{"id":89018,"date":"2026-01-31T11:38:00","date_gmt":"2026-01-31T10:38:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=89018"},"modified":"2026-02-09T15:16:05","modified_gmt":"2026-02-09T14:16:05","slug":"ingo-appelt-auf-dem-weg-zum-johannes-heesters-der-comedy","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2026\/01\/31\/ingo-appelt-auf-dem-weg-zum-johannes-heesters-der-comedy\/","title":{"rendered":"Ingo Appelt auf dem Weg zum &#8218;Johannes Heesters der Comedy&#8216;"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_89044\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1210px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-89044 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/ia_presse_lf_190519_ingoappelt_5258ret2-1200x801-2.jpeg\" alt=\"\" width=\"1200\" height=\"801\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Ingo Appelt, der &#8222;Vorschlaghammer&#8220; der Comedy-Szene ist mit seinem neuen Programm &#8222;M\u00e4nner nerven stark&#8220; unterwegs &#8211; \u00a9 Leslie Barabasch<\/span><\/div>\n<p>36 Jahre ist er inzwischen mit seiner explosiven Mischung aus Comedy und Kabarett auf den gro\u00dfen B\u00fchnen und im Fernsehen \u00fcberaus erfolgreich unterwegs. Sein Ziel: Er will der &#8222;Johannes Heesters der Comedy&#8220; werden. Zur Erinnerung: Der bekannte Schauspieler und Entertainer (*05.12.1903 \u00a0&#8211; \u202024.12.2011) stand im biblischen Alter von 107 Jahren noch auf der B\u00fchne. Auf seinem langen Weg dahin macht Comedian Ingo Appelt am Freitag (06. Februar 2026) Station in Wuppertal. Pr\u00e4sentiert von der Event-Agentur &#8222;Salon Knallenfalls&#8220; tritt er um 20:00 Uhr mit seinem neuen Programm &#8222;M\u00e4nner nerven stark!&#8220; im Kulturzentrum Immanuel (Sternstr. 73) auf. Tickets gibt es unter <a href=\"http:\/\/www.wuppertal-live.de\">http:\/\/www.wuppertal-live.de<\/a><\/p>\n<p>Wir haben uns im Rahmen unserer Interview-Reihe &#8222;Hand aufs Herz&#8220; mit dem Dauergast beliebter Comedy-TV-Shows wie &#8222;Nuhr im Ersten&#8220;, &#8222;Quatsch Comedy Club&#8220;, &#8222;Nightwash&#8220; oder &#8222;Mario Barth kl\u00e4rt auf&#8220; ausgiebig unterhalten.<\/p>\n<p><b>DS: Sie sind ein Kind des Ruhrgebiets und haben eine Ausbildung als <\/b><b><\/b><b>Maschinenschlosser absolviert &#8211; also einen vern\u00fcnftigen Beruf erlernt &#8211; wie es so<\/b> <b>sch\u00f6n hei\u00dft. Ist das der Grund, warum Sie trotz Ihres Erfolges mit beiden Beinen aufdem Boden geblieben sind?<\/b><\/p>\n<p>Ingo Appelt: \u201eDas wird so sein. Als Maschinenschlosser hat man mit harten Werkstoffen zu tun. Man tr\u00e4gt Sicherheitsschuhe und arbeitet k\u00f6rperlich. Meine S\u00f6hne k\u00f6nnen sich so ein Arbeiterleben gar nicht vorstellen. Arbeiten gehen gilt in der jungen Genration heute oft als Schimpfwort. K\u00f6rperliche Arbeit ist etwas, was nur noch die Loser machen. Erfolgreiche Menschen sind Influencer, Pop-Stars oder Gangsta-Rapper. Aber im Handwerk oder in der Pflege zu arbeiten, wo man noch richtig anpacken muss, das geht gar nicht mehr. Fr\u00fcher waren die Leute noch stolz auf ihre Arbeit, sie haben etwas geschaffen, das Land aufgebaut. Das hat sich total gewandelt.\u201c<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-89021\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bild.jpeg\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"66\" \/><\/p>\n<p><b>DS: Gab es f\u00fcr Sie so etwas wie ein Vorbild als Comedian und Kabarettist?<\/b><\/p>\n<p>Ingo Appelt: \u201eEigentlich waren alle gro\u00dfen Comedians und Kabarettisten meine Vorbilder: Mike Kr\u00fcger, Otto Waalkes, Rudi Carrell, Dieter Hildebrandt, Thomas Freitag als Parodist. Ich selbst mache eigentlich alles: Politisches Kabarett, kann aber auch total unter der G\u00fcrtellinie gehen. Ich habe die Gabe, geistreich zu sein und Prominente zu parodieren. Das ist augenscheinlich eine ganz gute Mischung.\u201c<\/p>\n<p><b>DS: Sie polarisieren in der deutschen Comedy-Szene, weil Sie sich in Ihren <\/b><b><\/b><b>Programmen h\u00e4ufig unter der G\u00fcrtellinie bewegen. Wollen Sie ganz bewusst nicht<\/b> <b>\u201aEverybodys Darling\u2018 sein?<\/b><\/p>\n<p>Ingo Appelt: \u201eEs stimmt schon: Ich will nicht unbedingt \u201aEverybodys Darling\u2018 sein, obwohl ich es bei meinen B\u00fchnen-Shows am Ende doch irgendwie bin, weil die Leute lachen und ihren Spa\u00df haben. Wenn ich irgendwo engagiert oder auf Tour bin, frage ich vorher immer, wie weit ich in meinem Programm gehen darf: \u201aWollt Ihr es politisch korrekt oder soll ich richtig auf die Kacke hauen?\u2018 Dann entscheiden sich die Leute regelm\u00e4ssig einstimmig f\u00fcr die h\u00e4rtere Variante. Auf der B\u00fchne ist das wie im Swinger-Club, alles kann \u2013 nichts muss. Und die Kinder sind dann ohnehin nicht dabei.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_89041\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1027px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-89041 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/image003.jpeg\" alt=\"\" width=\"1017\" height=\"679\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Nimmt auf der B\u00fchne nie ein Blatt vor den Mund: Comedian und Kabarettist Ingo Appelt &#8211; \u00a9 Sven Kosakowski<\/span><\/div>\n<p><b>DS: Sie haben das vulg\u00e4re Wort \u201eF\u2026..\u201c, bei dem die meisten Frauen versch\u00e4mt zur<\/b> <b>Seite schauen und M\u00e4nner eine heimliche Freude versp\u00fcren, salonf\u00e4hig gemacht.<\/b> <b>Reine Provokation?<\/b><\/p>\n<p>Ingo Appelt (lacht): \u201eJa, das ist quasi meine Erfindung! Ich war damals 23 Jahre als und ein kleiner Testosteron gesteuerter Idiot. Damals hatte ich im Fernsehen gesehen, dass eine lesbische Aktivistin in der \u201eNDR 3 Talkshow\u201c ein Schild hochhielt, auf dem gro\u00df \u201eF\u2026..\u201c stand. Das hat mich beeindruckt. Mein Kollege Hans-Werner Olm hat das b\u00f6se Wort dann wenig sp\u00e4ter w\u00e4hrend einer Show als \u201eProvokation der Woche\u201c wiederholt. Und ich fand das damals total lustig und beschloss: \u201aDas machst Du jetzt auch\u2018. Es war f\u00fcr mich so eine Art Schlachtruf wie f\u00fcr den Showmaster Hans Rosenthal das ber\u00fchmte \u201aDalli Dalli\u2018.\u201c<\/p>\n<p><b>DS: Zigeuner und Indianer darf man nicht mehr sagen, Mohrenkopf schon gar nicht.<\/b> <b>Ihr Kollege Vince Ebert beendet jetzt sogar seine Karriere, weil er nicht mehr wei\u00df,<\/b> <b>was er sagen darf und was nicht. Spielen Political Correctness und Wokeness<\/b> <b>heutzutage in der Gesellschaft inzwischen nicht eine \u00fcberm\u00e4chtige Rolle?<\/b><b><\/b><\/p>\n<p>Appelt: \u201eDas stimmt schon. Im Fernsehen ist alles viel braver und \u00e4ngstlicher geworden. Da steht dann ein Redakteur und sagt: \u201aOh, das k\u00f6nnen wir aber nicht machen\u2018. Im \u00f6ffentlichen Raum dreht sich inzwischen sehr viel um Jugendschutz, Minderheitenschutz, um den Schutz von Frauen und Trans-Menschen. Die<\/p>\n<p>Comedy-Show \u201eSamstagnacht\u201c wurde damals live ausgestrahlt, da konnte man sagen, was man wollte. Kein Redakteur hatte da noch die M\u00f6glichkeit, einzugreifen oder Szenen nachtr\u00e4glich heraus zu schneiden. Heute undenkbar. Zum Gl\u00fcck gibt es noch einige Ausnahmen, Shows, in denen man kein Blatt vor den Mund nehmen muss, beispielsweise bei \u201aMario Barth deckt auf\u2018, \u201aDie besten Comedians Deutschlands\u2019, \u201eNuhr im Ersten\u201c oder in Michael Mittermeiers \u201aPunch Club\u2018.\u201c<\/p>\n<p><b>DS: Eigentlich gelten Sie als gro\u00dfer Macho, in Ihren B\u00fchnen-Programmen <\/b><b><\/b><b>schmeicheln Sie sich aber oft bei den Frauen ein, schildern M\u00e4nner als <\/b><b><\/b><b>hormongetriebene Wesen, die nichts anderes als Sex im Kopf haben. Konnten Sie als<\/b> <b>\u201aFrauenversteher\u2018 Ihre Akzeptanz beim weiblichen Geschlecht im Publikum sp\u00fcrbar<\/b> <b>erh\u00f6hen?<\/b><\/p>\n<p>Ingo Appelt: \u201eDas funktioniert schon ganz gut. Frauen sind halt die Entscheiderinnen. Sie bestimmen in der Regel, was abends passiert. Wenn sie sagen: \u201aZu Ingo Appelt gehe ich nicht\u2018, dann kommen auch die M\u00e4nner nicht. Es gibt nur einige wenige M\u00e4nnergruppen, so echte Hardcore-Fans, die in meine Shows kommen. P\u00e4rchen sind ganz klar in der \u00dcberzahl. Und dann muss ich nat\u00fcrlich in erster Linie die Frauen ansprechen. Den vermeintlich beleidigten M\u00e4nnern gefallen mein Spr\u00fcche und Sketsche am Ende auch, sie wissen doch genau, dass alles ironisch gemeint ist. Ich bin so etwas wie die m\u00e4nnliche Esther Vilar, die das Buch \u201eDer dressierte Mann\u201c geschrieben hat und sich darin bitterb\u00f6se \u00fcber Frauen ausgelassen hat. Es ist sicherlich angemessener und Erfolg versprechender, wenn man als Mann \u00fcber M\u00e4nner herzieht und als Frau \u00fcber Frauen.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_89050\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 541px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-89050 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Bild-1-1.jpg\" alt=\"\" width=\"531\" height=\"797\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Comedy-Star Ingo Appelt mit seiner typischen Frisur &#8211; \u00a9 Tomy Badurina<\/span><\/div>\n<p><b>DS: Sie gehen nicht gerade zimperlich mit Promis um, nennen Rock-Star Udo <\/b><b><\/b><b>Lindenberg scheintot, Gufti oder Mumie, Film-Star-Til Schweiger stellen Sie als <\/b><b><\/b><b>Weichei dar. Und auch Angela Merkel kommt nicht gerade gut bei Ihnen weg. Aber<\/b> <b>irgendwie bewegen Sie sich in den gleichen Kreisen und treffen diese Leute bei<\/b> <b>gesellschaftlichen Ereignissen wieder. Wie reagieren diese dann?<\/b><\/p>\n<p>Ingo Appelt: \u201eIch schildere auf der B\u00fchne ja eigentlich nur, wie ich den betreffenden Promi bei pers\u00f6nlichen Treffen wahrgenommen und erlebt habe. Ich zeige nicht aus der Ferne mit dem Finger auf sie. Udo kommt damit gut klar, der hat sowieso die ganze Parodisten am Hals, der ist schmerzfrei. \u00dcbrigens sind die meisten da v\u00f6llig tolerant. Die Einzigen, die einmal gemeckert haben, waren Herbert Gr\u00f6nemeyer und Peter Maffay. Die fanden meine Parodien wohl nicht so lustig.\u201c<\/p>\n<p><b>DS: Sie sind seit langem SPD-Mitglied, aber gerade die Genossen bekommen von <\/b><b><\/b><b>Ihnen immer wieder die volle Breitseite. Haben Sie kein Angst vor einem Partei- <\/b><b><\/b><b>Ausschlussverfahren?<\/b><\/p>\n<p>Ingo Appelt: \u201eNee, habe ich wirklich nicht! ich glaube sogar, die sind sogar ganz froh, dass sie mich noch in ihren Reihen haben. Ich habe doch bei der letzten Bundestagswahl Wahlkampf f\u00fcr sie gemacht. Bei einer Veranstaltung in Hamburg stand ich gemeinsam mit Olaf Scholz und Kevin K\u00fchnert auf der B\u00fchne und habe den Witz gemacht: \u201aWenn Olaf Scholz \u00fcber Wasser laufen k\u00f6nnte, w\u00fcrden die Leute doch sagen: \u201aAch, schwimmen kann der auch nicht.\u2018 Die Zuh\u00f6rer haben sich totgelacht und Olaf Scholz neben mir auch. Ich rede den Genossen aber nicht nach dem Mund. Wenn sich Lars Klingbeil hinstellt und sagt: \u201a Die SPD ist keine Arbeiterpartei mehr\u2018, entgegne ich: \u201aSch\u00f6n, dass Du das auch einmal merkst.Das sage ich seit 40 Jahren\u2019. Die Folge: Inzwischen w\u00e4hlen 40 Prozent der Arbeiter die AfD &#8211; und das, weil die SPD viel zu akademisch geworden ist.\u201c<\/p>\n<p><b>DS: Viele Ihrer Kollegen halten das Thema Politik ganz bewusst aus ihren <\/b><b><\/b><b>Programmen heraus &#8211; vielleicht, weil sie nicht anecken und niemand vergraulen<\/b> <b>wollen. Sie beziehen dagegen z.B bei \u201eNuhr im Ersten\u201c immer klar Stellung. Sind Sie<\/b> <b>doch ein verkappter Kabarettist?<\/b><\/p>\n<p>Ingo Appelt: \u201eDie Grenzen zwischen Comedy und Kabarett sind doch ohnehin flie\u00dfend. Ich habe 1992 als Kabarettist angefangen. Mitte der 90er hie\u00df es dann auf einmal Comedian oder Komiker. Was Dieter Nuhr und ich machen, sehe ich als politische Comedy. Es wird ja immer gesagt, das eine ist Kabarett und das ist ernsthaft, das andere ist Comedy und das ist doof. Kabarett-Kollege Richard Rogler hat das einmal so krass formuliert: \u201aComedy ist Kabarett, nur schlecht\u2018. Wie schon gesagt: Die Grenzen zwischen Kabarett und Comedy sind l\u00e4ngst verwischt. Von den jungen Kollegen w\u00fcrde ich mir schon etwas mehr politisches Standing auf der B\u00fchne w\u00fcnschen.\u201c<\/p>\n<p><b>DS: Gibt es f\u00fcr Sie \u00fcberhaupt so etwas wie ein rote Linie, die Sie in Ihren Programmen<\/b> <b>auf keinen Fall \u00fcberschreiten. Wenn ja \u2013 wo liegt diesen?<\/b><\/p>\n<p>Ingo Appelt: \u201eEigentlich habe ich keine Rote Linie. In meinen Programmen lasse ich aber weitgehend das Thema Religion heraus. Es existiert mittlerweile &#8211; gerade auch durch das Internet &#8211; soviel Hass auf der Welt und leider auch in Deutschland. Da gibt es Leute, die wollen die Juden vertreiben und ein Kalifat errichten. Ich sehe meine Aufgabe in erster Linie darin, daf\u00fcr zu sorgen, dass die Leute lachen und gut unterhalten nach Hause gehen. So wie eine Frau, die nach der Show zu mir kam und sagt: \u201aAm Anfang hatte ich Bedenken, Ihre Show zu besuchen und am Ende habe ich Tr\u00e4nen gelacht\u2018. Und genau das will ich erreichen.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_89047\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1027px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-89047 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/image008.jpeg\" alt=\"\" width=\"1017\" height=\"573\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Comedy-Star Ingo Appelt auf der B\u00fchne im Rampenlicht &#8211; \u00a9 Sven Kosakowski<\/span><\/div>\n<p><b>DS: Wie entstehen eigentlich Ihre Programme. Sind Ihre Spr\u00fcche und Sketsche <\/b><b><\/b><b>Ergebnisse Ihrer eigenen Beobachtungen und Erfahrungen oder haben Sie &#8211; wie<\/b> <b>andere Comedians und Kabarettisten &#8211; daf\u00fcr ein Kreativ-Team, das f\u00fcr Sie schreibt?<\/b><\/p>\n<p>Ingo Appelt (lacht): \u201eEin Team, das f\u00fcr mich schreibt, h\u00e4tte ich gern, habe ich aber nicht. F\u00fcr ein Kabarett -Programm hatte ich vor vielen Jahren einmal einen Autoren. Aber das, was ich jetzt seit 36 Jahren auf der B\u00fchne erz\u00e4hle, dass stammt allein von mir. Ich habe auch nicht jedes Jahr ein neues Programm, mit dem ich dann auf Tour gehe. Ich \u00e4ndere alle drei bis vier Jahren den Titel und das Plakat und schaue dann, wie ich so durchkomme. Wenn ich einen Auftritt in der Show von Dieter Nuhr habe, brauche ich zwangsl\u00e4ufig f\u00fcr 10 Minuten ein aktuelles Thema. Und diese 10 Minuten baue ich dann jeweils als neues Element in mein B\u00fchnenprogramm ein. Ich bin da ganz spontan. Eigentlich ist es Comedy-Patchwork, was ich so mache.\u201c<\/p>\n<p><b>DS: Es gibt Kolleginnen und Kollegen, die ihr normales Ich hinter einer Kunstfigur<\/b> <b>verstecken, wie Cindy aus Marzahn, Paul Panzer oder auch Atze Schr\u00f6der. Sie treten<\/b> <b>seit Beginn an mit ihrem b\u00fcrgerlichen Namen auf, warum?<\/b><\/p>\n<p>Ingo Appelt: \u201eDas k\u00f6nnte ich gar nicht. Ich bin auf der B\u00fchne Ingo Appelt und das wird auch so bleiben. Ganz genau genommen ist Ingo Appelt im weitesten Sinne ja eigentlich auch eine Art Kunstfigur, denn so dramatisch, b\u00f6sartig und frech, wie auf der B\u00fchne, bin ich privat nat\u00fcrlich nicht. Wenn ich an der Supermarktkasse stehe, bin ich ganz h\u00f6flich. Es ist leider so: Ich bin auf der B\u00fchne der B\u00f6sewicht, aber im wahren Leben immer freundlich. Und dann gibt es die Leute, die in der \u00d6ffentlichkeit super sympathisch wahrgenommen werden, in Wirklichkeit aber im wahren Leben Drecks\u00e4cke sind und nerven.\u201c<\/p>\n<p><b>DS: W\u00fcrde Sie sich heute, wenn Sie noch einmal jung w\u00e4ren, noch einmal f\u00fcr diesen<\/b> <b>Beruf entscheiden?<\/b><\/p>\n<p>Ingo Appelt: \u201eEigentlich ja, weil es wirklich ein geiler Beruf ist. Aber ob ich den Job heute so machen k\u00f6nnte, wie ich ihn am Anfang gemacht habe, ist fraglich. Leute sprechen mich heute an und sagen: \u201aFr\u00fcher waren Sie viel frecher\u2018. Das stimmt auch, aber zum Gl\u00fcck nur, was das Fernsehen angeht. Da ist heute alles ziemlich glatt geb\u00fcgelt. Die Sender haben Angst, Zuschauer zu verlieren. Der Fernseh-Markt ist schwierig geworden, die Werbeeinnahmen brechen ein, die Produktionen werden immer billiger. Erschwerend hinzu kommen die ausufernde Political Correctness und und die Wokeness. Aber es gibt weltweit eine Gegenbewegung, von Leuten, die genervt sind auf den Tisch hauen und sagen, jetzt ist aber Schluss damit. Es gibt halt zwei Lager, auf der einen Seite ganz starke Wokeness, aber auf der anderen Seite M\u00e4nner, die dagegenhalten. Das ist am ehesten mein Thema: Deshalb heisst mein aktuelles Programm ja auch \u201aM\u00e4nner nerven stark\u2018.\u201c<\/p>\n<p><b>DS: Haben Sie sich eigentlich eine Deadline gesetzt, an der Sie sagen: Jetzt ist <\/b><b><\/b><b>Schluss, jetzt verlasse ich die B\u00fchne und gehe in Rente?<\/b><\/p>\n<p>Ingo Appelt: \u201eNein! Das kann ich mir auch gar nicht leisten. Daf\u00fcr habe ich zu teure Ex-Frauen und Kinder. Und meine Rentenanspr\u00fcche sind auch nicht allzu gro\u00df. Ich glaube, ich stehe mit 80 noch als \u201aJohannes Heesters der Comedy\u2019 auf der B\u00fchne und habe Riesenspa\u00df dabei!\u201c<\/p>\n<p><b>DS. Vielen Dank f\u00fcr das spannende, offene und informative Gespr\u00e4ch<\/b><b><\/b><\/p>\n<p><strong>Das Interview f\u00fchrte Peter Pionke<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_89039\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 350px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-89039 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/ia_mns_plakat-schwarz_a1_cmyk_schrift-vektorisiert_preview-1200x1694-4.jpeg\" alt=\"\" width=\"340\" height=\"379\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Das Plakat zum Programm &#8222;M\u00e4nner nerven stark&#8220; &#8211; \u00a9 Sch\u00f6nhauser Promotion<\/span><\/div>\n<h4>Die Vita von INGO APPELT<\/h4>\n<p>Ingo Appelt wurde am 20. April 1967 als Sohn von Inka und Wilhelm Appelt in Essen geboren. Seine Mutter trennte sich von Wilhelm Appelt und heiratete 1969 den Fu\u00dfball-Profi G\u00fcnter F\u00fcrhoff (*1947 &#8211; \u20202016), der in den Folgejahren sein Stiefvater war. G\u00fcnter \u201eNobby\u201c F\u00fcrhoff absolvierte in der Fu\u00dfball-Bundesliga 153 Spiele f\u00fcr Rot-Wei\u00df Essen. Als G\u00fcnter F\u00fcrhoff 1978 zum Zweitligisten FV 04 W\u00fcrzburg wechselte, zogen Inka Appell und Sohn Ingo mit in die unterfr\u00e4nkische Stadt. Hier lebte er bis zu seinem 26. Lebensjahr und absolvierte nach der Schule eine Ausbildung als Maschinenschlosser bei Siemens. Als Metallarbeiter engagierte sich Ingo Appelt in der Gewerkschaft IG Metall und stieg sp\u00e4ter bis zu deren hauptamtlichen Bildungsreferent in W\u00fcrzburg auf.<\/p>\n<p>Seinen ersten Auftritt als Nachwuchs-Kabarettist hatte er 1989 bei der Bundesjugendkonferenz der IG Metall. Seit 1993 steht Ingo Appelt als Profi-Komiker auf der B\u00fchne. Einem breiten Publikum wurde er als regelm\u00e4ssiger Gast von Comedy-Shows wie \u201eRTL Samstag Nacht\u201c, \u201eRTL Nachtshow\u201c, \u201eQuatsch Comedy Club\u201c, \u201eFreitag Nacht News\u201c (RTL), \u201eNightwash\u201c (WDR) und in neuerer Zeit bei \u201eNuhr im Ersten\u201c (ARD) und \u201eMario Barth deckt auf\u201c (RTL): Er selbst war auch als Moderator von Comedy-TV-Shows t\u00e4tig, u.a. f\u00fchrte er von 2014 bis 2024 durch die BR-Sendung \u201eKabarett aus Franken\u201c.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Ingo Appelt, der als Vertreter des \u201eschwarzen Humors\u201c gilt, schuf sich in der Comedy-Szene bundesweit einen Namen durch Parodien von Politikern wie Rudolf Scharping, Helmut Kohl, Gerhard Schr\u00f6der, Angela Merkel oder Show-Promis wie Michael Mittermeier, Til Schweiger, Herbert Gr\u00f6nemeyer, Peter Maffay und Udo Lindenberg.<span class=\"Apple-converted-space\"> \u00a0<\/span>Auch mit seinen eigenen B\u00fchnenprogrammen wie z.B. \u201eG\u00f6ttinnen\u201c, \u201eBesser\u2026 ist besser\u201c, \u201eDer Staats-Trainer\u201c und aktuell \u201eM\u00e4nner nerven stark\u201c war und ist er sehr erfolgreich unterwegs.<\/p>\n<p>In der ProSieben-M\u00e4rchenadaption von \u201eHans im Gl\u00fcck\u201c spielte Ingo Appelt eine der Hauptrollen an der Seite von Christian Ulmen, Nora Tschirner und Thomas Fritsch. In dem RTL-Film \u201eAfrican Race &#8211; Die verr\u00fcckte Jagd nach dem Marakunda\u201c (2008) war in einer Nebenrolle zu sehen.<\/p>\n<p>Ingo Appelt war Mitglied der Bundesversammlung, die am 18. M\u00e4rz 2012 Joachim Gauck zum deutschen Bundespr\u00e4sidenten w\u00e4hlte. Er selbst ist Mitglied der SPD.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Der Comedy-Star ist seit Juni 2016 mit Sonia Guha-Tharkurta verheiratet. Das Ja-Wort gaben sie sich im US-Spielerparadies Las Vegas. Ingo Appelt und Sonia leben in Berlin.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><strong>Link zur Webseite von Ingo Appelt:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.ingoappelt.de\">http:\/\/www.ingoappelt.de<\/a><\/p>\n<p><strong>Link zur Webseite von Sch\u00f6nhauser Promotion:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.schoenhauser-promotion.de\">http:\/\/www.schoenhauser-promotion.de<\/a><\/p>\n<p><strong>Link zur Webseite vom &#8222;Salon Knallenfalls&#8220;:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.salonknallenfalls.de\">http:\/\/www.salonknallenfalls.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Er ist der &#8222;Vorschlaghammer&#8220; der Comedy-Szene. Wenn er verbal zuschl\u00e4gt, bleibt kein Auge trocken. Nichts und niemand ist vor seinen spitzen Attacken sicher. Kein Promi, keine Politikerin, kein Politiker und erst recht nicht die SPD, die Partei, der er seit Jahrzehnten angeh\u00f6rt. Als gelernter Maschinenschlosser, der in der Ruhrmetropole Essen geboren wurde, wei\u00df Ingo Appelt (58), wie schwei\u00dftriefend k\u00f6rperliche Arbeit ist. Und er kennt die Sprache der Malocher: Offen, geradeaus und ohne Schn\u00f6rkel. <\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[32],"tags":[],"class_list":["post-89018","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-interviews"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-14 08:23:49","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/89018","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=89018"}],"version-history":[{"count":28,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/89018\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":89891,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/89018\/revisions\/89891"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=89018"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=89018"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=89018"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}