{"id":89650,"date":"2026-02-03T00:31:47","date_gmt":"2026-02-02T23:31:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=89650"},"modified":"2026-02-08T10:43:30","modified_gmt":"2026-02-08T09:43:30","slug":"kunstwerk-eulenblick-als-gegenpol-zu-brekers-pallas-athene","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2026\/02\/03\/kunstwerk-eulenblick-als-gegenpol-zu-brekers-pallas-athene\/","title":{"rendered":"&#8218;Eulenblick&#8216;: Gegenpol zu Brekers &#8218;Pallas Athene&#8216;"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_89653\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1934px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-89653 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/1073.jpeg\" alt=\"\" width=\"1924\" height=\"1152\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Die imposante Skulptur &#8222;Eulensicht&#8220; der \u00f6sterreichischen K\u00fcnstlerin Azra Ak\u0161amija vor dem Wilhelm-D\u00f6rpfeld-Gymnasium &#8211; \u00a9 Ralf Silberkuhl<\/span><\/div>\n<p>Sie Skulptur lenkt den Blick auf Arno Brekers Bronzeplastik \u201ePallas Athene\u201c und macht so die \u201eSchattengeschichten\u201c im Zusammenhang mit dem problematischen Erbe des K\u00fcnstlers sichtbar. Beim Benutzen des Fernglases nehmen die Betrachtenden die Sicht der Eule ein und somit symbolisch die Weisheit der Eule an.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Der Wuppertaler K\u00fcnstler Arno Breker (1900\u20131991) war als typischer Vertreter des heroisierenden Neoklassizismus in exponierter Weise mit dem nationalsozialistischen Regime verkn\u00fcpft: Staatsbildhauer, \u201eGottbegnadeter\u201c und Lieblingsbildhauer Adolf Hitlers, einer der wichtigsten und stilbildenden Repr\u00e4sentanten nationalsozialistischer Kunstanschauung.<\/p>\n<p>Breker erf\u00fcllte z.B. durch seine Monumentalskulpturen f\u00fcr das Olympiastadion 1936 und die Neue Reichskanzlei 1938 und vor allem durch seine Pr\u00e4senz in der Massenpublizistik die Propagandafunktion, f\u00fcr die sein Name bis heute steht. Nach 1945 erhielt der gut vernetzte Breker, der im Entnazifizierungsverfahren als \u201eMitl\u00e4ufer\u201c eingestuft wurde, weiterhin zahlreiche Auftr\u00e4ge aus \u00f6ffentlicher wie privater Hand.<\/p>\n<p>1957 wurde Bronzeplastik \u201ePallas Athene\u201c von Arno Breker am Eingang zum Schulgel\u00e4nde des Wilhelm-D\u00f6rpfeld-Gymnasiums in Wuppertal-Elberfeld aufgestellt. Durch die Ferngl\u00e4ser des Kunstwerks \u201eEulensicht\u201c sieht man Brekers \u201ePallas Athene\u201c, umrahmt von einer schablonenhaften Silhouette der Pallas Athene, die die Aneignung der griechischen G\u00f6ttin durch die Nationalsozialisten darstellt.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_89655\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 2570px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-89655 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/1623-scaled.jpeg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1707\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Wuppertals Kulturdezernent Mathias Nocke bei der Einweihung des Kunstwerks &#8211; \u00a9 Ralf Silberkuhl<\/span><\/div>\n<p>Die Vorgeschichte des Kunstwerks \u201ePallas Athene\u201c vor dem Wilhelm-D\u00f6rpfeld-Gymnasium: Der Architekt Friedrich Hetzelt, der ab 1953 Beigeordneter in Wuppertal war, hatte unter anderem das neue Stadtbad (Schwimmoper) entworfen und war st\u00e4ndiges Mitglied der Kunstkommission. Da er w\u00e4hrend der NS-Zeit von Arno Brekers Freund Albert Speer in die Planungen zur Neugestaltung der Reichshauptstadt einbezogen worden war, bestanden alte Verbindungen zum umstrittenen K\u00fcnstler.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>So wurde Arno Breker 1954 auch in Wuppertal zu einem beschr\u00e4nkten Wettbewerb f\u00fcr ein Kunstwerk f\u00fcr den Neubau des Wilhelm-D\u00f6rpfeld-Gymnasium eingeladen. Bei diesem<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>ging sein Entwurf einer an das humanistische, altsprachlich orientierte Gymnasium angepassten Pallas Athene in modernem Stil als Siegerkonzept hervor. Pallas Athene ist eine G\u00f6ttin der griechischen Mythologie. Sie ist die G\u00f6ttin der Weisheit, der Kampfstrategie, des Handwerks und der Kunst. Zudem ist sie die Schutzg\u00f6ttin von Athen. Neben Arno Breker rhatten zwei weitere Wuppertaler K\u00fcnstler Konzepte eingereicht: Hans Rompel (1910\u20131981) und Fritz Bernuth (1904\u20131979).<\/p>\n<p>Die Silhouette der \u201ePallas Athene\u201c war erstmals 1933 auf einer Plakette zum Reichsparteitag erschienen. 1937 wurde das nahezu identische Motiv als Titelblatt des Katalogs zur \u201eGro\u00dfen Deutschen Kunstausstellung\u201c in M\u00fcnchen verwendet. Dieser Athene-Kopf, erg\u00e4nzt um eine Fackel und einen Reichsadler mit dem Hakenkreuz in den F\u00e4ngen, wurde schlie\u00dflich 1938 als st\u00e4ndiges Titelblatt der Zeitschrift \u201eDie Kunst im Deutschen Reich\u201c verwendet und avancierte damit gleichsam zum Logo einer im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie \u201edeutschen\u201c Kunst.<\/p>\n<p>Am Kunstwerk des \u201eHitler-G\u00fcnstlings\u201c erhitzen sich viele Jahre lang die Gem\u00fcter. 2003 wurde die \u201ePallas Athene\u201c im Jahr 2003 aus Protest von ihrem Sockel gesto\u00dfen. Seither wurde in der Wuppertaler Politik und in der Gesellschaft hei\u00df und kontrovers dar\u00fcber diskutiert, ob das umstrittene Werk Arno Brekers am bisherigen Standort verbleiben soll<\/p>\n<div id=\"attachment_89658\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 2058px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-89658 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/1048.jpg\" alt=\"\" width=\"2048\" height=\"1152\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Die &#8222;Eulensicht&#8220; hat Arno Brekers Skulptur &#8222;Pallas Athene&#8220; voll im Blick &#8211; \u00a9 Ralf Silberkuhl<\/span><\/div>\n<p>Im Dezember 2019 gipfelte die Auseinandersetzung in einer \u00f6ffentlichen Podiumsdiskussion, in der es um die Frage ging: \u201eSoll ein Breker vor einer Schule stehen?\u201c. Es wurde dar\u00fcber diskutiert, ob man das Kunstwerk mit moderner Formensprache vom belasteten K\u00fcnstler trennen kann, inwiefern die Pallas Athene an dem Standort noch f\u00fcr nationalsozialistisches Gedankengut steht und wie es um die k\u00fcnstlerische Qualit\u00e4t der Plastik steht. Teilnehmer der Diskussionsrunde waren u.a Isabel Pfeiffer-Poensgen, ehemalige NRW-Ministerin f\u00fcr Kunst und Wissenschaft, Brigitte Franzen, ehemals Vorstandsvorsitzende der Irene und Peter Ludwig-Stiftung, Dr. Felix Kr\u00e4mer, Direktor des Museums Kunstpalast, Matthias Nocke, Kulturdezernent der Stadt Wuppertal, sowie der Geschichtslehrer Martin Schulte und zwei Sch\u00fclerinnen des Gymnasiums.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Die Mehrheit lehnte den Abri\u00df der Skulptur ab, was auch aus denkmalschutzrechtlicher Sicht kaum realisierbar gewesen w\u00e4re. Stattdessen wurde beschlossen, einen Wettbewerb f\u00fcr einen k\u00fcnstlerischen Kommentar aus zeitgen\u00f6ssischer Sicht auszuschreiben.<\/p>\n<p>Ziel des Wettbewerbs war es, f\u00fcr den Standort einen signifikanten k\u00fcnstlerischen Beitrag zu entwerfen, der zur kritischen Auseinandersetzung mit der \u201ePallas Athene\u201c beitragen und dem Ort im Zusammenwirken mit der baulichen Situation einen unverwechselbaren Ausdruck verleihen sollte. In dem zweiphasigen Verfahren hat eine Fachjury dann das Konzept der bosnisch-\u00f6sterreichischen K\u00fcnstlerin und Architektin Azra Ak\u0161amija ausgew\u00e4hlt.<\/p>\n<div id=\"attachment_89657\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 2570px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-89657 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/1680-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1707\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Claudia Schweizer-Motte, Schulleiterin des Wilhelm-D\u00f6rpfeld-Gymnasiums bei der Einweihung-Zeremonie &#8211; \u00a9 Ralf Silberkuhl<\/span><\/div>\n<p>Azra Ak\u0161amija (*1976) macht nach eigener Aussage Kunst f\u00fcr eine entfremdete Welt. Ihre Kunst ist stets interaktiv und verwandelt passive Zuschauer in aktive Teilnehmer. Sie l\u00e4dt dazu ein, sich mit den sozialen, politischen und \u00f6kologischen Themen auseinanderzusetzen. So ist auch ihr Werk \u201eEulensicht\u201c \u201eeine interaktive Skulptur, die die komplexe historische Symbolik der Pallas Athene untersucht und der Sch\u00fclerschaft zug\u00e4nglich macht&#8220;, so steht es im Konzept der K\u00fcnstlerin.<\/p>\n<p>Zum Werk geh\u00f6rt auch eine landschaftliche Umgestaltung. Die Eulen-Skulptur wird ebenerdig auf dem erh\u00f6ht gelegenen Schulgel\u00e4nde stehen und von der Stra\u00dfe aus \u00fcber eine Treppenarchitektur begehbar sein. Angelehnt an Wilhelm D\u00f6rpfelds bedeutende Rolle in der Arch\u00e4ologie, sollen die mit Stein in verschiedenen Farbnuancen verkleideten Stufen an sedimentierte Bodenschichten erinnern.<\/p>\n<p>Bei Nacht kommt eine weitere Dimension hinzu: Die Pallas Athene wird angeleuchtet, sodass die Figur einen monumentalen Schatten auf die gegen\u00fcberliegende Wand wirft. Man wird an die Skulpturen erinnert, die Arno Breker f\u00fcr die Propagandabauten des nationalsozialistischen Regimes errichtet hat. Das mahnende Moment wird unterst\u00fctzt durch folgendes Zitat des Philosophen George Santayana (1863\u20131953): \u201eWer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt sie zu wiederholen.\u201c Es wird mit fluoreszierender Farbe auf die Wand aufgebracht, sodass es nur sichtbar sein wird, wenn Licht darauf f\u00e4llt.<\/p>\n<p>Die \u201eEulensicht\u201c, ein Kunstwerk, das einen ganz besonderen, individuellen und kritischen Blick auf Arno Brekers umstrittene \u201ePallas Athene\u201c wirft. Eine Bereicherung<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>der Kunst-Szene Wuppertals.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<strong> (<\/strong><\/span><strong>vom)<\/strong><\/p>\n<p><strong>Link zur Webseite des Von der Heydt-Museums:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.von-der-heydt-museum.de\">http:\/\/www.von-der-heydt-museum.de<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Kunstwerk \u201eEulensicht\u201c der \u00f6sterreichischen K\u00fcnstlerin Azra Ak\u0161amija ist am Wilhelm-D\u00f6rpfeld-Gymnasium von Kulturdezernent Matthias Nocke eingeweiht worden. Die s\u00e4ulenf\u00f6rmige Eulen-Skulptur, die einem\u00a0m\u00fcnzbetriebenen Fernrohr \u00e4hnelt, l\u00e4sst sich durch eine Mechanik auf die jeweilige Augenh\u00f6he einer Person anpassen. \u00a0<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[29],"tags":[],"class_list":["post-89650","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kultur"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-17 01:52:56","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/89650","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=89650"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/89650\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":89664,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/89650\/revisions\/89664"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=89650"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=89650"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=89650"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}