{"id":86662,"date":"2025-09-13T10:12:44","date_gmt":"2025-09-13T08:12:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=86662"},"modified":"2025-09-14T05:58:08","modified_gmt":"2025-09-14T03:58:08","slug":"ulrich-klose-menschlichkeit-hat-vor-vorrang-vor-jeder-story","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2025\/09\/13\/ulrich-klose-menschlichkeit-hat-vor-vorrang-vor-jeder-story\/","title":{"rendered":"Ulrich Klose: Menschlichkeit hat Vorrang vor jeder Story"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_86664\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1546px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-86664 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/PHOTO-2025-09-10-22-51-05www.jpg\" alt=\"\" width=\"1536\" height=\"1121\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Reporter-Legende Ulrich Klose (r.) und Sharyar Azhdari, vor dem Werk, das der bekannte Essener Pop-Art-K\u00fcnstler von dem TV-Journalisten geschaffen hat &#8211; \u00a9 Azadeh Azhdari<\/span><\/div>\n<p>Der Vollblut-TV-Journalist wurde im April dieses Jahres von seinem Sender mit einer gro\u00dfen Party nach 37 Dienstjahren verabschiedet. RTL-Chefredakteur Gerd Kohlenbach hielt eine denkw\u00fcrdige Laudatio. Ein Film, den Uli Kloses Berliner Kollege Thomas Pr\u00e4kelt aus Videomaterial zusammengeschnitten hatte, das bei den Eins\u00e4tzen des beliebten Krisenreporters entstanden war, lieferte einen beeindruckenden Querschnitt seiner Arbeit als TV-Journalist.<\/p>\n<p>Titel des Werks in nicht ganz lupenreinen Deutsch: \u201eEs gibt nur ein Uli Klose\u201c, angelehnt an die ber\u00fchmte Fu\u00dfball-Hymne: \u201eEs gibt nur ein Rudi V\u00f6ller\u201c. Von den Partyg\u00e4sten wurde der spektakul\u00e4re Zusammenschnitt jedenfalls wie ein erfolgreicher Oscar-Beitrag gefeiert und beim Abspann stimmten alle lautstark mit ein: \u201eEs gibt nur ein Uli Klose.\u201c Nicht nur die anwesende RTL-Prominenz sang mit, sondern auch externe Wegbegleiter wie NRW-Innenminister Herbert Reul und NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann.<\/p>\n<h4>Der Arzt, der sich total irrte<\/h4>\n<p>Auch jetzt im Gespr\u00e4ch mit Moderatorin Pari Azhdari schaute Uli Klose &#8211; inzwischen mit ein wenig Abstand &#8211; dem\u00fctig und dankbar auf seine lange TV-Karriere zur\u00fcck. Dabei hatte alles mit einem gro\u00dfen Knall begonnen. Der TV-Journalist erinnerte an das buchst\u00e4blich einschneidende Erlebnis: Es war w\u00e4hrend seiner Ausbildung zum Bundeswehr-Leutnant der Reserve. Er kam aus einem Wochenendurlaub und hatte rund 650 Kilometer mit seinem VW-K\u00e4fer zur\u00fcckgelegt. 200 Meter vor der Bundeswehr-Akademie hielt er an einer Telefonzelle an, um seine Eltern zu informieren, dass er gut angekommen sei. Es gab damals noch keine Handys.<\/p>\n<div id=\"attachment_82957\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 859px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-82957 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/cropped-Ulli-Klose-privat-2.jpg\" alt=\"\" width=\"849\" height=\"447\" \/><span class=\"wp-caption-text\">RTL-Reporter Ulrich Klose bei einem seiner vielen gef\u00e4hrlichen Kriegseins\u00e4tze im Irak &#8211; \u00a9 privat<\/span><\/div>\n<p>Nach dem Telefonat stieg er in seinen Pkw, schnallte sich aber f\u00fcr die restlichen paar Meter nicht mehr an. Ein Fehler! Pl\u00f6tzlich krachte ein BMW frontal in seinen K\u00e4fer hinein. Ulrich Klose flog durch die Frontscheibe und erlitt schwere Schnittverletzungen am Kopf. \u201eNach der OP im Krankenhaus Tutzing sagte der Chirurg bei der Visite zu mir: \u201aLieber Herr Klose, Sie haben noch einmal Gl\u00fcck gehabt, die Narben fallen kaum auf. Und zum Fernsehen wollen Sie doch eh nicht!\u2018 \u00a0Wie man sieht, kann sich auch ein exzellenter Arzt einmal irren\u201c, berichtete der TV-Reporter lachend.<\/p>\n<h4>Die Kalaschnikow am Kopf<\/h4>\n<p>Es waren interessante, nachdenklich stimmende, aber auch kurzweilige 70 Minuten, in denen der TV-Mann, der eher aus Zufall zum Kriegsreporter geworden war, aus seinem spannenden Leben vor der Kamera erz\u00e4hlte. Er erlebte und \u00fcberlebte dramatische Situationen wie die in Somalia, als er und sein Kameramann von einer unter Drogen stehenden Jugendbande ausgeraubt wurde und ihm Sekunden lang, die ihm wie Stunden vorkamen, eine Kalaschnikow an die Schl\u00e4fe gehalten wurde.<\/p>\n<p>\u201eDa hatte ich mit meinem Leben abgeschlossen und nur noch gedacht, wenn er jetzt abdr\u00fcckt, dann soll es auch das Ende gewesen sein. Schwer verletzt in der W\u00fcste zur\u00fcck zu bleiben, Hunderte Kilometer vom n\u00e4chsten Krankenhaus entfernt, das wollte ich auf keinen Fall\u201c, berichtete Ulrich Klose. In der Galerie h\u00e4tte man eine Stecknadel fallen h\u00f6ren.<\/p>\n<div id=\"attachment_84597\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 2566px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-84597 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/cropped-DSCF8993-1-scaled-1.jpg\" alt=\"\" width=\"2556\" height=\"1345\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Zwei, die sich gut verstehen: Ulrich Klose (r.) und NRW-Innenminister Herbert Reul bei der Abschiedsparty des TV-Journalisten in der Kantine des Privatsenders &#8211; \u00a9 RTL<\/span><\/div>\n<p>Er sah in seinem Job viel Leid, viel Blut, viele Tote. \u201eWie haben Sie diese traumatischen Erlebnisse \u00fcberhaupt verarbeitet?\u201c wollte Moderatorin Pari Azhdari wissen. Seine Antwort: \u201eWenn ich ehrlich bin, muss ich sagen, dass ich gar nicht wei\u00df, ob ich das alles schon verarbeitet habe. Ich habe heute noch Alptr\u00e4ume. RTL hatte mir professionelle Hilfe angeboten, die ich aber nicht in Anspruch genommen habe. Meine Familie hat mir sehr geholfen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWarum haben Sie eigentlich keine Kinder?\u201c Diese Frage von Pari Azhdari machte den sonst so schlagfertigen Ex-Reporter nachdenklich: \u201eIch bin eigentlich sehr kinderlieb und h\u00e4tte selbst gern Kinder gehabt. Aber bei meinem zum Teil sehr gef\u00e4hrlichen Beruf \u00a0wollte ich es keiner Frau zumuten, am Ende m\u00f6glicherweise allein mit den Kindern dar zu stehen. Ich wusste ja oft gar nicht, ob ich von einem Einsatz \u00fcberhaupt noch einmal zur\u00fcckkommen w\u00fcrde. Ich habe schlie\u00dflich eine Reihe guter Kollegen im Einsatz verloren. Ich dagegen hatte Gottseidank immer Gl\u00fcck.\u201c<\/p>\n<h4>Papst-Live-Schalte von der Toilette<\/h4>\n<p>Das war der dramatische, der ernste und nachdenkliche Teil des Talks. Ulrich Klose hatte aber auch Storys zum Schmunzeln im Gep\u00e4ck. Beispielsweise vom langersehnten Interview mit Pal\u00e4stinenser-F\u00fchrer Jassir Arafat, das schon vor der ersten Frage beendet war, weil dem stolzen Araber eben diese Frage nicht gefiel. Oder die Geschichte, wie er und sein Team einen ahnungslosen Autoverleiher austricksten, ihm vorgaukelten, sie w\u00fcrden mit dem geliehenen Pkw nach Slowenien in den Urlaub fahren, stattdessen aber das brisante Kriegsgebiet in Bosnien ansteuerten.<\/p>\n<p>S\u00fcffisant l\u00e4chend schilderte er auch seine au\u00dfergew\u00f6hnlichen Papst-Live-Schalte auf einer Londoner Toilette, von den Fu\u00dfball\u2013Reportagen, die ihm Arminia Bielefelds Mannschaftsarzt von den Spielen seines Herzensvereins von der Trainerbank aus live und exklusiv in die W\u00fcste lieferte.<\/p>\n<div id=\"attachment_86665\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 2058px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-86665 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/PHOTO-2025-09-10-22-51-06xxx.jpg\" alt=\"\" width=\"2048\" height=\"1175\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Ulrich Klose (M.) als prominenter, spannender Gast beim Event &#8222;S-ART-Talk&#8220; mit Moderatorin Pari Azhdari in der Kunst- &amp; Kultur-Galerie S-ART in Essen &#8211; \u00a9 Azadeh Azhdari<\/span><\/div>\n<p>Und nicht zuletzt auch die Geschichte, die selbst den Reporter, den eigentlich nichts ersch\u00fcttern kann, f\u00fcr Sekunden aus der Fassung brachte. O-Ton Uli Klose: \u201eIch habe eine deutschen Soldaten der Friedenstruppe in Bosnien interviewt. Am Schluss fragte er mich, ob er \u00fcbers Mikrofon noch ein paar pers\u00f6nliche Worte an seine Ehefrau richten d\u00fcrfe. Ich stimmte zu und dachte mir nichts B\u00f6ses dabei. Doch dann sagte er: \u201aSchatz, schau Dir noch einmal die Wohnung an. Wenn ich nach Hause komme, wirst Du eine Woche lang nur die Decke sehen!\u2018 Wumms! Ich versuchte die Situation noch zu retten und erkl\u00e4rte: \u201aVerstehe, Sie wollen die ganze Wohnung renovieren.\u2018 Aber richtig erfolgreich war dieser Ablenkungsversuch dann doch nicht.\u201c Auch nicht beim Publikum in der Galerie. Hier gab es ein schallendes Gel\u00e4chter.<\/p>\n<h4>Demut und Dankbarkeit<\/h4>\n<p>Ganz still wurde es noch einmal, als Ulrich Klose, der in Zukunft im Unruhestand viel reisen will, eine ganz pers\u00f6nliche Bilanz seines Journalisten-Lebens zog: \u201eIch bin dankbar f\u00fcr meine spannenden 37 Berufsjahre. Ich bin meinem Sender dankbar, der mich nie zu einem Einsatz gezwungen hat. Ich habe das alles immer v\u00f6llig freiwillig gemacht. Zugegeben, ich bin ehrgeizig, aber ich war immer erst Mensch und dann Reporter. Menschlichkeit hatte f\u00fcr mich absoluten Vorrang vor jeder Story. Das ist mir ganz wichtig.\u201c Ein Schlusswort wie in Stein gemei\u00dfelt. Das Schlusswort eines sehr erfolgreichen, aber auch sehr sympathischen, empathischen Fernseh-Reporters. Die gebannt zuh\u00f6renden Talk-Show-G\u00e4ste nahmen ihm jeden einzelnen Buchstaben davon ab. Tosender Applaus als Lohn f\u00fcr ein offenes, ehrliches und denkw\u00fcrdiges Gespr\u00e4ch bei \u201eS-ART-Talk\u201c.<\/p>\n<p><strong>Text: Peter Pionke\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Link zur Webseite der Kunst- &amp; Kultur-Galerie S-ART:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.s-art-events.de\">http:\/\/www.s-art-events.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das war mit Sicherheit sein ungef\u00e4hrlichster Einsatz! RTL-Reporter-Legende Ulrich Klose (68) berichtete beim \u201eS-ART-Talk\u201c in der Kunst- &#038; Kultur-Galerie S-ART in Essen spannend und hautnah von seinen dramatischen Erlebnissen als Kriegsreporter u.a. in Bosnien, Somalia, Ruanda und im Irak. Es war mucksm\u00e4uschenstill in der Galerie des bekannten Essener Pop-Art-K\u00fcnstlers Sharyar Azhdari.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[29],"tags":[],"class_list":["post-86662","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kultur"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-05 12:33:26","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/86662","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=86662"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/86662\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":86675,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/86662\/revisions\/86675"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=86662"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=86662"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=86662"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}