{"id":92265,"date":"2026-05-29T14:02:44","date_gmt":"2026-05-29T12:02:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=92265"},"modified":"2026-05-29T14:02:44","modified_gmt":"2026-05-29T12:02:44","slug":"marilyn-monroe-mix-aus-glamour-und-zerbrechlichkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2026\/05\/29\/marilyn-monroe-mix-aus-glamour-und-zerbrechlichkeit\/","title":{"rendered":"Marilyn Monroe: Mix aus Glamour und Zerbrechlichkeit"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_92271\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1433px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-92271 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/SOME-LIKE-IT-HOT_Monroe_Copyright-MGM-1-1.jpeg\" alt=\"\" width=\"1423\" height=\"900\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Die Schauspiel-Ikone Marily Monroe in \u201eManche m\u00f6gen\u2019s hei\u00df\u201c (\u201eSome Like It Hot\u201c) aus dem Jahr 1959. Die restaurierte Fassung des Klassikers wird zum Auftakt der Open-Air-Saison der Kino-Initiative &#8222;Talflimmern&#8220; am 17. Juli im Innenhof der Kultur- &amp; Begegnungszentrums &#8222;Alte Feuerwache&#8220; (Gathe 6 &#8211; 42107 Wuppertal) gezeigt &#8211; www.talflimmern.de \u2013 \u00a9 MGM Pictures<\/span><\/div>\n<p><b>Marilyn Monroe, wurde vor 100 Jahren am 01. Juni 1926 geboren und ist bis heute eine ewige Ikone. Wie kommt das?<\/b><\/p>\n<p>Erica von Moeller\/Mona Ke\u00dfler: &#8222;Marilyn Monroe verk\u00f6rperte in den 1950er Jahren den amerikanischen Traum: Jugend, Glamour, Sinnlichkeit. Szenen wie ihr Auftritt in \u201eGentlemen Prefer Blondes\u201c oder das von ihr performte Lied \u201eDiamonds Are a Girl\u2019s Best Friend\u201c \u2013 pr\u00e4gten ein Bild, das bis heute als Inbegriff der klassischen Hollywood-\u00c4sthetik gilt. Dieses Bild war bewusst kuratiert: blondes Haar, roter Lippenstift und funkelnde Kost\u00fcme. \u00a0Ihr \u00f6ffentliches Image stand im starken Kontrast zu ihrem realen Leben, das gepr\u00e4gt war von einer instabilen Kindheit und psychischen Belastungen. Sie wuchs in wechselnden Pflegefamilien und Heimen in einem Umfeld auf, das von psychischer Krankheit, Vernachl\u00e4ssigung, Missbrauch und st\u00e4ndigen Beziehungsabbr\u00fcchen bestimmt war. Diese fr\u00fchen Traumata bildeten den Kern ihrer sp\u00e4teren emotionalen Verletzlichkeit und ihrer lebenslangen psychischen Probleme.<\/p>\n<div id=\"attachment_53830\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 440px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-53830\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Logo-Jahr100Wissen.jpg\" alt=\"\" width=\"430\" height=\"138\" \/><span class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Bergische Universit\u00e4t<\/span><\/div>\n<p>Diese Mischung aus Glamour und Zerbrechlichkeit, Ruhm und Verg\u00e4nglichkeit, etc. machte sie zu einer Figur, mit der sich Menschen identifizieren konnten und die gleichzeitig als Projektionsfl\u00e4che funktionierte. Von Madonna bis Ikkimel beziehen sich auch heute noch viele K\u00fcnstlerinnen auf Marilyn Monroe \u2013 als Ikone, als Mythos, als Symbol f\u00fcr Weiblichkeit, Ruhm, Verletzlichkeit und Medieninszenierung. In diesem Sinne ist sie ein kulturelles Symbol, das Glamour, Tragik und die Macht der Medien verk\u00f6rpert. Ihre Geschichte, ihre Bilder und ihre k\u00fcnstlerische Verarbeitung (besonders durch die Andy Warhol Siebdrucke) haben sie in das kollektive Bewusstsein eingeschrieben. Ihr Bild funktioniert in Mode, Kunst, Werbung, Feminismus-Debatten und Popkultur gleicherma\u00dfen. Jede Generation entdeckt \u201eihre\u201c Marilyn neu \u2013 mal als Sexsymbol, mal als Opfer, mal als feministische Figur, mal als Pop-Ikone.&#8220;<\/p>\n<p><b>Marilyn Monroe ist auch 64 Jahre nach ihrem Tod nach wie vor in der Medienlandschaft vertreten. Wo finden wir sie?<\/b><\/p>\n<p>Erica von Moeller\/Mona Ke\u00dfler: &#8222;Richtig, regelm\u00e4\u00dfig taucht Marilyn Monroe in neuen Dokumentationen, Biografien oder Serien \u00fcber die 1950er und 1960er Jahre auf \u2013 oft als Referenzfigur f\u00fcr Ruhm, Glamour und die Mechanik der Medien. Der NetflixFilm &#8222;Blonde&#8220; (2022) zeigt, wie stark Monroe als Projektionsfl\u00e4che funktioniert. Er ist weit mehr als ein klassisches Biopic und erz\u00e4hlt von Gewalt und Ausbeutung mit einer eindringlichen Bildgestaltung, die echte Fotos von Monroe mit Schaupl\u00e4tzen aus ihrem Leben neu belebt und dabei das Dunkle, Voyeuristische hervorhebt.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus ist Monroe regelm\u00e4\u00dfig Gegenstand gro\u00dfer Ausstellungen. Aktuell besonders sichtbar ist die Ausstellung \u201eMarilyn Monroe: Hollywood Icon\u201c im Academy Museum of Motion Pictures in Los Angeles (31. Mai 2026 \u2013 28. Februar 2027). Hier werden Originalkost\u00fcme, Fotografien, Briefe und pers\u00f6nliche Gegenst\u00e4nde gezeigt, die Monroe als strategische Gestalterin ihres eigenen Images beleuchten. Dabei wird deutlich, wie sehr sie ihre \u00d6ffentlichkeitsarbeit als Gesamtkunstwerk mit Mode und Performance in bemerkenswerter Raffinesse zu nutzen verstand. Weit davon entfernt, lediglich ein Produkt des Studiosystems zu sein, positioniert die Ausstellung Monroe als vision\u00e4re Mitgestalterin ihres eigenen Images.<span class=\"Apple-converted-space\"> &#8222;<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_92277\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 510px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-92277 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/von-Moeller.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"379\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Erica von Moeller, Regisseurin und Professorin f\u00fcr Design audiovisueller Medien &#8211; \u00a9 Universit\u00e4t Wuppertal<\/span><\/div>\n<p><b>Es gibt verschiedene Aspekte ihres Lebens, die immer wieder, zeitlich angepasst, in den Medien aufgegriffen werden. Der \u201eBlonde\u201c-Effekt oder ihre Mode und ihr Stil. Ist das sozusagen zeitlos?<\/b><\/p>\n<p>Erica von Moeller\/Mona Ke\u00dfler: &#8222;Genau, Marilyn Monroe ist nicht nur eine historische Figur, sondern ein dauerhaft reproduziertes kulturelles Symbol, das sich unendlich reproduzieren l\u00e4sst. Ihr Gesicht wurde grafisch vereinfacht, emotional aufgeladen und kulturell codiert, wodurch es sich als Marke einpr\u00e4gt. Das macht sie zu einem Motiv, das in Kunst, Werbung und Social Media immer wieder auftaucht \u2013 \u00e4hnlich wie Elvis, Che Guevara oder Audrey Hepburn. Dar\u00fcber hinaus hat es Marilyn Monroe vermocht, dass sich viele K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler auf sie beziehen. Ihr Stil inspiriert weiterhin die Modewelt. Monroe gilt als Vintage- und Mode-Ikone, deren Outfits und Silhouetten in zeitgen\u00f6ssischen Kollektionen immer wieder aufgegriffen werden. Damit ist sie kein statisches Denkmal, sondern ein kulturelles Cham\u00e4leon, das sich mit der Zeit ver\u00e4ndert, ohne seine Wiedererkennbarkeit zu verlieren.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem sind viele der Filme, in denen sie spielte und das Bild, was von ihr rezipiert wurde oft Parade-Beispiele f\u00fcr den \u201eMale Gaze\u201c. Der Begriff beschreibt die vorherrschende heterosexuelle, m\u00e4nnliche Erz\u00e4hlperspektive in Film, Fernsehen, Werbung und Kunst, die Frauen in die Rolle passiver Objekte r\u00fcckt und den Fokus eher auf das \u00c4u\u00dferliche und die Attraktivit\u00e4t der Frauen legt anstatt sie zu tiefergehenden, handlungsf\u00e4higen Subjekten zu machen. In diesem Sinne funktioniert Marilyn Monroe als ein Spiegel, in dem jede Epoche ihre eigenen Themen erkennt. Im Zuge der #MeToo-Bewegung kann man auch Monroes Geschichte als Beispiel f\u00fcr Machtmissbrauch und m\u00e4nnliche Vorherrschaft in Hollywood sehen.<\/p>\n<p>Damit einhergehend funktioniert sie als ein Beispiel f\u00fcr Medienkritik, gerade dadurch, dass sie einer massiven Paparazzi-Kultur ausgesetzt war. Sie wurde st\u00e4ndig von Fotografen verfolgt \u2013 am Filmset, in der \u00d6ffentlichkeit, vor ihrem Zuhause und sogar in verletzlichen Momenten wie nach Krankenhausaufenthalten. Diese fr\u00fche Form des modernen Celebrity-Stalkings pr\u00e4gte ihr \u00f6ffentliches Leben stark. Eine Kultur, die sich in Zeiten von Social Media zwar ver\u00e4ndert hat, da nun viele Prominente und K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler selbst Einblicke aus ihrem Leben teilen k\u00f6nnen und damit den Paparazzi teilweise den Wind aus den Segeln nehmen. Insgesamt bleibt jedoch die Problematik wie der Schutz der Pers\u00f6nlichkeitsrechte eingehalten werden kann, wenn weiterhin mit fragw\u00fcrdigen Mitteln Bilder von Prominenten produziert und publiziert werden.&#8220;<\/p>\n<p><b>Viele Marken nutzen den Monroe-Core oder ihren Beauty-Trend weiterhin. Allerdings sprechen wir dabei heute oft vom Rebranding, weil sich ihre Marke und ihr Erscheinungsbild ge\u00e4ndert haben. Sie ist nicht mehr nur das blonde Dummchen und verletzliche Opfer, sie ist auch kluge Gesch\u00e4ftsfrau mit eigener Produktionsfirma. Dadurch wertet man eine Marke auch auf, oder?<\/b><\/p>\n<p>Erica von Moeller\/Mona Ke\u00dfler: &#8222;Genau, das alte Hollywood-Narrativ \u2013 naiv, sexy, verletzlich \u2013 ist heute nicht mehr anschlussf\u00e4hig. Marken, die Monroe weiterhin nutzen wollen, m\u00fcssen sie neu erz\u00e4hlen: als Frau, die ihre Karriere bewusst steuerte. Als eine der ersten Schauspielerinnen, die gegen Studiovertr\u00e4ge rebellierte und sogar ihre Rollen und ihre Gagen aktiv verhandelte. Diese Perspektive passt dann wieder perfekt zu modernen Markenwerten wie Empowerment, Selbstbestimmung und Professionalit\u00e4t<\/p>\n<div id=\"attachment_92273\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 710px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-92273\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Marilyn_Monroe_1953_crop.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"968\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Das Schicksal der weltber\u00fchmten Schauspielerin Marilyn Monroe (hier 1953), die am 04.08.1962 im Alter von nur 36 Jahren vermutlich Suizid beging, bewegt auch heute noch viele Menschen &#8211; \u00a9 CC BY 4.0<\/span><\/div>\n<p>1954 gr\u00fcndete sie ihre eigene Filmproduktionsfirma \u201eMarilyn Monroe Productions\u201c mit dem Ziel, sich aus Knebelvertr\u00e4gen der gro\u00dfen Studios zu befreien und mehr Einfluss auf ihr k\u00fcnstlerisches Schaffen und ihre Rollen zu haben. Einen Schritt, den auch heutzutage immer mehr weibliche Filmschaffende gehen, um die m\u00e4nnlich dominierten Strukturen des Filmgesch\u00e4fts zu ver\u00e4ndern und eigene Perspektiven erz\u00e4hlen zu k\u00f6nnen. Parallelen dieser Entwicklungen lassen sich auch in der Musikwelt erkennen, wenn Pop-Ikonen wie Taylor Swift sich die Rechte an ihrem Werk zur\u00fcckholen.<\/p>\n<p>Teile davon sind allerdings auch kritisch zu betrachten. So findet Monroe und ihr Stil auch viel Anklang im Internet bei sogenannten \u201eTradwives\u201c, die sich stilistisch oft stark an den 50er-Jahren orientieren und die h\u00e4ufig in Verbindung mit konservativen bis rechten Bewegungen stehen. In ihrem Weltbild und den Botschaften, die sie ihrem Publikum vermitteln, haben feministische Positionen durch klare, \u201etraditionelle\u201c Rollenverteilungen und ein bin\u00e4res Geschlechtersystem meist keinen Platz. Sie sind ein zu beobachtendes Symptom einer Zeit, in der erk\u00e4mpfte feministische Perspektiven und Lebensweisen keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit sind, sondern Werte, die jeden Tag neu gegen rechte und misogyne Kr\u00e4fte aufrechterhalten und gest\u00e4rkt werden m\u00fcssen.&#8220;<\/p>\n<p><b>In den Sozialen Medien wird sie von der Authentic Brands Group (ABG) als offizieller Nachlassverwaltung aktiv vermarktet. Sie ist mit Millionen Followern auf Instagram und TikTok vertreten. Ihre Zielgruppe besteht zu 60 Prozent aus der Altersgruppe 18 bis 35.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Man kann also auch viel Geld mit Toten verdienen, oder?<\/b><\/p>\n<p>Erica von Moeller\/Mona Ke\u00dfler: &#8222;Eine lebende Ber\u00fchmtheit kann Skandale haben, unpopul\u00e4re Entscheidungen treffen oder aus der Mode geraten. Eine tote Ikone dagegen ist stabil, kontrollierbar und perfekt kuratierbar. Nach dem Tod von Lee Strasberg, dem Haupterben von Marilyn Monroe, gingen die Rechte an seine Frau Anna Strasberg \u00fcber und wurden sp\u00e4ter an die Authentic Brands Group verkauft. Damit liegt Monroes \u201eVerm\u00f6gen\u201c heute in den H\u00e4nden einer Unternehmensorganisation ohne pers\u00f6nliche Verbindung zu ihr. ABG betreibt offizielle Social-Media-Konten, die Monroes Bild, Stimme und Pers\u00f6nlichkeit nutzen, um Produkte, Marken und Kampagnen zu bewerben. Damit hat ABG aus ihrem Nachlass eine zeitgem\u00e4\u00dfe Lifestyle-Marke gemacht, die f\u00fcr junge Zielgruppen genauso funktioniert wie f\u00fcr nostalgische Fans. Sie ist ein kulturelles Symbol, eine \u00e4sthetische Marke, eine digitale Influencerin und damit eine wirtschaftliche Maschine, die keine Risiken birgt. Das macht sie f\u00fcr Marken extrem attraktiv.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_92278\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 510px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-92278 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Mona-Kessler.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"356\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Mona Ke\u00dfler, Studentin Design audiovisueller Medien an der Bergischen Universit\u00e4t &#8211; \u00a9 Universit\u00e4t Wuppertal<\/span><\/div>\n<p><b>Im Jahr 2024 wurde eine KI-generierte, &#8222;hyper-reale&#8220; Version von Marilyn Monroe vorgestellt, die in der Lage ist, in Echtzeit mit Fans zu chatten, zu l\u00e4cheln und in Monroes Stimme zu antworten. Personalisierte KI-Filme werden kommen, sind aber der Albtraum eines jeden Kino-Fans, oder?<\/b><\/p>\n<p>Erica von Moeller\/Mona Ke\u00dfler: &#8222;Ja, die Vorstellung einer KIgenerierten, hyper-realen Marilyn Monroe, die l\u00e4chelt, spricht, chattet ist f\u00fcr viele Menschen tats\u00e4chlich ein kultureller Schockmoment und ein ethischer Albtraum. Wir stehen an einem Punkt, an dem wir entscheiden m\u00fcssen, was Film-Kunst ist und wem ein Gesicht geh\u00f6rt, wenn die Person dahinter l\u00e4ngst tot ist. Denn wenn tote Schauspielerinnen und Schauspieler wiederbelebt werden, entsteht ein gef\u00e4hrlicher Pr\u00e4zedenzfall: Wer entscheidet, welche Rollen sie \u201espielen\u201c? Wer entscheidet, was sie sagen? Wer entscheidet, wie sie dargestellt werden? Und wer kann diese Person f\u00fcr ihre eigenen Zwecke und Botschaften instrumentalisieren? Der verstorbenen Person dahinter k\u00f6nnen Rollen gegeben und Positionen in den Mund gelegt werden, die sie selbst eventuell nie vertreten h\u00e4tte. Es wirft die Frage auf, welche ethischen Grenzen damit \u00fcberschritten werden und inwiefern eine Person posthum ihrer eigenen Positionen und ihres Werks f\u00fcr \u00f6konomischen Zwecke beraubt werden kann. Es ist nicht mehr die K\u00fcnstlerin \u2013 es ist ein Unternehmen.<\/p>\n<p>Film ist eine Kunstform, die schon immer eng verwoben war mit Handwerk und den technischen Fortschritten ihrer jeweiligen Zeit. Dies zeigt sich in der Montage, im Szenenbild und nat\u00fcrlich in der Kameraarbeit, als es beispielsweise m\u00f6glich wurde, nicht mehr auf Filmmaterial sondern digital zu drehen und als praktische Effekte vermehrt durch CGI (Computer Generated Imagery \u2013 also computergenerierte Bilder) abgel\u00f6st wurden. Jede dieser Entwicklungen brachte nat\u00fcrlich auch ihre Debatten und Kritik mit sich, gleichzeitig hatte und hat man als gestaltende, filmschaffende Person bestenfalls die Wahl, sich bewusst f\u00fcr oder gegen gewisse Gestaltungsm\u00f6glichkeiten zu entscheiden.<\/p>\n<p>Dadurch, dass KI im Film so viele verschiedene kreative Bereiche und Berufe stark ver\u00e4ndern und beeinflussen wird, haben wir es hier vielleicht doch mit einer Art Novum zu tun, deren Folgen sich noch nicht in G\u00e4nze \u00fcberblicken lassen und wodurch man den Begriff von kreativem Arbeiten neu \u00fcberdenken muss. Auch hier gilt, es darf kein Zugzwang entstehen und das bewusste Entscheiden gegen den Einsatz dieser Techniken muss m\u00f6glich bleiben. So k\u00fcndigte beispielsweise das Filmfestival von Cannes dieses Jahr ein KI-Verbot f\u00fcr Filme im offiziellen Wettbewerb an. Und nat\u00fcrlich sind auch F\u00e4lle von Regisseurinnen, Regisseuren und Schauspielenden besorgniserregend, deren urheberrechtlich gesch\u00fctzte Werke ohne deren Zustimmung von Unternehmen zum Trainieren ihrer KI-Modelle verwendet werden.&#8220;<\/p>\n<p><b>Marilyn Monroe ist auch heute ein lukrativer Name f\u00fcr Lizensierungen und taucht regelm\u00e4\u00dfig in Dokumentationen, Filmen, Biographien und Kunstausstellungen auf. Welche Bedeutung hat sie in der Welt der Filmschaffenden heute?<\/b><\/p>\n<p>Erica von Moeller\/Mona Ke\u00dfler: &#8222;Marilyn Monroe ist kein aktiver Star mehr, sie ist ein Referenzpunkt und ein Pr\u00fcfstein daf\u00fcr, wie wir \u00fcber Ruhm, Weiblichkeit, Inszenierung und Hollywood selbst sprechen. Ihre Bedeutung ist nicht nostalgisch, sondern strukturell. Damit ist Monroe ein Modellfall, an dem sich bis heute zentrale Mechanismen des Filmgesch\u00e4fts ablesen lassen: Wie Studios Stars erschaffen, wie Images konstruiert und kontrolliert werden, wie Sexualisierung und Vermarktung funktionieren und wie Ruhm und psychischer Druck zusammenh\u00e4ngen.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Uwe Blass<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-92282\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/von-Moeller-2.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"287\" \/><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-92283\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Mona-Kessler-2.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"254\" \/><\/p>\n<h4>\u00dcber Erica von Moeller &amp; Mona Ke\u00dfler<\/h4>\n<p>Die Regisseurin und Autorin Erica von Moeller studierte sowohl Freie Bildende Kunst in Mainz als auch Kommunikationswissenschaften in Frankfurt bevor sie an der Kunsthochschule f\u00fcr Medien in K\u00f6ln im Bereich Film diplomierte. Sie realisiert seit 2001 Filme in unterschiedlichen Genres und Formaten. Als Medienk\u00fcnstlerin entwickelt sie Ausstellungsprojekte an der Schnittstelle zwischen Bewegtbild, Raum und Klang. Nach vielf\u00e4ltigen Lehrauftr\u00e4gen in K\u00f6ln, Berlin und Trier lehrt sie seit 2011 an der Bergischen Universit\u00e4t Wuppertal als Professorin f\u00fcr Design audiovisueller Medien.<\/p>\n<p>Mona Ke\u00dfler ist wissenschaftliche Hilfskraft im Studiengang Design Audivisueller Medien.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 01. Juni 1926 w\u00fcrde Norma Jean Baker, ber\u00fchmt geworden als Marilyn Monroe, ihren 100. Geburtstag feiern. Erica von Moeller, Regisseurin und Professorin f\u00fcr Design audiovisueller Medien und ihre Studentin Mona Ke\u00dfler lassen  gemeinsam mit Autor Uwe Blass im Rahmen der beliebten, lehrreichen Uni-Serie &#8222;Jahr100Wissen&#8220; das Leben der Hollywood-Ikone Revue passieren. <\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-92265","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissen"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-06-05 16:56:56","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/92265","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=92265"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/92265\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":92284,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/92265\/revisions\/92284"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=92265"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=92265"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=92265"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}