{"id":90339,"date":"2026-03-01T21:48:45","date_gmt":"2026-03-01T20:48:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=90339"},"modified":"2026-03-09T17:54:01","modified_gmt":"2026-03-09T16:54:01","slug":"das-wow-signal-ueber-die-suche-nach-ausserirdischem-leben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2026\/03\/01\/das-wow-signal-ueber-die-suche-nach-ausserirdischem-leben\/","title":{"rendered":"Das Wow-Signal: \u00dcber die Suche nach au\u00dferirdischem Leben"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_90343\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 728px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-90343 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Prof.-Kampert-Foto-Michael-Mutzberg-2.jpg\" alt=\"\" width=\"718\" height=\"497\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Prof. Dr. Karl-Heinz Kampert vom Lehrstuhl Astrophysik an der Bergischen Universit\u00e4t &#8211; \u00a9 Michael Mutzberg<\/span><\/div>\n<p><b>Die Suche nach au\u00dferirdischem Leben mittels Radioteleskopen gibt es schon lange. Seit wann arbeitet man schon daran?<\/b><\/p>\n<p>Karl-Heinz Kampert: &#8222;Wichtige Entdeckungen beruhen auf menschlicher Neugier. In der Wissenschaft sind sie h\u00e4ufig sogar das Ergebnis einer zuf\u00e4lligen Beobachtung.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>So ist es auch mit der Radioastronomie selbst. Als der Physiker und Ingenieur Karl Jansky im Jahr 1930 der Ursache einer St\u00f6rung der neu er\u00f6ffneten Transatlantik-Funkverbindung auf den Grund gehen wollte, stellte er mithilfe eines einfachen Bastelaufbaus fest, dass die St\u00f6rung keinem 24-Stunden-Rhythmus folgte, sondern sich etwa alle 23 Stunden und 56 Minuten wiederholte. Sie folgte also einem \u201eSterntag\u201c. Er schloss daraus, dass die Quelle der St\u00f6rung nicht irdischen Ursprungs sein konnte, sondern au\u00dferhalb des Sonnensystems liegen musste. So wurde die Radioastronomie geboren. Zu Ehren Jansky\u2019s wird die St\u00e4rke von Radiosignalen in Einheiten von \u201eJansky\u201c gemessen.<\/p>\n<p>Radiosignale breiten sich nahezu ungehindert durch das Universum aus und werden auch nicht von der Erdatmosph\u00e4re absorbiert. Selbst kleinste Signale lassen sich mit gro\u00dfen Teleskopen wie dem Radioteleskop Effelsberg in der Eifel sehr gut nachweisen. Wenn wir auf der Erde also Radiosignale zur Kommunikation verwenden, liegt es nahe, dass au\u00dferirdische Zivilisationen es uns gleichtun, denn die Naturgesetze gelten schlie\u00dflich \u00fcberall. Es liegt also nichts n\u00e4her, als extraterrestrische Radiosignale nach intelligenten hochfrequenten Mustern zu durchsuchen, sie also zur <b>S<\/b>uche nach <b>e<\/b>xtra<b>t<\/b>errestrischer <b>I<\/b>ntelligenz (SETI) zu nutzen.<\/p>\n<div id=\"attachment_44822\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 440px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-44822\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Logo-Transfergeschichten.jpg\" alt=\"\" width=\"430\" height=\"138\" \/><span class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Bergische Universit\u00e4t<\/span><\/div>\n<p>Begonnen hatte die Suche nach E.T. im April 1960 mit dem Radioastronomen Frank Drake, indem er eine 26-Meter-Antenne des US National Radio Astronomy Observatory auf zwei nahe gelegene Sterne richtete. Schon nach kurzer Zeit hatte er verd\u00e4chtige Signale gefunden, die sich aber leider als Funksignale eines Flugzeugs entpuppten. Ab 1972 \u201ehorchten\u201c Radioastronomen mit einem noch gr\u00f6\u00dferen Teleskop bereits 650 Sterne ab. Die SETI-Forschung als ernsthafte Wissenschaftsdisziplin war hiermit etabliert und auch bereits vorhandene Teleskope wurden zunehmend hierf\u00fcr eingesetzt. So auch die 1963 in Betrieb genommene 103 x 33 Quadratmeter gro\u00dfe so genannte \u201eBig Ear\u201c Antenne der Ohio State University, mit der man 1971 eine gro\u00dfe astronomische Himmelsdurchmusterung abgeschlossen hatte. Von 1973-1995 stand dieses Teleskop der SETI-Forschung zur Verf\u00fcgung und ist die bis heute l\u00e4ngste Messperiode, die sogar im Guinness Buch der Weltrekorde erfasst ist.&#8220;<\/p>\n<p><b>Die Forschenden sprechen in diesem Zusammenhang oft von der \u201egro\u00dfen Stille\u201c. Doch eigentlich glaubt die Wissenschaft doch gar nicht, dass wir allein sind, oder?<\/b><\/p>\n<p>Karl-Heinz Kampert: &#8222;Die Suche nach au\u00dferirdischem Leben ist ein nunmehr sechs Jahrzehnte andauerndes Geduldsspiel. Sie wird seit 1984 von einem gemeinn\u00fctzigen unabh\u00e4ngigen Verein unter der Leitung von Frank Drake koordiniert. Au\u00dfer Signalen weiterer Spionagejets wurden jedoch noch keine Hinweise auf eine Botschaft au\u00dferirdischer Intelligenz aus der Datenflut herausgefischt.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Es herrscht also eine \u201egro\u00dfe Stille\u201c im Universum. Bereits 1950 stellte der Physiker Enrico Fermi die markante Frage: \u201eWo sind eigentlich alle?\u201c Angesichts der schier endlosen Anzahl von Sternen und Planeten in unserem Universum m\u00fcsste es doch Millionen von intelligenten Zivilisationen geben. Warum haben wir dann noch keinen klaren Beweis f\u00fcr ihre Existenz gefunden? Dies ist als Fermi-Paradoxon bekannt.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Der schon genannte Frank Drake, der Pionier der SETI-Forschung, hat m\u00f6glicherweise eine Antwort auf diese gro\u00dfe Frage formuliert \u2013 in Form einer Gleichung, die nach ihm benannt wurde.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Diese Gleichung verbindet verschiedene Wahrscheinlichkeiten miteinander, die f\u00fcr das Auftreten intelligenten Lebens relevant sind und ber\u00fccksichtigt Faktoren, wie dem Anteil der Sterne, die ein Planetensystem besitzen, der durchschnittlichen Anzahl von Planeten pro Stern, dem Anteil der Planeten mit Leben, dem Anteil mit intelligentem Leben, dem Anteil mit Interesse an einer Kommunikation, und \u2013 ganz wichtig \u2013 der Lebensdauer einer technischen Zivilisation in Jahren. Dieser letztgenannte Punkt ist es, der aufgrund der immensensen Weiten des Universums zumindest die praktische M\u00f6glichkeit einer Kontaktaufnahme mit Zivilisationen au\u00dferhalb unserer Heimatgalaxie, der Milchstra\u00dfe, verhindert. Konservative Absch\u00e4tzungen gehen von einer Zivilisation in unserer Milchstra\u00dfe aus und optimistische von 100 Zivilisationen, was einem mittleren Abstand zweier Zivilisationen von 5000 Lichtjahren entspricht. Bis zur n\u00e4chstgelegenen Andromeda-Galaxie sind es bereits \u00fcber 2 Millionen Lichtjahre. Wir d\u00fcrfen in dieser Diskussion nicht vergessen, dass wir erst seit ca. 90 Jahren (s.o.) imstande sind, Radiosignale zu empfangen.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_90344\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 610px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-90344 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/FAST_Radio_Telescope_captured_from_video.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"338\" \/><span class=\"wp-caption-text\">FAST vor der Installation der Instrumentenplattform &#8211; \u00a9 CC BY 3.0<\/span><\/div>\n<p><b>Am 15. August 1977 zeichnete der Astrophysiker Jerry R. Ehmann ein Signal auf, welches als meistversprechender Anw\u00e4rter f\u00fcr eine au\u00dferirdische Botschaft gilt, das sogenannte Wow-Signal. Was hat es damit auf sich?<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/b><\/p>\n<p>Karl-Heinz Kampert: &#8222;Im August 1977 wertete der Astronom J. R. Ehman die von der \u201eBig Ear\u201c-Antenne in den vorangegangenen Tagen aufgezeichneten Signale aus. Dies geschah damals noch durch das Ablesen der Computerausdrucke auf Endlospapier. Der zeitliche Ablauf der Signalst\u00e4rken wurde in Form von aufeinanderfolgenden Ziffern kodiert, wobei 0, 1, 2, &#8230; 9, A, B, \u2026 X, Y und Z f\u00fcr jeweils zunehmende Signalst\u00e4rken w\u00e4hrend eines Zeitfensters von zehn Sekunden standen. In den heute verwirrend anmutenden Printouts fand Ehman eine am 15. August um 23:16 Uhr Ortszeit beginnende Sequenz der Form \u201e6EQUJ5\u201c, d. h. ein immens starkes, langanhaltendes Signal aus einer Richtung unweit des galaktischen Zentrums. Dieses Signal markierte er auf dem Ausdruck mit der Notiz \u201eWow!\u201c. Es sollte als \u201eWow!\u201c-Signal in die Geschichte der SETI-Forschung und Radioastronomie eingehen.<\/p>\n<p>Eine Wiederholung des Signals, welches bei einer Frequenz von 1420 MHz (einem Hyperfeinstruktur-\u00dcbergang im neutralen Wasserstoffatom) eine Bandbreite von weniger als 10 kHz aufwies, konnte bis heute selbst mit empfindlicheren Radioantennen nicht beobachtet werden. \u00dcber die Ursache wird weiterhin spekuliert. Auch eine vor wenigen Monaten abgeschlossene Reanalyse der urspr\u00fcnglichen Daten mit modernen Methoden konnte das R\u00e4tsel nicht l\u00f6sen, wohl aber einen astrophysikalischen Ursprung untermauern.&#8220;<\/p>\n<p><b>In die Erkundung von Signalen wird eine Menge Geld gesteckt. Vor einigen Jahren hat ein russischer Milliard\u00e4r sogar 100 Millionen Dollar in das Projekt \u201eBreakthrough Listen\u201c investiert, welches von namhaften Astronomen wie dem damaligen Starphysiker Stephen Hawkings unterst\u00fctzt wurde, um intelligentes Leben jenseits der Erde zu finden. Projektziel ist es, u.\u00a0a. eine Million erdnahe Sternensysteme, die hundert n\u00e4chsten Galaxien und das galaktische Zentrum nach Anzeichen extraterrestrischer Intelligenz zu scannen. Ist das nur reine Science-Fiction f\u00fcr reiche Bonzen?<\/b><\/p>\n<p>Karl-Heinz Kampert: &#8222;Die SETI-Forschung trifft zweifellos einen inneren Nerv der Menschheit: Sind wir allein im Universum? Die Vorstellung von bewohnten anderen Welten existiert bereits seit der Antike und findet sich oft in philosophischen Werken und Mythen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Es ist daher wenig erstaunlich, dass Menschen mit unterschiedlichem finanziellem Hintergrund solche Projekte gerne unterst\u00fctzen. So unterst\u00fctzte auch Steven Spielberg, der Starregisseur, nach seinem Erfolg mit \u201eE.T. \u2013 Der Au\u00dferirdische\u201c pressewirksam ein Projekt der SETI-Forschung. An der Auswertung der Big-Ear-Daten, die \u00fcber viele Jahre hinweg erfolgte, arbeiteten vor allem Wissenschaftler und Amateure auf freiwilliger Basis. Vielleicht erinnern sich viele auch an das Projekt SETI@home, das 1999 von der University of California in Berkeley ins Leben gerufen wurde. Bis zum Jahr 2020 nutzte es die Ressourcen ungenutzter Heimcomputer mittels eines speziellen Bildschirmschoners, um nach Signalen in den verf\u00fcgbaren Radiodaten zu suchen. So viele Menschen beteiligten sich an der Initiative, weil sie von der Frage an sich fasziniert waren und sie vielleicht auf ihrem eigenen PC ein Signal h\u00e4tten entdecken k\u00f6nnen.<br \/>\nF\u00fcr das Projekt \u201eBreakthrough Listen\u201c (zu Deutsch: Durchbruch Lauschen) sind nach aktuellem Stand (Sept. 2025) bisher aber lediglich 4,5 % der genannten Summe in das Projekt geflossen. Die gewonnenen Daten und die verwendete Software stehen jedermann zur Verf\u00fcgung.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Nehmen wir ein anderes sehr aktuelles Beispiel: Eine Gruppe von Privatpersonen und Stiftungen hat dem CERN k\u00fcrzlich 860 M\u20ac f\u00fcr den Bau des Future Circular Colliders als Nachfolgeprojekt des LHC zugesagt, das sind etwa 5% der erforderlichen Summe.<\/p>\n<p>\u00dcber die Sinnhaftigkeit derartiger Spenden kann man sicherlich unterschiedlicher Meinung sein. Nat\u00fcrlich entzieht der Spender der \u00f6ffentlichen Hand auf diese Weise Steuereinnahmen, \u00fcber deren Verwendung ansonsten die Politik entscheiden w\u00fcrde. Auch in Wuppertal werden viele soziale, kulturelle und andere Projekte sowie vereinzelt auch Stiftungsprofessuren aus privater Hand \u00fcber Spenden unterst\u00fctzt. Viele von uns spenden ebenfalls gerne f\u00fcr Zwecke, die uns pers\u00f6nlich am Herzen liegen. In letzter Konsequenz m\u00fcsste man das genauso kritisieren, denn der Prozess ist der gleiche. Umgekehrt k\u00f6nnten sich die \u201ereichen Bonzen\u201d, um bei dem Begriff und dem Klischee zu bleiben, auch die n\u00e4chste Jacht bauen lassen. W\u00e4re das besser f\u00fcr die Allgemeinheit? Spenden erfolgen, um steuerlich wirksam zu sein, in der Regel \u00fcber Stiftungen (so auch am CERN), also \u00fcber eine rechtliche Struktur mit zumeist gemeinn\u00fctzigem Zweck.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_90345\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 610px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-90345 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Wow_signal.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"339\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Das Wow-Signal &#8211; Scan des namensgebenden Dokuments von Jerry R. Ehman &#8211; \u00a9 gemeinfrei<\/span><\/div>\n<p><b>Das gr\u00f6\u00dfte Radioteleskop der Erde, das Five-hundred-meter Aperture Spherical Telescope (Fast), eine 500 Meter durchmessende &#8222;Riesensch\u00fcssel&#8220; in der entlegenen Dawodang-Depression der Provinz Guizhou im S\u00fcden Chinas, sucht seit 2019 nach Signalen au\u00dferirdischer Zivilisationen. Hat sich schon mal jemand oder etwas gemeldet?<\/b><b><\/b><\/p>\n<p>Karl-Heinz Kampert: &#8222;Das ist in der Tat ein beeindruckendes, feststehendes Teleskop, das in erster Linie f\u00fcr die astronomische Forschung eingesetzt wird, beispielsweise f\u00fcr die Untersuchung von Pulsaren (schnell rotierenden Neutronensternen), den Nachweis interstellarer Molek\u00fcle, die Erstellung hochaufl\u00f6sender Bilder aus der Umgebung schwarzer L\u00f6cher oder die Suche nach Gravitationswellen. Aber auch die Detektion fremder Kommunikationssignale ist m\u00f6glich. Im Juni 2022 wurde \u00fcber ein m\u00f6gliches Signal berichtet, welches jedoch bereits vier Tage sp\u00e4ter als Detektor-Artefakt identifiziert wurde. Die Suche l\u00e4uft jedoch weiter.&#8220;<\/p>\n<p><b>Gegenw\u00e4rtig geh\u00f6ren die sogenannten TRAPPIST-1-Planeten zu den interessantesten Sternen, wenn es um die Suche nach au\u00dferirdischem Leben geht. Wie kommt man darauf?<\/b><\/p>\n<p>Karl-Heinz Kampert: &#8222;Die Suche nach sogenannten Exoplaneten, also Planetensystemen au\u00dferhalb unseres Sonnensystems, ist ein hochaktuelles und intensiv betriebenes Forschungsfeld. Im Jahr 2019 wurde die Entdeckung der ersten Planeten um einen sonnen\u00e4hnlichen Stern mit einem Nobelpreis gew\u00fcrdigt. Inzwischen gab es Tausende weitere Entdeckungen, die unser Verst\u00e4ndnis des Universums erweitert haben. Das Ziel dieser Suche ist also nicht, Signale au\u00dferirdischer Zivilisationen zu detektieren, sondern herauszufinden, wie h\u00e4ufig und ggf. wo bewohnbare Planeten im Universum anzutreffen sind.<\/p>\n<p>Trappist-1 ist ein etwa 40 Lichtjahre von der Erde entferntes Planetensystem. Zur Orientierung: Der sonnenn\u00e4chste Stern, Proxima Centauri, ist 4,24 Lichtjahre von uns entfernt. Die Entdeckung gelang im Jahr 2016 mit der sogenannten Transitmethode. Dabei wird die Tatsache genutzt, dass die Planeten w\u00e4hrend ihrer Umkreisung das Licht ihrer Sonne geringf\u00fcgig abdecken, sodass der Stern f\u00fcr den Beobachter in \u00c4quatorebene abwechselnd dunkler und heller erscheint.<\/p>\n<p>Der Stern Trappist-1 hat nur etwa ein Zw\u00f6lftel der Masse und die H\u00e4lfte der Oberfl\u00e4chentemperatur der Sonne. Die Umlaufperioden der Planeten liegen zwischen 1,5 und 20 Tagen. F\u00fcr die mittleren Planeten fand man Dichten, die \u00e4hnlich wie bei der Erde sind. Man vermutet in einem Planeten sogar einen Eisenkern wie bei der Erde. Es wurde dar\u00fcber hinaus eine wasserstoffbasierte Atmosph\u00e4re nachgewiesen. Aufgrund der dort vorherrschenden Temperaturen geht die NASA davon aus, dass sich auf mehreren der Planeten fl\u00fcssiges Wasser befinden k\u00f6nnte. Das Alter des Systems wird auf 7,2 Milliarden Jahre gesch\u00e4tzt. Das Alter des Sonnensystems betr\u00e4gt im Vergleich 4,5 Milliarden Jahre, so dass auf den Planeten gen\u00fcgend Zeit vorhanden war, Lebensformen zu bilden. All diese Beobachtungen machen Trappist-1 zu einem vielversprechenden Sternensystem mit potenziell bewohnbaren Planeten und m\u00f6glicherweise Leben.&#8220;<\/p>\n<p><b>Jetzt sucht die Wissenschaft mit diesen Megateleskopen ja nicht nur nach Aliens. Welche Erkenntnisse bringen solche Forschungen denn auch noch?<\/b><\/p>\n<p>Karl-Heinz Kampert: Wie bereits erw\u00e4hnt, dienen alle modernen Teleskope der astronomischen Forschung. Es gibt noch eine Vielzahl ungel\u00f6ster Fragen von gro\u00dfer astrophysikalischer Bedeutung. Mithilfe der Teleskope k\u00f6nnen wir immer weiter ins Universum vordringen und somit auch seine Entstehungsgeschichte erforschen.<\/p>\n<p>Mit der Inbetriebnahme neuer Instrumente, welche empfindlicher sind ist als alles bisher da gewesene, sind \u00dcberraschungen nahezu garantiert. Man macht Beobachtungen, die man im wahrsten Sinne des Wortes nicht auf dem Schirm hatte, und diese sind immer besonders spannend, da sie zur Wissenserweiterung f\u00fchren. Allerdings besteht hier auch immer eine Gefahr: Wenn neue, unbekannte Signale beobachtet werden, muss zun\u00e4chst sichergestellt werden, dass es sich nicht um einen Fehler in der Apparatur oder Analyse handelt. In der Geschichte der Wissenschaften gab es leider viele Beispiele, in denen vorschnelle Schl\u00fcsse gezogen wurden, die sp\u00e4ter revidiert werden mussten.<\/p>\n<p><b>Sie selber waren von 2010 bis 2017 Sprecher der Forschungskollaboration am Observatorium f\u00fcr Teilchenstrahlung (Pierre Auger Observatorium) in Argentinien. Dort untersucht man kosmische Strahlung mittels Detektoren. K\u00f6nnen die dort erforschten Ergebnisse auch R\u00fcckschl\u00fcsse auf m\u00f6gliches au\u00dferirdisches Leben geben?<\/b><\/p>\n<p><b>Karl-Heinz Kampert:<\/b> &#8222;Das prim\u00e4re Ziel unserer Forschung ist die Identifizierung der Quellen der h\u00f6chstenergetischen Teilchen im Universum.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Wir beobachten Teilchen, deren Energie um den Faktor 100 Millionen gr\u00f6\u00dfer ist als die Energie, die im gr\u00f6\u00dften Beschleuniger der Welt, dem LHC des CERN, erzeugt werden kann. Allerdings haben wir keine Ahnung, wie die Natur das bewerkstelligt. Wir konnten nachweisen, dass diese Teilchen nicht aus der Milchstra\u00dfe selbst stammen, sondern aus benachbarten Galaxien. Insofern sind diese Teilchen die einzige Form von Materie, die uns aus anderen Galaxien erreicht und die wir hier auf der Erde detektieren k\u00f6nnen: Boten aus anderen Welten. Derart hohe Energien lassen sich nur unter extremsten Bedingungen erreichen, etwa in der unmittelbaren Umgebung massereicher schwarzer L\u00f6cher oder in Regionen, in denen in kurzer Zeit sehr viele Sterne zu Supernovae explodieren und sich nachfolgend gleichzeitig viele neue Sterne bilden. Das ist aber genau das Gegenteil dessen, was wir unter einer habitablen Zone verstehen.<\/p>\n<p>Interessanterweise wurde jedoch bereits vorgeschlagen, dass sich Neutrinos eher als Licht oder Radiosignale eignen, um Signale an fremde Zivilisationen zu senden oder zu empfangen. Der Grund ist, dass Neutrinos \u2013 anders als elektromagnetische Strahlung \u2013 Materie nahezu ungehindert durchdringen k\u00f6nnen und keinen weiteren St\u00f6reinfl\u00fcssen unterliegen. Dieser Vorteil der Neutrinos, dass sie das Universum ohne St\u00f6rung und Absorption durchlaufen, ist aber leider auch ihr Nachteil: Neutrinos nachzuweisen, erfordert sehr gro\u00dfe Detektoren wie das IceCube-Observatorium am S\u00fcdpol, an dem wir in Wuppertal ebenfalls beteiligt sind. Angesichts der Praktikabilit\u00e4t w\u00fcrde ich die Idee, Neutrinos zur SETI-Forschung zu verwenden, pers\u00f6nlich aber derzeit eher unter der Rubrik \u201eScience Fiction\u201c einordnen.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Uwe Blass<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_90346\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 210px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-90346 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Prof.-Kampert-Foto-Michael-Mutzberg.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"269\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Prof. Dr. Karl-Heinz Kampert &#8211; \u00a9 Michael Mutzberg<\/span><\/div>\n<h4>\u00dcber Prof. Dr. Karl-Heinz Kampert<\/h4>\n<p>Prof. Dr. Karl-Heinz Kampert studierte von 1977 bis 1983 an der Westf\u00e4lischen Wilhelms-Universit\u00e4t M\u00fcnster Physik. Von 1983 bis 1986 war Kampert wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Westf\u00e4lischen Wilhelms-Universit\u00e4t und promovierte 1986. Anschlie\u00dfend war er f\u00fcr drei Jahre als postdoktoraler Forschungsstipendiat an der Gro\u00dfforschungseinrichtung CERN in der Schweiz t\u00e4tig. Von 1989 bis 1995 war er Assistenzprofessor f\u00fcr Physik an der M\u00fcnsteraner Universit\u00e4t, w\u00e4hrenddessen habilitierte er sich 1993. Anschlie\u00dfend lehrte er als Professor der Physik an der Universit\u00e4t Karlsruhe und dem Forschungszentrum Karlsruhe, die 2009 beide zum Karlsruher Institut f\u00fcr Technologie fusionierten. Seit 2003 lehrt er schlie\u00dflich Experimentalphysik an der Bergischen Universit\u00e4t Wuppertal.<i><\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Astrophysiker Prof. Dr. Karl-Heinz Kampert von der Bergischen Universit\u00e4t besch\u00e4ftigt sich mit Suche nach au\u00dferirdischem Leben mittels Radioteleskopen. Diese hat schon eine lange Geschichte. Mit ihm hat sich Autor Uwe Blass im Rahmen der der interessanten, lehrreichen Uni-Serie &#8222;Transfergeschichten&#8220; unterhalten. <\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-90339","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissen"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-04-30 14:24:25","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/90339","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=90339"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/90339\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":90350,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/90339\/revisions\/90350"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=90339"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=90339"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=90339"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}