{"id":86802,"date":"2025-09-21T22:58:05","date_gmt":"2025-09-21T20:58:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=86802"},"modified":"2025-09-21T22:58:05","modified_gmt":"2025-09-21T20:58:05","slug":"das-fest-welches-das-schweigen-brechen-sollte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2025\/09\/21\/das-fest-welches-das-schweigen-brechen-sollte\/","title":{"rendered":"\u201eDas Fest\u201c &#8211; welches das Schweigen brechen sollte"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_86804\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 2570px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-86804 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/SchSpW_DAS_FEST_Bjoern_Hickmann__4_-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1974\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Thomas Braus (l.) als Toastmaster Helmut mit dem Ensemble des St\u00fcckes &#8222;Das Fest&#8220; &#8211; \u00a9 Bj\u00f6rn Hickmann<\/span><\/div>\n<p>\u201eMit 60 hat man keine Ziele mehr, zum Umsatteln ist es zu sp\u00e4t, Im R\u00fcckblick gibt es frohe und traurige Zeiten. Wichtig ist, dass die Kinder zurechtkommen\u2026\u201c Hotelier Helge l\u00e4dt zur Feier seines 60. Geburtstags ein. Mit einer Art Prolog f\u00fchrt Vater Helge (Stefan Walz) in das Geschehen ein und erwartet zur Feier seines Geburtstags geladene G\u00e4ste, insbesondere seine drei Kinder.<\/p>\n<p>Toastmaster Helmut (Thomas Braus) bringt die Erwartung des Gastgebers auf ein fr\u00f6hliches\u00a0Fest bei seinem ersten Toast zum Ausdruck, doch unter der festlichen Oberfl\u00e4che brechen verdr\u00e4ngte Wahrheiten hervor. Das Fest wird zu\u00a0 einem Abend \u00fcber Wahrheit, Schuld und die desastr\u00f6se Kraft des Schweigens \u2013 und dar\u00fcber, was geschieht, wenn es endlich gebrochen wird. Was als gro\u00dfe Geburtstagsfeier beginnt, entwickelt sich zu einem schonungslosen Familiendrama.<\/p>\n<h4>Losentscheid: Wer war dran, Junge oder M\u00e4dchen?<\/h4>\n<p>Zum thematischen Ablauf: Als \u00e4ltester Sohn soll Christian (Alexander Peiler) eine Rede halten. Er l\u00e4sst seinen Vater vor versammeltem Publikum einen der zwei vorbereiteten, verdeckten Redezettel w\u00e4hlen. Der Vater w\u00e4hlt unwissend den Bogen, auf dem die \u201eWahrheitsrede\u201c steht.<\/p>\n<p>Distanziert und fast analytisch beschreibt Christian, wie er und seine verstorbene Schwester Linda regelm\u00e4\u00dfig von ihrem Vater sexuell missbraucht wurden. Der hatte\u00a0 stets das Bad gew\u00e4hlt, die Rollos runtergelassen, eine Kerze angez\u00fcndet und gelost, wer diesmal als erstes dran war, der Junge oder das M\u00e4dchen? An der Festtafel herrscht\u00a0ob dieser Offenbarung betretenes Schweigen.<\/p>\n<p>Mutter Else ergreift das Wort und betont Christians seelisch labilen Zustand, den er schon als Jugendlicher hatte und fordert ihn auf, sich bei seinem Vater zu entschuldigen. Hierauf offenbart Christian, dass seine Mutter von dem Missbrauch wusste und nichts unternahm.<\/p>\n<div id=\"attachment_86805\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 2570px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-86805 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/SchSpW_DAS_FEST_Bjoern_Hickmann__3_-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1378\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Vater Helge (Stefan Walz) als Gastgeber des Famileinfestes, das ganz anders als geplant verl\u00e4uft &#8211; \u00a9 Bj\u00f6rn Hickmann<\/span><\/div>\n<p>Darauf\u00a0 wird\u00a0Christian von einigen M\u00e4nnern der Feier aus dem Haus gezerrt. Statt sich zu entschuldigen, kehrt Christian an den Tisch zur\u00fcck, ergreift das Wort und gibt seinem Vater offen die Schuld am Selbstmord seiner Schwester. Ungeachtet dessen geht das Fest weiter, der Alkohol flie\u00dft mittlerweile in Str\u00f6men.<\/p>\n<p>Die Bedienstete Pia (Paula Sch\u00e4fer) findet einen Brief und bringt ihn Christian, der dem Toastmaster einen anonymen Zettel an den Platz legt, auf welchem nach Festtradition der Name der Person steht, die nun eine Rede halten muss. So ist es jetzt an der \u00a0j\u00fcngsten Tochter Helene (Julia Meier), die wie auch ihr j\u00fcngerer Bruder Michael (Konstantin R\u00fcckert) bisher alle Vorw\u00fcrfe abstritt, gezwungen, den Brief vorzulesen.<\/p>\n<p>Die verstorbene Linda schrieb darin, dass sie sich, traumatisiert durch die Angst vor erneutem Missbrauch durch ihren Vater, das Leben nahm. Wieder kehrt Stille ein. Erst jetzt beginnt die Aufarbeitung des Familiendramas. Wird die Sprachlosigkeit aufgel\u00f6st? K\u00f6nnen die vielschichtigen Einsch\u00fcchterungsversuche Erfolg haben, werden am Ende die Opfer zu T\u00e4tern? Kann die sch\u00fctzende Hand der Familie weiter Wirkung entfalten?<\/p>\n<h4>Brillante Inszenierung bringt die Darsteller in H\u00f6chstform<\/h4>\n<p>Die Theaterfassung von Thomas Vinterberg &amp; Moran Rukov feierte 2000 in Dresden Premiere. Seitdem entstanden zahlreiche Inszenierungen, u.a. in London und am Broadway. Die Wuppertaler Inszenierung von Jenke Nordalm, die Vinterbergs kompromisslose Vorlage in eine intensive Theatererfahrung \u00fcberf\u00fchrt.<\/p>\n<p>Jenke Nordalm studierte Theaterwissenschaft, Germanistik und Kunstgeschichte in Berlin und London, Ihr Hauptinteresse wird mit der Erz\u00e4hlweise aus einem weiblichen Blickwinkel und in der Fokussierung auf die Antihelden beschrieben.<\/p>\n<div id=\"attachment_86806\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 2570px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-86806 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/SchSpW_DAS_FEST_Bjoern_Hickmann__2_-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1707\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Szenen von der Familienfeier, auf der traurige, dramatische Wahrheiten ans Licht kommen &#8211; \u00a9 Bj\u00f6rn Hickmann<\/span><\/div>\n<p>Bei der Inszenierung in Wuppertal wurde der Fokus auf die unmittelbare\u00a0 Wucht des Stoffes, ohne psychologische Besch\u00f6nigung gelegt. So entstand eine Mischung aus Drama und feinsinnigem Humor. Die brillante Inszenierung bringt die Darsteller zur H\u00f6chstform und h\u00e4lt das Publikum in einer ergreifenden Balance zwischen Mitgef\u00fchl und Entsetzen.<\/p>\n<p>Dazu kommt eine eindrucksvolle B\u00fchnenpr\u00e4senz und die sorgf\u00e4ltig gestaltete Kulisse im Opernhaus Wuppertal, die eine Atmosph\u00e4re schafft, welche dem Zuschauern das Gef\u00fchl gibt, Teil des Geschehens zu sein. Hier wird nicht nur Theater gespielt, sondern werden auch dank der \u00fcberragenden Interpreten, Emotionen greifbar gemacht.<\/p>\n<p>Das Premierenpublikum reagierte\u00a0 mit \u201eStanding Ovations\u201c.<\/p>\n<p><strong>Text: Siegfried J\u00e4hne<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>DAS FEST<\/strong><\/p>\n<p>nach dem Originaldrehbuch &#8222;Das Fest&#8220;<\/p>\n<p>von Thomas Vinterberg &amp; Mogens Rukov<\/p>\n<p>f\u00fcr die B\u00fchne bearbeitet von Bo hr. Hansen<\/p>\n<p>in der \u00dcbersetzung von Renate Bleibtreu<\/p>\n<div id=\"attachment_86807\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 2570px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-86807 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/SchSpW_DAS_FEST_Bjoern_Hickmann__5_-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1225\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Im Theatert\u00fcck &#8222;Das Fest&#8220; tun sich w\u00e4hrend einer Familienfeier wahre Abgr\u00fcnde auf &#8211; \u00a9 Bj\u00f6n Hickmann<\/span><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>HELGE, Vater &#8211; STEFAN WALZ<\/p>\n<p>ELSE, Mutter &#8211; JULIA WOLFF<\/p>\n<p>CHRISTIAN, \u00e4ltester Sohn &#8211; ALEXANDER PEILER<\/p>\n<p>MICHAEL, j\u00fcngster Sohn &#8211; KONSTANTIN RICKERT<\/p>\n<p>HELENE, j\u00fcngere Tochter &#8211; JULIA MEIER<\/p>\n<p>PIA, Bedienstete \/ LINDA, tote Schwester &#8211; PAULA SCH\u00c4FER<\/p>\n<p>METTE, Michaels Frau &#8211; SILVIA MUNZ\u00d3N L\u00d3PEZ<\/p>\n<p>MARIJOH, Helenes Geliebte &#8211; CELINE HAMBACH<\/p>\n<p>HELMUT, Toastmaster &#8211; THOMAS BRAUS<\/p>\n<p>KIM, Hausvorstand &#8211; KEVIN WILKE<\/p>\n<p>INSZENIERUNG &#8211; JENKE NORDALM<\/p>\n<p>B\u00dcHNE &amp; KOST\u00dcME &#8211; VESNA HILTMANN<\/p>\n<p>MUSIK\u00a0 &#8211; ULF STEINHAUER<\/p>\n<p>DRAMATURGIE\u00a0 &#8211; ELISABETH HUMMERICH<\/p>\n<p>REGIEASSISTENZ &#8211; TOM DOCKAL<\/p>\n<p>KOST\u00dcMASSISTENZ\u00a0 &#8211; ANNA JURCZAK<\/p>\n<p>INSPIZIENZ &#8211; ILJA BETSER<\/p>\n<p>Dauer: ca. 2 Stunden inkl. einer Pause<\/p>\n<p><strong>Weitere Vorstellungen im Opernhaus:<\/strong><\/p>\n<p>4. Oktober \u2013 1. November &#8211; 14. Dezember 2025 &#8211; 4.Januar &#8211; 19. April &#8211; 2. Mai 2026.<\/p>\n<p>(Es wird bei diesen Vorstellungen besonders auf die sensiblen Inhalte aufmerksam gemacht)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit der Theaterfassung von \u201eDas Fest\u201c, nach Thomas Vinterbergs gleichnamigem, legend\u00e4rem Dogma-Film aus dem Jahr 1998, feierte das Schauspiel Wuppertal im Opernhaus und er\u00f6ffnet damit gleichzeitig die Spielzeit 25\/26. Es geht darin inhaltlich um schockierende Details eines viele Jahre zur\u00fcckliegenden doppelten Kindesmissbrauchs durch den Patriarchen, \u00fcber den die Familie aus Scham und Gr\u00fcnden der Reputation lange geschwiegen hatte.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[29],"tags":[],"class_list":["post-86802","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kultur"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-15 07:03:56","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/86802","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=86802"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/86802\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":86811,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/86802\/revisions\/86811"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=86802"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=86802"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=86802"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}