{"id":91672,"date":"2026-05-04T13:28:09","date_gmt":"2026-05-04T11:28:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=91672"},"modified":"2026-05-04T13:28:09","modified_gmt":"2026-05-04T11:28:09","slug":"feuersalamander-rettung-durch-das-archeprojekt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2026\/05\/04\/feuersalamander-rettung-durch-das-archeprojekt\/","title":{"rendered":"Feuersalamander-Rettung durch das Archeprojekt"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_91674\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1181px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-91674 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Bleidissel-Presse.jpg\" alt=\"\" width=\"1171\" height=\"923\" \/><span class=\"wp-caption-text\">K\u00fcmmert sich um die Rettung von Feuersalamandern: Dr. Sabrina Bleidi\u00dfel, Biologin an der Bergischen Universit\u00e4t Wuppertal &#8211; \u00a9 UniService Third Mission<\/span><\/div>\n<p>Batrachochytrium salamandrivorans, besser bekannt unter dem K\u00fcrzel Bsal, ist ein t\u00f6dlicher Pilz, der die Feuersalamanderpolpulationen auf dramatische Weise dezimiert. Dr. Sabrina Bleidi\u00dfel, Biologin an der Bergischen Universit\u00e4t leitet seit M\u00e4rz 2021 das bundesweit einzigartige Ex-situ-Schutz- und Erhaltungszuchtprogramm f\u00fcr den einheimischen Feuersalamander, kurz &#8218;Archeprojekt Feuersalamander&#8216; genannt. Sie berichtet, dass die Salamanderbest\u00e4nde zur\u00fcckgehen, weil der Lebensraum immer geringer wird, beispielsweise durch Erschlie\u00dfung von Neubaugebieten oder durch den Stra\u00dfenbau.<\/p>\n<p>Aber ein ganz gro\u00dfes Problem ist der Pilz, der sich seit einigen Jahren immer st\u00e4rker ausbreitet und der die Population in die Knie zwingt. Die infizierten Feuersalamander sterben mit einer gro\u00dfen Wahrscheinlichkeit und dadurch brechen die Best\u00e4nde ein. Es f\u00fchrt an manchen Stellen dazu, dass ganze Feuersalamander-Populationen verschwinden und Gebiete auf einmal frei von diesen Lurchen sind.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_44822\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 440px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-44822\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Logo-Transfergeschichten.jpg\" alt=\"\" width=\"430\" height=\"138\" \/><span class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Bergische Universit\u00e4t<\/span><\/div>\n<h4>Im Waldgebiet Burgholz gibt es nahezu keine Feuersalamander mehr<\/h4>\n<p>Auch hier im Bergischen St\u00e4dtedreieck ist der R\u00fcckgang der Tiere sp\u00fcrbar. \u201eZ. B. rund um M\u00fcngsten gab es eine riesige Feuersalamander-Population\u201c, erz\u00e4hlt Bleidi\u00dfel, \u201eebenso bei uns hier im Burgholz. Seitdem der Pilz dort angekommen ist, findet man kaum noch Tiere, wenn man in der Nacht bei Regen oder feuchtem Wetter unterwegs ist. Alte Berichte des verstorbenen Wuppertaler Herpetologen Joachim Pastors, der die Feuersalamander im Burgholz 1981 kartiert hatte, sprechen von 30 Tieren pro 100 Meter in einer guten Nacht.<\/p>\n<p>\u201eWir finden h\u00e4ufig keine Feuersalamander bei unseren Begehungen im Burgholz \u201c, sagt die Biologin. \u201eEs zeigt sich auch daran, dass man in den B\u00e4chen kaum noch Larven findet.\u201c Bei den Kartierungen der letzten Jahre konnte die Wissenschaftlerin mit ihren Studierenden oft nur einzelne Larven finden und das sei zu wenig, um eine Population am Leben zu erhalten.<\/p>\n<div id=\"attachment_91675\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1930px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-91675 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Feuersalamander-beim-Absetzen-der-Larven-CC-BY-SA-4.0.jpeg\" alt=\"\" width=\"1920\" height=\"1114\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Ein Feuersalamander beim Absetzen der Larven &#8211; \u00a9 CC BY-SA 4.0<\/span><\/div>\n<h4>Archeprojekt Feuersalamander bundesweit einzigartig<\/h4>\n<p>In dem bundesweit einzigen Pilotprojekt &#8218;Archeprojekt Feuersalamander&#8216; haben sich mehrere Institutionen zusammengefunden, um den heimischen Feuersalamander zu retten. \u201eDas ist eine Zusammenarbeit mit dem Gr\u00fcnen Zoo und mit der Unteren Naturschutzbeh\u00f6rde der Stadt Wuppertal. Im Ressort Umwelt ist vor allem Karin Rikono hervorzuheben, die das Projekt initiiert und bis zum Eintritt in den Ruhestand vollumf\u00e4nglich unterst\u00fctzt hat.\u201c<\/p>\n<p>Zudem konnten auch mehrere private Unternehmer gewonnen werden, wie z. B. die Familie Iseke von den Kalkwerken Oetelshofen, die R\u00e4umlichkeiten zur Verf\u00fcgung stellten. \u201eOhne die Unterst\u00fctzung zahlreicher weiterer Akteure wie dem Zooverein, der NABU Wuppertal, der Biostation Mittlere Wupper und vieler anderer k\u00f6nnte das Projekt in dieser Form nicht umgesetzt werden\u201c, erkl\u00e4rt die Wissenschaftlerin.<\/p>\n<p>Einzigartig wird das Projekt auch durch die studentische Einbindung in die Versorgung und die Pflege der Feuersalamander. Die Biologiestudierenden begleiten das Projekt im Rahmen von Kursen und Abschlussarbeiten. Sabrina Bleidi\u00dfel erz\u00e4hlt, dass die Studierenden dabei alles lernen, was sie ben\u00f6tigen, um sp\u00e4ter selber Feuersalamander halten zu k\u00f6nnen. \u201eMit diesen F\u00e4higkeiten k\u00f6nnen sie an Schulen mit Tierhaltung gut eingesetzt werden. Ein gutes Beispiel sind sogenannte Vivarienschulen wie das Wilhelm-D\u00f6rpfeld-Gymnasium in Wuppertal. Dort sind Sch\u00fcler mit in die Haltung eingebunden und k\u00fcmmern sich im Rahmen von AGs um die Tiere.\u201c<\/p>\n<h4>Tiere werden aus der Natur entnommen<\/h4>\n<p>Zum Schutz der Feuersalamander werden Tiere unter besonderen Vorsichtsma\u00dfnahmen aus der Natur entnommen. \u201eWir tun das, indem wir stark auf Hygiene achten\u201c, sagt Sabrina Bleidi\u00dfel. \u201eWenn wir in den Wald gehen, sind unsere Schuhe desinfiziert und wenn wir wieder herauskommen, desinfizieren wir sie erneut. Im Archeprojekt entnehmen wir Feuersalamanderlarven oder auch adulte, also erwachsene Tiere aus der Wuppertaler Natur. Die kommen zun\u00e4chst in eine Quarant\u00e4ne in den Gr\u00fcnen Zoo.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_91676\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 525px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-91676 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Feuersalamander_Larve-CC-BY-SA-3.0.jpeg\" alt=\"\" width=\"515\" height=\"250\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Eine Feuersalamander-Larve, noch hat sie nicht ihre markante Farbgebung &#8211; \u00a9 CC BY-SA 3.0<\/span><\/div>\n<h4><\/h4>\n<p>Dort werden die Tiere dann durch einen Abstrich mit einem Wattest\u00e4bchen molekularbiologisch auf den Pilz untersucht. Wenn dieser Abstrich negativ ist, kommen sie f\u00fcr 60 Tage in die Quarant\u00e4ne in die Uni. Nach der Quarant\u00e4ne werden sie ein weiteres Mal auf den Pilz getestet. \u201eSind sie gesund, kommen sie dann zur Dauerhaltung in einen geeigneten Raum auf dem Gel\u00e4nde der Kalkwerke Oetelshofen.\u201c Der Raum in Oetelshofen ist voller Terrarien und Boxen f\u00fcr die Feuersalamander. Die Beh\u00e4ltnisse haben verschiedene Strukturen mit Moos, Baumh\u00f6hlen und Steinen. Auch Erde als Bodengrund sowie Wasserschalen sind vorhanden. Vor Ort k\u00fcmmern sich die Studierenden unter Anleitung der Projektpartner um das Wohlergehen der Tiere. In der Anlage k\u00f6nnen bis zu 100 Tiere aufgenommen werden.<\/p>\n<h4>Tiere vom Scharpenacken haben Nachwuchs bekommen<\/h4>\n<p>Bisher halten die Wissenschaftler ca. 50 Tiere in der Auffangstation in Oetelshofen. \u201eDie Tiere vom Scharpenacken haben in der Arche bereits Nachwuchs bekommen. Bisher haben wir 18 Jungtiere\u201c, freut sich die Biologin. Auch das Gel\u00e4nde auf den Wuppertaler S\u00fcdh\u00f6hen testen die Wissenschaftler regelm\u00e4\u00dfig auf <i>Bsal<\/i>. \u201eDas machen wir, indem wir Wasserproben nehmen und per eDNA schauen, ob der Pilz da ist. Bisher haben wir ihn dort gl\u00fccklicherweise noch nicht nachweisen k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<h4>Schutz vor <i>Bsal<\/i> fast unm\u00f6glich<\/h4>\n<p>Im Landkreis Passau hat man im vergangenen Herbst auf einem 30 Ha-Gel\u00e4nde eine gro\u00dfe, gesunde Feuersalamander-Population entdeckt. Auf die Frage, ob man den Pilz also auch von einem gesunden Biotop fernhalten k\u00f6nne, antwortet Bleidi\u00dfel: \u201eIch w\u00fcrde sagen, nein!\u201c Es geh\u00f6re einfach Gl\u00fcck dazu, denn auch in Wuppertal habe man immer noch Gebiete, die nicht weit von <i>Bsal<\/i>-Ausbruchsstellen entfernt liegen und <i>Bsal<\/i>-frei sind. \u201eDer Scharpenacken ist nach wie vor sauber\u201c.<\/p>\n<p>So lange der Pilz in Deutschland w\u00fctet, kann man nur versuchen, die Seuche einzud\u00e4mmen. \u201eIch denke, unsere <i>Ex-situ<\/i>-Ma\u00dfnahmen, also solche Ma\u00dfnahmen, wo die Tiere aus der Natur in die institutionelle Haltung gehen, helfen, lokale Reservepopulation vorzuhalten\u201c, erkl\u00e4rt Dr. Sabrina Bleidi\u00dfel. Ebenso wichtig seien zudem \u00d6ffentlichkeits- und Bildungsarbeit zur Sensibilisierung der Bev\u00f6lkerung und Lebensraumverbesserungen f\u00fcr die Lurche. \u201eNur dann haben in der freien Natur noch lebende Exemplare eine Chance zu \u00fcberleben.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_91678\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-91678\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Bild-2.jpeg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"768\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Ein Hautpilz bedroht die beliebten Amphibien im Bergischen Land \u2013 \u00a9 Pixabay<\/span><\/div>\n<h4>Ein Feuersalamander kreuzt den Wanderweg<\/h4>\n<p>Auch Naturfreunde k\u00f6nnen das &#8218;Archeprojekt Feuersalamander&#8216; \u00a0unterst\u00fctzen. Wenn man also einen Feuersalamander s\u00e4he, sagt die Biologin, hei\u00dfe die erste Regel: \u201eNicht anfassen. Gerne ein Foto machen und dies der zust\u00e4ndigen Biostation (nur in NRW) oder der Naturschutzbeh\u00f6rde melden. Meine bevorzugte Methode ist die Dokumentation der gefundenen Tiere \u00fcber die Bestimmungsapp Obsidentify. Die Funde gehen in die Datenbank und sind anschlie\u00dfend offen zug\u00e4nglich.\u201c<\/p>\n<p>Wenn also ein Spazierg\u00e4nger auf dem Scharpenacken ein Tier findet und es erfasst, k\u00f6nnen die Forschenden sp\u00e4ter schauen, ob es noch mehr Funde gibt und die Ergebnisse dann f\u00fcr das Projekt dokumentieren.<\/p>\n<p><strong>Uwe Blass<\/strong><\/p>\n<p><strong>Unterst\u00fctzung des Projekts \u00fcber die Spendenseite:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kooperation.uni-wuppertal.de\/de\/bergischer-feuersalamander\/\">https:\/\/kooperation.uni-wuppertal.de\/de\/bergischer-feuersalamander\/<\/a><\/p>\n<p><strong>Weitere Informationen unter:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.lanuk.nrw.de\/fileadmin\/lanuvpubl\/4_arbeitsblaetter\/Anlage_1_-_Liste_der_regionalen_Bsal-Ansprechpersonen.pdf\">https:\/\/www.lanuk.nrw.de\/fileadmin\/lanuvpubl\/4_arbeitsblaetter\/Anlage_1_-_Liste_der_regionalen_Bsal-Ansprechpersonen.pdf<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/nabu-naturgucker.de\/meldeportal\/naturbeobachtungen-melden\/bsal\/\">https:\/\/nabu-naturgucker.de\/meldeportal\/naturbeobachtungen-melden\/bsal\/<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/observation.org\/bioblitz\/17625\/bioblitz-campus-grifflenberg-2025\/\">https:\/\/observation.org\/bioblitz\/17625\/bioblitz-campus-grifflenberg-2025\/<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.lanuk.nrw.de\/themen\/natur\/artenschutz\/amphibienkrankheiten\">https:\/\/www.lanuk.nrw.de\/themen\/natur\/artenschutz\/amphibienkrankheiten<\/a><span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum Schutz vor einem t\u00f6dlichen Pilz baut ein Schutz- und Zuchtprojekt unter der Leitung der Unibiologin Dr. Sabrina Bleidi\u00dfel in Kooperation mit dem Gr\u00fcnen Zoo und der Unteren Naturschutzbeh\u00f6rde Wuppertal eine Reservepopulation der Feuersalamander auf. Ein spannendes Thema, das Autor Uwe Blass in der beliebten, lehrreichen Uni-Reihe &#8222;Transfergeschichten&#8220; im Gespr\u00e4ch mit der Wissenschaftlerin Sabrina Bleidi\u00dfel aufgreift.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-91672","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissen"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-13 11:37:47","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/91672","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=91672"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/91672\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":91684,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/91672\/revisions\/91684"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=91672"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=91672"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=91672"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}