{"id":84168,"date":"2025-05-24T15:00:13","date_gmt":"2025-05-24T13:00:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=84168"},"modified":"2025-05-24T16:08:13","modified_gmt":"2025-05-24T14:08:13","slug":"weltliteratur-feiert-mit-absurdem-theater-gelungene-premiere","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2025\/05\/24\/weltliteratur-feiert-mit-absurdem-theater-gelungene-premiere\/","title":{"rendered":"Weltliteratur feiert mit &#8218;Absurdem Theater&#8216; gelungene Premiere"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_84171\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 2570px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-84171 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/SchSpW_DIE_KAHLE_SAENGERIN__c__Bjoern_Hickmann_08-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1707\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Kevin Wilke, Luise Kinner, Alexander Peiler und Julia Wolff in dem St\u00fcck &#8222;Die kahle S\u00e4ngerin&#8220; &#8211; \u00a9 Bj\u00f6rn Hickmann<\/span><\/div>\n<p>Im Theater am Engelsgarten wurde die Inszenierung \u00fcberwiegend als Bestandteil des \u201eabsurden Theaters\u201c wahrgenommen und mit Beifall bedacht. Keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit, denn das 1948 in der Nachkriegszeit entstandene Anti-St\u00fcck, so sein Untertitel in Frankreich, wollte nach Aussage des Autors die \u201eKatastrophe der Sprache\u201c deutlich machen, die er als Verkennung, eine Art Verrenkung der Welt nannte.<\/p>\n<p>Eug\u00e8ne Ionescos St\u00fcck dreht sich\u00a0um die Sprache des Alltags. Sie sei v\u00f6llig aussagelos geworden, gehe ins Leere und bewege nichts mehr. Es geht\u00a0ihm um die Unf\u00e4higkeit zu echter Kommunikation.<\/p>\n<h4>Radikalen Bruch mit dem modernen Theater<\/h4>\n<p>Der franz\u00f6sisch-rum\u00e4nische Autor Eug\u00e8ne Ionesco (*26.11.1909 \u2013 +28.03.1994) gilt inzwischen als Mitbegr\u00fcnder des absurden Theaters, der ganz gezielt den radikalen Bruch des modernen Theaters mit seiner aristotelischen Vergangenheit suchte und einer der bedeutendsten franz\u00f6sischen Dramatiker der Nachkriegszeit wurde. Seine Werke geh\u00f6ren heute zur Weltliteratur.<\/p>\n<div id=\"attachment_84174\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 2570px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-84174 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/SchSpW_DIE_KAHLE_SAENGERIN__c__Bjoern_Hickmann_06-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1575\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Kevin Wilke, Julia Wolff, Alexander Peiler und Konstantin Rickert &#8211; \u00a9 Bj\u00f6rn Hickmann<\/span><\/div>\n<p>Das \u201eabsurde Theater\u201c versteht sich als eine eigenst\u00e4ndige Richtung des Theaters im 20. Jahrhundert, die die Sinnfreiheit der Welt und den darin orientierungslosen Menschen darstellen will.<\/p>\n<h4>Entstehung von Intoleranz und totalit\u00e4rem Denken<\/h4>\n<p>Ionesco Denkrichtung fand sich auch in seinem Theaterst\u00fcck \u201eDie Nash\u00f6rner\u201c wieder, die Amos Gitai in seinem 2024 geschaffenem israelische Filmdrama \u201eShikun\u201c inspirierte. In einer Reihe von Episoden erz\u00e4hlt der Film die Geschichte der Entstehung von Intoleranz und totalit\u00e4rem Denken, hier in einer Gruppe von Menschen unterschiedlicher Herkunft.<\/p>\n<p>Im Vorfeld der Wuppertaler Premiere lief der Streifen im hiesigen Rex-Theater. Schauspielintendant Thomas Braus hatte hier eine kleine Einf\u00fchrung geben und damit schon eine gute Vorfeldarbeit zum Verstehen des Theaterst\u00fccks \u201eDie Kahle S\u00e4ngerin\u201c geleistet, das sich um die Sprache des Alltags dreht. Der Name des Schauspieles entstand beim Englisch-Unterricht von Ionesco, der hier Sprache auch in Zusammenhang mit Nonsens erlebte.<\/p>\n<div id=\"attachment_84172\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 2570px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-84172 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/SchSpW_DIE_KAHLE_SAENGERIN__c__Bjoern_Hickmann_07-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1707\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Eine Szene aus &#8222;Die kahle S\u00e4ngerin&#8220;: Kevin Wilke, Julia Wolff, Alexander Peiler unn Konstantin Rickert &#8211; \u00a9 Bj\u00f6rn Hickmann<\/span><\/div>\n<h4>\u201eDer Hahn wollte mal einen Hund spielen, doch er hatte Pech, er wurde sofort erkannt\u201c.<\/h4>\n<p>Zum Inhalt: Mr. und Mrs. Smith (Alexander Peiler und Konstantin Rickert) sitzen abends in ihrem Wohnraum und unterhalten sich \u00fcber allt\u00e4glich-banale Dinge, sofern sie sich \u00fcberhaupt unterhalten. Schlie\u00dflich kommen Mr. und Mrs. Martin (Kevin Wilke und Julia Wolff) zu Besuch, und zwar mit einer Versp\u00e4tung, die heftig getadelt wird. Beide scheinen sich nicht zu kennen und stellen erst nach einer umst\u00e4ndlichen Beweisf\u00fchrung fest, dass sie Mann und Frau sind.<\/p>\n<p>Die Gespr\u00e4che der beiden Paare werden dann\u00a0 immer absurder. Dazu kommt das Dienstm\u00e4dchen Mary (Luise Kinner), das glaubt, Sherlock Holmes zu sein und ein Feuerwehrmann, der in aller H\u00f6flichkeit nach einem zu l\u00f6schenden Brand sucht.<\/p>\n<p>Immer mehr geraten die Figuren in einen Sprach-Strudel aus bizarren Dialogen und Nonsens-S\u00e4tzen, bis sie schlie\u00dflich nur noch einzelne Vokale und Konsonanten hervorbringen. Exemplarisch stehen hier S\u00e4tze wie \u201eLieber ein Ei br\u00fcten als einen Brei h\u00fcten\u201c oder \u201eDer Hahn wollte mal einen Hund spielen, doch er hatte Pech, er wurde sofort erkannt\u201c.<\/p>\n<div id=\"attachment_84175\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 2570px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-84175 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/SchSpW_DIE_KAHLE_SAENGERIN__c__Bjoern_Hickmann_05-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1707\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Julia Wolff, Kevin Wilke und Luise Kinner als Dienstm\u00e4dchen Mary &#8211; \u00a9 Bj\u00f6rn Hickmann<\/span><\/div>\n<p>Mit dem Einakter gab der 33j\u00e4hrige Tiroler Joachim Gottfried Goller sein Regiedeb\u00fct am Schauspiel Wuppertal. In einem Interview mit \u201eEngels-Kultur Kino\u201c erkl\u00e4rt er seinen Zugang zur einem eigentlich \u201everstaubten\u201c St\u00fcck mit den Worten: \u201eDie Ausgangsfrage ist, wie man das Thema heute denkt. Eltern sprechen anders als wir und doch meinen wir das gleiche und k\u00f6nnen uns verstehen\u201c.<\/p>\n<h4>\u201eNiemand benennt, was eigentlich los ist\u201c<\/h4>\n<p>Heute agiere man mehr als zuvor mit kurzen Informationsbr\u00f6ckchen, sagte er, so wie bei einer SMS h\u00e4ppchenweise. Es kommt nichts hinterher, au\u00dfer dem H\u00e4kchen. Und zwei Stunden sp\u00e4ter kommt wieder was hinterher, wo man nochmal ausholt. Da liege f\u00fcr ihn die Hauptarbeit als Regisseur.<\/p>\n<p>Die Frage sei, welchen Umgang wir mit Stilen und eine Form daf\u00fcr zu finden, als g\u00e4be es etwas zu benennen, aber niemand benennt, was eigentlich los ist. Gleichzeitig gelte es auch einen Umgang mit der Dynamik dieses Aufl\u00f6sens der Absurdit\u00e4ten zu suchen.<\/p>\n<p>Die Wuppertaler Inszenierung lebte einmal mehr von den gro\u00dfen schauspielerischen Leistungen seines Ensembles. Hier gilt es besonders die Darstellung von Luise Kinner in den Rollen des Dienstm\u00e4dchens Mary und des Feuerwehrhauptmannes hervorzuheben, die dem Geschehen mit Sprachwitz und t\u00e4nzerischen Einlagen eine erfrischende Note gab. Die \u201eKahle S\u00e4ngerin\u201c selbst wird von Stefan Walz dargestellt, der es quasi aus dem Hintergrund verstand, dem Schauspiel auch noch eine ernsthafte Seite zu verleihen.<\/p>\n<div id=\"attachment_84176\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 2570px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-84176 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/SchSpW_DIE_KAHLE_SAENGERIN__c__Bjoern_Hickmann_10-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1704\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Szene aus dem St\u00fcck &#8222;Die kahle S\u00e4ngerin&#8220;: Stefan Walz und Luise Kinner (r.) &#8211; \u00a9 Bj\u00f6rn Hickmann<\/span><\/div>\n<h4>In Paris weltweite Rekorde mit 20.000 Auff\u00fchrungen<\/h4>\n<p>&#8222;Die kahle S\u00e4ngerin&#8220; und &#8222;La Le\u00e7on&#8220; von Eug\u00e8ne Ionesco werden seit 1957 t\u00e4glich im Th\u00e9\u00e2tre de la Huchette in Paris aufgef\u00fchrt und stellen mit 20.000 Auff\u00fchrungen weltweite Rekorde auf. In Wuppertal d\u00fcrfte das St\u00fcck freilich diese Halbwertzeit nicht erreichen. Es ist am Theater am Engelsgarten noch\u00a0dreimal, und zwar am 10., 12. und 13. Juli 2025 zu sehen.<\/p>\n<p><strong>Text: Siegfried J\u00e4hne<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>BESETZUNG<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.schauspiel-wuppertal.de\/menschen\/detailansicht-ensemble\/joachim-gottfried-goller\">JOACHIM GOTTFRIED GOLLER<\/a><br \/>\nInszenierung<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.schauspiel-wuppertal.de\/menschen\/detailansicht-ensemble\/jenny-schleif\">JENNY SCHLEIF<\/a><br \/>\nB\u00fchne &amp; Kost\u00fcme<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.schauspiel-wuppertal.de\/menschen\/detailansicht-ensemble\/imre-lichtenberger-bozoki\">IMRE LICHTENBERGER BOZOKI<\/a><br \/>\nMusik<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.schauspiel-wuppertal.de\/menschen\/detailansicht-ensemble\/1424-marie-philine-pippert\">MARIE-PHILINE PIPPERT<\/a><br \/>\nDramaturgie<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.schauspiel-wuppertal.de\/menschen\/detailansicht-ensemble\/tom-dockal\">TOM DOCKAL<\/a><br \/>\nRegieassistenz<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.schauspiel-wuppertal.de\/menschen\/detailansicht-ensemble\/anna-jurczak\">ANNA JURCZAK<\/a><br \/>\nAusstattungsassistenz<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.schauspiel-wuppertal.de\/menschen\/detailansicht-ensemble\/1378-ilja-betser\">ILJA BETSER<\/a><br \/>\nInspizienz<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.schauspiel-wuppertal.de\/menschen\/detailansicht-ensemble\/413-alexander-peiler\">ALEXANDER PEILER<\/a><br \/>\nMr. Smith<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.schauspiel-wuppertal.de\/menschen\/detailansicht-ensemble\/822-konstantin-rickert\">KONSTANTIN RICKERT<\/a><br \/>\nMr. Smith<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.schauspiel-wuppertal.de\/menschen\/detailansicht-ensemble\/1117-kevin-wilke\">KEVIN WILKE<\/a><br \/>\nMr. Martin<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.schauspiel-wuppertal.de\/menschen\/detailansicht-ensemble\/299-julia-wolff\">JULIA WOLFF<\/a><br \/>\nMrs. Martin<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.schauspiel-wuppertal.de\/menschen\/detailansicht-ensemble\/451-luise-kinner\">LUISE KINNER<\/a><br \/>\nMary \/ Der Feuerwehrhauptmann<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.schauspiel-wuppertal.de\/menschen\/detailansicht-ensemble\/106-stefan-walz\">STEFAN WALZ<\/a><br \/>\nDie kahle S\u00e4ngerin<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als 1950\u00a0\u201eDie kahle S\u00e4ngerin\u201c\u00a0in Paris Premiere feierte, wurde das St\u00fcck von der Kritik verrissen. Das Publikum reagierte pikiert, f\u00fchlte sich vom Autor Eug\u00e8ne Ionesco verh\u00f6hnt. Heute, 75 Jahre sp\u00e4ter, eine deutlich andere Reaktion des Wuppertaler Premierenpublikums.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[29],"tags":[],"class_list":["post-84168","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kultur"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-04-19 18:32:12","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/84168","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=84168"}],"version-history":[{"count":13,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/84168\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":84187,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/84168\/revisions\/84187"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=84168"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=84168"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=84168"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}