{"id":87577,"date":"2025-10-21T12:41:33","date_gmt":"2025-10-21T10:41:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=87577"},"modified":"2025-10-22T16:50:06","modified_gmt":"2025-10-22T14:50:06","slug":"die-geheimnisse-im-inneren-von-diamanten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2025\/10\/21\/die-geheimnisse-im-inneren-von-diamanten\/","title":{"rendered":"Die Geheimnisse im Inneren von Diamanten"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_87581\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 858px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-87581 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Fabian-Mohr-Presse.jpg\" alt=\"\" width=\"848\" height=\"601\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Dr. Fabian Mohr, Professor in der Anorganischen Chemie an der Bergischen Universit\u00e4t &#8211; \u00a9 Sebastian Jarych<\/span><\/div>\n<p>Diamanten geh\u00f6ren genau wie Zucker, Kochsalz, Eis und Schnee zu den kristallinen Materialien, sind aber entschieden teurer und vor allem schwerer zu finden. Fabian Mohr, Professor in der Anorganischen Chemie kennt sich mit der Beschaffenheit kristalliner Strukturen aus. Er bestimmt mit R\u00f6ntgenstrahlen die Molek\u00fclstrukturen in Kristallen. Mit ihm hat sich Autor Uwe Blass im Rahmen der lehrreichen Uni-Reihe &#8222;Transfergeschichten&#8220; \u00fcber das spannende, magische Thema Diamanten unterhalten.<\/p>\n<div id=\"attachment_44822\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 440px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-44822\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Logo-Transfergeschichten.jpg\" alt=\"\" width=\"430\" height=\"138\" \/><span class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Bergische Universit\u00e4t<\/span><\/div>\n<p>\u201eErdgeschichtlich sind Diamanten ja vor Milliarden von Jahren im Erdinneren aus Kohlenstoff unter hohen Temperaturen und hohem Druck entstanden\u201c, sagt der Chemiker, \u201eund heute kann man sie tats\u00e4chlich ebenfalls unter hohen Temperaturen und hohem Druck k\u00fcnstlich herstellen.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_87584\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 609px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-87584 \" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Cullinan-vor-seiner-Spaltung-gemeinfrei.jpg\" alt=\"\" width=\"599\" height=\"649\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Der gr\u00f6\u00dfte jemals gefundene Diamant, genannt Cullinan &#8211; \u00a9 gemeinfrei<\/span><\/div>\n<p>Jeder hat sicher schon einmal einen Diamanten in gr\u00f6\u00dferer oder kleinerer Ausf\u00fchrung gesehen oder gar als Ring getragen. Die Qualit\u00e4t sowie der Wert der Steine, erkl\u00e4rt der Fachmann, h\u00e4nge von der Gr\u00f6\u00dfe, Transparenz und Fehlerlosigkeit der jeweiligen St\u00fccke ab, jegliche Einschl\u00fcsse seien unerw\u00fcnscht.<\/p>\n<h4><strong>Karat, die Ma\u00dfeinheit des Johannisbrotbaums<\/strong><\/h4>\n<p>Den Wert eines Edelsteins bemisst man noch heute mit der Ma\u00dfeinheit Karat. Doch wo kommt die eigentlich her? Dazu Fabian Mohr: \u201eKarat ist eine alte Gewichtseinheit, die man abgeleitet hat von den Samenk\u00f6rnern des Karob-, oder Johannisbrotbaumes. Die getrockneten Samen haben ungef\u00e4hr alle das gleiche Gewicht. Das Wort Karat selber leitet sich aus dem Griechischen \u201ekeratio\u201c ab und bedeutet Johannisbrotbaum. Wenn man heute ein Karat in Gramm umrechnet, dann sind das etwa 0,2 Gramm.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_87597\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 610px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-87597 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Die-9-groessten-Teile-des-Cullinan-nach-der-Spaltung-gemeinfrei-1.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"121\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Die neun gr\u00f6\u00dften Teile des Cullinan nach der Spaltung &#8211; \u00a9 gemeinfrei<\/span><\/div>\n<p><strong>Diamanten in der Wissenschaft<\/strong><\/p>\n<p>\u201eIch habe ein Modell, welches exemplarisch zeigt, was einen Kristall ausmacht\u201c, sagt der Chemiker und zeigt ein dreidimensionales W\u00fcrfelgebilde mit einem durch Stangen und Kugeln periodisch immer wiederkehrenden Muster. \u201eUnd das wiederholt sich immer wieder, und das unterscheidet einen Kristall von einem amorphen Material, also einem nichtkristallinen Material.\u201c<\/p>\n<p>Diamanten k\u00f6nnen aufgrund ihrer kristallinen Struktur heute genauestens analysiert werden, weil ihre Atome regelm\u00e4\u00dfig angeordnet sind. Die Analyse des oben genannten, zweitgr\u00f6\u00dften jemals gefundenen Diamanten wurde mit einem R\u00f6ntgendiffraktometer durchgef\u00fchrt, einem Kristallstrukturanalyseger\u00e4t, dass auch an der Bergischen Universit\u00e4t zu Messzwecken verwendet wird.<\/p>\n<div id=\"attachment_87599\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 610px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-87599 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Samen-des-Johannisbrotbaums-CC-BY-SA-3.0-1.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"335\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Samen des Johannisbrotbaums &#8211; \u00a9 CC-BY SA 3.0<\/span><\/div>\n<p>\u201eWir nutzen das Ger\u00e4t, um Molek\u00fclstrukturen zu bestimmen\u201c, erkl\u00e4rt der Fachmann, \u201ed.h., wir k\u00f6nnen mit diesem Ger\u00e4t aus einem idealerweise perfekten Kristall die Position der Atome im dreidimensionalen Raum, basierend auf R\u00f6ntgenstrahlen, ermitteln und wissen so die Zusammensetzung, die dreidimensionale Struktur eines Molek\u00fcls.\u201c<\/p>\n<p>Das sei vor allem wichtig, da die Forschenden wissen wollen, wie genau so ein Molek\u00fcl aussehe. \u201eIn der Arzneimittelforschung z. B. will man wissen, wie ein Molek\u00fcl aussieht, weil es ja vielleicht in ein bestimmtes Enzym genau reinpassen soll.\u201c In der Medizin finden sich verschiedene Anwendungsbereiche, die bereits erfolgreich mit Diamanten oder anderen kristallinen Materialien arbeiten. So nutzt die Zahnmedizin schon l\u00e4nger Diamanten in der Kieferorthop\u00e4die, Kieferchirurgie sowie Kronen- und Br\u00fcckentechnik.<\/p>\n<p>Zwar werde die Vorstellung von Diamanten als Energie\u00fcbertr\u00e4ger auf Wasser sowohl in esoterischen als auch in wissenschaftlichen Kreisen diskutiert, erkl\u00e4rt Fabian Mohr, der auch schon Beispiele dazu auf Messen gesehen hat, jedoch gebe es bisher keine wissenschaftlichen Beweise f\u00fcr eine messbare Energie\u00fcbertragung, die \u00fcber die \u00fcblichen physikalischen Eigenschaften von Diamanten hinausgehe.<\/p>\n<div id=\"attachment_87601\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 610px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-87601 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Kristallstruktur-1-1.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"582\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Die kubische Kristallstruktur des Diamanten &#8211; \u00a9 UniService Third Mission<\/span><\/div>\n<p>Die Elektrotechnik wiederum macht sich die hervorragende Leitf\u00e4higkeit der Edelsteine zunutze, denn die W\u00e4rmeleitf\u00e4higkeit von Diamanten ist au\u00dfergew\u00f6hnlich hoch und liegt zwischen 1.500 und 2.200 Watt pro Meter Kelvin (W\/mK).<\/p>\n<p>Damit \u00fcbertreffen sie andere Materialien wie Kupfer und Aluminium deutlich und eignen sich ideal z. B. \u00a0f\u00fcr die K\u00fchlung von Hochleistungselektronik, wie Halbleiterlasern, Hochfrequenztransistoren und LEDs. Diese au\u00dfergew\u00f6hnliche W\u00e4rmeleitf\u00e4higkeit zeigen auch ebenso synthetisch hergestellte Diamanten, sogenannte CVD-Diamanten (Ein CVD Diamant -Chemical Vapor Deposition- ist ein gez\u00fcchteter Labor Diamant. Er ist chemisch, physikalisch und optisch identisch mit Minen-Diamanten, Anm. d. Red.).<\/p>\n<p>In der Anorganischen Chemie k\u00f6nnen Mohr und seine Mitarbeitenden mit Hilfe der Kristallstrukturanalyse nahezu alle kristallinen Materialien untersuchen. Auch neue Ideen lassen sich mit diesem Ger\u00e4t umsetzen.<\/p>\n<div id=\"attachment_87603\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 610px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-87603 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Roentgendiffraktometer-1-1.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"514\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Der R\u00f6ntgendiffraktomter, ein Kristallstrukturanalyseger\u00e4t, das es auch an der Bergischen Universit\u00e4t gibt &#8211; \u00a9 UniService Third Mission<\/span><\/div>\n<p>\u201eWas zurzeit in aller Munde ist, sind alternative Ionenmaterialien f\u00fcr Litiumbatterien, die man hier auch untersuchen kann. In den augenblicklich forschenden Arbeitsgruppen\u201c, sagt Fabian Mohr abschlie\u00dfend, \u201ehaupts\u00e4chlich in der Anorganischen Chemie, aber auch der Organischen Chemie und der Makromolekularen Chemie, wird die Kristallstrukturanalyse vor allem zur Aufkl\u00e4rung von Strukturen von den erforschten Molek\u00fclen genutzt.\u201c<\/p>\n<p>\u00dcbrigens: Der wirklich gr\u00f6\u00dfte Diamant, der jemals entdeckt wurde, war der 1905 in der N\u00e4he von Pretoria (S\u00fcdafrika) gefundene sogenannte Cullinan. Der 3106 Karat schwere Stein wurde zerteilt und geh\u00f6rt seither zu den britischen Kronjuwelen.<\/p>\n<p><strong>Uwe Blass<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_87582\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 210px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-87582 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Fabian-Mohr-Presse-Kopie.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"340\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Prof. Dr. Fabian Mohr &#8211; \u00a9 Sebastian Jarych<\/span><\/div>\n<h4>\u00dcber Prof. Dr. Fabian Mohr<\/h4>\n<p>Prof. Dr. Fabian Mohr studierte Chemie in Melbourne (Australien) und promovierte ebenda. Nach Stationen in Kanada, den USA und Spanien ist er seit 2014 Professor f\u00fcr Anorganische Chemie in der Fakult\u00e4t f\u00fcr Mathematik und Naturwissenschaften an der Bergischen Universit\u00e4t.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Er ist der zweitgr\u00f6\u00dfte Diamant, der jemals entdeckt wurde. Mit einer vergleichbaren Gr\u00f6\u00dfe einer Avocado fand ein Bergbauunternehmen den 2492 Karat gro\u00dfen Stein mit Hilfe modernster R\u00f6ntgentechnik 2024 in Botswana, Afrika. Dieser massive Stein ist der gr\u00f6\u00dfte Fund seit \u00fcber 120 Jahren und nur kleiner als der legend\u00e4re Cullinan-Diamant.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-87577","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissen"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-06-14 15:25:17","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/87577","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=87577"}],"version-history":[{"count":17,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/87577\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":87605,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/87577\/revisions\/87605"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=87577"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=87577"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=87577"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}