{"id":86216,"date":"2025-08-20T22:44:00","date_gmt":"2025-08-20T20:44:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=86216"},"modified":"2025-08-25T19:36:39","modified_gmt":"2025-08-25T17:36:39","slug":"hermannsdenkmal-zu-brisant-um-es-nationalisten-zu-ueberlassen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2025\/08\/20\/hermannsdenkmal-zu-brisant-um-es-nationalisten-zu-ueberlassen\/","title":{"rendered":"&#8222;Hermannsdenkmal: Zu brisant, um es Nationalisten zu \u00fcberlassen"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_86220\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 2570px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-86220 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/IMG_2717-Kopie-scaled-1.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1684\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Der Historiker Dr. Hans G\u00fcnter Wachtmann hat auch noch mit 93 Jahren viele Pl\u00e4ne \u2013 \u00a9 Dr. Matthias Dohmen<\/span><\/div>\n<p>Dieses Thema ist gerade in diesen Zeiten zu brisant, um es Nationalisten zu \u00fcberlassen. Deshalb hat es die Else Lasker-Sch\u00fcler-Gesellschaft (ELS) ihr langj\u00e4hriges Mitglied Hans G\u00fcnter Wachtmann eingeladen, einen \u00fcberzeugten Europ\u00e4er. Kooperationspartner sind der Bergische Geschichtsverein und die Stadtbibliothek.<\/p>\n<p>Der Vortrag wurde nicht zuf\u00e4llig zeitnah zum Jubil\u00e4um des Hermannsdenkmals terminiert. Denn das Kolossaldenkmal, das bis zur Errichtung der Freiheitsstatue 1876 die weltweit gr\u00f6\u00dfte Statue war, gilt nicht nur den Anh\u00e4ngern des Fu\u00dfballvereins Arminia Bielefeld, sondern vielen Deutschen als das Symbol ihrer Nationalit\u00e4t.<\/p>\n<h4>Der Cheruskerf\u00fcrst, der eigentlich Arminius hie\u00df<\/h4>\n<p>Dargestellt sein soll nach den Entw\u00fcrfen des Bildhauers und Architekten Ernst von Bandel der Cheruskerf\u00fcrst Arminius. Dass er zum \u201eHermann\u201c umbenannt wurde, geht auf eine Anregung Martin Luther zur\u00fcck. Der Reformator hat auch erheblich zur Vereinheitlichung unserer Sprache beigetragen. Das und viel mehr ist deutsche Geschichte, um die sich viele Legenden spannen. Auch um den \u201eHermann\u201c.<\/p>\n<p>Die Darstellung seiner Figur bei Detmold ist reine Phantasie. Der wahre (rheinische) Heeresf\u00fchrer Arminius d\u00fcrfte ganz anders gekleidet gewesen sein. So hat er bestimmt keinen gefl\u00fcgelten Helm getragen, denn der h\u00e4tte ihn beim K\u00e4mpfen gehindert. Relativ gesichert ist, dass der r\u00f6mische Feldherr Quinctilius Varus vor 2000 Jahren im Teutoburger Wald mit seinem gro\u00dfen Heer von einem vermutlich schw\u00e4cheren Gegner vernichtend geschlagen wurde.<\/p>\n<div id=\"attachment_86222\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 610px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-86222 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/hermann-memorial-3067759_640.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"800\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Das 53,46 Meter hohe Hermannsdenkmal im Teutoburger Wald bei Detmold &#8211; \u00a9 Pixabay<\/span><\/div>\n<p>Funde und andere Zeugnisse, die das belegen k\u00f6nnten, sind sp\u00e4rlich bzw. Auslegungssache. 1900 Jahre sp\u00e4ter, seit dem 19. Jahrhundert, gilt diese \u201eVarusschlacht\u201c verherrlichend als Gr\u00fcndungereignis der Deutschen Nation. Tats\u00e4chlich ist es lediglich ein Mythos.<\/p>\n<p>Das Hermannsdenkmal ist nicht nur wegen seiner Gestaltung umstritten. Der genaue Ort der m\u00f6rderischen Varusschlacht ist n\u00e4mlich bis heute nicht eindeutig gekl\u00e4rt. Das Heer der R\u00f6mer wurde sehr wahrscheinlich nicht dort in einen Hinterhalt gelockt, wo das Denkmal steht. Die heimatverbundenen westf\u00e4lischen Lipper streiten sich mit stolzen Niedersachen bis heute um den genauen Standort des blutigen Gemetzels.<\/p>\n<h4>Streit um dem wahren Ort der blutigen Schlacht<\/h4>\n<p>Dass es bei dem Streit indirekt auch um das Geld der Touristen geht, die in Scharen zum 53,46 Meter hohen Denkmal pilgern, versteht sich. Die Schlacht als Teil einer deutschen Gr\u00fcndungsgeschichte zu sehen, darf jedoch kritisch hinterfragt werden.<\/p>\n<p>\u201eHermann\u201c, der gewaltige 26,57 m misst, ist die gr\u00f6\u00dfte deutsche Statue und im Zusammenhang mit der politischen Situation jener Zeit zu sehen. Nach jahrhundertealten Auseinandersetzungen (wie den Napoleonischen Kriegen) hatte sich der Begriff der \u201edeutsch-franz\u00f6sischen Erbfeindschaft\u201c verfestigt. Deutschland gab es so noch gar nicht, es war lange zersplittert.<\/p>\n<p>Auch deshalb suchten die Eliten nach einer nationalen Identit\u00e4t, die manche in der \u201egermanischen\u201c Vergangenheit zu finden hofften. So wurden fr\u00fch schon nationalromantische Denkm\u00e4ler initiiert wie die Walhalla bei Regensburg, das V\u00f6lkerschlachtdenkmal in Leipzig oder die \u201eGermania\u201c bei R\u00fcdesheim.<\/p>\n<div id=\"attachment_86223\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 610px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-86223 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/detmold-1386261_640.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"420\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Allaien die Hermanns-Satue auf der Spitze des Dentmals ist 26,57 Meter hoch &#8211; \u00a9 Pixabay<\/span><\/div>\n<p>Leider wird erst in j\u00fcngster Zeit auch \u00fcber Denkm\u00e4ler f\u00fcr Einwanderer in Deutschland diskutiert. Ein Beispiel ist das geplante Denkmal f\u00fcr Gastarbeiter in Dortmund, das die Leistungen der Menschen w\u00fcrdigen soll, die in den 1960er Jahren im Rahmen von Anwerbeabkommen in die Bundesrepublik kamen. Auch in anderen St\u00e4dten wie Remscheid gibt es Bestrebungen, Denkm\u00e4ler zu errichten, die an die Zuwanderung erinnern.<\/p>\n<p>Dabei haben rund 30 Prozent der Bundesb\u00fcrger einen Migrationshintergrund. Davon besitzt etwa die H\u00e4lfte, rund 13 Millionen von 25,2 Millionen eingewanderter Menschen, einen deutschen Pass. Davon sind laut Statistischem Bundesamt 7,2 Millionen durch Geburt deutsche Staatsb\u00fcrger, 2,7 Millionen sind (Sp\u00e4t-)Aussiedler und drei Millionen sind eingeb\u00fcrgert. Etwa 5,3 bis 5,6 Millionen geh\u00f6ren dem muslimischen Glauben an, der zweitgr\u00f6\u00dften Religionsgemeinschaft nach den Christen. Auch darum konstatierte der ehemalige Bundespr\u00e4sident Wulff, dass der Islam zu Deutschland geh\u00f6re.<\/p>\n<h4>Historiker fragt: Wie wurden wie Deutsche?<\/h4>\n<p>Angesichts zunehmenden Nationalismus und Rassismus wird Dr. Hans G\u00fcnter Wachtmann in seinem Vortrag ebenfalls kritisch der Frage nachgehen, wie wir Deutsche wurden: Wer sind wir noch nach den weltgeschichtlichen Verbrechen im 20. Jahrhundert? Geh\u00f6rt diese Schande nicht auch zu unserer Identit\u00e4t?\u00a0 Was sollte erinnert werden?\u00a0 \u201eDeutsch\u201c im Verst\u00e4ndnis des 19. Jahrhunderts. Wer waren die Germanen? Seit wann sprechen wir \u201eDeutsch\u201c?<\/p>\n<p>Die Struktur des mittelalterlichen Reiches. Erneuerungsbewegungen und die Neuentdeckung nationaler Urspr\u00fcnge. H\u00f6chste Erregung und Spaltung. Der Weg zum Nationalstaat und in die Gegenwart. Nach der Katastrophe\u2026 Viele Thesen und Fragen \u00fcber Fragen zu einem spannenden Thema am Montag, dem 8. September um 19.00 Uhr in der Stadtbibliothek, Kolpingstra\u00dfe 8. Der Eintritt ist frei.<\/p>\n<p><strong>Text: HAJO JAHN<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_82279\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 610px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-82279\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/c6b276563aeea1c333f74a71794f6a96-2-1.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"390\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Hajo Jahn, der bekannte Wuppertaler TV- und Rundfunk-Journalist sowie Vorsitzender der Else-Lasker-Sch\u00fcler-Gesellschaft- \u00a9 privat<\/span><\/div>\n<h4>\u00dcber den TV- &amp; Rundfunk-Journalisten Hajo Jahn<\/h4>\n<p>Der bekannte Journalist Hajo Jahn wurde am 31.05.1941 in Berlin geboren. Er machte der Schule zun\u00e4chst eine Lehre als Bergmann. Doch schon damals hatte er gro\u00dfes Talent als Schreiber und Fotograf. Nach einem Volontariat bei der Westf\u00e4lischen Rundschau in Dortmund arbeitete Hajo Jahn zun\u00e4chst \u00a0als freiberuflicher Journalist f\u00fcr den WDR und der ARD.<\/p>\n<p>Als Rundfunk- und Fernsehmoderator und -reporter war er von 1970 bis 2000 WDR-Studioleiter Wuppertal im Bereich Funk und Fernsehen. Bundesweit bekannt wurde Hajo Jahn durch seine Rolle als Moderator in Wolfgang Petersens Film \u201eSmog\u201c. Wuppertal war f\u00fcr ihn inzwischen l\u00e4ngst zu seiner zweiten Heimat geworden. Schon bald faszinierte ihn das Leben und das Werk der bekannten Wuppertaler Dichterin Else Lasker-Sch\u00fcler<\/p>\n<p>1990 wurde Hajo Jahn Gr\u00fcnder, ehrenamtlicher Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer und sp\u00e4ter auch Vorsitzender der Else-Lasker-Sch\u00fcler-Gesellschaft in Wuppertal und au\u00dferdem noch von der Stiftung \u201eVerbrannte und verbannte Dichter \u2013 f\u00fcr ein Zentrum der verfolgten K\u00fcnste\u201c. Das \u201eZentrum\u201c wurde im Fr\u00fchjahr 2008 unter dem Dach des Kunstmuseums Solingen realisiert. In der Dauerausstellung sind dort u.a. sechs Originalbriefe von Thomas Mann und 23 Originalzeichnungen von Else Lasker-Sch\u00fcler zu sehen, die 1937 als entartet beschlagnahmt worden waren.<\/p>\n<p><strong>Link zur Webseite der &#8222;Else Lasker-Sch\u00fcler-Gesellschaft&#8220;<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.else-lasker-schueler-gesellschaft.de\/\">https:\/\/www.else-lasker-schueler-gesellschaft.de\/<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das \u201eHermannsdenkmal\u201c im Teutoburger Wald wurde vor 150 Jahren am 16. August 1875 eingeweiht. Das nimmt die Else Lasker-Sch\u00fcler-Gesellschaft zum Anlass f\u00fcr eine Veranstaltung am 8. September 2025 in der Stadtbibliothek: Dr. Hans G\u00fcnter Wachtmann, langj\u00e4hriger ehemaliger Oberkustos am Von der Heydt-Museum, spricht zum Thema \u201eWie wir Deutsche wurden\u201c.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[29],"tags":[],"class_list":["post-86216","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kultur"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-29 14:01:22","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/86216","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=86216"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/86216\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":86226,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/86216\/revisions\/86226"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=86216"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=86216"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=86216"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}