{"id":90082,"date":"2026-02-17T13:48:45","date_gmt":"2026-02-17T12:48:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=90082"},"modified":"2026-02-26T19:33:45","modified_gmt":"2026-02-26T18:33:45","slug":"schwestern-praesentieren-fast-vergessene-ainu-gesaenge","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2026\/02\/17\/schwestern-praesentieren-fast-vergessene-ainu-gesaenge\/","title":{"rendered":"Schwestern pr\u00e4sentieren fast vergessene Ainu-Ges\u00e4nge"},"content":{"rendered":"<div>\n<div id=\"attachment_90087\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 2570px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-90087 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Kapiw-Apappo-Japan-Schwebeklang-Foto-Ensemble-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1708\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Die Ainu-Schwestern Kapiw und Apappo pr\u00e4sentieren die Ges\u00e4nge ihrer Heimat im Kulturzentrum INSEL &#8211; \u00a9 Ensemble<\/span><\/div>\n<p>Der Name Ainu leitet sich in ihrer Muttersprache vom Wort f\u00fcr &#8222;Mensch&#8220; ab. Sie f\u00fchrten ein ruhiges Leben in enger Verbindung mit der Natur, geleitet vom Glauben, dass alles Nat\u00fcrliche \u2013 Menschen, Flora und Fauna, sogar die Elemente \u2013 einen g\u00f6ttlichen Geist besitzt.<\/p>\n<p>Es gibt in der Ainu-Kultur Zeremonien und Rituale zu Ehren jeder Gottheit. Musik ist dabei \u00a0von entscheidender Bedeutung. Die Ainu haben Lieder f\u00fcr die Arbeit, zum Spielen, zum Erz\u00e4hlen von Geschichten und zum Schlichten von Streitigkeiten. Tats\u00e4chlich ist sie so tief in der Lebensweise der Ainu verwurzelt, dass ihre allgemeinen Beschreibungen von Kl\u00e4ngen das &#8222;Musikalische&#8220; ohne besondere Unterscheidung das &#8222;Nicht-Musikalische&#8220; einschlie\u00dfen. Der Begriff &#8222;haw&#8220; (Stimme) umfasst neben dem Klang von Instrumenten auch Laut\u00e4u\u00dferungen von Menschen und Tieren, und &#8222;hum&#8220; (Klang oder Gef\u00fchl) kann sich auf den perkussiven Klang von Trommeln oder das Tosen eines rei\u00dfenden Flusses beziehen. F\u00fcr die Ainu ist Musik so nat\u00fcrlich wie das Atmen.<\/p>\n<h4>Ihre Sprache und Kultur wurde verboten<\/h4>\n<p>Ab Mitte des 19. Jahrhunderts w\u00e4hrend der Meiji-Zeit (1868 \u2013 1912) wurden sie von Japan kolonisiert, umgesiedelt und ausgebeutet. Die Ainu wurden gezwungen, japanische Staatsb\u00fcrger zu werden, und der Gebrauch ihrer Sprache wurde ebenso verboten wie ihre kulturellen Praktiken. Erst nach Mitte des 20. Jahrhunderts besannen sie sich immer mehr auf ihre Traditionen. Ein Gesetz von 1899, das ihnen ihre Rechte entzog, wurde erst 1996 offiziell aufgehoben, obwohl Teile davon im Laufe der Zeit durch unerm\u00fcdliches Engagement gestrichen wurden.<\/p>\n<p>Die Ainu haben sich als widerstandsf\u00e4hig erwiesen. Die \u00c4ltesten haben standhaft an ihrem Wissen festgehalten und es durch m\u00fcndliche \u00dcberlieferung weitergegeben. Dies war der Anfang einer Revitalisierungsbewegung, die 2008 zur ihrer Anerkennung als indigene Gruppe und 2019 zu ihrer offiziellen Anerkennung als Minderheit mit eigenen Rechten in Japan f\u00fchrte. Seit dem haben Archivierungsbem\u00fchungen und wissenschaftliche Dokumentationen von Universit\u00e4ten und Museen die Ainu Kultur einer breiteren \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglicher gemacht. Heute wird die Ainu-Bev\u00f6lkerung auf 20.000 bis 50.000 gesch\u00e4tzt und die Zahl der Menschen, die die Sprache flie\u00dfend sprechen, liegt wahrscheinlich bei wenigen Dutzend.<\/p>\n<h4>&#8222;M\u00f6we&#8220; und &#8222;Blume auf der INSEL-B\u00fchne<\/h4>\n<p>Kapiw und Apappo sind die Ainu-K\u00fcnstlernamen von zwei Schwestern. Kapiw bedeutet &#8222;M\u00f6we&#8220; und Apappo &#8222;Blume&#8220;. Sie lernten die Lieder ihres Volkes seit ihrer Kindheit im Ainu Seedorf Kotan von ihrer Gro\u00dfmutter. Sie singen Upopo \u2013 Alltagslieder, die kurz und zumeist einfach strukturiert sind und sich um jeweils eine Aktivit\u00e4t drehen: ein Spiel oder eine Arbeit. Manchmal wird das Singen selbst zum Spiel, wie bei den Rekuhkara-Wettbewerben, wo der Ainu-Kehlgesang von Frauen praktiziert wird. Arbeitslieder sind rhythmisch, mit Texten und Melodien, die auf der Arbeit basieren, mit der sie gesungen werden. Doch selbst solche Alltagslieder haben zumeist mehr spirituelle, denn weltliche Bedeutungen.<\/p>\n<p>Bei Kapiw &amp; Apappo sind diese fast vergessenen Lieder oft meditativ, werden jedoch auch von der Harfenlaute Tonkori und den Maultrommeln Mukkuri begleitet. Kar Upopo (Lied zur Sake-Herstellung) und Iyuta Upopo (das Stampflied) werden gesungen, um b\u00f6se Geister abzuwehren. Manch kurzes Alltagslieder ist auch eine Art Gebetslied, das vor dem Essen oder nach einem Angelausflug gesungen wurde, um um Gl\u00fcck bei der Jagd zu bitten.<\/p>\n<p>Kapiw &amp; Apappo begannen 2012 mit regelm\u00e4ssigen Auftritten, die sie zwischenzeitlich auf Festivals in ganz Japan f\u00fchrten. Beide sind Expertinnen f\u00fcr zeitgen\u00f6ssische Ainu-Musik im traditionellen Stil und S\u00e4ngerinnen, jedoch keine Aktivistinnen. Die Sch\u00f6nheit ihrer Stimmen, der Klang ihrer Instrumente sind erf\u00fcllt von der Seele, die sie von ihren Vorfahren geerbt haben. 2016 wurde der Dokumentarfilm &#8222;Kapiw and Apappo &#8211; A Tale of Ainu Sisters&#8220; (112 Min. von Takayuki Sato) \u00fcber die beiden Schwestern und ihre musikalische Arbeit gedreht, der tiefe Einblicke in diese wenig bekannte Kultur und Musik erm\u00f6glicht. Ebenfalls 2016 erschien ihre CD &#8222;Paykar&#8220; mit traditionellen Ainu Liedern. Nun kommen die beiden Schwestern erstmalig nach Europa.<\/p>\n<p>Emi Toko \u2013 Mukkuri, Gesang<\/p>\n<p>Fukiko Goukon \u2013 Tonkori, Mukkuri, Gesang<\/p>\n<p><b>Termin:\u00a0<\/b><b><\/b><\/p>\n<p><b>Klangkosmos NRW &#8211; Ainu Ges\u00e4nge\u00a0<\/b><b><\/b><\/p>\n<h4>Kapiw &amp; Apappo (Japan)<\/h4>\n<p><b>Schwebeklang auf der INSEL<\/b><b><\/b><\/p>\n<p>Donnerstag &#8211; 26. Februar 2026 &#8211; 19:30 Uhr (Einlass: 19 Uhr)<\/p>\n<p>Kulturzentrum INSEL &#8211; Wiesenstr. 6 &#8211; 42105 Wuppertal<\/p>\n<p>Eintritt: 13\/5 (VVK) und 15\/5 (AK)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.insel.news\/schwebeklang\/category\/kapiw-apappo-japan\">www.insel.news\/schwebeklang\/category\/kapiw-apappo-japan<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.klangkosmos-nrw.de\/\">www.klangkosmos-nrw.de<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.kapiapa.bandcamp.com\/album\/paykar\">www.kapiapa.bandcamp.com\/album\/paykar<\/a><\/p>\n<\/div>\n<div><\/div>\n<div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Musik ist in der Kultur der Ainu so etwas wie ein Lebenselixier!\u00a0Die Ainu sind indigene Bewohner Nordjapans, die urspr\u00fcnglich als J\u00e4ger-Sammler-Gemeinschaften \u00fcberwiegend im Nordosten Japans auf den Inseln Hokkaido (ehemals &#8222;Ezo&#8220; genannt), auf Sachalin und den Kurilen lebten. Sie haben sich vermutlich irgendwann im 12. oder 13. Jahrhundert dort niedergelassen.  Die Schwestern Kapiw &#038; Apappo pr\u00e4sentieren ihre Ainu-Musik am Donnerstag (16.02.) auf der INSEL.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[29],"tags":[],"class_list":["post-90082","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kultur"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-04-20 11:58:38","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/90082","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=90082"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/90082\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":90091,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/90082\/revisions\/90091"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=90082"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=90082"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=90082"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}