{"id":85861,"date":"2025-08-04T09:50:51","date_gmt":"2025-08-04T07:50:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=85861"},"modified":"2025-08-04T09:50:51","modified_gmt":"2025-08-04T07:50:51","slug":"schlager-lieder-die-generationen-verbinden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2025\/08\/04\/schlager-lieder-die-generationen-verbinden\/","title":{"rendered":"Schlager: Lieder, die Generationen verbinden"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_85874\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 910px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-85874 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Antonius-Weixler-Pressefoto.jpg\" alt=\"\" width=\"900\" height=\"598\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Dr. Antonius Weixler, Germanist an der Bergischen Universit\u00e4t Wuppertal &#8211; \u00a9 UniService Third Mission<\/span><\/div>\n<p>Dr. Antonius Weixler, Germanist an der Bergischen Universit\u00e4t, hat sich mit dem deutschen Schlager auseinandergesetzt, zu dem es auch einige Beispiele aus Wuppertal gibt. Grund genug f\u00fcr Autor Uwe Blass, sich im Rahmen der beliebten Uni-Reihe &#8222;Transfergeschichten&#8220; mit dem Wissenschaftler \u00fcber die transgenerationelle Verbindung des deutschen Schlagers zu unterhalten.<\/p>\n<h4><strong>M\u00e4dchen aus Wuppertal<\/strong><\/h4>\n<p>\u201eEs gab einen Wuppertaler Schlagers\u00e4nger, der sich den kongenialen K\u00fcnstlernamen Ted Power gegeben hat\u201c, erz\u00e4hlt der Wissenschaftler. \u201eMit dem Song &#8218;M\u00e4dchen aus Wuppertal&#8216; legte er eine ganz besondere Schlagerperle vor.\u201c Antonius Weixler nennt auch das Musikprojekt Honk und deren Hit &#8218;Hallo Helmut&#8216;. \u201eIm Refrain reimt sich dann \u201aSenegal, illegal, schei\u00dfegal\u2018 auf Wuppertal.\u201c Der Folgehit der Band hei\u00dft dann &#8218;Wochenende, saufen, geil&#8216;, und das bringe die Schlagerformel vielleicht ganz pr\u00e4gnant auf den Punkt, erkl\u00e4rt er, denn im Schlager gehe es ja auch immer ein wenig darum, durchaus im problematischen Umfang Alkoholkonsum zu zelebrieren und hedonistische Entgrenzung zu feiern.<\/p>\n<div id=\"attachment_44822\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 440px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-44822\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Logo-Transfergeschichten.jpg\" alt=\"\" width=\"430\" height=\"138\" \/><span class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Bergische Universit\u00e4t<\/span><\/div>\n<p>Erst vor einiger Zeit hat der renommierte Literat Heinz Strunk das Drehbuch f\u00fcr die Serie &#8218;Last Exit Schinkenstra\u00dfe&#8216; geschrieben und darin auch die Hauptrolle gespielt. Und bei dieser Serie \u00fcber den Ballermann k\u00f6nne man nicht genau sagen, ob es eine Liebeserkl\u00e4rung an den Malle-Schlager oder doch eher eine Persiflage sei. \u201eWahrscheinlich liegt die Wahrheit ein bisschen dazwischen. Das ist auch mein doppelter Blick auf den Schlager, und deswegen habe ich auch eine kleine Schw\u00e4che f\u00fcr die eher skurrilen Spielarten.\u201c<\/p>\n<h4><strong>Der Schlager kommt von der Operette<\/strong><\/h4>\n<p><strong>\u201e<\/strong>Begriffsgeschichtlich kommt die Bezeichnung aus dem 19. Jahrhundert\u201c, berichtet Antonius Weixler, \u201e1886 wurde der Schlager zum ersten Mal in Wien erw\u00e4hnt, damals meinte man damit vor allem besonders erfolgreiche Musikst\u00fccke, die aus Operetten herausgel\u00f6st zum Hit wurden.\u201c Der Begriff Gassenhauer entstand dort ungef\u00e4hr zur gleichen Zeit, als etwa Vater und Sohn Strau\u00df richtige Gassenhauer- und Operettenlieferanten waren. Unser heutiges Begriffsverst\u00e4ndnis habe das Wort dann aber eher in den 1920er Jahren angenommen. In dieser Zeit waren u.a. die Comedian Harmonists, ein internationales Berliner Vokalensemble, sehr erfolgreich, die man aus heutiger Sicht vielleicht als die erste Boy-Group bezeichnen k\u00f6nnte. Ein rein deutsches Ph\u00e4nomen sei der Schlager jedoch nicht.<\/p>\n<div id=\"attachment_85868\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 760px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-85868 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Comedian_Harmonists_Berlin-1928-gemeinfrei.jpg\" alt=\"\" width=\"750\" height=\"495\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Deutschlands wohl erste Boy-Group &#8211; die &#8222;Comedian Harmonists&#8220; 1928 &#8211; \u00a9 gemeinfrei<\/span><\/div>\n<p>\u201eIch w\u00fcrde da eher auf transkulturelle und interkulturelle Entwicklungen schauen\u201c, sagt der Wissenschaftler, denn beim Blick auf dieses und auch alle anderen Genres k\u00f6nne man \u00fcber die ganze Kunst- und Literaturgeschichte hinweg und sowohl in der Hoch- wie auch der Popkultur erkennen, dass sich \u00e4sthetische Formen \u00fcber die L\u00e4ndergrenzen hinweg immer wieder gegenseitig beeinflussten. \u201eKultur ist nichts, was in L\u00e4ndergrenzen stattfindet, insofern w\u00fcrde ich eher sagen, dass Schlager weniger ein deutsches Ph\u00e4nomen ist als vielleicht eher eine deutsche Spielart des Pop.\u201c<\/p>\n<h4><strong>Schlager und Propaganda<\/strong><\/h4>\n<p>In der Zeit des Nationalsozialismus wurde der Schlager oft missbraucht. &#8218;Davon geht die Welt nicht unter&#8216; ist z. B. ein Durchhalteschlager, der nach dem Krieg als Widerstandslied interpretiert wurde. Und auch Heintjes &#8218;Mama&#8216; aus den 1960er Jahren ist eigentlich ein 1938 komponierter Schlager, der in einem Film eingesetzt wurde, welcher von der nationalsozialistischen Blut-und-Boden-Ideologie durchtr\u00e4nkt war.<\/p>\n<p>Warum der Schlager so gut f\u00fcr Propagandazwecke funktionierte, erkl\u00e4rt Antonius Weixler so: \u201eDer Schlager ist ein Ph\u00e4nomen der Popul\u00e4rkultur, der vielen gef\u00e4llt und auch deshalb vielen gef\u00e4llt, weil er auf einfachen Formen mit einfachen und eing\u00e4ngigen Botschaften beruht. Dadurch gibt es strukturelle \u00c4hnlichkeiten zwischen Schlagertexten und politischen Parolen. Sie liefern beide Botschaften, die einen irgendwie direkt ansprechen wollen und vor allem direkt eine emotionale Wirkung ausl\u00f6sen wollen. Diese Mischung bleibt dann sofort im Ged\u00e4chtnis. Deswegen m\u00fcssen solche popul\u00e4ren Formen eigentlich fast naturgem\u00e4\u00df das Interesse von Propaganda finden, denn auch Propaganda beruht nicht auf Fakten und will die Menschen vor allem emotional ansprechen.\u201c<\/p>\n<h4><strong>Der Schlager im Wirtschaftswunder <\/strong><\/h4>\n<p>Nach dem Zweiten Weltkrieg sorgten dann die Italo-Schlager f\u00fcr Furore, die eine Fernsehnsucht spiegelten, die es \u2013 mit einem entscheidenden Unterschied \u2013 \u00a0bereits in den 1920er Jahren gab. \u201eDer Schlager der Weimarer Republik war eigentlich so die erste Hochphase und ist stark gepr\u00e4gt von Exotismus, also von der Sehnsucht nach der Ferne, wobei das damals ein Sehnsuchtsgef\u00fchl f\u00fcr Leute war, die selber eher nicht reisen konnten. Das war damals noch eine imaginierte und keine gesehene Ferne.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_85869\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 610px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-85869 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Freddy_Quinn_1977-CC-BY-SA-3.0-nl-1.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"800\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Der erfolgreichste Unterhaltungss\u00e4nger von 1956 \u2013 1966: Freddy Quinn (1977) &#8211; \u00a9 CC BY-SA 3.0 nl<\/span><\/div>\n<p>Das \u00e4nderte sich nach dem Zweiten Weltkrieg. Mit dem Wirtschaftswunder und dem entstehenden Massentourismus in den 1950er Jahren werde die Ferne dann eine tats\u00e4chlich gesehene Ferne. \u201eIn dieser Zeit war Italien das Hauptreiseland der Deutschen und der Italo-Schlager ist deshalb so erfolgreich in dieser Zeit, weil er etwas von diesem Lebensgef\u00fchl mit nach Deutschland zur\u00fcckbringt. Wenn die Deutschen nach Italien fahren, dann lernen sie nicht nur Sonne und Meer kennen, sondern sie lernen auch ein neues Lebensgef\u00fchl kennen, n\u00e4mlich ein Gef\u00fchl der Leichtigkeit und Lockerheit, das Dolce far niente (Die S\u00fc\u00dfe des Nichtstuns, Anm. d. Red.), das von der deutschen Engstirnigkeit, deutschem Flei\u00dfideal und deutscher Spie\u00dfigkeit doch sehr stark abweicht.\u201c Und das wiederhole sich bis heute, denn was der Italo-Schlager der 1950er Jahre war, sei der Malle-Schlager heute.<\/p>\n<h4><strong>Internationale Interpreten singen deutsch<\/strong><\/h4>\n<p>Zwischenzeitlich sangen auch viele internationale K\u00fcnstler wie die Amerikanerin Connie Francis, der belgische Musiker Salvatore Adamo, die Schwedin Siw Malmkvist, die Franz\u00f6sin Mireille Mathieu und die beiden Griechinnen Vicky Leandros und Nana Mouskouri deutsche Schlager. Dazu Antonius Weixler: \u201eVicky Leandros mit &#8218;Ich liebe das Leben&#8216; von 1975 hat ja gerade so ein kleines Revival und wurde k\u00fcrzlich von Nina Chuba, der wesentlichen Popk\u00fcnstlerin unserer Zeit in Deutschland, durch eine sch\u00f6ne Coverversion noch einmal besonders geadelt. Internationalit\u00e4t oder die Sehnsucht nach Ferne ist generell ein Hochph\u00e4nomen von Popkultur und daher des Schlagers eben auch.\u201c<\/p>\n<p>Schon in der Nachkriegszeit sei es so gewesen, dass auch internationale Stars ganz unterschiedliche Sprachversionen von Songs aufgenommen h\u00e4tten, um mehrere M\u00e4rkte zu bedienen. Der deutsche Musikmarkt sei auch immer schon einer der gr\u00f6\u00dften und lukrativsten in Europa gewesen. \u201eDie Beatles haben mit &#8218;Komm gib mir deine Hand&#8216; einen Song auf Deutsch aufgenommen, Elvis sang &#8218;Muss i denn zum St\u00e4dtele&#8216; hinaus, das war damals durchaus \u00fcblich.\u201c<\/p>\n<p>Mit kritischem Blick erkl\u00e4rt Antonius Weixler, dass Internationalit\u00e4t zwar schon positiv rezipiert werde, aber dass es in der Nachkriegszeit eben immer eine deutschsprachige Internationalit\u00e4t sein musste. \u201eDamit k\u00f6nnte man kolonialismuskritisch und vielleicht auch kollektivpsychologisch sagen, dass sich nach der Niederlage im Zweiten Weltkrieg in der Nachkriegszeit in dieser verdeutschten Internationalit\u00e4t so etwas wie ein Restbestand eines nationalistisch kolonialistischen \u00dcberlegenheitsgedankens \u00e4u\u00dfert.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_85870\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 760px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-85870 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Trio-1982-CC-BY-SA-3.0.jpg\" alt=\"\" width=\"750\" height=\"547\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Musikalischer Minimalismus: Die NDW-Band &#8222;Trio&#8220; 1982 &#8211; \u00a9 CC BY-SA 3.0<\/span><\/div>\n<h4><strong>Tod und Wiederauferstehung<\/strong><\/h4>\n<p>Aus den 1960er und 1970er Jahren, bekannt vor allem durch die Hitparade mit Dieter Thomas Heck, kennen viele Menschen noch Dauerg\u00e4ste wie Michael Holm, Toni Marschall, Katja Ebstein oder Marianne Rosenberg. In den 1980er Jahren galt der Schlager dann als tot. \u201eIch w\u00fcrde sagen, die Neue Deutsche Welle (NDW) war der zwischenzeitliche Tod des Schlagers\u201c, erl\u00e4utert der Wissenschaftler, \u201edenn in den sp\u00e4ten 1970er und fr\u00fchen 1980er Jahren entsteht zum ersten Mal eine deutschsprachige subversive Popgattung. Zumindest in der Anfangszeit war die NDW eine Gegenkultur, die internationale Str\u00f6mungen wie New Wave, Punk, Industrial und elektronische Musik mit deutschen Texten kombinierte. Es entstand dann relativ schnell eine Mainstream\u00fcberproduktion, und das war dann auch schnell wieder das Ende der Neuen Deutschen Welle.\u201c<\/p>\n<p>Zum ersten Mal habe man in dieser Zeit deutsche Texte, die nicht bieder waren und die keinen anz\u00fcglichen Penn\u00e4lerhumor bedienten, sprich deutsche Texte, die nicht peinlich waren, sondern sogar cool wirkten, mit frischer, meist elektronischer Musik kombiniert. \u201eIn dieser Zeit der NDW wird der Schlager dann zur Musik der \u00c4lteren, und so ein Image war schon immer der Todessto\u00df f\u00fcr jede popmusikalische Gattung.\u201c<\/p>\n<p>Mit Guildo Horn wurde es dann wieder etwas skurriler und in den 2000er Jahren kam dann die n\u00e4chste Generation mit Helene Fischer, Andrea Berg und Florian Silbereisen und begeistert wieder viele Menschen. \u201eDer Schlager schafft das, weil die Lieder bekannt sind, eing\u00e4ngig sind und Emotionalit\u00e4t transportieren\u201c, betont Antonius Weixler, \u201ezudem haben sie eine starke Gegenw\u00e4rtigkeit.\u201c Was andere Popgattungen nicht schafften, sei eine transgenerationelle Verbindung. \u201eSchlager ist die einzige Gattung, die es schafft, Generationen beim Feiern miteinander zu verbinden. Das ist die gro\u00dfe integrative Kraft des Schlagers.\u201c<\/p>\n<p>Man k\u00f6nne ohne weiteres den Schlager auch mit ganz alten Volksliedern verbinden, denn, wenn man auf die Literaturgeschichte schaue, g\u00e4be es immer wieder Verfechter dieser einfachen Formen des Popul\u00e4ren. \u201eAuch Johann Gottfried Herder schreibt schon in den 1770er Jahren \u00fcber solche Volkslieder, dass diese nicht f\u00fcrs Papier und die stille Lekt\u00fcre, sondern f\u00fcr den gemeinsamen Gesang geschrieben seien. Er beschreibt auch, dass die Idealtonlage von solchen Volksliedern, in seiner Formulierung, ein einfacher \u201aKinderton\u2018 sei. Da dieser \u201aKinderton\u2018 einfach und nahezu unabh\u00e4ngig vom Bildungsstand oder Vorwissen sofort zu verstehen sei, f\u00fchrt diese Ad hoc-Verst\u00e4ndlichkeit dazu, dass man diese Texte sofort mitsingen kann. Dadurch vermitteln die Texte eine affektiv-sinnliche Komponente und sorgen dann f\u00fcr Belebung, Sinnlichkeit und Lebensfreude. Und das wiederum verbindet die Generationen.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_85872\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 310px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-85872 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Unbenannt.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"452\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Der bekannte Wuppertaler Schlagers\u00e4nger Horst Daum, der mit dem K\u00fcnstlernamen Ted Power Karriere machte (*26.01.1948 &#8211; +10.09.2010) &#8211; \u00a9 Bourbon Street<\/span><\/div>\n<h4><strong>Ein Resilienzelixier<\/strong><\/h4>\n<p>Der Journalist Franz Kasperi sagt: \u201eSchlager ist Resilienz in Dur\u201c. Das klinge schon sehr nach Adorno, schmunzelt Weixler, der ja bekannterma\u00dfen der klassische Kritiker von popul\u00e4ren Formen und vom Schlager im Besonderen gewesen sei. \u201eEr hat seine Kritik auf diese genial pr\u00e4gnante Formel \u201aFun ist ein Stahlbad\u2018 gebracht. Damit meint Adorno ja, dass der Eskapismus, die Wirklichkeitsflucht, die in solchen popul\u00e4ren Formen stecke, nur dazu diene, dass die Rezipienten dann weiterhin der zweckrationalen Verwertungslogik des Kapitalismus zug\u00e4nglich seien, also f\u00fcr schwere, kraftzehrende Arbeit einsetzbar sind und bleiben.\u201c<\/p>\n<p>Wenn man sich Dokumentationen \u00fcber Schlagerfans angucke, dann h\u00f6re man ganz oft solche Formulierungen wie \u201eDie Arbeitswoche war hart\u2026 und jetzt wollen wir am Wochenende ein bisschen Spa\u00df und heile Welt haben.\u201c Der Schlager werde dann zu einem Resilienzelixier. Der Musiksoziologe Hans Egon Holthusen schrieb dazu: \u201eDies alles kann in der schlechthin sterblichen Musik der Saison vielleicht intensiver erlebt werden als in der gro\u00dfen Musik der Genialen.\u201c F\u00fcr Weixler habe der Schlager auf jeden Fall das Potential der Verf\u00fchrung f\u00fcr den Augenblick. \u201eEr erzeugt eine Gegenw\u00e4rtigkeit, aber immer im Modus der Sehnsuchtslage.\u201c<\/p>\n<p>Nicht unerw\u00e4hnt in diesem Zusammenhang sollte nat\u00fcrlich der Bill Ramsey Klassiker &#8218;Zuckerpuppe aus der Bauchtanzgruppe&#8216; von 1961 bleiben, der in der Hitparade bis Platz f\u00fcnf kam und sich satte f\u00fcnf Monate in den Charts hielt. Am Ende hei\u00dft es da so sch\u00f6n: \u201e\u2026 Denn die Zuckerpuppe aus der Bauchtanztruppe kannte ich aus Wuppertal, aus Wuppertal\u201c.<\/p>\n<p><strong>Uwe Blass<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_85875\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 210px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-85875 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Antonius-Weixler-Pressefoto-Kopie.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"295\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Dr. Antonius Weixler &#8211; \u00a9 UniService Third Mission<\/span><\/div>\n<h4>\u00dcber Dr. Antonius Weixler<\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: 'Arial','sans-serif';\">Dr. Antonius Weixler arbeitet als Lehrkraft f\u00fcr besondere Aufgaben in der Neueren Deutschen Literaturwissenschaft der Bergischen Universit\u00e4t.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was haben &#8222;Der lachende Vagabund&#8220;von Fred Bertelsmann, &#8222;Junge, komm bald wieder&#8220; von Freddie Quinn und &#8222;Butterfly&#8220; von Daniel Gerard gemein? Es sind die kommerziell erfolgreichsten deutschen Schlager des 20. Jahrhunderts mit \u00fcber zwei Millionen verkaufter Tontr\u00e4ger.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-85861","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissen"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-11 02:26:34","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/85861","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=85861"}],"version-history":[{"count":13,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/85861\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":85881,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/85861\/revisions\/85881"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=85861"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=85861"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=85861"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}