{"id":87046,"date":"2025-09-29T21:51:42","date_gmt":"2025-09-29T19:51:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=87046"},"modified":"2025-09-29T21:51:42","modified_gmt":"2025-09-29T19:51:42","slug":"bedrohung-und-gewalt-gegen-oeffentliche-personen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2025\/09\/29\/bedrohung-und-gewalt-gegen-oeffentliche-personen\/","title":{"rendered":"Bedrohung und Gewalt gegen \u00f6ffentliche Personen"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_87051\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 2570px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-87051 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Foto-Imbusch1-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1700\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Prof. Dr. Peter Imbusch, Soziologe an der Bergischen Universit\u00e4t &#8211; \u00a9 Uniservice Third Mission<\/span><\/div>\n<p><strong>Sie haben zusammen mit Ihrem Mitarbeiter Joris Steg ein Buch mit dem Titel &#8218;Bedrohungsanalysen` herausgebracht, in dem sie das aktuell brandhei\u00dfe Thema der Angriffe auf Politikerinnen, Journalistinnen, Einsatzkr\u00e4fte und Lehrpersonen thematisieren. Wie sind Sie dazu gekommen?<\/strong><\/p>\n<p>Peter Imbusch: &#8222;In den letzten Jahren haben Bedrohungen und Gewalt gegen Politiker und andere \u00f6ffentliche Personenkreise medial und wissenschaftlich immer mehr Aufmerksamkeit gewonnen. Das hat uns dazu gef\u00fchrt, dass wir selbst eine kleine Studie zur Situation von Lokalpolitikern im Bergischen St\u00e4dtedreieck durchgef\u00fchrt haben, die mit wenigen Abweichungen den gro\u00dfen Trend der Zunahme von Bedrohungen und Gewalt best\u00e4tigt hat. In der intensiveren Besch\u00e4ftigung mit der Thematik ist aber rasch aufgefallen, dass nicht nur Politiker von Drohungen und Gewalt betroffen sind, sondern auch andere \u00f6ffentliche Personenkreise, wie z.B. Journalisten, Polizei, Feuerwehr und der Rettungsdienst, Lehrer und Wissenschaftler, \u00c4rzte und medizinisches Fachpersonal. Mit dem Buch wollten wir die bisherigen, h\u00e4ufig disparaten Ergebnisse zusammenf\u00fchren und genauer wissen, wie es um die Bedrohungslagen wirklich bestellt ist. Es war eigentlich klassische wissenschaftliche Neugier, die uns angetrieben hat, das Buch zu machen.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_44822\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 440px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-44822\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Logo-Transfergeschichten.jpg\" alt=\"\" width=\"430\" height=\"138\" \/><span class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Bergische Universit\u00e4t<\/span><\/div>\n<p><strong>Sie sprechen im Untertitel auch von der Gefahr f\u00fcr die Demokratie. K\u00f6nnen Sie das mal erkl\u00e4ren?<\/strong><\/p>\n<p>Peter Imbusch: &#8222;Wie man auch immer zu den oben genannten Personenkreisen stehen mag, kann man doch nicht leugnen, dass sie f\u00fcr unser Gemeinwesen eminent wichtige Funktionen erf\u00fcllen, die f\u00fcr das gedeihliche Miteinander und eben auch eine lebendige Demokratie unerl\u00e4sslich sind. Wenn beispielsweise Politiker bedroht werden, engagieren sie sich eventuell weniger in den politischen Gremien, tragen politischen Streit weniger offen aus oder ziehen sich ganz aus der Politik zur\u00fcck. Der negative Effekt auf politische Neuank\u00f6mmlinge ist ebenfalls verheerend, wenn etwa neue Abgeordnete damit rechnen m\u00fcssen, angegriffen oder (samt ihrer Mitarbeitenden und Familien) bedroht zu werden.<\/p>\n<p>Unsere liberale Demokratie lebt vom politischen Engagement m\u00f6glichst vieler B\u00fcrger und vom diskursiven Streit um das bessere Argument. Bedrohungen und Gewalt zerst\u00f6ren im Grunde nicht nur die Fundamente der Demokratie als Ordnungsform, sondern auch als Lebensform, die wir alle sch\u00e4tzen. \u00c4hnliches lie\u00dfe sich auch f\u00fcr die anderen bedrohten Gruppen zeigen. Liberale und pluralistische Demokratien leben zwar durchaus vom politischen Konflikt und politische Parteien auch von der Gegnerschaft, aber weder kann Gewalt dabei ein Mittel der politischen Auseinandersetzung und der diskursiven Aushandlung von Interessen sein, noch sollten Gegnerschaft und Konkurrenz als Feindschaft und gewaltsame Auseinandersetzung missverstanden werden.<\/p>\n<p><strong>Die Angriffe richten sich u.a. auch an Lehrkr\u00e4fte in Schulen und Universit\u00e4ten. Gerade in den letzten Tagen gab es dazu wieder ein trauriges Beispiel aus Essen. Welche Institutionen bieten denn da Hilfe an?<\/strong><\/p>\n<p>Peter Imbusch: &#8222;Das ist in der Tat ein gro\u00dfes Problem. Grob gesagt gibt es zwei Perspektiven: F\u00fcr manche der Berufsgruppen haben die entsprechenden Berufsverb\u00e4nde angesichts der anhaltenden Bedrohungslage inzwischen besondere und je spezifische Handreichungen f\u00fcr den Selbstschutz der Personen mit entsprechenden Vorsichtsma\u00dfnahmen verfasst. Die m\u00fcssten dann in den jeweiligen Institutionen umgesetzt werden. F\u00fcr einige wenige der Personengruppen gibt es aber auch \u00fcbergeordnete Meldestellen und Portale, die Hilfsangebote machen. In unserem Buch besch\u00e4ftigen wir uns deshalb auch ausf\u00fchrlich mit der Frage, was denn gegen Bedrohungen und Gewalt getan werden kann. Manchmal ist der Weg zur Polizei zwingend, der aber in vielen F\u00e4llen von Bedrohungen und Gewalt gar nicht so h\u00e4ufig beschritten wird. Da gibt es noch ein gro\u00dfes Dunkelfeld.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Was sind denn die gesellschaftlichen Ursachen und Hintergr\u00fcnde der zunehmenden Bedrohung von \u00f6ffentlichen Personenkreisen?<\/strong><\/p>\n<p>Peter Imbusch: &#8222;Bei Gewalt und Bedrohungen gegen \u00f6ffentliche Personenkreise handelt es sich ganz offensichtlich um ein gesellschaftliches Ph\u00e4nomen, welches mit Einzelfallbetrachtungen und individuellen Zuschreibungen an bestimmte T\u00e4ter oder T\u00e4terinnen nur unzureichend erfasst werden kann. Trotz der manchmal disparat wirkenden Ereignisse scheint es doch gemeinsame Ursachen und Hintergr\u00fcnde f\u00fcr die zunehmende Bedrohung von \u00f6ffentlichen Personenkreisen zu geben. Denn die Anfeindungen, Aggressionen und Angriffe resultieren grob gesagt aus verschiedenen sozio\u00f6konomischen (z.B. Krisen, Konflikte, soziale Ungleichheit), politischen und kulturellen (z.B. dem Erstarken von Rechtspopulismus, Autoritarismus und Nationalismus, Wutprotesten, politischer Entfremdung und sinkendem Institutionenvertrauen) sowie medialen Aspekten (z.B. der Wirkungsweise und den Funktionsprinzipien der sozialen Medien), die nicht isoliert voneinander betrachtet werden d\u00fcrfen, denn sie verbinden, \u00fcberlappen, beeinflussen und verst\u00e4rken sich wechselseitig.<\/p>\n<div id=\"attachment_87055\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 560px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-87055 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/61ynXWKxnkL._SL1173_.jpg\" alt=\"\" width=\"550\" height=\"780\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Bedrohungsanalysen &#8211; Peter Imbusch &amp; Joris Steg &#8211; Verlag Springer VS Erscheinungstermin : 17. November 2025 Sprache &#8211; 520 Seiten &#8211; ISBN-10 : 365848151X &#8211; ISBN-13 : 978-3658481513<\/span><\/div>\n<p>Hinzu kommen bei einzelnen Berufsgruppen noch individuelle, akzidentielle, situative und berufsspezifische Gr\u00fcnde und Motive f\u00fcr Bedrohungen und Gewalt. Die zunehmende Gewalt gegen \u00f6ffentliche Personenkreise ist also ein komplexes gesellschaftliches Ph\u00e4nomen, welches sich einfachen linearen Ursache-Wirkungs-Zusammenh\u00e4ngen entzieht. Die Gewalt gegen \u00f6ffentliche Personenkreise entsteht nicht im luftleeren Raum. Erst wenn wir diese Aspekte zusammen in den Blick nehmen, sehen wir in der Gesellschaft die Entregelungen, Entstrukturierungen und Enthemmungen, die das Ph\u00e4nomen der gesellschaftlichen Ursachen und Hintergr\u00fcnde der zunehmenden Gewalt gegen \u00f6ffentliche Personenkreise einsichtig machen.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Wie stark ist denn in diesem Zusammenhang die Bedrohung und Gewalt von rechts?<\/strong><\/p>\n<p>Peter Imbusch: &#8222;Wenn wir uns die T\u00e4tergruppen anschauen, dann muss man nat\u00fcrlich sagen, dass diese heterogen und nicht einheitlich sind \u2013 das w\u00e4re f\u00fcr so unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen auch seltsam. Gleichwohl gibt es Muster f\u00fcr die einzelnen bedrohten Personenkreise: So werden etwa Politiker ganz \u00fcberwiegend von rechtsextremen oder rechtspopulistischen Kr\u00e4ften angegriffen \u2013 obwohl die AfD und \u00e4hnliche Parteien immer das Gegenteil insinuieren und sich selbst gerne als das gr\u00f6\u00dfte Opfer darstellen. Das gleiche trifft f\u00fcr Journalisten zu, die in den letzten Jahren haupts\u00e4chlich das Opfer von rechten Gruppen, Wutb\u00fcrgern und Querdenkern wurden. Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste haben es mit einer diffuseren T\u00e4tergruppe zu tun.<\/p>\n<p>Und bei \u00c4rzten und Krankenhauspersonal sind es in der Regel die zu behandelnden Kranken selbst oder deren Angeh\u00f6rige, die f\u00fcr \u00c4rger sorgen. Man wird die Frage wahrscheinlich berufsgruppenspezifisch und auch situativ beantworten m\u00fcssen. Schaut man jedoch in die polizeilichen Kriminalstatistiken, dann kommt etwa das Gros der politisch motivierten Kriminalit\u00e4t ganz eindeutig von rechts; diese Formen der Gewalt haben in den letzten Jahren auch am deutlichsten zugenommen. Die Gefahr droht hier ganz eindeutig vom rechten Rand der Gesellschaft!&#8220;<\/p>\n<p><strong>Sie schreiben von empirischen Untersuchungen, die Bedrohungsfelder analysiert und T\u00e4terstrukturen rekonstruiert haben. Woher kommen denn potentielle T\u00e4ter?<\/strong><\/p>\n<p>Peter Imbusch: &#8222;Das ist in dieser Allgemeinheit nicht so leicht zu sagen. Im Buch haben wir unterschiedliche T\u00e4tergruppen identifiziert. Die bisherigen empirischen Untersuchungen besch\u00e4ftigen sich \u00fcberwiegend mit den Gewaltvorf\u00e4llen selbst und deren H\u00e4ufigkeit, ggf. noch mit m\u00f6glichen Gegenma\u00dfnahmen. Sie zeigen zun\u00e4chst, wer wie und in welchem Umfang von Drohungen und Gewalt betroffen ist. Dabei stehen richtigerweise die Opfer im Mittelpunkt. Nur wenige Studien lassen sich \u00fcber die m\u00f6glichen T\u00e4ter aus.<\/p>\n<p>Und wenn sie das tun \u2013 etwa durch die Befragung und Aussagen der Opfer \u2013, dann ergibt sich das oben aufgezeigte, aber unvollst\u00e4ndige Bild der Bedrohungslage. Manchmal agieren die T\u00e4ter auch aus der Anonymit\u00e4t heraus; manchmal kann man ihnen nicht habhaft werden. Da gibt es viele Probleme. Hinzu kommt, dass nur ein Bruchteil der Bedrohungen und Gewaltvorkommnisse gegen die \u00f6ffentlichen Personenkreise \u00fcberhaupt zur Anzeige gebracht und somit justiziabel wird. Die Gr\u00fcnde daf\u00fcr sind wiederum vielschichtig \u2013 und selbst ein Problem.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Welche Handlungsoptionen oder Gegenstrategien gibt es denn und wer formuliert die?<\/strong><\/p>\n<p>Peter Imbusch: &#8222;Handlungsoptionen gegen Gewalt und Bedrohungen wirken leider immer nur eingeschr\u00e4nkt. Nicht zuletzt deshalb ist es f\u00fcr unsere liberale Gesellschaft so wichtig, dass wir m\u00f6glichst gewaltfrei miteinander umgehen. H\u00e4ufig sch\u00fctzen sich die betroffenen Personenkreise selbst, indem sie Vorsichtsma\u00dfnahmen f\u00fcr sich und ihr Umfeld ergreifen. Das reicht von der Etablierung von Sicherheitsarchitekturen bis hin zum Erlernen von Selbstverteidigungsma\u00dfnahmen und der Verinnerlichung von deeskalierenden Sprachregelungen. In Beh\u00f6rden und \u00c4mtern werden durch bauliche Ma\u00dfnahmen oder Sicherheitsvorkehrungen gewaltt\u00e4tige B\u00fcrger auf Distanz gehalten.<\/p>\n<p>Es gibt aber auch bedrohte Gruppen, f\u00fcr die pers\u00f6nliche N\u00e4he unvermeidbar ist, wie etwa die Polizei und der Rettungsdienst, Journalisten, \u00c4rzte, Krankenhauspersonal, die m\u00fcssen schlicht mit Vorsicht und Umsicht ihre T\u00e4tigkeiten aus\u00fcben. Die Handreichungen gegen Bedrohungen und Gewalt stammen, wie gesagt, aus den eigenen Organisationen, von Landesregierungen oder von institutionellen Hilfeeinrichtungen, die sich auf solche Abwehrma\u00dfnahmen spezialisiert haben.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Sie haben zu diesem Thema am 06.10.25 eine Tagung an der Bergischen Universit\u00e4t organisiert, die sich dem Thema Bedrohung, Angriffe und Gewalt in Bezug auf die Wissenschafts- und Pressefreiheit widmet. Wie dramatisch sch\u00e4tzen Sie die Lage denn ein?<\/strong><\/p>\n<p>Peter Imbusch: &#8222;Bei einem oberfl\u00e4chlichen Blick k\u00f6nnte man mit Gelassenheit reagieren. Wissenschafts- und Pressefreiheit sind verfassungsrechtlich verb\u00fcrgt und gelten als essentiell f\u00fcr eine funktionierende Demokratie. Doch bei genauerem Hinsehen muss man sich durchaus Sorgen machen: Journalisten werden vielfach eingesch\u00fcchtert, in ihrer Arbeit behindert, bedroht oder gewaltsam traktiert, insbesondere wenn sie investigativ unterwegs sind oder vermeintlich heikle Themen aufgreifen. Das geschieht nicht nur seitens rechter Gruppierungen aus der Gesellschaft heraus, sondern manchmal auch durch den Staat und seine Organe. In seri\u00f6sen Rankings der Pressefreiheit ist die Bundesrepublik in den letzten Jahren nach unten gerutscht.<\/p>\n<p>Das sollte uns insbesondere im Hinblick auf die Presse als sog. \u201avierte Gewalt\u2018 beunruhigen. Und Wissenschaftler werden in der Regel zwar weniger k\u00f6rperlich angegriffen, aber hier haben wir in den letzten Jahren ebenfalls eine Zunahme von Verleumdungen, Bedrohungen, Ehrabschneidungen, Relativierungen von unliebsamen Forschungsergebnissen oder gar eine regelrechte Wissenschaftsfeindlichkeit erlebt \u2013 also das, was man gemeinhin epistemische Gewalt nennt. Und davor liegen dann noch die unterschiedlich gearteten Cancel Culture-Ph\u00e4nomene von rechts und von links. Schaut man sich die rasanten neueren Entwicklungen in den USA oder manchem unserer europ\u00e4ischen Nachbarl\u00e4nder an, dann kann einem schon Angst und bange werden.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Wir erfahren t\u00e4glich von den Repressionen, die die amtierende amerikanische Regierung auf die Universit\u00e4ten aus\u00fcbt. Ein Referat in ihrer Tagung besch\u00e4ftigt sich auch mit diesem Thema und fragt: Wie steht es um die Wissenschaftsfreiheit in Deutschland? Was meinen Sie?<\/strong><\/p>\n<p>Peter Imbusch: &#8222;Die Repressionen der US-amerikanischen Regierung gegen die Universit\u00e4ten und andere wissenschaftliche Einrichtungen sind v\u00f6llig indiskutabel und brandgef\u00e4hrlich. Sie dienen dazu, enge Denkkorridore zu schaffen und jedwede freie Wissenschaftsaus\u00fcbung zugunsten einer bestimmten Ideologie zu unterbinden. Erschreckend ist es auch zu sehen, wie schnell politischer Druck schwere Sch\u00e4den anrichten kann. Von solchen Verh\u00e4ltnissen sind wir in Deutschland zum Gl\u00fcck (noch) weit entfernt. Doch f\u00fcr Deutschland w\u00fcrde ich sagen: Wehret den Anf\u00e4ngen! Gerade in den heutigen Krisen- und Konfliktsituationen mit ihrer emotionalisierten und aufgeheizten \u00d6ffentlichkeit steht bereits die ein oder andere wissenschaftliche Erkenntnis im Senkel oder kann forschungsm\u00e4\u00dfig nicht weiterverfolgt werden. Auch in Deutschland haben Feinde der Wissenschaftsfreiheit in den letzten Jahren (bei Wahlen und im \u00f6ffentlichen Diskurs) betr\u00e4chtlichen Zulauf erhalten.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Am gleichen Abend findet zus\u00e4tzlich eine Podiumsdiskussion um 18.00 Uhr in der CityKirche statt. Lassen Sie mich abschlie\u00dfend mit dem Titel dieser Veranstaltung fragen: Gibt es eine Verrohung der Gesellschaft?<\/strong><\/p>\n<p>Peter Imbusch: &#8222;Wenn wir uns die Fakten und Zahlen anschauen, dann w\u00fcrde ich schon von einer Verrohung der Gesellschaft sprechen. Auf der einen Seite nehmen Bedrohungen und Gewalt allgemein zu, Krisen und Konflikte tragen zu einer Verunsicherung der B\u00fcrger bei, die soziale Ungleichheit w\u00e4chst, das Vertrauen in den Staat und seine Organe sinkt. Auf der anderen Seite gibt es auch eine Verrohung der politischen Kultur, der Sprache und der Kommunikationsstile, die uns unempfindlich macht, f\u00fcr das Leiden anderer. Wir tragen als Gesellschaft hehre Werte und hohe Normen vor uns her, scheuen uns aber nicht, im Bedarfsfall gegen diese zu versto\u00dfen. Der Level an Humanit\u00e4t sinkt \u2013 und manche nutzen das dann, um selbst direkt oder indirekt handgreiflich zu werden. Schaut man sich die Unzivilisiertheiten im gesellschaftlichen Miteinander, die Beleidigungen und Beschimpfungen im Internet an, dann ist man schnell bei eskalierenden sozialen Protesten und roher physischer Gewalt, die sich gegen Mitmenschen oder \u00f6ffentliche Personenkreise wendet.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Uwe Blass<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_87052\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 210px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-87052 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Foto-Imbusch1-Kopie.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"240\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Prof. Dr. Peter Imbusch &#8211; \u00a9 Uniservice Third Mission<\/span><\/div>\n<h4>\u00dcber Prof. Dr. Peter Imbusch<\/h4>\n<p>Prof. Dr. Peter Imbusch studierte Soziologie, Politikwissenschaften, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte sowie Volkswirtschaftslehre und promovierte zur Sozialstrukturanalyse Lateinamerikas. Er habilitierte sich 2001 mit einer Arbeit \u00fcber \u201eModerne und Gewalt\u201c. Seit 2011 lehrt er als Professor f\u00fcr Politische Soziologie an der Bergischen Universit\u00e4t.<\/p>\n<div id=\"detailBullets_feature_div\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bedrohungsanalysen &#8211; Autor Uwe Blass hat sich im Rahmen der beliebten Uni-Reige &#8222;Transfergeschichten&#8220; mit dem Soziologen Peter Imbusch \u00fcber die zunehmende Bedrohung und Gewalt gegen \u00f6ffentliche Personenkreise unterhalten.\u00a0<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-87046","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissen"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-25 13:59:09","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/87046","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=87046"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/87046\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":87057,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/87046\/revisions\/87057"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=87046"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=87046"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=87046"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}