{"id":87768,"date":"2025-10-30T07:13:51","date_gmt":"2025-10-30T06:13:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=87768"},"modified":"2025-10-30T07:13:51","modified_gmt":"2025-10-30T06:13:51","slug":"die-erste-leica-kamera-revolution-in-der-fotografie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2025\/10\/30\/die-erste-leica-kamera-revolution-in-der-fotografie\/","title":{"rendered":"Die erste Leica-Kamera: Revolution in der Fotografie  \u00a0"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_87770\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 2570px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-87770 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Westermeier_PK3-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1843\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Christoph Westermeier, Fotograf und Lehrbeauftragter Kunst an der Bergischen Universit\u00e4t &#8211; \u00a9 Westermeier<\/span><\/div>\n<p><strong>Die Leica-Kamera wurde sozusagen aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden erfunden, oder?<\/strong><\/p>\n<p>Christoph Westermeier: &#8222;Oskar Barnack ist einer dieser genialen T\u00fcftler des 19. Jahrhunderts, dessen Erfindung das fotografische Bild im 20. Jahrhundert ma\u00dfgeblich pr\u00e4gte und dessen Bedeutung bis in die Gegenwart reicht. Er wurde 1879 in Brandenburg geboren, ging gegen Ende des Jahrhunderts auf die Walz und wurde 1911, also noch zu Kaiserzeiten, als Mechanikermeister bei der Firma, die heute Leica Camera AG hei\u00dft, angestellt.<\/p>\n<div id=\"attachment_53830\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 440px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-53830\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Logo-Jahr100Wissen.jpg\" alt=\"\" width=\"430\" height=\"138\" \/><span class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Bergische Universit\u00e4t<\/span><\/div>\n<p>In seiner Freizeit war Barnack ein begeisterter Hobbyfotograf \u2013 und wenn wir \u00fcber Fotografie zu Beginn des 20. Jahrhunderts sprechen, dann sprechen wir \u00fcber Plattenkameras, schwere Ger\u00e4tschaften und komplizierte technische Verfahren. Oskar Barnack hatte aber starkes Asthma und litt unter Lungen- und Bronchialproblemen. Dies schr\u00e4nkte ihn bei seinem liebsten Hobby, der Fotografie, ein. Da er die Fotografie aber nicht aufgeben wollte, suchte er nach einem Weg, ohne gro\u00dfe k\u00f6rperliche Anstrengung fotografieren zu k\u00f6nnen und wurde zum Erfinder der \u201eUr-Leica\u201c.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Wo kommt denn der Name Leica her?<\/strong><\/p>\n<p>Christoph Westermeier: &#8222;Der Name hat nichts mit dem Weltallhund Laika zu tun, sondern setzt sich ganz profan aus den W\u00f6rtern \u201eLei\u201c\u00a0\u2013 von\u00a0Leitz\u00a0(dem Nachnamen des Firmengr\u00fcnders Ernst Leitz) und \u201eca\u201c\u00a0\u2013 von\u00a0Camera zusammen.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_87774\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 610px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-87774 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Leica-1.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"379\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Leica I\u202f(A), Seriennummer 12711 (1928); Objektiv: Leitz Elmar 1\u202f:\u202f3,5 F\u202f=\u202f50\u202fmm &#8211; \u00a9 CC BY 3.0<\/span><\/div>\n<p><strong>Nach langen Diskussionen ging die Leica I 1925 in Serie. Diese Kleinbildkamera l\u00f6ste eine Revolution in der Fotografie aus. Warum?<\/strong><\/p>\n<p>Christoph Westermeier: &#8222;Die Fotografie war bis zu der Erfindung der Leica ein statisches Verfahren. Ein gro\u00dfer Apparat wurde aufgestellt, die Belichtungszeit dauerte lange, und das Verfahren war technisch kompliziert. Die fr\u00fchen Fotografien sind daher in frontaler Perspektive aufgenommen, sie sind statisch und unbeweglich. Mit der Erfindung der Leica wurde das Fotografieren k\u00f6rperlicher, die Blickachsen \u00e4nderten sich, und der Blick ging nach oben, nach unten und zur Seite. Mit der Verbreitung der Leica vor 100 Jahren wurde ein neues Kapitel aufgeschlagen und die Fotografie \u00e4nderte sich grundlegend.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Aus dem Kinobild machte Barnack ein Fotobild. Was bedeutet das?<\/strong><\/p>\n<p>Christoph Westermeier: &#8222;Als Barnack bei der Firma Ernst Leitz anfing zu arbeiten, wurde Film haupts\u00e4chlich im\u00a0Kino\u00a0verwendet \u2013 also als\u00a0Kinofilm\u00a0mit\u00a035 mm Breite, der\u00a0horizontal\u00a0durch den Projektor lief und auf dem jede Aufnahme etwa\u00a018 \u00d7 24 mm gro\u00df war. Barnack drehte diesen Film jedoch quer in seiner Kamera und vergr\u00f6\u00dferte das Bildformat auf 24 mal 36 Millimeter. Dadurch konnte er denselben Film, der sonst f\u00fcr Kinofilme gedacht war, f\u00fcr Standbilder nutzen. Auf diese Weise machte Barnack also aus dem \u201eKinobild\u201c ein \u201eFotobild\u201c.\u00a0Interessant ist neben der technischen T\u00fcftelei auch das Geh\u00e4use, das entwickelt wurde, um diese neue Erfindung im Alltag zu benutzen.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_87773\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 610px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-87773 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Leica-in-Luxusausfuehrung.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"449\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Die Leica-Kamera in Luxusausf\u00fchrung &#8211; \u00a9 CC BY-SA 2.0 fr 3.<\/span><\/div>\n<p><strong>Er lie\u00df sich das Geh\u00e4use aus Aluminium gie\u00dfen. Die Kamera passte tats\u00e4chlich in eine Jackentasche. Aber die Patentanmeldung wurde damals abgewiesen. Warum?<\/strong><\/p>\n<p>Christoph Westermeier: &#8222;Oskar Barnack war nicht der einzige T\u00fcftler, der an einer neuen Art des Fotoapparats forschte. Das Kaiserliche Patentamt, bei dem die Ur-Leica angemeldet werden sollte, sah ein Patent der Firma Carl Zeiss\/Jena und ein franz\u00f6sisches Patent ber\u00fchrt. Es wurde daher erst mal der kleine Bruder des Patents, der Gebrauchsmusterschutz, vergeben. Interessanterweise war Barnack vor seiner Anstellung in Wetzlar als Feinmechaniker und Justierer bei der Firma Carl Zeiss angestellt.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Die Leica I wurde 1925 auf der Leipziger Fr\u00fchjahrsmesse vorgestellt und beeindruckte durch ihre Kompaktheit, leichte Handhabung und Bildqualit\u00e4t. Das erm\u00f6glichte v\u00f6llig neue Aufnahmearten f\u00fcr Fotojournalisten und Hobbyfotografen. Was wurde denn da auch einmal m\u00f6glich?<\/strong><\/p>\n<p>Christoph Westermeier: &#8222;Das fotografische Bild, wie wir es heute kennen, wurde durch Barnacks Erfindung \u00fcberhaupt erst erm\u00f6glicht. Fotojournalismus, der schnell und aktiv vor Ort agieren kann, gab es vorher nicht. Auch die Hobbyfotografie war bis dahin eine elit\u00e4re Besch\u00e4ftigung und eher mit der Aquarellmalerei zu vergleichen. Vor 100 Jahren \u00e4nderte sich das: Die Fotografie erfand sich neu. Die Demokratisierung des Bildes, der einfache Zugang und der inklusive Ansatz der Fotografie sind die Folgen von Barnacks bahnbrechender Erfindung. Seine Erfindung bestimmte das fotografische Bild bis zur Einf\u00fchrung der digitalen Kamera. Digitale Fotografie funktioniert jedoch ganz anders: Hier wird nicht ein Augenblick f\u00fcr die Ewigkeit auf ein Negativ gebannt, sondern eine Datei erstellt, die sich leicht bearbeiten l\u00e4sst und zu KI-generierten Bildern f\u00fchrt.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_87772\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 610px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-87772 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Leica-IIIf-1954-mit-Selbstausloeser.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"364\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Die Leica IIIf (1954) mit Selbstausl\u00f6ser &#8211; \u00a9 CC BY-SA 4.0<\/span><\/div>\n<p><strong>Die Leica wurde ein finanzieller Erfolgsschlager. Barnack entwickelte diese Kamera aber auch weiter, oder?<\/strong><\/p>\n<p>Christoph Westermeier: &#8222;Nat\u00fcrlich. Das Modell, das vor 100 Jahren pr\u00e4sentiert wurde, war schon ein anderes, als die Ur-Leica, und es versteht sich von selbst, dass an der Leica von Modell zu Modell justiert und optimiert wurde, auch \u00fcber Barnacks Tod hinaus. Der technische Wandel hat vor dem Unternehmen und der Kamera nicht Halt gemacht und reicht bis in die Gegenwart.&#8220;<\/p>\n<p><strong>1936 starb der Leica-Erfinder. Aber seine Kamera ist ein Erfolgsrezept und wird bis heute hergestellt. Arbeiten Sie auch mit einer Leica?<\/strong><\/p>\n<p>Christoph Westermeier: &#8222;Ich arbeite mit vielen unterschiedlichen Kamers \u2013 und eine davon ist auch eine Leica. Der ber\u00fchmte Schriftzug pr\u00e4gt bis heute die Fotoszene und eine lebende Legende, wie die Kollegin Katharina Sieverding, w\u00e4re ohne Leica \u00fcberhaupt nicht denkbar.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Uwe Blass<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_87771\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 210px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-87771 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Westermeier_PK3-Kopie.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"302\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Christoph Westermeier &#8211; \u00a9 Westermeier<\/span><\/div>\n<h4>\u00dcber Christoph Westermeier<\/h4>\n<p>Christoph Westermeier studierte an der Kunstakademie D\u00fcsseldorf. Er ist Lehrbeauftragter f\u00fcr Fotografie in der Fakult\u00e4t Design und Kunst an der Bergischen Universit\u00e4t.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Oskar Barnack, Mitarbeiter der Firma Ernst Leitz, hat 1913 in Wetzlar die sogenannte \u201eUr-Leica\u201c erfunden. Auf diese &#8222;Revolution  in der Fotografie&#8220; legt Autor Uwe Blass im Rahmen der spannenden Uni-Reihe &#8222;Jahr100Wissen&#8220; seinen Fokus im Gespr\u00e4ch mit Christoph Westermeier, Fotograf und Lehrbeauftragte im Fach Kunst an der Bergischen Universit\u00e4t, \u00fcber die serielle Herstellung der Leica-Kamera ab 1925. <\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-87768","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissen"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-08 22:21:09","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/87768","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=87768"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/87768\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":87779,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/87768\/revisions\/87779"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=87768"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=87768"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=87768"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}