{"id":86547,"date":"2025-09-03T07:42:24","date_gmt":"2025-09-03T05:42:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=86547"},"modified":"2025-09-13T10:15:04","modified_gmt":"2025-09-13T08:15:04","slug":"nivea-vertrauen-sauberkeit-frische-und-pflege","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2025\/09\/03\/nivea-vertrauen-sauberkeit-frische-und-pflege\/","title":{"rendered":"Nivea: Vertrauen, Sauberkeit, Frische und Pflege"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_86549\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 2570px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-86549 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Topel-Foto-Sebastian-Jarych-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1707\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Martin Topel, Professor f\u00fcr Industrie-Design an der Bergischen Universit\u00e4t &#8211; \u00a9 Sebastian Jarych<\/span><\/div>\n<p>Dar\u00fcber hat sich Autor Uwe Blass mit\u00a0Martin Topel, Professor f\u00fcr Industrie-Design, im Rahmen der beliebten Uni-Reihe &#8222;Jahr100Wissen&#8220; unterhalten.<\/p>\n<p><strong>Was bedeutet der Name?<\/strong><\/p>\n<p>Martin Topel: &#8222;Der Name kommt von der superwei\u00dfen Farbe dieser Creme. Es ist gelungen, sie reinwei\u00df herzustellen. NIVEA leitet sich vom lateinischen Wort &#8222;niveus&#8220; bzw. &#8222;nivea&#8220; ab, was \u201eschneewei\u00df\u201c bedeutet und dr\u00fcckt den Anspruch an das Produkt aus.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Seit 1925 hat die NIVEA Cremedose ihre unverwechselbare blaue Farbe. Warum gerade blau?<\/strong><\/p>\n<p>Martin Topel: &#8222;Das ist diese Reinheit, das ist Natur, das ist Klarheit und das ist mit diesem wei\u00dfen geschwungenen Schriftzug auch ein wundersch\u00f6nes Zitat eines blauen Sommerhimmels mit wei\u00dfen Wolken. Das Konzept dieser Kampagne geht auf Juan Gregorio Clausen zur\u00fcck, der ab 1920 Werbeleiter von Beiersdorf war. Der Farbton Blau steht f\u00fcr Vertrauen, Zuverl\u00e4ssigkeit, Sauberkeit, Frische und Pflege. Wenn man andere Produkte aus dieser Zeit betrachtet, ist das NIVEA Design unfassbar modern gewesen. Keine Schn\u00f6rkel, keinerlei Zierrat, eine Klarheit, die uns bis heute komplett begeistert.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_53830\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 440px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-53830\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Logo-Jahr100Wissen.jpg\" alt=\"\" width=\"430\" height=\"138\" \/><span class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Bergische Universit\u00e4t<\/span><\/div>\n<p><strong>NIVEA Creme ist die \u00e4lteste und erfolgreichste Hautpflegecreme der Welt. Angeregt durch den Erfolg produzierte die Beiersdorf AG schon bald auch Puder, Seife, Haarmilch sowie Pflegeseife f\u00fcr die Rasur. Wie hat man denn damals f\u00fcr das Produkt geworben?<\/strong><\/p>\n<p>Martin Topel: &#8222;In den fr\u00fchen Jahren der NIVEA-Werbung, insbesondere ab den 1920er-Jahren, setzte die Beiersdorf AG auf innovative und bis dahin ungew\u00f6hnlich moderne Werbestrategien. Man muss sich vorstellen, in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts ist auch das Bauhaus entstanden, da gab es einen Umbruch, weg vom Jugendstil hin zu dieser Klarheit. Die Kommunikationsstrategie war gut, denn sie hat das Nat\u00fcrliche hervorgehoben. Diese Einfachheit und auch der Duft, der bis heute gleichgeblieben ist, hat eine Frische. Das hat man ganz passend und stimmig im Werbekonzept verarbeitet. Man fing an im Raum Hamburg mit Werbeplakaten zu testen. Es wurde die gesunde, gepflegte Familie in ihrer Nat\u00fcrlichkeit dargestellt.<\/p>\n<p>Die Werbung richtete sich zunehmend an breite Bev\u00f6lkerungsschichten und war f\u00fcr ihre Zeit sehr fortschrittlich. Geworben wurde damals mit Illustrationen und auff\u00e4llig gestalteten Werbeplakaten mit eleganten Frauen, fr\u00f6hlichen Kindern oder sportlichen M\u00e4nnern. Oft wurden stilisierte Darstellungen verwendet, also idealisierte Sch\u00f6nheitsbilder, die N\u00e4he, Vertrauen und Reinheit ausstrahlten. In dieser Zeit wurde auch das ber\u00fchmte \u00b4NIVEA-Kind` eingef\u00fchrt, ein blondes, gesundes, lachendes Kind, das Symbol f\u00fcr Unschuld, Nat\u00fcrlichkeit und Pflege. Dieses Motiv pr\u00e4gte jahrzehntelang die Markenidentit\u00e4t. Also mit Sport, Gesundheit und Familie betonte die Werbung k\u00f6rperliche Fitness, gesunde Hautpflege und Familiensinn, NIVEA war also ein Produkt f\u00fcr die ganze Familie. Durch gezielte Werbung in Zeitungen, Zeitschriften und auf Werbes\u00e4ulen wurde NIVEA als zuverl\u00e4ssiger Alltagsbegleiter f\u00fcr Pflege und Hygiene positioniert. Die Creme symbolisierte etwas Modernes und wurde auch schon damals als etwas Wissenschaftlich-Gepr\u00fcftes pr\u00e4sentiert. NIVEA war kein Luxusartikel, sondern ein Produkt f\u00fcr jedermann.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Werbetechnisch ist die Beiersdorf AG auch up to date. Mit den \u201eNIVEA-Jungs\u201c, drei Br\u00fcdern und den \u201eReklamem\u00e4dchen\u201c, drei Schwestern, erreichten sie 1924 und 1925 auch die ganz junge Zielgruppe. Das war marketingtechnisch schon clever, oder?<\/strong><\/p>\n<p>Martin Topel: &#8222;Ja, das ist diese Jugendlichkeit. Man hat diese phantastische Haut, die Jugendliche haben, noch einmal als Fl\u00e4che genutzt, um diese Wirkung der Creme zu zeigen und zu versprechen, dass, wenn ich auch \u00e4lter bin und mich immer mit Nivea eincreme, ich diese Jugendlichkeit behalte. Deshalb pflegen wir ja auch unsere Haut, um sie zu erhalten und zu sch\u00fctzen. Mit den \u201eNIVEA-Jungs\u201c hatte sich Clausen eine Kampagne \u00fcberlegt. Diese wurde ab Februar 1924 deutschlandweit geschaltet. Das Neue an der Kampagne war die Leichtigkeit und Freude in der Darstellung der drei jungen Berliner Br\u00fcder.<\/p>\n<div id=\"attachment_86552\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 460px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-86552 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/NIVEA-Logo-Beiersdorf-AG-gemeinfrei-1.png\" alt=\"\" width=\"450\" height=\"450\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Das Nivea-Logo des Unternehmens Beiersdorf AG &#8211; \u00a9 gemeinfrei<\/span><\/div>\n<p>Hier wirkte nichts k\u00fcnstlich oder stilistisch \u00fcberfrachtet. Damit passte die Werbekampagne zum neuen und frischen Design der Cremedose. Die Marke NIVEA entwickelte durch die einheitliche Sprache von Produkt und Werbung ein frisches Image. Clausen wurde mit diesen wegweisenden Entscheidungen zu einer der wichtigsten Pers\u00f6nlichkeiten der Beiersdorf-Geschichte und bewies damit, wie fr\u00fche Werbung, die sich gesellschaftlichen Rahmenbedingungen anpasste, zu ph\u00e4nomenalen Erfolgen f\u00fchren konnte.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Ende der 20er Jahre produziert Beiersdorf auch Werbefilme f\u00fcrs Kino und ist auch da am Puls der Zeit mit einem neuen Frauenbild. Wie sah das denn aus?<\/strong><\/p>\n<p>Martin Topel: &#8222;Es war die selbstbewusste, freie Frau, die nicht mehr im Schatten ihres Mannes steht, die selbst\u00e4ndig handelt, strahlend ist, die in einer nat\u00fcrlichen Sch\u00f6nheit auftritt und damit den Zeitgeist trifft. Clausen erkannte, dass es zu tiefgreifenden gesellschaftlichen Ver\u00e4nderungen gekommen war. \u00b4Jugend` und \u00b4Freizeit` wurden zu Modew\u00f6rtern der Zeit, und die im Freien gebr\u00e4unte Haut stand f\u00fcr Nat\u00fcrlichkeit und Gesundheit und nicht mehr f\u00fcr die harte Arbeit auf dem Land. Gebr\u00e4unte Haut war das neue Sch\u00f6nheitsideal der Weimarer Republik.&#8220;<\/p>\n<p><strong>In den 50er Jahren nehmen Urlaubsreisen vor allem nach Italien zu und NIVEA engagiert sich auch schon in der Forschung zum Sonnenschutz. Heute arbeiten fast 500 Mitarbeiter im Bereich Forschung und Entwicklung. Als Merchandising-Produkt wurde damals der aufblasbare NIVEA Ball ins Programm aufgenommen. Wieder ein gro\u00dfer Erfolg, oder?<\/strong><\/p>\n<p>Martin Topel: &#8222;Richtig, der NIVEA Ball, ich kann mich als Kind erinnern, ich hatte ihn zuerst bei anderen Kindern gesehen und dann selber bekommen. Dieses wahnsinnig gl\u00e4nzende tiefe Blau mit diesem wei\u00dfen Schriftzug, das hat ja viele Aspekte. Wenn man an ihn denkt, hat man sofort Werbebilder im Kopf, wie er sich gegen den blauen Himmel noch einmal abhebt und fr\u00f6hlich, gebr\u00e4unte Menschen in Urlaubsstimmung am Strand &#8211; \u00a0das ist so eine Assoziation. Als Produkt kostete er nahezu nichts, war g\u00fcnstig herzustellen und zu versenden. 1971 hat man mit 50. Tausend St\u00fcck gestartet und die waren sofort weg.<\/p>\n<p>Dann steigerte man diese St\u00fcckzahl 1977 auf eine halbe Million und ab 1999 gab es den H\u00f6hepunkt mit 2,2 Millionen St\u00fcck als Werbetr\u00e4ger. Seit 2006 werden j\u00e4hrlich rund 1,5 Millionen NIVEA B\u00e4lle produziert. Und f\u00fcr mich als Produktdesigner ist vor allem eines spannend: wenn man den Ball anschaut und auf einer Abbildung sieht, stellt er ja im Prinzip wieder dieses Dreidimensionale Objekt der Dose mit dem Schriftzug dar. Es ist ein blauer Kreis mit einem zentriert angebrachten NIVEA-Schriftzug. Das ist kongenial, so als w\u00fcrde man das Produkt zum Spielen herstellen.&#8220;<\/p>\n<p><strong>In den 60er Jahren folgt die neue NIVA Milk und eine Reihe von Babyprodukten. Bei allem wird aber immer auf die blaue Farbe geachtet.<\/strong><strong> Macher erfolgreicher Produkte sagen: \u201eEinfache, klare Designs k\u00f6nnen dazu beitragen, die Kunden bei der Stange zu halten.\u201c Stimmt das?<\/strong><\/p>\n<p>Martin Topel: &#8222;Na ja, wenn man hier von den 60er Jahren spricht, ist die Marke ja schon 40 Jahre alt. Eine Kontinuit\u00e4t ist nat\u00fcrlich unfassbar wertvoll f\u00fcr die Wiedererkennung. Seth Godin (amerikanischer Autor und Unternehmer, Anm. d. Red.) hat einmal gesagt: \u00b4Eine Marke ist ein Set aus Erwartungen, Erinnerungen, Geschichten und Beziehungen.` Und das ist es. Wenn ich heute NIVEA Creme rieche, bin ich sofort in meiner Kindheit, wie meine Mutter mich zum ersten Mal damit eingerieben hat, dieses Gef\u00fchl von m\u00fctterlicher F\u00fcrsorge, diese Behaglichkeit und Sicherheit, das sind alles Dinge, die poppen hoch, wenn ich heute als \u00e4lterer Mensch mit NIVEA konfrontiert werde. Deswegen ist diese Kontinuit\u00e4t in der Darstellung, in der Rezeptur und im Geruch sogar in der Diskursivit\u00e4t so wichtig, damit dieses Vertrauen nicht entt\u00e4uscht wird.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Heute ist NIVEA in \u00fcber 200 L\u00e4ndern erh\u00e4ltlich. Benutzen Sie die Creme auch als Erwachsener?<\/strong><\/p>\n<p>Martin Topel: &#8222;Ja klar, ich verwende auch NIVEA-Rasierschaum und tats\u00e4chlich, ohne dar\u00fcber nachzudenken, unterstelle ich auch diesem anderen Produkt die gleichen Qualit\u00e4tsaspekte, die ich schon seit meiner Kindheit von der Creme kenne. Ich bin also ein hervorragendes Opfer dieser Marketingstrategie.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Uwe Blass<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_86550\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 210px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-86550 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Topel-Foto-Sebastian-Jarych-Kopie.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"302\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Prof. Martin Topel &#8211; \u00a9 Sebastian Jarych<\/span><\/div>\n<h4>\u00dcber Prof. Martin Topel<\/h4>\n<p>Professor Martin Topel ist Industrie Designer und lehrt seit 1999 als Professor an der Universit\u00e4t Wuppertal im Studiengang Industrial Design. Sein Lehrstuhl besch\u00e4ftigt sich mit der Produktentwicklung von Investitionsg\u00fctern und Produktsystemen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit \u00fcber 100 Jahren besitzt die ber\u00fchmte NIVEA-Dose ein unverwechselbare Dessign. 1911 erfand Dr. Isaac Lifsch\u00fctz den Emulgator Eucerit. Dadurch konnten \u00d6le und Wasser in eine cremige Substanz gebracht werden. Seitdem gibt es die Marke NIVEA.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-86547","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissen"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-07 13:27:27","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/86547","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=86547"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/86547\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":86553,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/86547\/revisions\/86553"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=86547"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=86547"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=86547"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}