{"id":83281,"date":"2025-04-24T15:13:37","date_gmt":"2025-04-24T13:13:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=83281"},"modified":"2025-04-24T15:13:37","modified_gmt":"2025-04-24T13:13:37","slug":"kristof-stoessel-theatermacher-mit-herzblut-und-mut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2025\/04\/24\/kristof-stoessel-theatermacher-mit-herzblut-und-mut\/","title":{"rendered":"Kristof St\u00f6\u00dfel: Theatermacher mit Herzblut und Mut"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_83287\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1078px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-83287 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/WhatsApp-Image-2025-04-24-at-13.20.43-Kopie.jpeg\" alt=\"\" width=\"1068\" height=\"816\" \/><span class=\"wp-caption-text\">G\u00f6nnen sich nach einer begeistert gefeierten Theater-Vorstellung ein k\u00fchles Getr\u00e4nk: Teresa und Kristof St\u00f6\u00dfel &#8211; \u00a9 St\u00f6\u00dfels Kom\u00f6die<\/span><\/div>\n<p>Seine Leidenschaft f\u00fcr das Theater ist in jedem seiner Projekte zu sp\u00fcren. Aber auch er, der gern im Rampenlicht steht und das Publikum zum Lachen bringt, kennt auch die Schattenseiten der Branche. Applaus ist das Brot des K\u00fcnstlers, hei\u00dft es so sch\u00f6n im Volksmund. Doch davon allein wird auch ein Schauspieler nicht satt.<\/p>\n<p>Aber zum Gl\u00fcck f\u00fcr ihn, sein Ensemble und sein Publikum ist Kristof St\u00f6\u00dfel neben seinen vielen Talenten auch ein echter \u00dcberlebensk\u00fcnstler.<\/p>\n<p>Wir haben uns mit dem Organisations-Genie und \u00fcberaus kreativen Kopf unterhalten.<\/p>\n<p><strong>DS: Schauspieler, Regisseur, Betreiber von St\u00f6\u00dfels Kom\u00f6die on Tour, vom KaBARett FLIN in D\u00fcsseldorf, k\u00fcnstlerischer Leiter des Stratmanns Theaters in Essen \u2013 und dann sind Sie auch noch als Kunstfigur Fabienne van Straten unterwegs. Hat Ihr Tag 48 Stunden oder wie bekommen Sie das alles unter einen Hut?<\/strong><\/p>\n<p>Kristof St\u00f6\u00dfel: \u201eNat\u00fcrlich hat mein Tag auch nur 24 Stunden \u2013 auch wenn es sich manchmal anders anf\u00fchlt. Ich komme zum Gl\u00fcck mit wenig Schlaf aus und habe mir eine ziemlich gute Organisationsstruktur aufgebaut. Und ja, ich gebe es zu: Ein bisschen Wahnsinn geh\u00f6rt wahrscheinlich auch dazu. Das gro\u00dfe Gl\u00fcck ist, dass ich nicht allein bin. Meine Frau Teresa leitet das KaBARett FLIN in D\u00fcsseldorf mit Herzblut und einem fantastischen Team.<\/p>\n<p>In Wuppertal bei &#8222;St\u00f6\u00dfels Kom\u00f6die on Tour&#8220; haben wir ein eingespieltes Team auf und hinter der B\u00fchne \u2013 Martin Jansen als technischer Leiter und unsere tollen Kolleginnen an der Kasse, die genau wissen, wie der Hase l\u00e4uft und nat\u00fcrlich das beste Ensemble, was ich mir vorstellen kann.<\/p>\n<p>Auch im Stratmanns Theater in Essen k\u00fcmmere ich mich um das Programm, f\u00fchre Regie, stelle das Ensemble zusammen \u2013 und stehe an einigen Abenden auch selbst auf der B\u00fchne. In den n\u00e4chsten Monaten bin ich aber auf der B\u00fchne in Hannover und Gifhorn: Und trotzdem bin ich mir sicher, dass hier in NRW alles gut weiter l\u00e4uft.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_83285\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 988px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-83285 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Fabienne-0090-2.jpg\" alt=\"\" width=\"978\" height=\"694\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Zwei Wuppertaler Originale: Kristof St\u00f6\u00dfel als Kunstfigur Fabienne van Straten mit Mina Knallenfalls in der Poststra\u00dfe &#8211; \u00a9 Sina Frantzen<\/span><\/div>\n<p><strong>DS: Aber da bleibt doch immer noch Ihr zweites, Ihr &#8218;weibliches Ich\u2018, ihre Kunstfigur, eine schrille Diva \u2013 oder?<\/strong><\/p>\n<p>Kristof St\u00f6\u00dfel: \u201eFabienne van Straten, ja klar! Die geh\u00f6rt nat\u00fcrlich fest zu meinem Leben. Auch wenn es weniger Stadtf\u00fchrungen sind als fr\u00fcher, bin ich in D\u00fcsseldorf und Wuppertal immer wieder als Fabienne unterwegs \u2013 und das mit gro\u00dfer Freude. Alles zusammen ist nat\u00fcrlich schon \u00a0viel, aber ich liebe, was ich tue. Und deshalb f\u00fchlt es sich meist nicht wie Arbeit an \u2013 auch wenn es regelm\u00e4\u00dfig eine Sieben-Tage-Woche ist.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Sie k\u00f6nnten auch \u201enur\u201c als Schauspieler und Regisseur ganz gut leben. Warum also der ganze Aufwand?<\/strong><\/p>\n<p>Kristof St\u00f6\u00dfel: \u201eGanz einfach: Weil \u201enur\u201c f\u00fcr mich eben nicht reicht. Ich bin einfach jemand, der gern die F\u00e4den in der Hand h\u00e4lt \u2013 nicht aus Kontrollwahn, sondern weil ich eine klare Vorstellung davon habe, wie gutes Unterhaltungstheater funktionieren kann. Ich liebe es, eigene Ideen umzusetzen und selbst zu entscheiden, welche St\u00fccke wir spielen. Nat\u00fcrlich habe ich auch gro\u00dfe Freude am Schauspiel und an der Regie. Aber erst durch die Theaterleitung kommt mein ganzes Herzblut auf die B\u00fchne. Ich m\u00f6chte ein Theater machen, das die Menschen zum Lachen bringt, sie ber\u00fchrt. Und das kann ich am besten, wenn ich die Richtung selbst mitbestimme.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Wie stellen Sie sicher, dass bei all dem Trubel \u00a0wegen der vielen Aufgaben und Verpflichtungen Ihr h\u00f6chstes Gut, Ihre Kreativit\u00e4t nicht leidet?<\/strong><\/p>\n<p>Kristof St\u00f6\u00dfel: \u201eMeine Kreativit\u00e4t ist zum Gl\u00fcck recht treu \u2013 sie verl\u00e4sst mich auch im gr\u00f6\u00dften Stress nicht. Ich lasse mich gern inspirieren &#8211; durch Reisen, durch Theaterabende in anderen St\u00e4dten, durch Gespr\u00e4che mit klugen und manchmal auch ganz schr\u00e4gen Menschen. Zurzeit schreibe ich sogar an eigenen Theaterst\u00fccken \u2013 ob sie jemals auf die B\u00fchne kommen, wird sich zeigen. Aber allein das Schreiben ist schon ein sch\u00f6ner kreativer Prozess. Und w\u00e4hrend Corona, als live nichts mehr ging, haben wir neue Formate online entwickelt \u2013 auch das war kreativ und wichtig. Ich kann mir aktuell also keine Situation vorstellen, in der meine Kreativit\u00e4t aussetzen k\u00f6nnte.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_38340\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 2570px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-38340\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/ArvanehStoessel-2-2-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"2195\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Ziemlich beste Freunde: Kristof St\u00f6\u00dfel (r.) und TV-Star Giovanni Arvaneh &#8211; \u00a9 St\u00f6\u00dfels Kom\u00f6die<\/span><\/div>\n<p><strong>DS: Kunst und Wirtschaftlichkeit, das sind ja eigentlich nat\u00fcrliche Feinde. Wie bekommen Sie diesen Spagat hin?<\/strong><\/p>\n<p>Kristof St\u00f6\u00dfel: \u201eKunst statt Kommerz.Klingt wie der Titel eines philosophischen Essays. Aber nein, f\u00fcr mich ist es kein Widerspruch. Ich kann von dem, was ich tue, leben \u2013 und das mit Stolz. Klar, daf\u00fcr arbeite ich viel. Aber Arbeit bedeutet f\u00fcr mich statt Stress eben mehr Erf\u00fcllung und daher bin ich froh, dass ich mir durch meine Arbeit einen Lebensstandard leisten kann, der mich und meine Frau gl\u00fccklich macht.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df, dass das nicht selbstverst\u00e4ndlich ist. Viele Kolleginnen und Kollegen k\u00e4mpfen jeden Monat aufs Neue. Aber ich hatte nie Angst vor der Zukunft \u2013 und freue mich, dass meine Projekte bis 2027 geplant sind. Das klappt nur, weil ich so breit aufgestellt bin \u2013 und das Herz und die Begeisterung f\u00fcr diesen Beruf dabei sind. Ich bef\u00fcrchte, dass viele Menschen eher unzufrieden in ihrem Job sind \u2013 das Gef\u00fchl kenne ich nicht.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Wuppertal ist ja bislang kein gutes Pflaster f\u00fcr Boulevard-Theater, deshalb sind Sie hier seit einigen Jahren mehr oder weniger als Wanderb\u00fchne unterwegs. Wie sieht da Ihre Zwischenbilanz aus?<\/strong><\/p>\n<p>Kristof St\u00f6\u00dfel: \u201eAlso ehrlich gesagt: Ich glaube, Wuppertal wird da manchmal untersch\u00e4tzt. Mir wurde pers\u00f6nlich gesagt, die Stadt sei zu intellektuell f\u00fcr Boulevard. Aber ich glaube, man kann sehr wohl klug und gleichzeitig unterhaltsam sein \u2013 das beweist unser Publikum jeden Abend aufs Neue.<\/p>\n<p>Unsere Zahlen aus der Zeit in der Kom\u00f6die am Karlsplatz waren hervorragend \u2013 bis Corona kam. Wir waren die Ersten die dieses Theater, auch wirtschaftlich erfolgreich bespielt haben. Danach ging\u2019s als Wanderb\u00fchne weiter. Und das Publikum ist uns treu geblieben. Heute sind wir froh, dass wir regelm\u00e4\u00dfig in der Gesellschaft Concordia auftreten k\u00f6nnen \u2013 eine wunderbare Zusammenarbeit, f\u00fcr die wir sehr dankbar sind.<\/p>\n<p>Im April zeigen wir dort \u201eProsecco f\u00fcr zwei\u201c, im August dann unter freiem Himmel im Biergarten des Wuppertaler Brauhaus. Im Herbst folgt die Kom\u00f6die \u201eMidlifekrise \u2013 Institut\u201c und zu Weihnachten spielen wir \u201eH\u00f6llenbrand am Gl\u00fchweinstand\u201c \u2013 in Wuppertal, D\u00fcsseldorf und Essen. So lange die Menschen zu uns kommen, bleiben wir in Wuppertal sind aber auch sehr froh, dass viele unsere G\u00e4ste inzwischen auch nach D\u00fcsseldorf kommen und selbst in Essen und Hannover habe ich schon Wuppertaler Fans entdecken k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_83284\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-83284 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Kristof-2-1024x798-1.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"798\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Die B\u00fchne ist sein Leben: Kristof St\u00f6\u00dfel &#8211; Theater-Chef, Schauspieler, Regisseur und Autor &#8211; \u00a9 St\u00f6\u00dfels Kom\u00f6die<\/span><\/div>\n<p><strong>DS: Viele fragen sich, warum machen Sie bei dem Mangel an \u00f6ffentlicher Unterst\u00fctzung nicht einfach einen gro\u00dfen Bogen um Wuppertal?<\/strong><\/p>\n<p>Kristof St\u00f6\u00dfel: \u201eWeil Wuppertal meine Heimat ist. Ich lebe hier seit \u00fcber 25 Jahren. Ohne Wuppertal und meine Theatergeschichte in der Stadt, w\u00e4re ich heute nicht der, der ich bin. Nat\u00fcrlich war es nicht immer einfach, gerade wenn es um \u00f6ffentliche Anerkennung und Wahrnehmung ging. Aber inzwischen konzentrieren wir uns in Wuppertal auf das, was wirklich z\u00e4hlt: Unser Publikum. Die Zeit, in der ich mich \u00fcber fehlende Unterst\u00fctzung ge\u00e4rgert habe, ist vorbei \u2013 jetzt nutze ich diese Energie lieber kreativ, hier und eben auch in anderen St\u00e4dten.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Es ist zu h\u00f6ren, dass die Wanderschaft in absehbarer Zeit bald zu Ende geht und Sie in Wuppertal im n\u00e4chsten Jahr wieder eine feste Spielst\u00e4tte haben werden. K\u00f6nnen Sie dazu schon N\u00e4heres sagen?<\/strong><\/p>\n<p>Kristof St\u00f6\u00dfel (lacht): \u201eEin sch\u00f6ner Mythos! Das war unser Aprilscherz 2025 \u2013 mit KI-generierten Bildern eines Traumtheaters. Die Resonanz war unglaublich positiv, viele haben sich wirklich gefreut. Und das zeigt uns, wie eng die Verbindung zu unserem Publikum ist. Aber leider war es nicht mehr als ein Aprilscherz.<\/p>\n<p>Aber realistisch betrachtet: So ein Theater w\u00fcrde rund acht bis elf Millionen Euro kosten \u2013 und monatlich 25.000 bis 35.000 Euro verschlingen. Wir w\u00e4ren dann bei einem Eintrittspreis von mehr als 50,00 EUR pro Person am Abend. \u00a0Das geht nicht ohne Subventionen \u2013 und wir wollen uns weiterhin selbst tragen. Also bleibt es erstmal bei mobilen Produktionen, die uns auch die M\u00f6glichkeit kurzfristig zu reagieren, da keine jahrelangen Mietvertr\u00e4ge geschlossen werden.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Setzen Sie als Theaterchef auf ein festes Ensemble oder eher auf variierende bekannte Namen und prominente Gesichter?<\/strong><\/p>\n<p>Kristof St\u00f6\u00dfel: \u201eUnser Ensemble ist unser Herzst\u00fcck. Viele unserer Schauspielerinnen und Schauspieler haben inzwischen ihre ganz eigene Fangemeinde \u2013 das ist wunderbar. Und nat\u00fcrlich erg\u00e4nzen wir das Team immer wieder mit Gastschauspielern aus anderen St\u00e4dten, mit denen ich z. B. in Hannover oder Braunschweig gearbeitet habe.<\/p>\n<p>Aktuell passen wir unsere Produktionen an die Bedingungen an \u2013 meist mit zwei bis vier Personen auf der B\u00fchne. So k\u00f6nnen wir flexibel an mehreren Spielorten agieren. Wir haben so die Freiheit, zu entscheiden ob und wie es weiter geht. Ein \u201eFlop\u201c k\u00f6nnen wir uns nicht leisten und sollte es zu diesem kommen, dann k\u00f6nnen und m\u00fcssen wir eben auch kurzfristig entscheiden, in Wuppertal nicht mehr zu spielen. Das l\u00e4sst sich umgehen, wenn unsere G\u00e4ste weiterhin zu allen St\u00fccken kommen.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_83289\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-83289 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Divas2021-8-2-1024x877-1.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"877\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Der Cast der Erfolgs-Kom\u00f6die &#8222;Die 3 Divas&#8220;: (v.l.) Amanda Whitford, Fabienne van Straten alias Kristof St\u00f6\u00dfel und Teresa St\u00f6\u00dfel \u2013 \u00a9 St\u00f6\u00dfels Kom\u00f6die<\/span><\/div>\n<p><strong>DS: Immer mehr gestandene B\u00fchnen- &amp; Theater-Stars beklagen einen starken R\u00fcckgang an Engagements oder an sinkenden Gagen. Kommt Ihnen als Theater-Chef dieser Trend m\u00f6glicherweise sogar zugute?<\/strong><\/p>\n<p>Kristof St\u00f6\u00dfel: \u201eZugute? Ich w\u00fcrde eher sagen: Wir profitieren davon, dass wir verl\u00e4sslich arbeiten \u2013 und faire Bedingungen bieten. Nat\u00fcrlich zahlen wir keine Gagen wie gro\u00dfe H\u00e4user. Aber unsere Leute k\u00f6nnen von ihrer Arbeit leben \u2013 und das ist mir wichtig.<\/p>\n<p>Im Film- und Fernsehbereich ist es viel schwieriger. Viele f\u00fcrchten, durch KI ersetzt zu werden \u2013 vor allem Sprecher. Im Theater sehe ich das noch gelassener: Unsere S\u00e4le sind meist gut gef\u00fcllt, die Menschen wollen Live-Erlebnisse. Und ich tue alles daf\u00fcr, gute Schauspieler zu f\u00f6rdern und ihnen auch Engagements an anderen Theatern zu erm\u00f6glichen. Nicht jeder \u201eStar\u201c ist eine wirkliche Bereicherung auf der B\u00fchne und daf\u00fcr gibt es Quereinsteiger, die das Publikum in den Bann ziehen. Bei mir muss es auf und hinter der B\u00fchne auch menschlich stimmen.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Wie sehen Sie \u00fcberhaupt die Zukunft Ihrer Zunft?<\/strong><\/p>\n<p>Kristof St\u00f6\u00dfel: \u201eOptimistisch! Theater wird es immer geben. Es wird sich ver\u00e4ndern, ja \u2013 aber es bleibt. Gerade weil unser Alltag immer digitaler wird, w\u00e4chst die Sehnsucht nach echten Begegnungen. Und genau das bietet Theater.<\/p>\n<p>KI mag Texte schreiben oder Stimmen imitieren \u2013 aber f\u00fcr Emotionen auf der B\u00fchne sorgen, das kann keine Maschine. Deshalb glaube ich fest daran, dass wir mit unserer Arbeit auch in Zukunft ein Publikum erreichen werden, aber man muss sich eben immer wieder etwas einfallen lassen, um die Menschen zu begeistern.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Halten Sie es noch f\u00fcr zeitgem\u00e4\u00df, dass nur sogenannte, klassische Theater von Bund, Land und Kommunen subventioniert werden. Sie als Boulevard-B\u00fchne, die durch gute, popul\u00e4re Unterhaltung zum Teil mehr Zuschauer anlockt als so manche klassische B\u00fchne, dennoch leer ausgehen?<\/strong><\/p>\n<p>Kristof St\u00f6\u00dfel: \u201eIch bin tats\u00e4chlich froh, dass wir ohne gro\u00dfe F\u00f6rderung bestehen k\u00f6nnen. In D\u00fcsseldorf bekommen wir einen Mietzuschuss \u2013 das hilft sehr. Der Rest l\u00e4uft \u00fcber wirtschaftliches Denken und kreatives Handeln.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich sehe ich, dass in manchen subventionierten H\u00e4usern nicht unbedingt effizient gewirtschaftet wird. Ich w\u00fcrde mir w\u00fcnschen, dass man da das Publikum ernster nimmt \u2013 und sich auch f\u00fcr unterhaltende Formate \u00f6ffnet. Und das wird man m\u00fcssen, denn aktuell sehen wir schon, dass die Politik, leider als erstes, an der Kultur sparen wird. Ein gro\u00dfer Fehler, aber eben Realit\u00e4t.<\/p>\n<div id=\"attachment_83291\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-83291\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/vvg21_010732_1-2-1024x730-1.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"730\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Beim St\u00fcck &#8222;Extrawurst&#8220; im Barmer Brauhaus: (v.l.) Giovanni Arvaneh, Dirk Stasikowski, Kristof St\u00f6\u00dfel, Oliver Fleischer und Melanie Spielmann \u2013 \u00a9 St\u00f6\u00dfels Kom\u00f6die<\/span><\/div>\n<p>Meine Idee dazu: Eine staatlich aufgeladene Kulturkarte \u2013 jeder B\u00fcrger hat 100 Euro im Monat, die er frei f\u00fcr Theater, Oper, Comedy oder Kabarett ausgeben kann. Am Monatsende wird abgerechnet. Ich bin sehr gespannt, wo das Geld dann wirklich landet.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Wie wird das denn in anderen L\u00e4ndern und Gesellschaften gehandhabt?<\/strong><\/p>\n<p>Kristof St\u00f6\u00dfel: \u201eDas deutsche F\u00f6rdersystem ist international einmalig \u2013 viele beneiden uns darum. In anderen L\u00e4ndern sind Schauspieler fast ausschlie\u00dflich selbstst\u00e4ndig \u2013 ohne Absicherung. Trotzdem gibt es funktionierende Privattheater, etwa in den Niederlanden, in Frankreich oder in Gro\u00dfbritannien. Warum also nicht auch bei uns?<\/p>\n<p>Ich glaube, wenn die wirtschaftliche Lage angespannter wird, wird man auch in Deutschland \u00fcber F\u00f6rdermodelle nachdenken m\u00fcssen. Und dann ist es gut, wenn man schon vorher auf eigenen F\u00fc\u00dfen steht.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Wie gehen Sie damit um, wenn Sie von Charakter-Darstellern der st\u00e4dtischen B\u00fchnen oder von denen, die sich daf\u00fcr halten, f\u00fcr Ihre schauspielerische Arbeit, eher bel\u00e4chelt werden \u2013 f\u00fchlen Sie sich dann als Schauspieler 2. Klasse?<\/strong><\/p>\n<p>Kristof St\u00f6\u00dfel (L\u00e4chelt): \u201eIch bin da ganz entspannt. Klar, es gibt sie \u2013 die Kultur-Elite mit leicht herablassendem Blick. Aber wissen Sie was? Es ist viel schwerer, Menschen zum Lachen zu bringen, als zum Weinen. Im Idealfall allerdings schafft eine gute Kom\u00f6die sogar beides. Wir zeigen es und beweisen immer wieder authentisch und echt: Auch in der Unterhaltung gibt es St\u00fccke mit Tiefgang, einer klaren Botschaft und \u00a0Anregungen zum Nachdenken.<\/p>\n<p>Diese Mischung macht es aus. Und wenn unsere Besucher bei einer Vorstellung alle Emotionen durchleben, dann haben wir alles richtig gemacht. Ich arbeite mit tollen Kolleginnen und Kollegen zusammen, wir machen gute St\u00fccke. Und wenn dann abends 200 Leute lachend klatschen, dann ist das f\u00fcr mich und wohl auch f\u00fcr sie echte, ehrliche Hochkultur. Vielleicht sogar die sch\u00f6nste Form davon.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Was tun Sie eigentlich, wenn Sie einmal die Zeit finden, so richtig auszuspannen?<\/strong><\/p>\n<p>Kristof St\u00f6\u00dfel: \u201eDann genie\u00dfe ich das Leben! Wir reisen gern: London, Paris, Amsterdam, zuletzt sogar New York. Nat\u00fcrlich verbunden mit Theaterbesuchen. Aber auch kleine Dinge machen mich gl\u00fccklich: Beispielsweise mit meinem Hund \u00fcber den Scharpenacken zu laufen, ein Shoppingbummel durch Hannover oder Maastricht oder ein k\u00fchles Getr\u00e4nk auf der K\u00f6 in D\u00fcsseldorf. Es gibt so viele kleine oder gro\u00dfe Momente, die mir Lebensqualit\u00e4t bringen.<\/p>\n<p>Meine Frau liebt Wellness \u2013 und wir lieben die Zeit gemeinsam mit unserem Hund und mit unseren wunderbaren Freunden. So wie es jetzt ist, ist es gut. Vielleicht ein bisschen anders als vor Corona geplant \u2013 aber wir sind gesund und gl\u00fccklich, das ist doch das Wichtigste, oder?\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Danke f\u00fcr das offene, ehrliche und spannende Gespr\u00e4ch.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Das Interview f\u00fchrte Peter Pionke<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Er ist Schauspieler, Regisseur, Theaterleiter, k\u00fcnstlerischer Kopf mehrerer B\u00fchnen. Und au\u00dferdem stolziert er in schicken Frauenkleidern und St\u00f6ckelschuhen als Kunstfigur und Diva Fabienne van Straten \u00fcber das Pflaster in D\u00fcsseldorf oder Wuppertal. Kristof St\u00f6\u00dfel lebt und liebt das Theater \u2013 die B\u00fchne ist seine Welt.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[29],"tags":[],"class_list":["post-83281","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kultur"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-04-24 06:02:57","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/83281","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=83281"}],"version-history":[{"count":12,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/83281\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":83300,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/83281\/revisions\/83300"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=83281"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=83281"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=83281"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}