Bremer_Stadtmusikanten-gemeinfrei.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"786\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Die &#8222;Bremer Stadtmusikanten&#8220;, eine Illustration von Oskar Herrfurth um 1920\/30 &#8211; \u00a9 gemeinfrei<\/span><\/div>\n<p><b>M\u00e4rchen auch in Sozialen Netzwerken vertreten<\/b><\/p>\n<p>M\u00e4rchen, urspr\u00fcnglich f\u00fcr Erwachsen gedacht, wurden bei uns erst durch die Kinder- und Hausm\u00e4rchen der Br\u00fcder Grimm bewusst f\u00fcr Kinder adaptiert und haben sich im Laufe der Geschichte durch Anpassungen f\u00fcr Theater oder Film ver\u00e4ndert, denkt man allein an Walt Disney-Verfilmungen. \u201eMein pers\u00f6nlicher Eindruck ist immer noch, dass M\u00e4rchen weiterhin die Texte sind, mit denen Kinder ihre ersten literarischen Leseerfahrungen machen\u201c erkl\u00e4rt Laura Wiemer dazu. \u201eSie bekommen die Geschichten vorgelesen, oder lesen sie sogar selber. Sp\u00e4ter kommen sie ja auch in der Schule noch vor und sind Unterrichtsgegenstand im Deutschunterricht.\u201c<\/p>\n<p>Zwar zeigten Studien, dass das Leseinteresse bei vielen Jugendlichen abnehme und die Leselust wegen Social Media nicht mehr da sei, aber auch in anderen Medien seien M\u00e4rchen pr\u00e4sent, wenn man nur einmal an Walt Disney-Filme denke. \u201eDie haben sich sogar von urspr\u00fcnglichen Zeichentrickfilmen noch einmal \u00fcber Realverfilmungen weiterentwickelt. Denkt man da an &#8222;Die Sch\u00f6ne und das Biest&#8220; von 2017 in der Realverfilmung mit Emma Watson als Belle, war das nat\u00fcrlich auch f\u00fcr die Jugend eine Referenz an Harry Potter (Emma Watson spielte in den Harry-Potter-Verfilmungen die Rolle der Hermine Granger, Anm. d. Red.).\u201c<\/p>\n<p>In Frankreich habe die Rap-Kultur sogar M\u00e4rchen aufgegriffen. \u201eEs gibt einen sehr bekannten und erfolgreichen Rapper, der hei\u00dft MC Solaar, der hat einen Rap &#8222;La belle et le bad boy&#8220;, da geht es darum, dass eine junge Frau auf die schiefe Bahn ger\u00e4t und sich dann dem Mann hingibt.\u201c Ein Blick in die Sozialen Medien zeige zudem viele Memes, also Bilder, die dann M\u00e4rchenfiguren aufgreifen, also dort, wo viele Jugendliche aktiv unterwegs seien.<\/p>\n<h4>Die lange M\u00e4rchenreise des L\u00f6weneckerchen<\/h4>\n<p>Auf die Frage, welches M\u00e4rchen denn die beeindruckendste Reise gemacht habe, antwortet die Romanistin prompt mit &#8222;Die Sch\u00f6ne und das Biest&#8220;. \u201eEs beginnt bereits in der r\u00f6mischen Mythologie bei Apuleius, er hat den Mythos von Amor und Psyche aufgeschrieben. Dann ist die r\u00f6mische Mythologie \u00fcber die italienische Renaissance wieder aufgegriffen worden. Und da finden wir diese Erz\u00e4hlstruktur in &#8222;Il re porco&#8220; (Der Schweinek\u00f6nig) von Giovanni Francesco Straparola (1480 \u2013 1558) im 16. Jahrhundert wieder.\u201c<\/p>\n<p>Dann sei der typische Weg von Italien nach Frankreich nachzuvollziehen und da gebe es sogar zwei Versionen. Die erste Version stamme von Mme Gabrielle-Suzanne de Villeneuve<i> (1695 \u2013 1755), <\/i>und sei fast schon ein kleiner Roman. \u201eDann wurde die Geschichte noch einmal richtig gek\u00fcrzt und zu einer Haupthandlung zusammengeschnitten von Mme<i> <\/i>Jeanne-Marie Leprince de Beaumont (1711 \u2013 1780)<i>. <\/i>Und das ist die Version, die wir heute kennen und die auch verfilmt wurde.\u201c Von Frankreich aus kam die Geschichte dann zu den Br\u00fcdern Grimm und ist dort in den Kinder- und Hausm\u00e4rchen zu finden in &#8222;Das singende, springende L\u00f6weneckerchen&#8220;.<\/p>\n<p>\u201eWir haben also ein Grimm`sches M\u00e4rchen, was die Geschichte von der Sch\u00f6nen und das Biest auf deutsche Art und Weise erz\u00e4hlt, sie haben es also angepasst. Das Biest ist bei den Grimms ein L\u00f6we und das L\u00f6weneckerchen ist ein Vogel (eine Lerche, Anm. d. Red.). Es gibt die Tochter des Kaufmanns, die sich keine Rose w\u00fcnscht, sondern ein L\u00f6weneckerchen. Der ganze Plot ist gleich.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Und auch das Kino habe dieses M\u00e4rchen schon fr\u00fch erkannt. Jean Cocteau, der gro\u00dfe franz\u00f6sischer Autor und Filmemacher, hat schon 1946 den Stoff bereits als erster in schwarz\/wei\u00df verfilmt. Danach gab es bis 2017 noch insgesamt acht weitere Verfilmungen.<\/p>\n<p>Drei Tage lang widmen sich Forschende aus acht Nationen den Geschichten mit der ber\u00fchmten Anfangsformel: Es war einmal\u2026<\/p>\n<p><strong>Uwe Blass<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_92306\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 210px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-92306 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Dr.-Laura-Wiemer-Foto-Susanne-Kurz-2.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"255\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Dr. Laura Wiemer &#8211; \u00a9 Susanne Kurz<\/span><\/div>\n<h4>\u00dcber Dr. Laura Wiemer<\/h4>\n<p>Dr. Laura Wiemer ist wissenschaftliche Mitarbeiterin (Postdoc) im Fach Romanistik in der Fakult\u00e4t f\u00fcr Geistes- und Kulturwissenschaften an der Bergischen Universit\u00e4t.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Romanistin Dr. Laura Wiemer organisiert eine Tagung an der Bergischen Universit\u00e4t, die sich mit den Jahrhunderte alten \u00dcberlieferungen von M\u00e4rchenstoffen und Motiven durch verschiedene Sprachen und Kulturen besch\u00e4ftigt. Ein spannendes Thema, das Autor Uwe Blass im Rahmen der beliebten, lehrreichen Uni-Reihe &#8222;Transfergeschichten&#8220; aufgegriffen hat und dabei mit der Wissenschaftlerin auch der Frage nachging, warum es zur Fee kein m\u00e4nnliches Pendant gibt. <\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-92299","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissen"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-06-08 13:55:48","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/92299","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=92299"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/92299\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":92314,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/92299\/revisions\/92314"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=92299"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=92299"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=92299"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}