{"id":84113,"date":"2025-05-21T10:56:32","date_gmt":"2025-05-21T08:56:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=84113"},"modified":"2025-05-22T10:56:55","modified_gmt":"2025-05-22T08:56:55","slug":"fritz-langs-visionaerer-monumentalfilm-metropolis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2025\/05\/21\/fritz-langs-visionaerer-monumentalfilm-metropolis\/","title":{"rendered":"Fritz Langs vision\u00e4rer Monumentalfilm &#8222;Metropolis&#8220;"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_84117\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1314px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-84117 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Brigitte_Helm_Fritz_Lang_Probe_Metropolis_1926.jpg\" alt=\"\" width=\"1304\" height=\"942\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Brigitte Helm im Kost\u00fcm der tanzenden Maschinen-Maria, hinter den Kulissen auf dem Set von Fritz Langs Film Metropolis, 1926. Am Klavier Gottfried Huppertz, rechts (sitzend) Fritz Lang &#8211; \u00a9 gemeinfrei<\/span><\/div>\n<p><strong>&#8218;Metropolis&#8216;<\/strong><strong> wurde in das Weltdokumentenerbe der UNESCO aufgenommen und gilt als einer der ber\u00fchmtesten und zugleich umstrittensten Stummfilme Deutschlands. Warum?<\/strong><\/p>\n<p>Erica von Moeller: &#8222;Metropolis ist ein deutscher Stummfilm aus dem Jahr 1927, der von Fritz Lang mit bislang unvorstellbarem Aufwand inszeniert wurde. Interessanterweise ist es einer der ersten Science-Fiction Filme in Spielfilml\u00e4nge. Im Laufe der Zeit hat er jedoch eine erstaunliche Bandbreite an sehr diversen Deutungen erfahren. Er wurde sowohl als missgl\u00fcckter, nur um Gr\u00f6\u00dfe bem\u00fchter Monumentalfilm verurteilt, aber auch als Meilenstein des Science-Fiction-Genres gefeiert. Seine kontroverse Aufnahme beim Publikum ist aber auch darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren, dass er zur Zeit seiner Ver\u00f6ffentlichung sowohl stilistisch, als auch inhaltlich, au\u00dfergew\u00f6hnlich war. Einige Kritiker empfanden die Darstellung der sozialen Konflikte als zu simpel oder die Vision als \u00fcbertrieben. Die Bev\u00f6lkerung von Metropolis lebt in einer streng getrennten Klassengesellschaft: die Arbeiter werden gezwungen, unter der eigentlichen Stadt, in unterirdischen Massenunterk\u00fcnften zu wohnen und zu produzieren.<\/p>\n<p>Die Reichen und M\u00e4chtigen residieren hoch \u00fcber der Stadt und haben Zugang zu allem erdenklichen Luxus. Ihre Kinder leben ebenfalls in einer Art eigenen Stadtteil mit Universit\u00e4ten, einem gigantischen Stadion und den paradiesischen \u201eEwigen G\u00e4rten\u201c, wo junge Frauen \u201egez\u00fcchtet\u201c werden wie kostbare Blumen. Am Ende des Films kommt es zu einer sehr vereinfachten L\u00f6sung und Vers\u00f6hnung beider Klassen. &#8222;Mittler zwischen Hirn und H\u00e4nden muss das Herz sein\u201c, fasst Fritz Lang die Botschaft seines Films zusammen. Sein ber\u00fchmter Kollege Luis Bu\u00f1uel soll \u00fcber Metropolis geschrieben haben: <em>\u201e<\/em>Ein \u00fcberw\u00e4ltigendes Bilderbuch und Szenen eines verfeinerten, schlechten Geschmacks\u2026 Was uns hier erz\u00e4hlt wird, ist trivial, schw\u00fclstig, schwerf\u00e4llig und von \u00fcberkommenem Romantizismus.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_53830\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 440px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-53830\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Logo-Jahr100Wissen.jpg\" alt=\"\" width=\"430\" height=\"138\" \/><span class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Bergische Universit\u00e4t<\/span><\/div>\n<p>Obwohl der Film eine kritische Botschaft \u00fcber soziale Ungerechtigkeit enth\u00e4lt, interpretierten die Nationalsozialisten den Film auf ihre Weise. Sie sahen in der Vers\u00f6hnung von Ober- und Unterschicht eine Parallele zu ihrer Vorstellung von einer Volksgemeinschaft. F\u00fcr den Filmtheoretiker Siegfried Kracauer sind jedoch diese entindividualisierten Massenszenen nicht zuletzt <strong>Manifestationen<\/strong> totalit\u00e4rer Demagogie, wie er es in seiner Deutung als Propagandatheorie einordnet.<\/p>\n<p>Durch seine herausragende \u00c4sthetik ist der Film aber auch zu einer der einflussreichsten Werke der Filmgeschichte geworden. Ridley Scotts \u201eBlade Runner\u201c macht unverkennbar viele \u00e4sthetische Anleihen oder das Labor von Rotwang findet sich in den FRANKENSTEIN-Verfilmungen wieder, in Godards ALPHAVILLE und Kubricks DR. STRANGELOVE sind Verweise auf Metropolis zu finden. Dar\u00fcber hinaus wurde der Film in den 1980er und 1990er Jahren zu einem Gegenstand der Pop-Kultur, mit der Mega-City der Zukunft als Hauptprotagonisten, dem Maria-Roboter als Ikone, und seiner suggestiven Bildgewalt als Hintergrund f\u00fcr Pop-Videos von Queen, Madonna und Pink Floyd.<\/p>\n<div id=\"attachment_84118\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 510px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-84118 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/csm_von_Moeller_Presse1_98993e3fdd.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"335\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Prof. Erica von Moeller &#8211; \u00a9 UniService Third Mission<\/span><\/div>\n<p>Aber genau diese kontroverse Einordnung mit gleichzeitiger \u00e4sthetischer Opulenz hat auch wiederum dazu beigetragen, dass der Film \u00fcber die Jahrzehnte weg immer mehr einen Kultstatus erreicht hat.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Um was geht es in dem utopischen Film?<\/strong><\/p>\n<p>Erica von Moeller:<strong> &#8222;<\/strong>Der Film Metropolis erz\u00e4hlt eine vielschichtige Geschichte \u00fcber soziale Ungleichheit und den Gefahren des bedingungslosen Fortschrittsglaubens. In einer futuristischen Stadt, die von einer scharfen Trennung der sozialen Milieus gepr\u00e4gt ist, verliebt sich der Sohn des B\u00fcrgermeisters Freder in Maria, eine Frau aus der Arbeiterklasse. Sie ist die geistige Anf\u00fchrerin einer aufkeimenden Widerstandsbewegung und tr\u00e4umt von einer Welt mit weniger Ungleichheiten. Durch die Begegnung mit ihr bekommt Freda Einblicke in die Welt der Arbeiterklasse und versucht sich daraufhin als Vermittler zwischen beiden Welten. Was Freda jedoch nicht wei\u00df, ist, dass sein Vater versucht, die Arbeiter durch Maschinen zu ersetzen.<\/p>\n<p>Der Erfinder und Ingenieur Rottweil wird beauftragt, hierf\u00fcr den ersten Roboter zu konstruieren. Dieser \u201eMaschinenmensch\u201c, der Maria zum Ebenbild geschaffen ist, stiftet die Arbeiter zu einer Revolte an. Im Eifer zerst\u00f6ren die Arbeiter die Maschinen, wodurch ihre eigene, unterirdische Stadt \u00fcberflutet wird. Dieser Handlungsstrang ist als Warnung vor den zerst\u00f6rerischen Folgen des Klassenkampfes zu verstehen. Nur durch die Tatkr\u00e4ftige Hilfe von Maria und Freda werden die Arbeiter und insbesondere deren Kinder gerettet. Insofern endet der Film mit der vers\u00f6hnlichen Botschaft, dass die Kluft zwischen Arm und Reich nur durch Mitmenschlichkeit und deren Vermittlung \u00fcberbr\u00fcckt werden kann.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Gedreht wurde damals im gr\u00f6\u00dften Berliner Filmatelier. Welches war das?<\/strong><\/p>\n<p>Erica von Moeller: &#8222;Metropolis erz\u00e4hlt eine gigantische Stadt der Zukunft bestehend aus futuristischen Hochhauslandschaften, komplexen Hochstra\u00dfen und Br\u00fccken, sowie \u00fcbergro\u00dfen Maschinen. Um diese in Szene zu setzen, waren enorme Film- und B\u00fchnenbauten notwendig. Die Gestaltung der Stadt erfolgte durch die Filmarchitekten Otto Hunte, Erich Kettelhut und Karl Vollbrecht. Mindestens 500 Modelle von Hochh\u00e4usern wurden daf\u00fcr gebaut, einige sogar mit bis zu 70 Stockwerken.<\/p>\n<p>In den Babelsberger Filmstudios der UFA sowie in den Gro\u00dffilmwerken Staaken AG in Berlin wurde der Film vom 22. Mai 1925 bis 30. Oktober 1926 &#8211; in genau 310 Tagen und 60 N\u00e4chten &#8211; realisiert. Diese lange Drehzeit sowie die aufwendigen Bauten machten Metropolis zu einem der teuersten deutschen Filme in der Zeit der Weimarer Republik. Die Filmarchitektur lehnt sich an die Kunstrichtung des Expressionismus an und ist gepr\u00e4gt von monumentalen Wolkenkratzern, die stark an das damalige New York erinnern. Die Skyline der Stadt wird als \u00fcberw\u00e4ltigendes Stadtgebirge inszeniert, durchzogen von tiefen Stra\u00dfenschluchten, Hochstra\u00dfen, Br\u00fccken und sogar Flugverkehr. Hierf\u00fcr verwendeten die Architekten ungew\u00f6hnliche Materialien wie monumentale Stahl- und Glas-Elemente.<\/p>\n<div id=\"attachment_84119\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1290px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-84119 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Brigitt-Helm-im-Kostuem-des-Maschinenmenschen-gemeinfrei.jpg\" alt=\"\" width=\"1280\" height=\"1024\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Probe: Brigitte Helm im Kost\u00fcm des Maschinenmenschen &#8211; \u00a9 gemeinfrei<\/span><\/div>\n<p>Zudem gliedert sich der filmische Raum in eine vertikale Anordnung in \u201eoben\u201c und \u201eunten\u201c, was auch symbolisch zu verstehen ist. Oben leben die Reichen in luxuri\u00f6sen, ausgestatteten Geb\u00e4uden, w\u00e4hrend den Arbeitern lediglich schlichte, unterirdische Siedlungen zur Verf\u00fcgung stehen. Damit wird die Architektur zum zentralen Bedeutungstr\u00e4ger: sie spiegelt die gesellschaftliche Spaltung zwischen der Elite und der Arbeiterklasse wider und betont die Macht und den Fortschrittsglauben der Moderne. Der Regisseur Fritz Lang soll betont haben, dass er ganz besonders an der Darstellung und Ausgestaltung von Architektur interessiert war, um die gesellschaftskritische Aussage des Films zu erzeugen.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Dort waren Innenbauten bis zu 28 Meter mit massivem Rundhorizont von 60 Metern Breite machbar und erm\u00f6glichten v\u00f6llig neue Atmosph\u00e4ren, die man bis dato filmisch nicht pr\u00e4sentieren konnte. Was denn z. B.?<\/strong><\/p>\n<p>Erica von Moeller: &#8222;Die Atmosph\u00e4re eines Films wird ma\u00dfgeblich durch den filmischen Raum und das hierin gestaltete Licht erzeugt. Der Filmraum verortet die Geschichte und wird somit ihr Spiegelbild.<br \/>\nIm Fall von Metropolis wirkt die Stadt wie ein perfekter technologischer Organismus. Hierf\u00fcr hatten die technischen Errungenschaften im modernen Studiobau enormen Einfluss auf die Produktion von Metropolis. Die riesigen Innenbauten von bis zu 28 m H\u00f6he und 60 m Breite erm\u00f6glichten es, monumentale und realit\u00e4tsnahe Kulissen zu erschaffen. Diese Dimensionen erlaubten es, ganze Menschenmassen glaubhaft durch die Sets fl\u00fcchten zu lassen.<\/p>\n<p>Dank dieser Gr\u00f6\u00dfe konnten tausende Statisten koordiniert werden. Dazu waren bei vielen Einstellungen drei Kameras gleichzeitig im Einsatz, um verschiedene Perspektiven der Massenszenen einzufangen. Dar\u00fcber hinaus erlaubten diese Bauten mit starken Scheinwerfern erstmalig, besondere Licht und Schatteneffekte einzusetzen. Dieser erzeugte Realismus schuf eine bis dahin noch nicht da gewesen Direktheit, wodurch die utopische, bedrohliche und zugleich faszinierende Welt von Metropolis f\u00fcr das Publikum unmittelbar erlebbar war.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Die Besetzungsliste verzeichnete 25.000 Komparsen, 11.000 Komparsinnen, 1.100 Kahlk\u00f6pfe, 750 Kinder, 100 Dunkelh\u00e4utige und 25 Chinesen. Solche Massenszenen waren neu im Film, oder?<\/strong><\/p>\n<p>Erica von Moeller: &#8222;Ja, die Massenszenen waren in dieser Gr\u00f6\u00dfe und Umfang v\u00f6llig neu f\u00fcr den Film. Dieser Perfektionismus mit Tausenden von Statisten hatte aber auch seinen Preis. Die Menschen wurden aus der ganzen Republik aus Arbeitssuchenden rekrutiert. Die Arbeitsbedingungen waren aus heutiger Sicht f\u00fcr die vielen Komparsen und auch f\u00fcr das Team menschenunw\u00fcrdig. Besonders zerm\u00fcrbend war die zehnmin\u00fctige Sequenz am Ende des Films, in der die Unterstadt mit Wasser geflutet wird. Diese Sequenz wurde innerhalb von sechs Wochen gedreht. Die Komparsen mussten immer wieder tagelang im eiskalten Wasser durch die Kulissen laufen.<\/p>\n<p>In Folge wurden viele der Komparsen krank, mussten aber trotzdem an den Dreharbeiten teilnehmen. Angeblich wurden sie mit Alkohol bestochen, um weiterhin an den Dreharbeiten teilzunehmen. In dieser Sequenz waren ma\u00dfgeblich die 750 Kinder involviert, f\u00fcr die die Drehbedingungen im kalten Wasser umso schwerer ertr\u00e4glich waren. Ihnen wurde ebenfalls ein voller Arbeitstag am Set zugemutet.<\/p>\n<p>Es ist mittlerweile eine gro\u00dfe Errungenschaft, dass schulpflichtige Kinder, maximal 3 Stunden pro Tag nur mit Einverst\u00e4ndnis der Eltern am Set arbeiten d\u00fcrfen. Erst Jugendlichen ab dem 15. Lebensjahr (JArbSchG) wird ein Achtstundentag bei Dreharbeiten zugestanden. Umso ironischer wird die Figur des Ingenieurs Rotwang mit dem Zitat charakterisiert: \u201eIch habe eine Maschine nach dem Ebenbild des Menschen geschaffen, die weder erm\u00fcdet noch Fehler macht\u201c.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Der Film wartete mit einer einzigartigen neuen Kameratricktechnik, dem Sch\u00fcfftan- Verfahren auf. Der nach seinem Erfinder, Eugen Sch\u00fcfftan (1893-1977), benannte Spiegeltrick geh\u00f6rt zu den wichtigsten und bekanntesten Filmtricks der Kinematografie \u00fcberhaupt. K\u00f6nnen Sie das mal erkl\u00e4ren?<\/strong><\/p>\n<p>Erica von Moeller: &#8222;Das Sch\u00fcfftan-Verfahren war eine innovative Filmtechnik, bei der durch einen halbdurchl\u00e4ssigen Spiegel gefilmt wurde. Im 45\u00b0 Winkel platzierte man einen Spiegel seitlich zu einer Miniaturstadt. Indem bestimmte Bereiche des Spiegels durchl\u00e4ssig gemacht wurden, funktionierte diese Fl\u00e4che im Sinne eines Fensters in den dahinterliegenden Raum. Hinter diesem Fenster wurde dann ein Schauspieler platziert. Im komponierten Bild erscheint das reflektierte Modell als riesige Kulisse, w\u00e4hrend der Schauspieler durch die transparenten Bereiche nahtlos integriert wurde.<\/p>\n<p>Die Illusion eines gemeinsamen, filmischen Raumes konnte somit ohne den Bau von Filmkulissen im Ma\u00dfstab eins zu eins realisiert werden. Das Verfahren erforderte statische Kameraeinstellung, da bereits minimale Bewegung die Spiegelreflexionen st\u00f6ren konnten. Dennoch revolutionierte es die Filmtricktechnik der 1920ger Jahre und wurde zum Schl\u00fcsselelement f\u00fcr den visuellen Stil des Films. Heute wird der Effekt nat\u00fcrlich digital nachgebaut. Die Grundtechniken eines collagehaften, in einander bauens von verschiedenen Bildelementen mit unterschiedlichen Gr\u00f6\u00dfen, pr\u00e4gte jedoch seit dieser Zeit die filmische \u00c4sthetik. Damit ist es auch ein gutes Beispiel daf\u00fcr, wie eine technische Innovation die Film \u00c4sthetik ma\u00dfgeblich mitgestaltet.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_84120\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1290px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-84120 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Fritz_Lang_am_Set_von_Metropolis_Ueberflutung_1926.jpg\" alt=\"\" width=\"1280\" height=\"932\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Fritz Lang (mit Megaphon) bei den Dreharbeiten zu Metropolis &#8211; \u00a9 Foto: Horst von Harbou, 1926, gemeinfrei<\/span><\/div>\n<p><strong>Mehrfachbelichtungen oder \u00fcbereinander kopierte Negative geh\u00f6rten seit Langs Film &#8218;Nibelungen&#8216; zu seinem Repertoire. Er f\u00fchrte die sehr zeitaufw\u00e4ndige, sogenannte Stop-Motion-Technik ein. F\u00fcr die Einblendung der Hauptverkehrsader der Stadt wurden z. B. unter anderem rund 300 Modellautos nach jeder Einzelbildaufnahme um Millimeter versetzt. Allein diese Aufnahme dauerte 8 Tage und war im Film lediglich 10 Sekunden zu sehen. Der Film war eine Aneinanderreihung von Superlativen, oder?<\/strong><\/p>\n<p>Erica von Moeller: &#8222;Ja, Fritz Lang revolutionierte die Filmtechnik durch seine innovativen Spezialeffekte, die er mit den Kulissen und einer neuen Kameratechnik zusammenf\u00fchrte. Eine bis dahin unerreichte Verschmelzung von Realfilm und Modellen wurde dadurch m\u00f6glich. Dabei kombinierte er auch mehrere Tricks miteinander. Die Mehrfach-Belichtungen mit der Stop-Motion-Technik und dem \u00fcbereinander kopieren des Negativs erzielte eine ganz neue \u00c4sthetik, die er f\u00fcr die Traumwelten einsetzte. Aber den Aufwand, den sie beschreiben, ist f\u00fcr heutige Filmproduktionen nicht mehr denkbar. Und dennoch pr\u00e4gten diese technischen Neuerungen das Kino nachhaltig.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Mit knapp 5 Millionen Reichsmark war &#8218;Metropolis&#8216; der teuerste Film der deutschen Filmgeschichte und wurde zugleich der gr\u00f6\u00dfte Flop. Warum kam er beim Publikum nicht an?<\/strong><\/p>\n<p>Erica von Moeller: &#8222;Ja, die Produktionskosten von den urspr\u00fcnglich geplanten 800.000 Reichsmark explodierten bei der Durchf\u00fchrung des Films auf 5 Millionen Reichsmark (entsprechen umgerechnet 21 Millionen \u20ac). Damit ist die Produktion selbst unter heutigen Ma\u00dfst\u00e4ben ein enorm teurer Film. Die Produktionsfirma UFA geriet durch die Produktion in finanzielle Schwierigkeiten und wurde noch w\u00e4hrend der Produktionszeit verkauft. Fritz Langs Perfektionismus f\u00fchrte dazu, dass er in vielen Wiederholungen und langen Drehtagen den Film realisierte. Man sch\u00e4tzt das Filmmaterial, das belichtet wurde, auf eine L\u00e4nge von 500-600 Kilometer. Lang konnte zwar weiter Filme umsetzen, wurde allerdings in nachfolgenden Produktionen vertraglich verpflichtet, seine Budgets einzuhalten.<\/p>\n<p>Der Film wurde aber trotz dieses Aufwandes und der gro\u00dfen Erwartungen nach seiner Premiere vom Publikum kaum angenommen. In Berlin sahen ihn nur etwa 15.000 Zuschauer. Damit spielte der Film nur rund 70.000 Reichsmark ein und wurde auch bald aus dem Programm genommen. In den zeitgen\u00f6ssischen Kritiken wurden die technischen Effekte und insgesamt die visuelle Umsetzung gelobt. Die Handlung erschien aber deutlich zu \u00fcberladen und wenig glaubw\u00fcrdig. Wie schon eingangs erw\u00e4hnt, hat der Film allerdings sehr unterschiedliche Rezeptionshaltungen im Laufe der Zeit erfahren, die zu ganz verschiedenen, immer wieder anderen Lesarten des Films gef\u00fchrt haben.<\/p>\n<p>So standen in den 1920er Jahren soziale Frage und Technologie im Blickpunkt der Kritiker: Hatte der Film etwas \u00fcber die Industrialisierung als Faktor zur Vermeidung von sozialer Unruhe auszusagen oder verst\u00e4rkte er lediglich den Klassenkampf? W\u00fcrde die moderne Technologie die Menschheit versklaven oder Fortschritt und Wohlstand f\u00fcr alle bringen? Auch Siegfried Krakauer etwa sah in der vers\u00f6hnlichen Klassenl\u00f6sung am Ende des Films eine ideologisch fragw\u00fcrdige Botschaft, die er als anschlussf\u00e4hig an das nationalsozialistische Gedankengut deutete. Thomas Elsaesser widmete dann viel sp\u00e4ter im Jahr 2000 dem Film eine Monografie und beschreibt die abenteuerliche Entstehung dieses fr\u00fchen Science-Fiction-Films.&#8220;<strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Aufgrund eines Filmrollenfundes in Buenos Aires konnten 85% der verlorengegangenen urspr\u00fcnglichen Filmfassung wieder rekonstruiert werden. Der Film kam dann erneut 2011 in die Kinos. Welche Bedeutung hat er f\u00fcr Sie als Filmschaffende? <\/strong><\/p>\n<p>Erica von Moeller: &#8222;Die Montage von Metropolis wurde nach der Premiere 1927 massiv gek\u00fcrzt. Die urspr\u00fcngliche Fassung war etwa zweieinhalb Stunden lang und wurde nach den schlechten Kritiken und dem geringen Publikumserfolg auf unter zwei Stunden neu montiert. Dabei wurde die Handlung vereinfacht und ganze Figurenstr\u00e4nge herausgenommen. Viele Kopien der Originalfassung wurden daraufhin vernichtet. F\u00fcr den internationalen Markt besonders f\u00fcr die USA wurde der Film sogar noch weiter gek\u00fcrzt, weil die Produzenten von Paramount bef\u00fcrchteten, dass die komplexe Handlung die Zuschauer verwirren k\u00f6nnte. Jahrzehnte lang galt die Originalfassung als verschollen. Erst durch den Fund eines originalen Negatives 2008 in Buenos Aires konnten viele der fehlenden Szenen rekonstruiert werden.<\/p>\n<p>Ich habe selbst 2011 eine aufw\u00e4ndig rekonstruierte Fassung w\u00e4hrend der Berlinale im Kino sehen k\u00f6nnen und konnte mich der visuellen Opulenz und Faszination des Films nicht entziehen. Besonders die Darstellung der Stadt als Organismus mit ihren vielen bewegten und bewegenden Elementen hat mich sehr beeindruckt. Ihre Anordnung in den vertikal gestapelten Abschnitten erzeugt eine ganz besondere Atmosph\u00e4re und ist damit auch einzigartig im Kanon der Filmgeschichte. Die Zukunft sich vorstellen zu k\u00f6nnen, bedeutet ja auch, Ideen umzusetzen, die es noch gar nicht gibt. Hier hat Fritz Lang vom Bildtelefon \u00fcber die Gestaltung des Roboters oder der Hochhausschluchten eine ganz eigene vision\u00e4re Welt geschaffen.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Uwe Blass<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_84121\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 210px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-84121 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/csm_von_Moeller_Presse1_98993e3fdd-Kopie.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"275\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Prof. Erica von Moeller &#8211; \u00a9 UniService Third Mission<\/span><\/div>\n<h4>\u00dcber Prof. Erica von Moeller<\/h4>\n<p>Die Regisseurin und Autorin Erica von Moeller studierte sowohl Freie Bildende Kunst in Mainz als auch Kommunikationswissenschaften in Frankfurt bevor sie an der Kunsthochschule f\u00fcr Medien in K\u00f6ln im Bereich Film diplomierte. Sie realisiert seit 2001 Filme in unterschiedlichen Genres und Formaten. Als Medienk\u00fcnstlerin entwickelt sie Ausstellungsprojekte an der Schnittstelle zwischen Bewegtbild, Raum und Klang. Nach vielf\u00e4ltigen Lehrauftr\u00e4gen in K\u00f6ln, Berlin und Trier lehrt sie seit 2011 an der Bergischen Universit\u00e4t Wuppertal als Professorin f\u00fcr Design audiovisueller Medien.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor 100 Jahren wurde der weltber\u00fchmte Stummfilm &#8222;Metropolis&#8220; gedreht. Grund genug f\u00fcr Autor Uwe Blass, sich im Rahmen der be.iebten Uni-Reihe &#8222;Jahr100Wissen&#8220; mit Erica von Moeller, Regisseurin und Professorin f\u00fcr Design und Audiovisuelle Medien an der Bergischen Universit\u00e4t, \u00fcber dieses denkw\u00fcrdige Werk von Regisseur Fritz Lang zu unterhalten. <\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-84113","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissen"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-04-20 14:48:09","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/84113","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=84113"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/84113\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":84127,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/84113\/revisions\/84127"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=84113"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=84113"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=84113"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}