{"id":91209,"date":"2026-04-13T13:44:47","date_gmt":"2026-04-13T11:44:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=91209"},"modified":"2026-04-13T13:44:47","modified_gmt":"2026-04-13T11:44:47","slug":"verschwoerungstheorien-zu-gut-um-wahr-zu-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2026\/04\/13\/verschwoerungstheorien-zu-gut-um-wahr-zu-sein\/","title":{"rendered":"Verschw\u00f6rungstheorien: Zu gut, um wahr zu sein"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_91211\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 910px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-91211 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Antonius-Weixler-Pressefoto.jpeg\" alt=\"\" width=\"900\" height=\"598\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Der Literaturwissenschaftler Dr. Antonius Weixler von der Bergischen Universit\u00e4t &#8211; \u00a9 Sebastian Jarych<\/span><\/div>\n<p>Autor Uwe Blass hat sich im Rahmen der beliebten, lehrreichen Uni-Reihe &#8222;Transfergeschichten mit Dr. Antonius Weixler unterhalten, der in einem Artikel die narrative Konstruktion solcher Verschw\u00f6rungserz\u00e4hlungen und Theorien im Zeitalter der Sozialen Medien untersucht hat. \u201eWir haben letztendlich oft Erz\u00e4hlungen die behaupten, dass etwas im globalen Ausma\u00df geschieht und nicht ein zeitlich, lokal eng begrenztes Ereignis ist.\u201c Antonius Weixler zitiert dazu gerne den T\u00fcbinger Wissenschaftler Michael Butter, einen in Deutschland f\u00fchrenden Forscher von Verschw\u00f6rungstheorien, der drei pr\u00e4gnante Merkmale zur Erkennung benennt.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span><\/p>\n<p>Demnach geschehe nichts durch Zufall, sondern sei bewusst geplant, nichts sei so, wie es scheine, daher m\u00fcsse man immer unter die Oberfl\u00e4che schauen und alles sei miteinander verbunden, d.h. Personen, Institutionen und Ereignisse geh\u00f6ren zusammen. \u201eVerschw\u00f6rungserz\u00e4hlungen leben zudem ganz stark davon, ein Gerechtigkeitsproblem zu konstruieren\u201c, erg\u00e4nzt Antonius Weixler, \u201eim Bereich des \u00d6ffentlichen und in der Politik gehe es letztlich ja stets um Verteilungsk\u00e4mpfe. Verschw\u00f6rungserz\u00e4hlungen beschreiben diese immer als Gerechtigkeitsproblem. Und die Urheber einer solchen Verschw\u00f6rung werden von Verschw\u00f6rungsgl\u00e4ubigen in der Regel immer mit Kollektivsingularen angegeben. Also ein Kollektivsingular wie \u201aDie Medien\u2018, \u201aDie Politik\u2018, \u201aDie Elite\u2018 oder \u201aDie Wissenschaft\u2018\u201c.<\/p>\n<div id=\"attachment_44822\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 440px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-44822\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Logo-Transfergeschichten.jpg\" alt=\"\" width=\"430\" height=\"138\" \/><span class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Bergische Universit\u00e4t<\/span><\/div>\n<h4>Konsens in der Wissenschaft wird angezweifelt<\/h4>\n<p>Verschw\u00f6rungserz\u00e4hlungen zu erkennen, ist gar nicht so einfach. \u201eDas vermeintlich \u201awahre\u2018 Wissen, also die Verschw\u00f6rung, ist f\u00fcr Anh\u00e4nger solcher Geschichten immer unter einer Oberfl\u00e4che versteckt. Verschw\u00f6rungserz\u00e4hlungen konstruieren daher immer die Durchbrechung einer solchen Oberfl\u00e4che, wobei mit dieser Oberfl\u00e4che ganz unterschiedliche Dinge gemeint sein k\u00f6nnen. Die Oberfl\u00e4che kann ganz generell als die offizielle Version einer Geschichte angesehen werden, es kann damit aber auch die Moderne an sich damit gemeint sein. Wichtige weitere Merkmale, die dann noch mit dazu kommen, sind immer auch eine starke soziale Hierarchisierung von Gruppen und ein Dualismus aus Gut und B\u00f6se, ein sogenanntes manich\u00e4isches Weltbild. Die Erwartungshaltung von Verschw\u00f6rungsgl\u00e4ubigen ist immer, dass die Eliten tendenziell B\u00f6ses im Schilde f\u00fchren.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<h4>MAGA \u2013 Make America great again<\/h4>\n<p><span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>Verschw\u00f6rungserz\u00e4hlungen werden oft in Slogans zusammengefasst, um wirken zu k\u00f6nnen. Dazu Weixler: \u201eIn dieser Hinsicht ist sicherlich Trumps Wahlkampfslogan \u201aMake America great again\u2018 sehr gut gemacht, weil er mit wenigen, sehr konzentrierten Worten ganz viel aufruft. Wir haben ein Opfernarrativ, ein Verlierernarrativ und letztlich auch ein Verteidigungsnarrativ. Wer dieser Meinung ist, dass Amerika fr\u00fcher einmal gro\u00dfartig war und dies heute nicht mehr ist, der f\u00fchlt sich fast automatisch auch als Verlierer dieser Entwicklung. Und wenn man sich als Verlierer dieser Entwicklung f\u00fchlt, dann erzeugt das ein Gerechtigkeitsproblem und auch Verteidigungsimpulse. Das Verlierer- und Opfernarrativ l\u00f6st so automatisch ein Verteidigungsnarrativ aus, und deswegen steckt da so viel drin.\u201c Au\u00dferdem sei dieser Slogan auch \u201acatchy\u2018, er funktioniere deshalb so gut, weil er die Menschen mitnehme, indem er eine WIR-Botschaft sende, so dass man sich dieser Gruppe leicht zugeh\u00f6rig f\u00fchle. Und das K\u00fcrzel \u201aMAGA\u2018 pr\u00e4ge sich zudem sofort ein.<\/p>\n<div id=\"attachment_91212\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 922px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-91212 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Mondlandung-NASA-gemeinfrei.jpg\" alt=\"\" width=\"912\" height=\"513\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Die Mondlandung: Eine Inszenierung der NASA? &#8211; \u00a9 Foto: NASA gemeinfrei<\/span><\/div>\n<h4>Verschw\u00f6rungserz\u00e4hlungen erkennen lernen<\/h4>\n<p>\u201ePrivilegiertes Wissen ist Wissen, welches inszeniert ist und dem tats\u00e4chlichen Wissen lediglich \u00e4hnelt\u201c, sagt Dr. Antonius Weixler, \u201eaber es gibt ein paar M\u00f6glichkeiten, den Unterschied zu erkennen, deshalb spreche ich auch von Verschw\u00f6rungserz\u00e4hlungen oder \u2013narrativen im Unterschied zu Verschw\u00f6rungstheorien.\u201c Dazu geh\u00f6re die Anwendung des Kollektivsingulars. Wenn also behauptet werde, \u201aDie Medien\u2018 w\u00fcrden uns eine offizielle Version verkaufen, sei das nach Meinung von Verschw\u00f6rungsgl\u00e4ubigen lediglich die Oberfl\u00e4che, unter der dann ein irgendwie konstruiertes, vermeintlich \u201awahres Wissen\u2018 zu finden sei.<\/p>\n<p>\u201eUnter der Oberfl\u00e4che haben wir nicht nur alternative Fakten und meinen eine Verschw\u00f6rung erkennen zu k\u00f6nnen, sondern wir haben letztendlich dort auch eine andere Art von Wissen. Dieses vermeintliche \u201aeingeweihte Wissen\u2018, das unter der Oberfl\u00e4che ist, das ist oft auch so etwas, was man eigene Empirie nennen k\u00f6nnte. Es wird h\u00e4ufig mit eigener Anschauung argumentiert, also mit einem sehr subjektiven Beispiel im Sinne von: \u201aIch habe das so erlebt\u2018 oder \u201aIch habe geh\u00f6rt, dass das so ist\u2018, \u201aIch kenne jemanden, dem ist das so passiert\u2018. Es wird an die subjektive Erfahrung angelehnt, und das auch noch, wenn das oft gar nicht die eigene Erfahrung ist, sondern nur H\u00f6rensagen.\u201c Wenn man dann nach den konkreten Quellen einer solchen Information frage, k\u00f6nnen daher viele auch keine Antwort darauf geben. Es sei eine Parallelwelt mit einer anderen Art von Wissen, das oft auch nicht als Wissen, sondern mit Glauben beschrieben oder begr\u00fcndet wird.<\/p>\n<h4>In der Zukunft wollen wir zur\u00fcck in die Vergangenheit<\/h4>\n<p>Verschw\u00f6rungserz\u00e4hlungen konstruieren oft eine Vergangenheit, die es zwar so nie gab, die aber als ein Idealzustand verkl\u00e4rt wird, zu dem man zuk\u00fcnftig wieder zur\u00fcck m\u00f6chte. Daher basierten sie auf einem triardischen Zeitkonzept. \u201eWir haben drei Phasen in der Zeitrechnung\u201c, erkl\u00e4rt Antonius Weixler, \u201eeine Vergangenheit, eine Gegenwart und eine Zukunft. Im triadischen Zeitkonzept ist es so gemacht, dass die Vergangenheit immer als dezidiert positiv gesehen wird. Fr\u00fcher war eben vermeintlich alles besser, fr\u00fcher war das \u201agoldene Zeitalter\u2018, fr\u00fcher, das war das, was man unter Tradition versteht, wie auch immer man dann diesen Begriff f\u00fcllen mag. Solche Traditionen sind aber immer blo\u00dfe Erfindungen aus der Gegenwart. Traditionen waren so gut wie nie so, wie man denkt, dass sie gewesen sind.\u201c<\/p>\n<p>Modernisierungstendenzen wie Zuwanderung oder auch Globalisierung gef\u00e4hrden f\u00fcr Verschw\u00f6rungsgl\u00e4ubige eine so gesehene Tradition. \u201eDaher erscheint die Gegenwart als negativ. Und die Zukunft soll jetzt keine offene Zukunft der Entwicklung sein, sondern in der Zukunft wollen wir zur\u00fcck in die Vergangenheit. Also \u201aMake America great <b>again<\/b>\u2018, das ist der Blick zur\u00fcck.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<h4>Mediale Entwicklungen leisten Verschw\u00f6rungserz\u00e4hlungen Vorschub<\/h4>\n<p>Gro\u00dfereignisse wie 9\/11 2001, die Finanzkrise 2007, die sog. \u201aFl\u00fcchtlingskrise\u2018 2015, aber auch die Trump-Wahl und die Brexit-Abstimmung 2016 sowie die Corona-Pandemie 2020 wurden von einer Flut von Falschmeldungen, Fake-News und insbesondere von Verschw\u00f6rungserz\u00e4hlungen begleitet. Die mediale Entwicklung hat diese Ausbreitung beg\u00fcnstigt. \u201eDiese Ereignisse decken ja eine Spanne von \u00fcber 20 Jahren ab, da hat sich nat\u00fcrlich auch mediengeschichtlich extrem viel ver\u00e4ndert\u201c, sagt der Fachmann. \u201eW\u00e4hrend wir bei 9\/11 erst mit einer zeitlichen Verz\u00f6gerung und dann teilweise durch klassische Formate wie Dokumentationen, die dann auf YOUTUBE hochgeladen wurden, oder sogar B\u00fccher, die geschrieben wurden, Gegenpositionen zu offiziellen Erkl\u00e4rungen bekommen haben, lief es bei der Coronapandemie wesentlich schneller, eben weil sich auch die Medien stark ver\u00e4ndert haben. Die \u201aneueren\u2018 und \u201ageschlossenen\u2018 sozialen Medien wie Twitter, Instagram oder Telegram evozieren viel schnellere Reaktionen und durch ihre <i>share<\/i>-Funktionen \u00fcberdies exponentielle Reproduktionen als dies in den im Vergleich dazu langsamen \u201aalten\u2018 und \u201aoffenen\u2018 sozialen Medien wie Youtube oder Facebook der Fall war.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_91213\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 660px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-91213 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Elvis_Presley_1970.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"905\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Elvis Presley (1935 \u2013 1977) Fans glauben immer noch, dass er lebt &#8211; \u00a9 Foto: gemeinfrei<\/span><\/div>\n<p>Verschw\u00f6rungserz\u00e4hlungen liefern in diesem Zusammenhang fast immer einfache Erkl\u00e4rungen f\u00fcr sehr komplexe Ph\u00e4nomene. \u201eUnd das h\u00f6ren die Menschen sehr gerne. Es ist eine sehr starke Komplexit\u00e4tsreduktion. Sie bieten einfache Erkl\u00e4rungen f\u00fcr Bereiche, die sehr ambig sind, d.h. wir sehen bei Verschw\u00f6rungsgl\u00e4ubigen eine verbreitete Unf\u00e4higkeit oder eine Vermeidungsstrategie, Uneindeutigkeit auszuhalten. Das geht uns vielleicht ganz generell in den Sozialen Medien mit der immer gr\u00f6\u00dfer werdenden Informationsflut zusehend verloren. Heute haben wir unglaublich viele Medienkan\u00e4le, die nicht von ausgebildeten Journalistinnen und Journalisten bedient werden. Also der gro\u00dfe Bereich Social Media mit ihren Influencerinnen und Influencern. Heute kann jeder senden, und tut es auch. Daher kann man oft nicht mehr erkennen, was ein Informations- oder Meinungs-Kanal ist und was nicht, welche Informationen mit journalistischen Standards gepr\u00fcft wurden und welche nicht. Wir brauchen eine viel st\u00e4rkere Ausbildung in Medienkompetenz, Fiktionskompetenz und Narrativkompetenz. Wir m\u00fcssen auch in der Ausbildung einiges ver\u00e4ndern und den Menschen diese Grundkompetenzen wieder verst\u00e4rkt beibringen.\u201c<\/p>\n<p>Bei den sehr einfachen Erkl\u00e4rungen in Verschw\u00f6rungserz\u00e4hlungen w\u00fcrden immer Kausalit\u00e4ten konstruiert, wo maximal Korrelationen oder meistens nur Scheinkorrelationen seien. Bei zwei Ereignissen, die r\u00e4umlich und zeitlich weit auseinanderl\u00e4gen, konstruierten Verschw\u00f6rungserz\u00e4hlungen immer ganz klare, einfache Zusammenh\u00e4nge. Diesen Verschw\u00f6rungserz\u00e4hlungen stellt sich der seri\u00f6se Journalismus mit Aufkl\u00e4rung entgegen. \u201eWenn also auch einmal in der Presse \u00fcber Verschw\u00f6rungserz\u00e4hlungen berichtet wird, dann meistens im Modus des Dokumentarischen und des Aufkl\u00e4rerischen. Seri\u00f6ser Journalismus lebt davon, dass jede Information zweimal abgesichert sein muss, das ist eine Grundarbeitstechnik.\u201c<\/p>\n<h4>\u201aFake news\u2018 sind f\u00fcr Verschw\u00f6rungsgl\u00e4ubige alternativlos<\/h4>\n<p>Seit der Regierung Trump kennen wir den Begriff \u201aAlternative Fakten\u2018, die uns eingeweihtes Wissen vermitteln sollen. \u201e\u201aAlternative Fakten\u2018 erscheinen f\u00fcr die Eingeweihten als alternativlos: Das sog. \u201aeingeweihte Wissen\u2018 ist f\u00fcr die Verschw\u00f6rungsgl\u00e4ubigen nicht nur ein Wissen unter anderen, es ist f\u00fcr sie das \u201aeine\u2018 Wissen. Dieser Aspekt erkl\u00e4rt, warum die Anh\u00e4nger von Verschw\u00f6rungserz\u00e4hlungen kaum je mit rationaler Argumentation von ihrem Verschw\u00f6rungsglauben abgebracht werden k\u00f6nnen\u201c, erkl\u00e4rt Antonius Weixler. Wenn man mit Verschw\u00f6rungsgl\u00e4ubigen diskutiere, stelle man immer wieder fest, dass sie auf wissenschaftliches Argumentieren nicht eingingen und mit eigener Empirie, eigener Anschauung antworteten. \u201eEs ist kaum ein Gespr\u00e4ch m\u00f6glich, in dem wir im Modus der Argumentation bleiben; auch weil diese Gespr\u00e4chstechnik der Argumentation ja bedeutet, dass man die Regeln des Argumentierens kennen und akzeptieren muss. Und wenn anstatt mit Argumenten und Fakten mit eigener Anschauung begr\u00fcndet wird, dann ist es unheimlich schwer, gegen eine pers\u00f6nliche Anschauung zu argumentieren, weil eigene Erfahrungen ja durchaus auch etwas Legitimes, wenn auch Subjektives, haben.\u201c<\/p>\n<p>Im Unterschied zu pers\u00f6nlichen Anschauungen sei Wissen und wissenschaftliche Erkenntnis aber immer falsifizierbar und tauge nicht als Kollektivsingular. \u201eEs gibt schlichtweg nicht \u201adas Wissen\u2018\u201c, sagt Weixler, \u201edas Wissen von heute ist morgen vielleicht schon ein anderes. Wissenschaftliche Erkenntnis bedeutet zudem nicht, dass wir je etwas mit 100% Sicherheit bestimmen k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_91216\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 922px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-91216 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/makabera-iceberg-6779681_1920.jpg\" alt=\"\" width=\"912\" height=\"608\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Klimawandel in der Arktis: Schmelzendes Eis &#8211; \u00a9 Pixabay<\/span><\/div>\n<p>Die letzten, oft wenigen Prozentpunkte wiederum nutzen Verschw\u00f6rungsgl\u00e4ubige als Einfallstor f\u00fcr ihre Gegenargumentation. Ein Beispiel: \u201eDer Klimawandel: Das Spektakul\u00e4re an der Erforschung des Klimawandels ist, dass wir, wie wohl noch nie zuvor in der Wissenschaftsgeschichte, von allen seri\u00f6sen Wissenschaftlern auf der Welt einen Konsens haben, dass es den menschengemachten Klimawandel gibt. Aber selbst so ein Konsens ist nicht mit 100% anzugeben. Diese Unsicherheit dient Verschw\u00f6rungsgl\u00e4ubigen sofort als Einfallstor.\u201c Das konnte man auch wunderbar bei der Rede des amerikanischen Pr\u00e4sidenten auf der UN-Vollversammlung im September letzten Jahres erkennen, als er den Klimawandel als \u201aden gr\u00f6\u00dften Betrug, der jemals an der Welt begangen wurde\u2018, beschrieb.<\/p>\n<h4>Verschw\u00f6rungsgl\u00e4ubige haben ein sehr verfestigtes Weltbild<\/h4>\n<p>Die Wissenschaft sagt, Verschw\u00f6rungserz\u00e4hlungen sind final motiviert, d.h. es steht schon von Beginn an fest, wie eine Geschichte enden wird, daher scheinen sie auch immer abschlie\u00dfende Antworten geben zu k\u00f6nnen. \u201eVerschw\u00f6rungstheoretiker oder Verschw\u00f6rungsgl\u00e4ubige haben ein sehr verfestigtes Weltbild\u201c, erkl\u00e4rt der Literaturwissenschaftler, das bestehe aus der Grundunterscheidung von Gut und B\u00f6se sowie aus einer sehr einfachen Vorstellung davon, wie Handlungsmacht funktioniere, also, dass z.B. ganz wenige Individuen globale Ereignisse steuern k\u00f6nnen. \u201eDas widerspricht letztlich allem, was die Wissenschaft \u00fcber Handlungsmacht und Entscheidungsprozesse wei\u00df, denn globale Ereignisse sind nie nur von einzelnen Menschen gesteuert. Sobald aber eine gr\u00f6\u00dfere Anzahl von Individuen an Entscheidungen beteiligt sind, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass fr\u00fcher oder sp\u00e4ter immer irgendjemand etwas ausplaudern w\u00fcrde. Verschw\u00f6rungen wiederum basieren auf der falschen Annahme, dass ein sehr kleiner Kreis etwas plane und dass alle in diesem Kreis stillhalten.\u201c<\/p>\n<p>Auf die Frage, ob auch der Literaturwissenschaftler schon einmal einer Verschw\u00f6rungserz\u00e4hlung geglaubt habe, sagt Weixler abschlie\u00dfend, dass er Erz\u00e4hlungen, die globale Verschw\u00f6rungen konstruieren, grunds\u00e4tzlich immer skeptisch gegen\u00fcber stehe. Im t\u00e4glichen Leben und im kleinen, privaten Bereich s\u00e4\u00dfen aber auch wir, ob wir wollten oder nicht, hin und wieder Verschw\u00f6rungserz\u00e4hlungen auf, vor allem wenn es um Klatsch und Tratsch gehe. \u201eManche Geschichten sind einfach zu gut, um wahr zu sein, sagt der Volksmund ja so sch\u00f6n, und was der Volksmund damit ausdr\u00fcckt ist ja auch, dass wir den Wahrheitsgehalt mancher Geschichten eigentlich misstrauen m\u00fcssten, weil sie kaum wahr sein k\u00f6nnen. Zugleich wei\u00df der Volksmund damit aber auch, dass wir dieser Wahrheit nur deshalb glauben wollen, weil uns die Erz\u00e4hlung so gut gef\u00e4llt, sie starke Emotionen in uns ausl\u00f6st und wir zu den Eingeweihten dieser Geschichte, dieses \u201aexklusiven Wissens\u2018, z\u00e4hlen.\u201c<\/p>\n<p><strong>Uwe Blass<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_91214\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 210px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-91214 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Antonius-Weixler-Pressefoto.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"287\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Dr. Antonius Weixler &#8211; \u00a9 Sebastian Jarych<\/span><\/div>\n<h4>\u00dcber Dr. Antonius Weixler<\/h4>\n<p>Dr. Antonius Weixler arbeitet als Lehrkraft f\u00fcr besondere Aufgaben in der Neueren Deutschen Literaturwissenschaft der Bergischen Universit\u00e4t.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Coronapandemie ist eine Inszenierung, die Mondlandung hat es nie gegeben und nat\u00fcrlich: Elvis lebt. Vor allem in Krisenzeiten haben sie besonders Konjunktur: Verschw\u00f6rungserz\u00e4hlungen. \u201eDabei wird oft behauptet, es handele sich bei den Verschw\u00f6rern um eine im Geheimen operierende Gruppe, die aus niederen Beweggr\u00fcnden versucht, eine Institution, ein Land oder gar die ganze Welt zu kontrollieren oder zu zerst\u00f6ren\u201c, sagt Dr. Antonius Weixler, Literaturwissenschaftler an der Bergischen Universit\u00e4t.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-91209","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissen"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-04-20 16:52:16","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/91209","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=91209"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/91209\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":91218,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/91209\/revisions\/91218"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=91209"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=91209"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=91209"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}