{"id":87102,"date":"2025-10-01T22:36:43","date_gmt":"2025-10-01T20:36:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=87102"},"modified":"2026-02-08T10:22:34","modified_gmt":"2026-02-08T09:22:34","slug":"josephine-baker-das-kind-einer-waschfrau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2025\/10\/01\/josephine-baker-das-kind-einer-waschfrau\/","title":{"rendered":"Josephine Baker: Das Kind einer Waschfrau"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_87104\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 810px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-87104 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/JosephineBakerBurlesque-gemeinfrei-Kopie.jpg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"595\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Josephine Baker in der Attit\u00fcde eines Burlesque -Showgirls (1927) &#8211; \u00a9 Ders.<\/span><\/div>\n<p>Autor Uwe Blass unterhielt sich im Rahmen der beliebten Uni-Reihe &#8222;Jahr100Wissen&#8220; mit Marie Cravageot, Expertin f\u00fcr die zeitgen\u00f6ssische Literatur Frankreichs an der Bergischen Universit\u00e4t, \u00fcber die ber\u00fchmte amerikanische S\u00e4ngerin.<\/p>\n<p><strong>Wie kam Josephine Baker \u00fcberhaupt in die franz\u00f6sische Hauptstadt?<\/strong><\/p>\n<p>Marie Cravageot: &#8222;Josephine Baker, mit b\u00fcrgerlichem Namen Freda Josephine Macdonald, wurde 1906 als Tochter einer schwarzen Mutter und eines unbekannten, wahrscheinlich wei\u00dfen Vaters in Saint-Louis im US-Bundesstaat Missouri geboren, einem Staat, der besonders stark von Rassentrennung gepr\u00e4gt war. Bis zum Alter von vier Jahren wurde sie von ihrer Gro\u00dfmutter aufgezogen, die Sklavin gewesen war. Schon fr\u00fch begeisterte sie sich f\u00fcr den Tanz, doch um ihrer Familie zu helfen, musste sie bei reichen Wei\u00dfen als Hausm\u00e4dchen arbeiten. Mit 13 Jahren wurde sie mit einem gewaltt\u00e4tigen Mann verheiratet, der sie schlug.<\/p>\n<p>Nachdem sie ihm zur Verteidigung eine Flasche auf den Kopf geschlagen hatte, lie\u00df sie sich scheiden und heiratete mit 15 Jahren erneut unter dem Namen Baker. Josephine schloss sich einer wandernden Tanzgruppe an, die sie nach New York f\u00fchrte. Sie trat am Broadway in Shuffle Along auf, der ersten schwarzen Show, die in f\u00fcr Wei\u00dfe reservierten S\u00e4len aufgef\u00fchrt wurde und bei der schwarze Zuschauer einen Platz im Parkett erhielten. Im Sommer 1925 wurde sie von Caroline Dudley Reagan entdeckt, die einen Star f\u00fcr ein Musical suchte, die Revue N\u00e8gre, die sie in Paris im Th\u00e9\u00e2tre des Champs-Elys\u00e9es auff\u00fchren wollte.<\/p>\n<p><strong>Am 2. Oktober 1925 trat Josephine Baker erstmalig in Paris in der &#8222;Revue N\u00e8gre&#8220; im Th\u00e9\u00e2tre des Champs-\u00c9lys\u00e9es auf. Ihr Auftritt wurde zu einem sensationellen Erfolg und machte sie \u00fcber Nacht zum Star. Sie bewegte sich wild und animalisch, quasi nackt zu Jazzmusik. Mit ihrem ber\u00fchmten Tanz im Bananenrock brachte sie zudem einen neuen Tanz nach Europa. Welchen?<\/strong><\/p>\n<p>Marie Cravageot: &#8222;Josephine Baker kam w\u00e4hrend der kulturellen und k\u00fcnstlerischen Bl\u00fctezeit der Goldenen Zwanziger nach Frankreich, einem f\u00fcr ihre Karriere g\u00fcnstigen Umfeld. Sie und ihre Truppe reisten am 25. September 1925 mit der Berengaria, einem Transatlantikliner, der die Strecke New York-Cherbourg zur\u00fccklegte, in die franz\u00f6sische Hauptstadt. Kurz nach ihrer Ankunft begannen die Proben. Am 2. Oktober 1925 trat sie im ersten Teil der &#8218;<em>Revue N\u00e8gre&#8216; <\/em>im Th\u00e9\u00e2tre des Champs-\u00c9lys\u00e9es auf und sorgte schnell f\u00fcr ein ausverkauftes Haus. Fast nackt, nur mit einem einfachen Lendenschurz und k\u00fcnstlichen Bananen bekleidet, tanzte sie Charleston vor einer Savannen-Kulisse und zum Rhythmus der Trommeln.<\/p>\n<div id=\"attachment_53830\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 440px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-53830\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Logo-Jahr100Wissen.jpg\" alt=\"\" width=\"430\" height=\"138\" \/><span class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Bergische Universit\u00e4t<\/span><\/div>\n<p>Sie interpretierte dort ein Bild mit dem Titel &#8218;<em>La Danse sauvage&#8216;<\/em> (Der wilde Tanz) und sagte: \u201eHier geht es darum, sich \u00fcber die Wei\u00dfen und ihre Art, die Kolonien zu verwalten, lustig zu machen, denn Frankreich ist zwar weniger rassistisch als die Vereinigten Staaten, hat aber dennoch Fortschritte zu machen, was Menschen mit anderer Hautfarbe und ihre Integration in die Gesellschaft angeht!\u201c F\u00fcr sie war diese Reise eine Befreiung. Dazu sagte sie: \u201eEines Tages wurde mir klar, dass ich in einem Land lebte, in dem ich Angst hatte, schwarz zu sein. Es war ein Land, das den Wei\u00dfen vorbehalten war. Es gab keinen Platz f\u00fcr Schwarze. Ich erstickte in den Vereinigten Staaten. Viele von uns sind gegangen, nicht, weil wir es wollten, sondern weil wir es nicht mehr aushalten konnten&#8230; In Paris f\u00fchlte ich mich befreit.\u201c<\/p>\n<p>So machte Josephine Baker diese Klischees l\u00e4cherlich, indem sie Grimassen schnitt und der Choreografie komische Elemente hinzuf\u00fcgte. Mit ihrem extrovertierten Tanzstil und ihrer Pr\u00e4senz brachte sie den Jazz-Tanz und andere neue Tanzformen in die europ\u00e4ischen Theater und Variet\u00e9s. So wurde sie zu einem echten Star der sogenannten Goldenen Zwanziger.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Sie galt als Inbegriff der Roaring Twenties. Warum?<\/strong><\/p>\n<p>Maire Cravageot: &#8222;Josephine Baker verk\u00f6rperte die \u201eAnn\u00e9es folles\u201c (die Goldenen Zwanziger) als aufstrebendes Sexsymbol und gefeierte T\u00e4nzerin, die den Jazztanz in Europa popularisierte. Mit ihrem exotischen Image, gewagten Outfits und dem skandaltr\u00e4chtigen Auftreten verk\u00f6rperte sie den Aufbruch und die Freiz\u00fcgigkeit der \u00c4ra, w\u00e4hrend ihre Karriere in Frankreich nach rassistischen Erfahrungen in den USA ihren Anfang nahm. Baker machte den Jazztanz in Europa mit ihren Auftritten in Paris, Berlin und anderen St\u00e4dten popul\u00e4r, was die pulsierende Kultur der Roaring Twenties pr\u00e4gte. Sie bediente bewusst mit ihrem Image als &#8222;Schwarze Venus&#8220; die Erwartungen des Publikums und verk\u00f6rperte die exotische Ausstrahlung und die aufkeimende Freiz\u00fcgigkeit der Zeit. Ihr Tanzstil ist bekannt f\u00fcr seine schnellen, synchronen Bewegungen und seinen energiegeladenen Charakter der &#8222;Goldenen Zwanziger&#8220;.<\/p>\n<p>So verk\u00f6rperte perfekt die Goldenen Zwanziger in Frankreich dank ihrer innovativen Darbietungen, die sie zu einer Ikone des Variet\u00e9s machten und dem Aufschwung der \u201enegrischen\u201c Mode und Kultur, zu deren Symbolfigur sie wurde. Das Thema \u201eNegerkultur\u201d inspirierte die Avantgarde zu Beginn des Jahrhunderts, bevor es sich in der Figur von Josephine Baker und dem Einzug des Jazz auf die Pariser B\u00fchnen konkretisierte. Der erste \u201enegrische\u201d Tanz wurde 1903 von Gabriel Astruc im Nouveau Cirque in Paris eingef\u00fchrt: Es handelte sich dabei um den Cake Walk, inspiriert von den amerikanischen Minstrel-Shows, in denen sich Wei\u00dfe als Schwarze schminkten, um wie die ehemaligen Sklaven zu singen und zu tanzen.<\/p>\n<div id=\"attachment_87105\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 560px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-87105 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Foto-Cravageot-von-Jan-Wengenroth.jpg\" alt=\"\" width=\"550\" height=\"618\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Marie Cravageot von der Bergischen Univewrsit\u00e4t &#8211; \u00a9 Jan Wengenroth<\/span><\/div>\n<p>Die \u201eart n\u00e8gre\u201d (schwarze Kunst), die Picasso und den Surrealisten so am Herzen lag, die Gedichte von Cendrars oder die Melodien von Milhaud und Satie zeugen von einer gewissen \u201eNegrophilie\u201d der franz\u00f6sischen K\u00fcnstler des ersten Viertels des 20. Jahrhunderts. Sie war untrennbar mit einem Streben nach Modernit\u00e4t verbunden, das einen Skandal ausl\u00f6ste: afrikanische Idole im Gegensatz zu den Statuen der klassischen Antike, Jazz, der mit den amerikanischen Soldaten des Ersten Weltkriegs Einzug hielt und mit der Kammermusik oder der Oper des alten Europas konkurrierte \u2013 und schlie\u00dflich Josephine Baker, die temperamentvolle T\u00e4nzerin im leichten Bananenrock.<\/p>\n<p>Es schien, dass der \u201ewilde Tanz\u201d, mit dem sich die T\u00e4nzerin am 2. Oktober 1925 dem gesamten Pariser Publikum pr\u00e4sentierte, auf Wunsch der Eigent\u00fcmer des Music-hall des Champs-\u00c9lys\u00e9es, denen es an Zuschauern mangelte, in die New Yorker Inszenierung aufgenommen wurde. Sie verk\u00f6rperte das Bild der emanzipierten Frau, die in der Lage war, \u00fcber ihren K\u00f6rper zu entscheiden \u2013 sich dem Fest der wilden Jahre hinzugeben.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Sie liebte und lebte das Image der wilden Amazone und spazierte mit einem lebenden Leoparden durch Paris. War das der Chic des Art deco?<\/strong><\/p>\n<p>Marie Cravageot: &#8222;Die verf\u00fchrerische, instinktive Josephine Baker war der Liebling von ganz Paris. Dies verdankte sie insbesondere Henri Varna, dem Direktor des Casinos de Paris, und dem Musiker Henri Scotto, der ihr 1930 ihren gr\u00f6\u00dften Erfolg schrieb: <em>J\u2019ai deux amour. <\/em>Derselbe Varna schenkte ihr einen Geparden namens Chiquita, der sie auf der B\u00fchne und privat begleitete. Sie f\u00fchrte ihn an der Leine in Deauville oder auf den Champs-Elys\u00e9es spazieren, gekleidet in ein Kleid mit Fleckenmuster oder einen Pelzmantel. Mit ihm wurde sie zu einer echten \u201eProminenten\u201d. Sie inspirierte die Mode der damaligen Zeit: Modesch\u00f6pfer skizzierten ihre Silhouette, Frauen kopierten ihre kurze Frisur, deren Str\u00e4hnen mit Gel an die Stirn geklebt wurden. Ein Schnitt, der seitdem unter dem Namen Baby Hair bekannt ist. Von einer exotischen Kuriosit\u00e4t wurde sie zu einem Star.<\/p>\n<p>Zu dieser Zeit, als Josephine Baker zur Muse der Haute Couture wurde, mit Jean Gabin im Kino spielte und mit ihren Tieren \u2013 Geparden, Schweinen, Ziegen \u2013 um die Welt reiste, verbrachte sie auch viel Zeit in einer ber\u00fchmten Brasserie in Paris, <em>La Coupole<\/em>, mit ihrer extravaganten Art-d\u00e9co-Einrichtung. In den 1930er Jahren war dies ein wichtiger Treffpunkt f\u00fcr die K\u00fcnstler von Montparnasse. Sie verbrachte dort so viel Zeit, dass der Maler Robiquet sie auf einer der bemalten S\u00e4ulen der Brasserie verewigte.&#8220;<\/p>\n<p><strong>1951 tourte sie durch Amerika. Bei ihren Auftritten gab es erstmalig keine Rassentrennung. Sie war somit die erste Entertainerin, die vor einem gemischten Publikum auftreten durfte. Das war eine Sensation, obwohl sie danach bis 1963 ein Einreiseverbot f\u00fcr die USA erhielt, oder?<\/strong><\/p>\n<p>Marie Cravageot: &#8222;Nach jahrelanger Abwesenheit kehrte Josephine Baker 1948 in die Vereinigten Staaten zur\u00fcck, um eine Gesangstournee zu absolvieren, die sich jedoch als Albtraum entpuppte. Allein in New York wurden ihr aufgrund ihrer Hautfarbe mehr als drei\u00dfig Hotelreservierungen verweigert. Im Amerika der Nachkriegszeit war die Rassentrennung so stark, dass es einen Reisef\u00fchrer gab, das Green Book, der Afroamerikanern helfen sollte, sich ungehindert fortbewegen zu k\u00f6nnen. Ein bedeutendes Ereignis ereignete sich einige Jahre sp\u00e4ter, als der Copa City Club in Miami 1951 Josephine einlud, sie sich jedoch weigerte, Vertr\u00e4ge mit Theatern zu unterzeichnen, die Rassentrennung praktizierten. Es gelang ihr, diesen Konzertsaal davon zu \u00fcberzeugen, seine R\u00e4umlichkeiten f\u00fcr afroamerikanisches Publikum zu \u00f6ffnen.\u00a0 Als Beweis f\u00fcr die Popularit\u00e4t der K\u00fcnstlerin wurden diese in den Vereinigten Staaten beispiellosen Bedingungen akzeptiert. So war sie die erste K\u00fcnstlerin, die vor einem gemischten Publikum auftrat.<\/p>\n<div id=\"attachment_87106\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 560px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-87106 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Josephine-Baker_Banana.jpg\" alt=\"\" width=\"550\" height=\"827\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Josephine Baker im Bananenr\u00f6ckchen aus der Folies-Berg\u00e8re-Produktion Un Vent de Folie (1927) &#8211; \u00a9 Ders.<\/span><\/div>\n<p>Ihre politischen Engagements wurden jedoch in der Presse kontrovers diskutiert, was sich auf ihre Karriere in den Vereinigten Staaten auswirkte. In den 1960er Jahren f\u00fchrten der Marsch auf Washington und ihr Besuch im Kuba unter Castro dazu, dass ihr Visum mehrmals widerrufen wurde. 1963 hielt Josephine Baker ihre Pressekonferenzen sogar auf Franz\u00f6sisch ab, begleitet von einem \u00dcbersetzer. Sie gab ihre \u00dcberzeugungen nicht zugunsten ihrer k\u00fcnstlerischen Karriere auf. Ihre Modernit\u00e4t lag darin, Grenzen zu \u00fcberwinden, institutionelle Zw\u00e4nge zu nutzen und sich dann von ihnen zu befreien. Sie war weniger eine Aktivistin, die von einer bestimmten Ideologie beseelt war, sondern vielmehr eine unabh\u00e4ngige K\u00e4mpferin. Ihre Anliegen entsprachen ihren eigenen Lebenserfahrungen.&#8220;<\/p>\n<p><strong>In Frankreich war sie aber vielmehr als eine T\u00e4nzerin. Im Zweiten Weltkrieg war sie in der Resistance engagiert, machte den Pilotenschein, adoptierte in den 50er Jahren 12 Kinder und setzte damit ein Zeichen gegen Rassismus. Martin Luther King holte sie sogar 1963 beim Marsch auf Washington f\u00fcr Arbeit und Freiheit ans Rednerpult. Wie politisch war sie?<\/strong><\/p>\n<p>Marie Cravageot: &#8222;Nach ihrer Heirat im Jahr 1937 wurde sie Franz\u00f6sin, und ihre Karriere und ihr Leben nahmen w\u00e4hrend der Besatzungszeit eine andere Wendung. Als der Krieg ausbrach, nutzte Jos\u00e9phine ihre Bekanntheit und ihr Talent, um die Truppen an der Front zu motivieren. Sie engagierte sich f\u00fcr das Rote Kreuz, verschickte Pakete und wurde sogar Patin von mehr als 400 Soldaten. Nach dem Aufruf von General de Gaulle am 18. Juni wurde sie von Jacques Abtey, dem Leiter der milit\u00e4rischen Spionageabwehr in Paris, \u201eangesprochen\u201d. Er schlug ihr vor, heimlich sensible Informationen vom Feind zu sammeln. Auch hier nutzte sie ihre Bekanntheit und ihren Charme, um insbesondere die italienische und die portugiesische Botschaft zu besuchen und Informationen \u00fcber die Positionen der Besatzungsarmeen zu sammeln.<\/p>\n<p>Dank ihrer Ber\u00fchmtheit und ihrer Reisen konnte sie Informationen sammeln und an die Alliierten weitergeben. Unter anderem benutzte sie Notenbl\u00e4tter als Tr\u00e4ger f\u00fcr ihre verschl\u00fcsselten Nachrichten. 1943 reiste Jos\u00e9phine nach Nordafrika, immer noch mit dem Ziel, die Moral der Truppen zu st\u00e4rken. Sie unterst\u00fctzte die franz\u00f6sische Armee auch finanziell, indem sie ihr ihre gesamten Gagen \u00fcbergab. Ab 1944 trat sie als Leutnant in die Luftwaffe ein und geh\u00f6rte zu den Truppen, die im Oktober in Marseille landeten. F\u00fcr ihre Taten wurde sie sp\u00e4ter mit der Medaille der R\u00e9sistance, dem Kriegskreuz und der Ehrenlegion ausgezeichnet.<\/p>\n<p>Jos\u00e9phine Baker engagierte sich auch f\u00fcr Freiheit und gegen Rassismus und war eine f\u00fcrsorgliche Mutter f\u00fcr die zw\u00f6lf Kinder aus aller Welt, die sie nach dem Krieg zusammen mit ihrem Ehemann Jo Bouillon adoptierte. Als Opfer von Diskriminierung in New York im Jahr 1951 unterst\u00fctzte sie die aufkommende B\u00fcrgerrechtsbewegung und war eine der wenigen Frauen, die 1963 bei Martin Luther Kings ber\u00fchmtem Marsch auf Washington eine Rede hielten, wobei sie zu diesem Anlass ihre Uniform als Widerstandsk\u00e4mpferin trug.<\/p>\n<div id=\"attachment_87107\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 560px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-87107 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Josephine-Baker_Harcourt_1948.jpg\" alt=\"\" width=\"550\" height=\"597\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Josephine Baker als Sous-Lieutenant der franz\u00f6sischen Arm\u00e9e de l\u00b4air, 1948<\/span><\/div>\n<p>In dieser Rede betonte sie die Bedeutung von W\u00fcrde und Freiheit f\u00fcr alle und stellte ihre Erfahrungen mit Diskriminierung in den Vereinigten Staaten der Freiheit gegen\u00fcber, die sie in Frankreich gefunden hatte. Sie ermutigte junge Menschen auch, zur Schule zu gehen und sich mit einem Stift statt mit einer Waffe zu bewaffnen, denn sie behauptete, dass \u201eein Stift m\u00e4chtiger ist als ein Schwert\u201d. Schlie\u00dflich betonte sie, dass Einheit f\u00fcr den Sieg unerl\u00e4sslich sei und dass die Anstrengungen nach diesem historischen Tag verdoppelt werden m\u00fcssten. Ihre von der Menge mit Spannung erwartete Rede wurde als Kr\u00f6nung ihres Lebens als K\u00e4mpferin angesehen und st\u00e4rkte die Hoffnung auf eine vers\u00f6hnte Welt, wie sie selbst sagte, denn es war der sch\u00f6nste Tag ihres Lebens.<\/p>\n<p>Eines der starken Symbole f\u00fcr Josephine Bakers Humanismus ist ihr \u201eTribu arc-en-ciel\u201c (Regenbogenstamm) aus adoptierten Kindern unterschiedlicher Herkunft, mit denen sie ein lebendiges Beispiel f\u00fcr weltweite Br\u00fcderlichkeit schaffen wollte. Sie nahm diese Kinder aus aller Welt, unterschiedlicher Ethnien und Religionen, in ihrem Schloss Les Milandes auf, um zu zeigen, dass es m\u00f6glich ist, Menschen zusammenzubringen, als Beispiel f\u00fcr universelle Br\u00fcderlichkeit. Sie wollte damit erreichen, dass die Kinder den Erwachsenen ein absolutes Beispiel f\u00fcr Toleranz geben.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Vor 50 Jahren starb sie und wurde in Monaco beigesetzt. Sie wird posthum 2021 als erste schwarze Frau ins Pariser Pantheon aufgenommen. Das ist eine ganz besondere Ehre, oder?<\/strong><\/p>\n<p>Marie Cravageot: &#8222;Als sechste Frau \u2013 aber erste schwarze Frau \u2013, die am 30. November 2021 in das Panth\u00e9on aufgenommen wurde, ist Jos\u00e9phine Baker ein Beispiel f\u00fcr eine Frau voller Kampfgeist und \u00dcberzeugungen. In den ihr gewidmeten W\u00fcrdigungen werden ihre K\u00e4mpfe und ihr Einsatz gegen Armut, Rassismus, Ungerechtigkeit, Besatzer, aber auch gegen Gewalt gegen Frauen hervorgehoben, da sie selbst im Alter von 13 Jahren zwangsverheiratet worden war. Mehrere Dokumente zeugen von ihren K\u00e4mpfen und ihrer Unterst\u00fctzung f\u00fcr das Land, das sie aufgenommen hatte.<\/p>\n<p>Ohne ihr Herkunftsland zu verleugnen, entschied sie sich f\u00fcr Frankreich, denn \u201eFrankreich hat mich zu dem gemacht, was ich bin. Ich werde ihm daf\u00fcr ewig dankbar sein. [\u2026] In dem Moment, in dem man das absolute und vollst\u00e4ndige Gl\u00fcck findet, kann man mit \u00dcberzeugung sagen: Dies ist mein Land.\u201c<\/p>\n<p>Diese Aufnahme in das Panth\u00e9on, den Tempel der Anerkennung durch das Vaterland \u2013 \u201eAux grands hommes la patrie reconnaissante\u201c (Dem Vaterland zu Dank verpflichtet sind die gro\u00dfen M\u00e4nner) \u2013 kann als Hommage an dieses Engagement angesehen werden.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Josephine Baker schrieb selber mehrere Autobiographien, die alle etwas Anderes \u00fcber ihr Leben erz\u00e4hlen. Wie erinnern wir uns denn heute an Sie?<\/strong><\/p>\n<p>Marie Cravageot: Heute wird Josephine Baker durch ihre Aufnahme in das Panth\u00e9on im Jahr 2021, ihr Schloss Ch\u00e2teau des Milandes, das als Museum dient, und ein kulturelles und k\u00fcnstlerisches Erbe, das durch Mode, Kino und Musik weiterlebt, geehrt. Dank ihres Engagements in der R\u00e9sistance und ihres Einsatzes f\u00fcr B\u00fcrgerrechte bleibt sie ein starkes Symbol f\u00fcr den Kampf gegen Diskriminierung und f\u00fcr antifaschistisches Engagement.<\/p>\n<p>Sie inspiriert weiterhin K\u00fcnstler, Modesch\u00f6pfer und Choreografen, und ihr filmisches Werk wird regelm\u00e4\u00dfig gefeiert. Als gro\u00dfe Variet\u00e9k\u00fcnstlerin und charismatische Pers\u00f6nlichkeit faszinierte Josephine Baker die Gr\u00f6\u00dften: Von Cocteau \u00fcber Calder bis hin zu Picabia, Cendrars, Simenon, Poiret, Colette oder Desnos \u2013 ihre Bewunderer sind unz\u00e4hlbar. Sie ist auch heute noch eine Inspirationsquelle f\u00fcr zahlreiche K\u00fcnstler, darunter T\u00e4nzer, S\u00e4nger, Performer und Regisseure wie Vera Mantero, Mark Tompkins, Chantal Lo\u00efal, Fatou Sylla, Lisette Malidor, Marie-Claude Pietragalla, Rosemary Phillips und J\u00e9r\u00f4me Savary.<\/p>\n<p>Heute entdeckt eine neue Generation den Reichtum ihrer k\u00fcnstlerischen Pers\u00f6nlichkeit, aber auch ihr Engagement f\u00fcr Gerechtigkeit und Minderheiten wieder. Dies gilt f\u00fcr mehrere Comic-Autoren \u2013 Catel Muller und Jean-Louis Bocquet, P\u00e9n\u00e9lope Bagieu oder Maran Hrachyan \u2013, die von der Aufrichtigkeit ihres Kampfes begeistert waren. Dies gilt auch f\u00fcr die T\u00e4nzerin und Choreografin Rapha\u00eblle Delaunay, die sich auf die Spuren der Urspr\u00fcnge ihrer ber\u00fchmten Tier-T\u00e4nze begab. Laut Rapha\u00eblle Delaunay: \u201eJosephine Baker steht am Schnittpunkt aller zeitgen\u00f6ssischen Trends.\u201c<\/p>\n<p><strong>Uwe Blass<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_87108\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 210px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-87108 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Foto-Cravageot-von-Jan-Wengenroth-Kopie.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"268\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Marie Cravageot &#8211; \u00a9 Jan Wengenroth<\/span><\/div>\n<h4>\u00dcber Marie Cravageot<\/h4>\n<p>Marie Cravageot unterrichtet franz\u00f6sische Literatur in der Fakult\u00e4t f\u00fcr Geistes- und Kulturwissenschaften. Sie ist Expertin f\u00fcr die zeitgen\u00f6ssische Literatur Frankreichs.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Josephine Baker, die Amerikanerin, die ab 1925 ganz Paris verr\u00fcckt machte. Sie wurde zum echten Star der goldenen Zwanziger oder zum \u201eIdol aus dunklem Stahl\u201c, wie es derber\u00fchmte K\u00fcnstler Jean Cocteau ausdr\u00fcckte.\u00a0<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-87102","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissen"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-28 09:00:21","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/87102","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=87102"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/87102\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":87117,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/87102\/revisions\/87117"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=87102"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=87102"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=87102"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}