{"id":91948,"date":"2026-05-18T10:46:58","date_gmt":"2026-05-18T08:46:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=91948"},"modified":"2026-05-18T12:20:20","modified_gmt":"2026-05-18T10:20:20","slug":"anne-franks-tagebuch-weltliteratur-im-engelsgarten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2026\/05\/18\/anne-franks-tagebuch-weltliteratur-im-engelsgarten\/","title":{"rendered":"Anne Franks Tagebuch &#8211; Weltliteratur im Engelsgarten"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_91951\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 2570px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-91951 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Bild-8-scaled.jpeg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1951\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Die beiden Familien Frank (r.) und van Daan links. Anne Frank (Julia Meier) ganz vorne &#8211; \u00a9 Dana Schmidt \/ Schauspiel Wuppertal<\/span><\/div>\n<p>Grundlage des St\u00fccks sind die Aufzeichnungen eines j\u00fcdischen M\u00e4dchens w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs, die historische Dokumentation einer der gr\u00f6\u00dften Verbrechen der Menschheit. Das Ganze ist hier verkn\u00fcpft mit der brillanten intimen \u201eComing-of-Age-Geschichte\u201c eines jungen M\u00e4dchens, die dabei die psychische und moralische Entwicklung einer jungen Protagonistin auf dem Weg von einer Jugendlichen zur Erwachsenen darstellt.<\/p>\n<h4>\u00a06 Millionen Ermordete bekommen ein Gesicht<\/h4>\n<p>Die B\u00fcrokratie des Holocausts beruhte auf Entmenschlichung und anonymen Statistiken (sechs Millionen ermordete Juden). Annes Tagebuch bricht diese Anonymit\u00e4t auf. Es gibt der unfassbaren Trag\u00f6die ein konkretes Gesicht, eine Stimme und eine Pers\u00f6nlichkeit. Durch ihre Augen wird die abstrakte Geschichte f\u00fcr nachfolgende Generationen greifbar, nahbar und schmerzhaft real. Julia Meier spielt diese Rolle von Anne Frank am Engelsgarten gl\u00e4nzend und nachvollziehbar, jugendlich aber auch nachdenklich.<\/p>\n<p>Anne Frank, die Journalistin werden wollte, besa\u00df eine f\u00fcr ihr Alter erstaunliche Beobachtungsgabe, psychologische Tiefe und stilistische Reife. W\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs muss sich die deutsch-j\u00fcdische Familie Frank in Amsterdam gemeinsam mit\u00a0 anderen Juden vor den Nationalsozialisten verstecken. Ihrem Tagebuch vertraut die erst 13j\u00e4hrige Anne Frank w\u00e4hrend dieser Zeit ihre Gef\u00fchle und Gedanken an. Sie beschreibt ihren Alltag im Versteck und die erdr\u00fcckende Angst vor der Entdeckung.<\/p>\n<h4>Bedr\u00fcckende Geschichte einer gestohlenen Jugend<\/h4>\n<p>Trotz der t\u00e4glichen Auseinandersetzungen mit den anderen und der st\u00e4ndigen Angst wird das Tagebuch zu Annes ganz pers\u00f6nlichem Freiraum. Sie beschreibt darin ihren Alltag und es gelingt ihr, beim Schreiben eine optimistische und humorvolle Seite auszuleben, dabei viel Hoffnung sowie Zukunftsperspektiven zu entwickeln. Es ist vor dem Hintergrund der 1942 beginnenden Juden-Deportation nach Ausschwitz auch die bedr\u00fcckende Geschichte einer gestohlenen Jugend.<\/p>\n<p>Annes Situation als Verfolgte und Untergetauchte verunm\u00f6glicht eine Jugend mit Freir\u00e4umen und selbstgew\u00e4hlten Freundinnen und Freunden. Im Fr\u00fchjahr 1944 verlieben sich aber Anne und der zwei Jahre \u00e4ltere, eher sch\u00fcchterne ebenfalls untergetauchten Peter ineinander, den Kevin Wilke authentisch darstellt. Durch ihre Tagebuch-Aufzeichnungen werden die aufkeimende Liebe und auch die grosse Sehnsucht nach Verliebtheit der Jugendlichen ganz besonders nachvollziehbar.<\/p>\n<div id=\"attachment_91954\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1733px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-91954 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Bild-1-3.jpeg\" alt=\"\" width=\"1723\" height=\"1138\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Das Foto zeigt Julia Meier als Anne Frank (l.) \u2013 rechts zu sehen: Julia Wolff, Kevin Wilke, Alexander Peiler, Lucas Brosch, Paula P\u00fcschel \u2013 \u00a9 Schauspiel Wuppertal<\/span><\/div>\n<p>Sie schreibt: \u201eWas gibt es Sch\u00f6neres auf der Welt, als aus einem offenen Fenster hinaus in die Natur zu schauen, die V\u00f6gel pfeifen zu h\u00f6ren, die Sonne auf den Wangen zu f\u00fchlen und einen lieben Jungen in den Armen zu haben? Es ist so ruhig und sicher, seinen Arm um mich zu f\u00fchlen, ihn nahe zu wissen und doch zu schweigen. Es kann nicht schlecht sein, denn diese Ruhe ist gut\u201c (Tagebuch, 19. April 1944). Das Tagebuch ist dadurch nicht nur ein historisches Dokument, sondern ein zeitloser Entwicklungsroman. Es beschreibt die Konflikte im Hinterhaus, die Macken der Mitbewohner und ihre eigene Pubert\u00e4t mit einer Mischung aus messerscharfer Analyse, Selbstironie und Humor.<\/p>\n<h4>Leben im Verlie\u00df wird psychischer Zerrei\u00dfprobe<\/h4>\n<p>Peter ist der Sohn der Familie Van Daan, die sich mit der Familie Frank im Amsterdamer Hinterhof verstecken. Deutlich werden dabei die schwierigen Eltern-Beziehungen der Heranwachsenden zu Vater Otto Frank (Alexander Peiler) und Mutter Edith Frank (Julia Wolff) auf engsten Raum. Annes Schwester, Margot Frank, wird von Anne Blum charakterisiert. Die Eheleute van Daan\u00a0 (Paula Sch\u00e4fer sind Lucas Brosch) stellen mit ihren Emotionen den Kontrast zu den eher intellektuellen Franks dar, was das Zusammenleben in dem kleinen Verlie\u00df zu einer psychischen Zerrei\u00dfprobe werden l\u00e4\u00dft.<\/p>\n<p>Die karge B\u00fchne ist abgeh\u00e4ngt. Wei\u00dfe Laken kleben \u00fcber der Treppe, den Abs\u00e4tzen, den wenigen M\u00f6beln, an den W\u00e4nden.\u00a0 Eine schlichte Behausung als Versteck und einzigen Lebensraum, den Matthias Dielacher und Chani Lehmann auf die Drehb\u00fchne gebaut haben. F\u00fcr die Dramaturgie sorgt Marie-Philine Rippert. Anne Mulleners verzichtet auf den Einsatz von Musik, setzt aber auf wohldosierten Sound und Stimmung, wobei wir das Glockenspiel h\u00f6ren, wie es einst Anne Frank in ihrem Verlie\u00df erlebte.<\/p>\n<h4>Mit 13 begonnen, mit 15 ermordet<\/h4>\n<p>Trotz der st\u00e4ndigen Todesangst und der Enge des Hinterhauses verlor Anne Frank nicht den Glauben an das Gute im Menschen. \u201eDas geht vor\u00fcber, vielleicht erst in Hundertern von Jahren, aber eines Tages doch\u201c, schreibt sie. Eines ihrer ber\u00fchmtesten Zitate fasst diesen unersch\u00fctterlichen Humanismus zusammen: \u201eEs ist mir absolut\u00a0 unm\u00f6glich, alles auf der Basis von Tod, Elend und Verwirrung aufzubauen. Ich empfinde das Leid von Millionen Menschen mit, und dennoch, wenn ich zum Himmel blicke, glaube ich, dass sich dies alles wieder zum Guten wenden wird. Trotz allem glaube ich an das Gute im Menschen.\u201c<\/p>\n<p>Kurz vor dem Eintreffen der Alliierten 1944 in der Normandie wurde das Versteck von einer unbekannten Person verraten. Bis auf den Vater Otto Frank \u00fcberlebt keiner der Untergetauchten. Sie wurden nach ihrer Deportation aus Amsterdam in Ausschwitz ermordet. Anne Frank begann ihr Tagebuch mit 13, sie war 15 Jahre, als sie im Lager ermordet wurde.<\/p>\n<p><b>Text: Siegfried J\u00e4hne<\/b><\/p>\n<h4>Das Tagebuch der Anne Frank<\/h4>\n<p>von Frances Goodrich &amp; Albert Hackett.<\/p>\n<p>Dauer: ca. 1 Stunde 35 Minuten, keine Pause.<\/p>\n<p><b>Besetzung:<\/b><b><\/b><\/p>\n<p>Anne Frank \u2013 Julia Meier<\/p>\n<p>Otto Frank \u2013 Alexander Peiler<\/p>\n<p>Edith Frank, seine Frau \u2013 Julia Wolff<\/p>\n<p>Margot \/ Miep \u2013 Aline Blum<\/p>\n<p>Herr van Daan \u2013 Lucas Brosch<\/p>\n<p>Frau van Daan \u2013 Paula P\u00fcschel<\/p>\n<p>Peter \/ Dussel \u2013 Kevin Wilke<\/p>\n<p><b>Team:<\/b><b><\/b><\/p>\n<p><b>Inszenierung: <\/b>Anne Mulleners<\/p>\n<p><b>B\u00fchne &amp; Kost\u00fcme: <\/b>Matthias Dielacher, Chani Lehmann<\/p>\n<p><b>Puppenbau, Coaching Puppenspiel: <\/b>Sara Hasenbrink<\/p>\n<p><b>Dramaturgie: <\/b>Marie-Philine Pippert<\/p>\n<p><b>Regieassistenz: <\/b>Johanna Landsberg, Benedikt Stoltefu\u00df<\/p>\n<p><b>Inspizienz:<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span><\/b>Ilja Betser<\/p>\n<p>Es macht sicher Sinn, wenn Schulen von dem Angebot f\u00fcr Schulveranstaltungen Gebrauch machen. Schulvorstellungen f\u00fcr die Spielzeit 2025\/26 sind per Mail an <a href=\"mailto:kontakt@kulturkarte-wuppertal.de\">kontakt@kulturkarte-wuppertal.de<\/a> buchbar.<\/p>\n<p>Zu dieser Produktion gibt es ein theaterp\u00e4dagogisches Begleitangebot. Bei Interessenten\u00a0 melden sich\u00a0 bei: Charlotte Arndt (Theaterp\u00e4dagogin Schauspiel) Tel. +49 202 563 7646<br \/>\n<a href=\"mailto:charlotte.arndt@wuppertaler-buehnen.de\">\u203aE-MAIL<\/a><\/p>\n<p>Das St\u00fcck ist bis zum 3. Februar 2027 im Programm, bis dahin sind noch elf Vorstellungen geplant.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie konnte ein Tagebuch den Status \u201eWeltliteratur\u201c erreichen? Antworten hierauf liefert jetzt das Schauspiel Wuppertal im Theater am Engelsgarten anschaulich und eindrucksvoll. Es ist die Kombination von historischer Einzigartigkeit, literarischer Qualit\u00e4t und universeller Menschlichkeit. \u201eDas Tagebuch der Anne Frank\u201c &#8211; in \u00fcber 70 Sprachen \u00fcbersetzt und weltweit millionenfach verkauft. Wuppertal zeigt eine sehenswerte Inszenierung von Anne Mulleners (29), einer in Wien lebenden, talentierten, holl\u00e4ndischen Theaterregisseurin.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[29],"tags":[],"class_list":["post-91948","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kultur"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-25 12:59:10","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/91948","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=91948"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/91948\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":91958,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/91948\/revisions\/91958"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=91948"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=91948"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=91948"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}