{"id":8413,"date":"2020-10-04T06:05:33","date_gmt":"2020-10-04T04:05:33","guid":{"rendered":"http:\/\/192.168.10.16\/newsportal\/stadtzeitung\/index.php\/2016\/10\/04\/mama-ich-habe-in-die-hose-gemacht\/"},"modified":"2022-08-09T13:50:08","modified_gmt":"2022-08-09T11:50:08","slug":"mama-ich-habe-in-die-hose-gemacht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2020\/10\/04\/mama-ich-habe-in-die-hose-gemacht\/","title":{"rendered":"&#8222;Mama, ich habe in die Hose gemacht&#8220;"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_53727\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-53727\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/IMG_1195_a-2-1024x778.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"778\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Diplom-Psychologin Barbara Knoblauch &#8211; \u00a9 Dirk Sengotta<\/span><\/div>\n<p>Wir sprechen heute ein Tabu-Thema an. Definition: Das kindliche Einkoten, wenn das Kind unwillentlich oder willentlich wiederholt in die Hose macht oder seinen Stuhl an anderen, nicht daf\u00fcr vorgesehenen Stellen entleert. Die Problematik muss mindestens einmal pro Monat bestehen \u00fcber 3 bis 6 Monate lang. Das Kind muss mindestens 4 Jahre alt sein. K\u00f6rperliche Krankheiten als Ursache f\u00fcr die Problematik m\u00fcssen ausgeschlossen sein.<\/p>\n<p>H\u00e4ufigkeit: Einkoten kommt deutlich weniger als Einn\u00e4ssen vor. Ca. 4 Prozent aller Vierj\u00e4hrigen koten noch ein. Jungen sind in allen Altersstufen deutlich h\u00e4ufiger betroffen (drei- bis viermal) als M\u00e4dchen. Ursachen: Im Gegensatz zum Einn\u00e4ssen gibt es keinen Hinweis auf genetische Verursachung, d.h. erbliche Faktoren sind nicht Ausschlag gebend. Es gibt keine famili\u00e4re Veranlagung. Insgesamt sind die Ursachen nicht befriedigend gekl\u00e4rt. Erscheinungsformen: Wie beim Einn\u00e4ssen (Enuresis) wird zwischen dem prim\u00e4ren und dem sekund\u00e4ren Einkoten (Enkopresis) unterschieden. Beim prim\u00e4ren Einkoten war das Kind noch nie \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeit-raum (mindestens 6 Monate) richtig sauber, hat noch keine wirkliche Darmkontrolle entwickelt. Das Kind hat nie gelernt seinen Stuhl willentlich an einem definierten Ort, meist die Toilette, zu entleeren.<\/p>\n<p>Neben den k\u00f6rperlichen Ursachen m\u00fcssen ebenso Entwicklungs-St\u00f6rungen und -Verz\u00f6gerungen ausgeschlossen werden. Z.B. muss einer geistigen Behinderung Rechnung getragen werden, d.h. ein beeintr\u00e4chtigtes Kind muss das Sauberkeitstraining nicht mit vier Jahren abgeschlossen haben, sondern nur das gesunde, nicht verz\u00f6gerte Kind. Gr\u00fcnde f\u00fcr das Unverm\u00f6gen k\u00f6nnen auch an einem unzureichenden Toilettentraining mit Frustrations- und Versagenserlebnissen liegen. Beim sekund\u00e4ren Einkoten war das Kind bereits eindeutig sauber (mindestens 6 Monate), hat eine wirkliche Darmkontrolle entwickelt und kotet, egal ob mit erkennbarem oder ohne erkennbaren Grund, wieder ein. Das Kind ist grunds\u00e4tzlich in der Lage seine Stuhlentleerung ad\u00e4quat durchzuf\u00fchren. Es wird durch eine Reihe m\u00f6glicher psychischer Gr\u00fcnde daran gehindert. Kindliche \u00c4ngste k\u00f6nnen eine Rolle spielen. Der Weg zur Toilette ist weit und dunkel, es befindet sich ein Monster in der Toilette, sie ist dunkel, unangenehm riechend etc. Das Kind wird beim Entleeren beobachtet oder f\u00fchlt sich beobachtet.<\/p>\n<p>Viele Kinder meiden die Schultoiletten und halten ihren Stuhl zur\u00fcck. Zudem ist das Einkoten oft Ergebnis von Auseinandersetzungen zwischen Eltern und Kind, wobei das Kind durch Zur\u00fcckhalten des Stuhls Macht in der Auseinandersetzung findet. Ein Kind, das \u00fcber Tage seinen Stuhl nicht ausscheidet, kann die Eltern in die Verzweiflung treiben. Kinder halten zudem h\u00e4ufig nach einer Verstopfung (Obstipation) aus Angst vor Schmerzen ihren Stuhl zur\u00fcck. Durch die Verstopfung verh\u00e4rtet sich der Stuhl im Dickdarm und kann beim Entleeren zu kleineren oder gr\u00f6\u00dferen schmerzhaften Rissen im Dickdarm f\u00fchren, was wiederum die weitere Entleerung mit Angst besetzt und zu weiterem Zur\u00fcckhalten mit Verschlimmerung der Obstipation f\u00fchrt. Ein Teufelskreis entsteht.<\/p>\n<p>Der K\u00f6rper hilft sich, indem er den oberen Teil des Stuhls erweicht bis verfl\u00fcssigt, der dann ausgeschieden wird. Die Umgebung interpretiert das Ab-setzen des Stuhls h\u00e4ufig als Durchfall. Die Kinder zeigen Halteman\u00f6ver, die sie je nach Alter verstecken. Das Problem des Zur\u00fcckhaltens wird oft verkannt und nicht entdeckt. Wird nun irrt\u00fcmlicherweise ein Mittel gegen den vermeintlichen Durchfall verabreicht, wird die ganze Problematik noch wesentlich verschlimmert. Einkoten kann alleine auftauchen, zeigt sich aber auch h\u00e4ufig in Verbindung mit Einn\u00e4ssen.<\/p>\n<p>H\u00e4ufig steht die Problematik in Zusammenhang mit anderen seelischen St\u00f6rungen. Manchmal wird der Kot am K\u00f6rper oder an Gegenst\u00e4nden in der Umgebung verschmiert. Die Beziehung zu den Eltern ist meist nicht nur als Folge der Symptomatik gest\u00f6rt. Sowohl ein zu liebevoller, gew\u00e4hrender als auch ein stark strafender Erziehungsstil k\u00f6nnen beobachtet werden. Auch der Verdacht auf sexuelle Gewalt muss ausgeschlossen werden. Da das Einkoten sehr h\u00e4ufig mit anderen Entwicklungsst\u00f6rungen und seelischen St\u00f6rungen einhergeht, bedarf es meist intensiverer therapeutischer Ma\u00dfnahmen, die h\u00e4ufig eine station\u00e4re Unterbringung erfordern.<\/p>\n<p>Hier k\u00f6nnen die jeweiligen Ma\u00dfnahmen wie Verhaltensbeobachtungen, Sauberkeitstraining, psychotherapeutische Ma\u00dfnahmen &#8211; insbesondere Verhaltenstherapie, Beratung der Eltern, familientherapeutische Ma\u00dfnahmen etc. kombiniert und durchgef\u00fchrt werden. Stellen Sie bei Verdacht ihr Kind dem Kinderarzt vor, der das Problem abkl\u00e4rt und eventuelle weitere Ma\u00dfnahmen mit Ihnen bespricht und plant.<\/p>\n<p>Ihre Barbara Knoblauch &#8211; Dipl.-Psych. &#8211; Psychotherapeutin<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unsere Kolumnistin, Psychotherapeutin\u00a0Barbara Knoblauch, spricht heute ein Tabuthema an: Wenn Kinder sich in die Hose machen.<\/p>\n","protected":false},"author":14,"featured_media":8412,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-8413","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissen"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-13 16:36:28","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8413","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/14"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8413"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8413\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":54488,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8413\/revisions\/54488"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/8412"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8413"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8413"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8413"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}