{"id":88576,"date":"2025-12-04T17:26:22","date_gmt":"2025-12-04T16:26:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=88576"},"modified":"2025-12-17T09:08:20","modified_gmt":"2025-12-17T08:08:20","slug":"10-jahre-literatur-reihe-les-rencontres-litteraires","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2025\/12\/04\/10-jahre-literatur-reihe-les-rencontres-litteraires\/","title":{"rendered":"10 Jahre Literatur-Reihe &#8222;Les Rencontres Litt\u00e9raires&#8220;"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_88623\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 860px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-88623 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/csm_Cravageot_45a8c2411e-1.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"560\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Marie Cravageot begleitet seit 10 Jahren die Literarische Begegnungen &#8222;Les Rencontres Litt\u00e9raires Romanistik&#8220; &#8211;\u00a0 \u00a9 Jan Wengenroth<\/span><\/div>\n<p><strong>Die Reihe \u201eRencontres Litt\u00e9raires\u201c &#8211; wie hat das denn damals alles angefangen?<\/strong><\/p>\n<p>Marie Cravageot: &#8222;Das Projekt hat mit der Einladung des Schriftstellers Jean-Philippe Toussaint durch Stephan Nowotnick begonnen, der die Studierenden der Romanistik traf. Schnell folgten weitere Einladungen in den folgenden Semestern, wodurch diese Veranstaltung f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich wurde und immer mehr Teilnehmende nicht nur von der Universit\u00e4t, sondern auch aus der Stadt Wuppertal und der Umgebung anzog. Das Ziel war von Anfang an, die M\u00f6glichkeit zum Austausch mit renommierten Schriftstellerinnen und Schriftstellern der franz\u00f6sischen Gegenwartsliteratur zu bieten.<\/p>\n<p>Der rote Faden dieser Veranstaltung war es, sich mit dem gesamten Werk und nicht nur mit einem einzigen Buch der G\u00e4ste zu befassen, um einige zentrale Merkmale ihres Schreibens zu erkennen. Und das ist \u00fcbrigens auch heute noch so! Das ist die einhellige R\u00fcckmeldung unserer G\u00e4ste, die sich freuen, dass unser Projekt ein anderes Format hat als die Veranstaltungen, die sie anl\u00e4sslich der Ver\u00f6ffentlichung eines Buches in Buchhandlungen besuchen. Die Diskussion, die wir \u00fcber mehrere B\u00fccher f\u00fchren, um das Schreiblabor eines Schriftstellers zu erkunden, ist in der Tat ein einzigartiges Konzept!&#8220;<\/p>\n<p><strong>Das Bemerkenswerte an dieser Reihe ist, dass die Studierenden mit namhaften Schriftsteller*innen der Gegenwartsliteratur auch pers\u00f6nlich in Kontakt kommen. Nach welchen Kriterien suchen Sie die G\u00e4ste denn aus?<\/strong><\/p>\n<p>Marie Cravageot: &#8222;Bei der Auswahl der G\u00e4ste spielen mehrere Kriterien eine Rolle. Das erste betrifft die Attraktivit\u00e4t f\u00fcr Romanistikstudierende. Da jedes literarische Treffen in ein Seminar eingebunden ist und die Studierenden zu diesem Anlass Pr\u00e4sentationen vorbereiten, ist es wichtig, dass die Texte dieser Autorinnen und Autoren zug\u00e4nglich, aber auch thematisch interessant sind. Das zweite Kriterium betrifft die Vielfalt der G\u00e4ste. Die zeitgen\u00f6ssische franz\u00f6sische Literatur ist reich an so vielen unterschiedlichen Talenten mit sehr unterschiedlichen Hintergr\u00fcnden, insbesondere, wenn man an den frankophonen Raum auf den f\u00fcnf Kontinenten denkt, dass es uns wichtig erscheint, dies auch in unseren Begegnungen widerzuspiegeln.<\/p>\n<div id=\"attachment_44822\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 440px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-44822\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Logo-Transfergeschichten.jpg\" alt=\"\" width=\"430\" height=\"138\" \/><span class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Bergische Universit\u00e4t<\/span><\/div>\n<p>Zudem ist es wichtig, dass unsere G\u00e4ste auch f\u00fcr ein breites Publikum au\u00dferhalb der Universit\u00e4t interessant sind. Aus diesem Grund laden wir Autor*innen ein, die mit gro\u00dfen Literaturpreisen ausgezeichnet wurden und bieten so die M\u00f6glichkeit, Autorinnen und Autoren zu treffen, die in der Presse bereits sehr pr\u00e4sent sind und die viele Frankophone und Frankophile aus Wuppertal und Umgebung bereits kennen. Ich muss zugeben, dass ich in den letzten Jahren nur sehr selten Absagen auf meine Einladungen erhalten habe, und jedes Mal waren es vor allem organisatorische Gr\u00fcnde mit einem Terminproblem. F\u00fcr mich ist es immer eine gro\u00dfe Freude, mit so vielen talentierten Autor*innen in Kontakt zu kommen.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Dieses Rendezvous mit zeitgen\u00f6ssischen Autorinnen und Autoren zieht mittlerweile auch interessierte B\u00fcrger*innen aus dem Tal an. <\/strong><strong>Wo finden denn die Begegnungen statt?<\/strong><\/p>\n<p>Marie Cravageot: &#8222;Die <em>Rencontres litt\u00e9raires<\/em> finden nach wie vor an der Universit\u00e4t statt, auf dem Campus Grifflenberg, in der Kirche an der Uni (Gau\u00dfstr. 4). Es handelt sich um einen sehr sch\u00f6nen Saal, der sich hervorragend f\u00fcr diesen Austausch eignet. Wir begr\u00fc\u00dfen dort nat\u00fcrlich unsere Studierenden und Kolleginnen und Kollegen der Universit\u00e4t, aber auch zahlreiche Teilnehmende unterschiedlichen Alters und mit unterschiedlichen Hintergr\u00fcnden, die aus Wuppertal kommen, aber auch aus der Umgebung, manchmal sogar aus weiter entfernten St\u00e4dten in Nordrhein-Westfalen. Die einmalige Gelegenheit, diese ber\u00fchmten Autorinnen und Autoren pers\u00f6nlich zu treffen, ist f\u00fcr viele ein Muss, vor allem, weil diese Veranstaltung auf Franz\u00f6sisch stattfindet. Tats\u00e4chlich gibt es manchmal auch andere Lesungen und Gespr\u00e4che mit franz\u00f6sischen Autorinnen und Autoren in der Region, in Buchhandlungen oder in franz\u00f6sischen Instituten. Diese finden immer mit deutschen \u00dcbersetzungen statt. Das ist auch sehr gut, aber in diesem Sinne ist unser Konzept aufgrund der Sprache einzigartig. Viele Menschen freuen sich dar\u00fcber, dass sie die Diskussionen ohne \u00dcbersetzung vertiefen k\u00f6nnen. Diese literarischen Begegnungen sind jedoch keineswegs akademisch, auch wenn sie an der Universit\u00e4t stattfinden. Das Ziel ist es, einen geselligen Moment des Austauschs \u00fcber zeitgen\u00f6ssische franz\u00f6sische Literatur zu bieten. Es herrscht immer eine sehr angenehme Atmosph\u00e4re.<\/p>\n<div id=\"attachment_88624\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 660px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-88624 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/csm_LP_Dalembert_23_Coul._S.Bassouls_1__00b498c4b2.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"753\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Louis-Philippe Dalembert &#8211; \u00a9 S. Bassouls<\/span><\/div>\n<p>Die Teilnehmer haben die M\u00f6glichkeit, B\u00fccher (auf Franz\u00f6sisch) des Autors zu kaufen und signieren zu lassen. Und nat\u00fcrlich gibt es zum Abschluss der Veranstaltung wieder unseren traditionellen Aperitif, der bei den Teilnehmern immer sehr beliebt ist! Es ist wichtig hinzuzuf\u00fcgen, dass jede <em>Rencontre<\/em> parallel online \u00fcber Zoom \u00fcbertragen wird. Im Laufe der Jahre haben wir viele treue Teilnehmende gewonnen, die unsere Veranstaltungen aus anderen St\u00e4dten Deutschlands, aber auch aus weit entfernten L\u00e4ndern wie Kanada, der Elfenbeink\u00fcste usw. verfolgen. Wir haben mittlerweile Anmeldungen aus 15 verschiedenen L\u00e4ndern und jedes Mal sind alle Augen auf Wuppertal gerichtet! Es ist interessant zu sehen, dass dieses Projekt Menschen aus der ganzen Welt zusammenbringt. Und dar\u00fcber bin ich sehr gl\u00fccklich!<\/p>\n<p><strong>Der Status eines Schriftstellers ist in Frankreich ein anderer, als in Deutschland, sagte mir vor Jahren ein Kollege von Ihnen. Woran liegt das?<\/strong><\/p>\n<p>Marie Cravageot: &#8222;Ja, ich w\u00fcrde sagen, dass sich \u00fcber den Status der Schriftstellerinnen und Schrifsteller hinaus auch die Stellung der Literatur im Allgemeinen unterscheidet. Ohne auf historische Details einzugehen, ist es in der Tat interessant, die Sichtbarkeit der Autor*innen in Frankreich in der Gesellschaft im Allgemeinen hervorzuheben. Nehmen wir zum Beispiel die literarische Fernsehsendung <em>La grande librairie<\/em> (dt. Die gro\u00dfe Buchhandlung), die seit \u00fcber zwanzig Jahren jeden Mittwoch zur Hauptsendezeit ausgestrahlt wird. Sie ist nicht nur sehr erfolgreich, sondern auch eine Referenz f\u00fcr alle, die sich f\u00fcr Literatur interessieren \u2013 sowohl f\u00fcr die breite \u00d6ffentlichkeit als auch f\u00fcr Kritiker und Fachleute auf diesem Gebiet. Es stimmt, dass viele Schriftstellerinnen und Schriftsteller in allen Bereichen der Presse zu Gast sind und ihre Stimme manchmal \u00fcber den literarischen Bereich hinaus zu h\u00f6ren ist.<\/p>\n<p>Denken wir hier an die Nobelpreistr\u00e4gerin Annie Ernaux, die regelm\u00e4\u00dfig Kolumnen in der Presse ver\u00f6ffentlicht und ihr politisches und soziales Engagement zeigt. Genau wie Nicolas Mathieu, der auf seinem Instagram-Account sehr viele Follower hat und dort zahlreiche Gedanken zu aktuellen Themen ver\u00f6ffentlicht. Das erinnert tats\u00e4chlich an Schriftsteller wie Victor Hugo und \u00c9mile Zola, die sich zu ihrer Zeit ebenfalls stark f\u00fcr politische und soziale Anliegen engagiert haben, aber heutzutage nat\u00fcrlich mit ihren eigenen Merkmalen und mit den modernen Mitteln. Aber ja, entgegen der landl\u00e4ufigen Meinung lesen die Franzosen viel Literatur, interessieren sich sehr f\u00fcr ihre Autorinnen und Autoren\u00a0 und lieben es, sich mit ihnen auszutauschen, wenn sie die Gelegenheit dazu haben. Und genau das f\u00e4llt uns bei unseren literarischen Begegnungen auf!&#8220;<\/p>\n<p><strong>In diesem Jahr kommt ein ganz gro\u00dfer Autor der franz\u00f6sischen Gegenwartsliteratur zur Veranstaltung an die Bergische Universit\u00e4t. <\/strong><strong>Stellen Sie den Mann doch einmal vor.<\/strong><\/p>\n<p>Marie Cravageot: &#8222;Der Wunsch, die Vielfalt und den Reichtum der zeitgen\u00f6ssischen Literatur in franz\u00f6sischer Sprache in unserem Projekt widerzuspiegeln, hat uns dazu veranlasst, sehr unterschiedliche literarische Bereiche zu erkunden, sei es mit Autorinnen und Autoren , deren Werk mehr als 30 Jahre alt ist, oder mit jungen Autoren, die bereits sehr pr\u00e4sent in der Literaturszene sind. F\u00fcr einige war ihr Einsatz in literarischen Kollektiven wie dem \u201eCollectif Inculte\u201c sehr interessant, ich denke dabei an J\u00e9r\u00f4me Ferrari, Maylis de Kerangal, H\u00e9l\u00e8ne Gaudy oder Oliver Rohe. Bei anderen konnten die Themen ihrer Werke oder bestimmte Merkmale ihres Schreibstils Br\u00fccken zwischen unseren G\u00e4sten selbst schlagen, ich denke dabei an Nicolas Mathieu und Marie-H\u00e9l\u00e8ne Lafon, die aufgrund des sozialen Diskurses in ihren Werken in direkter Verbindung zum Werk von Annie Ernaux stehen. Wieder andere sind ganz einfach gro\u00dfe Meister der Literatur, wie Laurent Gaud\u00e9, Sylvain Prudhomme, Tanguy Viel oder Jean-Philippe Toussaint.<\/p>\n<div id=\"attachment_88627\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 650px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-88627 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/books-2463779_640.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"451\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Literatur spielte in fast allen Epochen der Weltgeschichte eine gro\u00dfe Rolle &#8211; \u00a9 Pixabay<\/span><\/div>\n<p>Und dann haben wir im Zusammenhang mit unseren franz\u00f6sischen Literatur- und Kulturkursen der Romanistik versucht, Stimmen aus franz\u00f6sischsprachigen L\u00e4ndern zu Wort kommen zu lassen, mit Schriftstellerinnen und Schriftsteller aus Marokko, Mauritius usw. \u2013 aber auch mit Schriftstellerinnen und Schriftsteller mit Migrationshintergrund wie Laura Alcoba oder Maryam Madjidi, f\u00fcr die Franz\u00f6sisch sowohl eine Exilsprache als auch ihre Schriftsprache ist. In diesem Sinne wird der haitianische Schriftsteller Louis-Philippe Dalembert der n\u00e4chste Gast der <em>Rencontres litt\u00e9raires<\/em> sein. Louis-Philippe Dalembert ist nicht nur Schriftsteller, sondern auch Novellist, Dichter und Essayist. Er ist 1962 in Port-au-Prince geboren und wuchs dort auf. Seit seiner Kindheit ist er von Literatur, haitianischer Poesie und Kino umgeben.<\/p>\n<p>Da er die Diktatur erlebt hat, glaubt er schon in jungen Jahren an engagierte Literatur und ver\u00f6ffentlicht sein erstes Werk mit 19 Jahren. Nach seinem Studium der Literatur und des Journalismus verl\u00e4sst er 1986 Haiti und geht nach Frankreich. Seine oft zweisprachigen Werke (Franz\u00f6sisch und Haitianisch-Kreolisch) behandeln universelle Themen, die durch seine Reisen und seine Verbundenheit mit verschiedenen Kulturen gepr\u00e4gt sind. F\u00fcr sein Gesamtwerk wurde er 2024 mit dem Prix Goncourt de la po\u00e9sie ausgezeichnet. Er hat zahlreiche franz\u00f6sische, aber auch internationale Literaturpreise erhalten. Unter anderem erhielt er 2024 f\u00fcr sein Gesamtwerk den Prix Goncourt de la po\u00e9sie (dt. Renommierter Literaturpreis in Frankreich) sowie 2025 den Literaturpreis der Fondation Prince Pierre de Monaco \u2013 also ein Schriftsteller von internationalem Renommee!<\/p>\n<p><strong>Welches zentrale Thema werden Sie in diesem Jahr behandeln? Wann beginnt diese Rencontre litt\u00e9raire, und wo kann man sich noch weiter informieren?<\/strong><\/p>\n<p>Marie Cravageot: &#8222;In Louis-Philippe Dalemberts Werk nimmt die Kindheit einen zentralen Platz ein. In <em>Le crayon du bon Dieu n\u2019a pas de gomme<\/em> (dt. Der Stift Gottes hat keinen Radiergummi), wo er von seiner Kindheit in der Karibik erz\u00e4hlt, dient sie ihm beispielsweise als Einstieg in das literarische Schaffen. Daher sind seine Texte, genau wie seine Kindheit, gepr\u00e4gt von der starken Pr\u00e4senz von Frauen, der Religion, aber auch von der Abwesenheit eines Vaters. Dar\u00fcber hinaus sind sein Werk und sein Leben von Wanderschaft gepr\u00e4gt. Louis-Philippe Dalembert, der selbst in Haiti, Frankreich, Italien, Jerusalem und Berlin gelebt hat, l\u00e4sst Figuren auftreten, die von anderen Orten tr\u00e4umen, wie in <em>Mur M\u00e9diterran\u00e9e<\/em> (dt. <em>Die blaue Mauer<\/em>, Nagel &amp; Kimche, 2021), wo er drei Frauen unterschiedlicher sozialer und religi\u00f6ser Herkunft portr\u00e4tiert, die durch ihre Erfahrung des Exils miteinander verbunden sind.<\/p>\n<p>Und genau dieses zentrale Thema wird bei unserem Treffen anhand mehrerer Texte von Dalembert diskutiert werden: das Fremde und die Ablehnung der Eingeschlossenheit. Dazu schreibt der Schriftsteller anl\u00e4sslich seines Besuches in Wuppertal: \u201eHeute nimmt die Frage \u00b4Woher sprechen Sie` die Form \u2013 und vor allem den Ton \u2013 einer Aufforderung an, angesichts jeder anderen menschlichen Erfahrung als der eigenen zu schweigen. Es ist, als w\u00fcrde man von einer physischen Mauer zwischen L\u00e4ndern zu immer undurchl\u00e4ssigeren Barrieren zwischen Menschen \u00fcbergehen; vom R\u00fcckzug der Nationalstaaten auf sich selbst zu einer Vielfalt von Menschheiten, die sogar \u00fcber alles hinausgeht, was die Identit\u00e4ten bereits trennte. Wenn es auch sicherlich angebracht ist, diese Ph\u00e4nomene zu verstehen und ihren Ursprung zu hinterfragen, so scheint mir doch, dass es unsere Aufgabe als Schriftstellerinnen und Schriftsteller ist, uns zu fragen, wie wir darauf reagieren sollen, wenn nicht aus politischer Sicht \u2013 im weitesten Sinne des Wortes \u2013, dann zumindest aus \u00e4sthetischer Sicht.<\/p>\n<div id=\"attachment_88628\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 650px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-88628 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/glasses-1052010_640.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"354\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Auch heute, im elektronischen Zeitalter, werden noch sehr viele Hardcover-B\u00fccher gelesen &#8211; \u00a9 Pixabay<\/span><\/div>\n<p>Wie kann man weiterhin mit Empathie und in v\u00f6lliger Freiheit \u00fcber die Welt und die Menschheit sprechen? Wie kann man seine eigene Sensibilit\u00e4t im Einklang mit der anderer zum Ausdruck bringen, um die gemeinsame Menschlichkeit zu beschreiben? Diese Entscheidung habe ich bereits bei meinen ersten Ver\u00f6ffentlichungen vor etwa drei\u00dfig Jahren getroffen. Es war diese Ablehnung einer Identit\u00e4tszuweisung und damit einer Eingrenzung, die mich dazu veranlasste, Romane wie Mur M\u00e9diterran\u00e9e, Ballade d&#8217;un amour inachev\u00e9 oder Une histoire romaine zu schreiben; oder auch einen Gedichtband wie En marche sur la terre. Ich habe immer daran geglaubt und glaube weiterhin daran, auch wenn ich mich damit gegen den starken Gegenwind der Mode und der Konventionen stelle. Andernfalls w\u00e4ren Kunst und Literatur in meinen Augen sinnlos.\u201c Dies wird der rote Faden der Diskussion sein, erg\u00e4nzt durch Textpassagen, die der Autor selbst vorliest.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Das Projekt besteht nun seit zehn Jahren. Wie f\u00e4llt Ihr R\u00fcckblick auf dieses Projekt insgesamt aus? <\/strong><strong>Und wie geht es weiter?<\/strong><\/p>\n<p>Marie Cravageot: &#8222;Im Laufe der Jahre ging es immer darum, das Projekt zu verbessern, und es hat sich in der Tat sehr positiv entwickelt. Ich werde im Folgenden einige Beispiele f\u00fcr bedeutende Ver\u00e4nderungen nennen. Zun\u00e4chst m\u00f6chte ich jedoch auf etwas hinweisen, das sich nie ge\u00e4ndert hat: die sehr herzliche und freundliche Atmosph\u00e4re bei jeder <em>Rencontre<\/em>. Auch wenn es sich manchmal um komplexe aktuelle Themen handelt oder die Autorinnen und Autoren ausf\u00fchrlich \u00fcber ihre Arbeit sprechen, bleibt doch jede Veranstaltung in erster Linie ein Moment, in dem jeder zu Wort kommen kann und der Austausch sehr angenehm ist. Die bemerkenswerteste Dimension, die sich im Laufe der Zeit entwickelt hat, ist zweifellos die internationale Ausrichtung des Projekts. Dies gilt nicht nur f\u00fcr das Profil der G\u00e4ste, die aus Frankreich und vielen anderen franz\u00f6sischsprachigen L\u00e4ndern kommen, sondern auch f\u00fcr die Teilnehmer, die an unseren Veranstaltungen teilnehmen, die manchmal Tausende von Kilometern von Wuppertal entfernt stattfinden.<\/p>\n<p>Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Anzahl der Kooperationen, die sich im Laufe der Zeit entwickelt haben. Bei jedem Treffen k\u00f6nnen wir auf die finanzielle Unterst\u00fctzung zahlreicher Partner z\u00e4hlen. Dieses Projekt hat ein unglaubliches Netzwerk hervorgebracht, und es ist eine wahre Freude, mit all diesen Menschen eng zusammenzuarbeiten. Hervorheben m\u00f6chte ich au\u00dferdem, dass in den letzten zehn Jahren bereits zweiundzwanzig Autorinnen und Autoren zu Gast in Wuppertal waren, da durchschnittlich einmal pro Semester eine <em>Rencontre<\/em> stattfindet. Jede Veranstaltung wurde aufgezeichnet und sorgf\u00e4ltig transkribiert. Das Ergebnis dieser Arbeit wird in wenigen Wochen in Form eines Buches erscheinen.<\/p>\n<p>Ich freue mich sehr, dass die Ver\u00f6ffentlichung mit dem Titel <em>\u00c9critures fran\u00e7aises d\u2019aujourd\u2018hui. Les rencontres de Wuppertal <\/em>im franz\u00f6sischen Verlag Presses Universitaires de Rennes (dt. Aktuelle franz\u00f6sische Literatur. Die Begegnungen von Wuppertal.) ein sch\u00f6nes Geschenk zu diesem Jubil\u00e4um ist. Das Buch versammelt Vortr\u00e4ge der Autorinnen und Autoren \u00fcber ihre schriftstellerische Arbeit, den Austausch mit dem Publikum sowie eine ausf\u00fchrliche Einleitung, die einen \u00dcberblick \u00fcber die zeitgen\u00f6ssische franz\u00f6sische Literatur gibt. Es ist ein Buch, das f\u00fcr ein breites Publikum interessant sein d\u00fcrfte, sowohl f\u00fcr Literaturinteressierte als auch f\u00fcr Fachleute. Wir sind noch lange nicht am Ende, denn das Projekt geht weiter! Wir sind bereit f\u00fcr die n\u00e4chsten zehn Jahre. Ich danke Stephan Nowotnick daf\u00fcr, dass er dieses sch\u00f6ne Projekt ins Leben gerufen hat, und bin mir sicher, dass es noch viele erfolgreiche Jahre vor sich hat.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Uwe Blass<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_88625\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 210px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-88625 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/csm_Cravageot_45a8c2411e-Kopie.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"250\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Marie Cravageot &#8211; \u00a9 Jan Wengenroth<\/span><\/div>\n<h4>\u00dcber Marie Cravageot<\/h4>\n<p><em>Marie Cravageot unterrichtet franz\u00f6sische Literatur in der Fakult\u00e4t f\u00fcr Geistes- und Kulturwissenschaften. Sie ist Expertin f\u00fcr die zeitgen\u00f6ssische Literatur Frankreichs.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit nunmehr 10 Jahren gibt es die erfolgreiche Literaratur-Reihe \u201eRencontres Litt\u00e9raires\u201c an der Bergischen Universit\u00e4t. Grund genug f\u00fcr Autor Uwe Blass, dieses Thema im Rhamen der lehrreichen Uni-Reihe &#8222;Transfergeschichten&#8220; im Gespr\u00e4ch mit Marie Cravageot zu beleuchten, die franz\u00f6sische Literatur in der Fakult\u00e4t f\u00fcr Geistes- und Kulturwissenschaften an der Bergischen Universit\u00e4t unterrichtet. <\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-88576","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissen"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-09 18:07:37","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/88576","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=88576"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/88576\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":88633,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/88576\/revisions\/88633"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=88576"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=88576"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=88576"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}