{"id":850,"date":"2015-07-10T08:40:29","date_gmt":"2015-07-10T06:40:29","guid":{"rendered":"http:\/\/192.168.10.16\/newsportal\/stadtzeitung\/index.php\/2015\/07\/10\/kunst-mit-der-kettensaege\/"},"modified":"2022-12-27T05:22:45","modified_gmt":"2022-12-27T04:22:45","slug":"hans-juergen-hiby-kunst-mit-der-kettensaege-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2015\/07\/10\/hans-juergen-hiby-kunst-mit-der-kettensaege-2\/","title":{"rendered":"Hans-J\u00fcrgen Hiby: Kunst mit der Kettens\u00e4ge"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_45507\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-45507\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/130615-Hiby-2-1024x682.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"682\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Bei der Arbeit: Der erfolgreiche Wuppertaler Bildhauer Hans-J\u00fcrgen Hiby &#8211; \u00a9 Thomas S\u00e4nger<\/span><\/div>\n<p>Er w\u00fcrde ganz sicher als Darsteller bei den Passionsfestspielen in Oberammergau eine gute Figur abgeben. Der weit \u00fcber Wuppertal hinaus bekannte Bildhauer Hans-J\u00fcrgen Hiby &#8211; ein Kerl wie ein Baum oder ein Mann wie in Stein gemeisselt. Mit seinen 73 Jahren strotzt er vor Vitalit\u00e4t.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Seine Kunstwerke aus Holz und Stein, die f\u00fcr die Ewigkeit geschaffen zu sein scheinen, verlangen ihm aber auch k\u00f6rperlich alles ab. Mit zehn Kettens\u00e4gen unterschiedlicher Gr\u00f6\u00dfe bearbeitet er meterdicke Baumst\u00e4mme. So entstehen die Rohlinge f\u00fcr seine Skulpturen wie \u201eDer letzte Tanz?\u201c, eine Hommage an die weltber\u00fchmte Tanztheater-Chefin Pina Bausch.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Kunst mit der Kettens\u00e4ge. Doch den letzten Schliff erhalten Hibys Skulpturen durch Schnitzwerkzeuge, Schleifmaschinen und zum Schluss per Hand durch Schmirgelpapier.<\/p>\n<p>\u201eMeine Frau Doris nennt mich schon den Kettens\u00e4gen-M\u00f6rder, weil ich schon so viele Kettens\u00e4gen auf dem Gewissen habe\u201c, erz\u00e4hlt der sympathische K\u00fcnstler mit den markanten Gesichtsz\u00fcgen. Er ist bodenst\u00e4ndig wie eine Eiche. Hans-J\u00fcrgen Hiby und seine Doris freuen sich auf die Goldene Hochzeit im n\u00e4chsten Jahr. Der Wuppertaler studierte Kunsterziehung in D\u00fcsseldorf, Bonn und Mainz.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Der ber\u00fchmte \u00f6sterreichische Bilderhauer Prof. Fritz Wotruba erkannte das riesige, k\u00fcnstlerische Potential von Hans-J\u00fcrgen Hiby. Ein Jahr studierte er an der Meisterschule f\u00fcr Bildhauerei in Wien. Auch im ber\u00fchmten Steinbruch von St. Margarethen (\u00d6sterreich) sammelte Hans-J\u00fcrgen Hiby Erfahrung.<\/p>\n<p><b>Mit\u00a0\u201aRussisch Roulette\u2018 durch Geschichtsstudium<\/b><\/p>\n<p>Doch trotz aller Zukunftsperspektiven als K\u00fcnstler blieb der kernige Wuppertaler auf dem Teppich: \u201eIch wohnte bei einem Kommilitonen am Donaukanal. Und der Kollege war mit der Ausbildung schon so gut wie fertig und versuchte, von seiner Bildhauerei zu leben.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Und da konnte ich hautnah miterleben, dass das \u00fcberhaupt nicht hinhaute. Die Zeit in Wien war toll, Burgschauspieler haben uns zu Feten eingeladen. Und da lernte ich auch Birgit Pluhar kennen, die Schwester von Schauspielerin Erika Pluhar. Aber nach einem Jahr bin ich trotzdem reum\u00fctig nach Mainz zur\u00fcckgekehrt und habe dort mein Kunsterzieher-Studium abgeschlossen.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_45496\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 566px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-45496\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/6e36f539c6a80bf353a7f0d97df97edf-2-1.jpeg\" alt=\"\" width=\"556\" height=\"402\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Das Ehepaar Doris &amp; Hans-J\u00fcrgen Hiby &#8211; Seit vielen, vielen Jahren ein Herz und eine Seele &#8211; \u00a9 Thomas S\u00e4nger<\/span><\/div>\n<p>Zu seinem Leidwesen musste Hans-J\u00fcrgen Hiby noch ein zweites Fach studieren, um eine Chance zu erhalten, als Lehrer eingestellt zu werden. Der K\u00fcnstler: \u201eIch entschied mich f\u00fcr Geschichte. Ohne je eine Vorlesung in dem Studienfach \u00a0besucht zu haben, bekam ich meine Scheine und spielte dann \u201aRussisch Roulette\u2018, ich meldete mich einfach f\u00fcr die Pr\u00fcfung an. Und ich bestand das Examen.\u201c<\/p>\n<p>Stundenweise arbeitete Hans-J\u00fcrgen Hiby als Werklehrer an der Hauptschule H\u00fcgelstrasse in Oberbarmen. Wenig sp\u00e4ter wechselte er als Referendar an ein Gymnasium in Remscheid. Der K\u00fcnstler: \u201eUnd jetzt wurde von mir verlangt, neben Kunst auch Geschichte zu unterrichten. Und das war eine ganz gro\u00dfe Katastrophe. Fast alle Sch\u00fcler hatten in Geschichte ein gr\u00f6\u00dferes Fachwissen als ich. Und das Allerschlimmste: Ich musste mich so intensiv auf den Geschichtsunterricht vorbereiten, dass mir keine Zeit mehr f\u00fcr meine Kunst blieb.\u201c<\/p>\n<p>In seiner Not schrieb der \u201averhinderte Bildhauer\u2018 einen Brief ans Kultusministerium. Inhalt: \u201eIch scheide sofort aus dem Schuldienst aus, wenn weiter darauf bestanden wird, dass ich Geschichte unterrichte!\u201c Und ein paar Tage sp\u00e4ter erhielt Hans-J\u00fcrgen Hiby schwarz auf wei\u00df: \u201eSie brauchen keinen Geschichtsunterricht mehr zu geben.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>1970 wechselte der Bildhauer als Kunsterzieher an das Gymnasium an der Sedanstrasse in Wuppertal. Dort ging er 2003 als Oberstudienrat f\u00fcr Kunst in Pension. \u201eMeine Festanstellung als Lehrer hat daf\u00fcr gesorgt, dass ich bis heute nicht von meiner Kunst leben muss.\u201c<\/p>\n<p>Der Schuldienst war die Pflicht. Die K\u00fcr spielte und spielt sich in seinem beeindruckenden Atelier ab, einer ehemaligen Textil-Werkstatt, in der seine Eltern noch Kl\u00f6ppelspitzen in Lohnarbeit hergestellt hatten.\u201c Hier entstanden Werke wie der Marmorbrunnen \u201eSch\u00f6pfen &amp; Sch\u00fctzen\u201c, der heute auf dem Wichlinghauser Markt steht.<\/p>\n<p><b>Seine Philosophie&#8230;<\/b><\/p>\n<p>\u201eIch verstehe mich selbst als organischer Bildhauer, denn organische Formen und K\u00f6rperfragmente bilden h\u00e4ufig das Leitmotiv meiner Skulpturen. Als Materialien bevorzuge ich Harth\u00f6lzer und Hartgestein, da sie mir erlauben, die ganze Palette der Materialbearbeitung vom groben Wegsprengen und Einschneiden bis hin zum feinen Schleifen und zur Politur einzusetzen.\u201c<\/p>\n<p>Rund 100 gro\u00dfe Skulpturen hat Hans-J\u00fcrgen Hiby bislang geschaffen. Die genaue Zahl kennt er nicht: \u201eIch habe von vielen Werken nicht einmal Erinnerungsfotos gemacht\u201c, \u00e4rgert er sich heute. Sein prominentester Kunde ist der ehemalige NRW-Ministerpr\u00e4sident Dr. J\u00fcrgen R\u00fcttgers.<\/p>\n<div id=\"attachment_45493\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 596px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-45493\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/image007-2.jpg\" alt=\"\" width=\"586\" height=\"407\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Der Bildhauer Hans-J\u00fcrgen Hiby &#8211; \u00a9 Vok Dams iNotes<\/span><\/div>\n<p>Sein Rohmaterial, u.a. alte gef\u00e4llte B\u00e4ume, erh\u00e4lt der K\u00fcnstler fast ausschlie\u00dflich von Privatleuten aus der Region. Wie die m\u00e4chtige Platane, die er gerade in seinem Atelier bearbeitet. Sie stammt aus dem Garten einer Grundschullehrerin mit dem sch\u00f6nen Vornamen Traute.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Hans-J\u00fcrgen Hiby m\u00f6chte daraus einen k\u00fcnstlerischen Wegweiser f\u00fcr die Nordbahntrasse schaffen, der im Bereich N\u00e4chstebreck aufgestellt werden soll. Er hat auch schon eine Idee, wie seine Skulptur hei\u00dfen soll, vorausgesetzt, die Baum-Spenderin ist einverstanden: \u201eTrautes Zeichen\u201c.<\/p>\n<p>Bescheiden wie er nun einmal ist, meint Hans-J\u00fcrgen Hiby: \u201eIch m\u00f6chte das Kunstwerk gerne der Stadt Wuppertal schenken. Ich wei\u00df ja gar nicht, ob es \u00fcberhaupt gew\u00fcnscht ist.\u201c Doch man k\u00f6nnte darauf wetten, dass dieses gro\u00dfz\u00fcgige Geschenk mit offenen Armen entgegengenommen wird. Hans-J\u00fcrgen Hiby empfindet eine gro\u00dfe Genugtuung, dass die B\u00e4ume, die aus welchen Gr\u00fcnden auch immer gef\u00e4llt werden mussten, in seinen Kunstwerken weiterleben. So wie die Skulptur \u201eDer Letzte Tanz?\u201c, die er aus einer alten Kirsche geschaffen hat. Hans-J\u00fcrgen Hiby: \u201eSie k\u00f6nnte genauso gut hei\u00dfen \u201aPina Bausch Triumpf \u00fcber den Tod hinaus\u2018.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Jedenfalls hat ein gro\u00dfer Wuppertaler K\u00fcnstler einer unvergessenen, unsterblichen Wuppertaler K\u00fcnstlerin mit seinem beeindruckenden Werk ein bleibendes Denkmal gesetzt. (www.hiby-skulpturen.de)<\/p>\n<p><strong>Text: Peter Pionke<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Kerl wie ein Baum, ein Mann wie in Stein gemeisselt und bodenst\u00e4ndig wie eine Eiche: Bildhauer Hans-J\u00fcrgen Hiby verwandelt B\u00e4ume mit Kettens\u00e4gen in Skultpuren.<\/p>\n","protected":false},"author":12,"featured_media":848,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[29],"tags":[173],"class_list":["post-850","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kultur","tag-kunst"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-06-18 09:43:18","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/850","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/12"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=850"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/850\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":59456,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/850\/revisions\/59456"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/848"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=850"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=850"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=850"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}