{"id":82055,"date":"2025-03-04T09:11:25","date_gmt":"2025-03-04T08:11:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=82055"},"modified":"2025-03-04T09:11:25","modified_gmt":"2025-03-04T08:11:25","slug":"riri-ein-reissverschluss-erobert-die-welt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2025\/03\/04\/riri-ein-reissverschluss-erobert-die-welt\/","title":{"rendered":"&#8222;Riri&#8220; &#8211; ein Rei\u00dfverschluss erobert die Welt"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_82057\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 885px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-82057 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Volkmann-Presse.jpg\" alt=\"\" width=\"875\" height=\"557\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Professorin Christine Volkmann, Leiterin des Lehrstuhls f\u00fcr Unternehmensgr\u00fcndung und Wirtschaftsentwicklung &#8211; \u00a9 \u00d6zlem Eryigit<\/span><\/div>\n<p>Autor Uwe Blass hat sich im Rahmen der beliebten Uni-Reihe &#8222;Transfergeschichten&#8220; mit\u00a0Prof. Christine Volkmann \u00fcber einen Weltkonzern, dessen Erfolgsgeschichte in Barmen begann und das enorme Potential der Bergischen Gr\u00fcnderszene unterhalten.<\/p>\n<p><strong>Um was ging es bei &#8222;Riri&#8220;?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Christine Volkmann:<\/strong> &#8222;Gideon Sundb\u00e4ck, ein schwedisch-amerikanischer Ingenieur, hatte ein Verfahren entwickelt, das aus ineinandergreifenden Z\u00e4hnen bestand, die an Stoffb\u00e4ndern befestigt waren und mit einem Schieber ge\u00f6ffnet oder geschlossen werden konnten. Allerdings war sein Produkt noch nicht ausgereift genug, um es industriell in Serie herzustellen, und es fehlte zus\u00e4tzlich eine Vision f\u00fcr konkrete Anwendungspotenziale dieser Technologie.<\/p>\n<p>1923 erwarb Martin Othmar Winterhalter, ein Schweizer Unternehmer, die europ\u00e4ischen Rechte an diesem Patent f\u00fcr 100.000 Schweizer Franken. Er erkannte das enorme Potenzial der Erfindung und gr\u00fcndete 1924 in Halle an der Saale die Firma &#8218;Riri&#8216;. Der Name leitet sich von den Begriffen &#8222;Rille&#8220; und &#8222;Rippe&#8220; ab \u2013 ein passender Name f\u00fcr die Mechanik des Rei\u00dfverschlusses.<\/p>\n<div id=\"attachment_44822\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 440px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-44822\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Logo-Transfergeschichten.jpg\" alt=\"\" width=\"430\" height=\"138\" \/><span class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Bergische Universit\u00e4t<\/span><\/div>\n<p>Winterhalters entscheidender Beitrag war die Weiterentwicklung des Designs und vor allem die Optimierung der Produktionstechniken. Er konstruierte Maschinen, die eine effiziente, kosteng\u00fcnstige und serielle Fertigung erm\u00f6glichten. Dadurch wurde der Rei\u00dfverschluss f\u00fcr den breiten Einsatz in der Bekleidungsindustrie verf\u00fcgbar und &#8218;Riri&#8216; entwickelte sich schnell zu einem f\u00fchrenden Hersteller in Europa, bekannt f\u00fcr Qualit\u00e4t und Innovation.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Winterhalter entwickelte die Haken und \u00d6sen zur Serienreife. Auf seinem Zeichentisch wurden die K\u00fcgelchen und Klemmbacken zu \u201eRippen und Rillen\u201c, kurz \u201eRiri\u201c. Fachleute sagen, \u201eRiri\u201c war die Magie einer neuen Epoche. Und diese Epoche wurde in Barmen eingeleitet, oder?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Christine Volkmann:<\/strong> &#8222;Ganz genau. Die industrielle Serienproduktion des &#8222;Riri&#8220;-Rei\u00dfverschlusses begann tats\u00e4chlich im Wuppertaler Stadtteil Barmen. Nachdem Martin Othmar Winterhalter die europ\u00e4ischen Rechte an Gideon Sundb\u00e4cks Patent erworben hatte, gr\u00fcndete er 1924 eine Produktionsst\u00e4tte in Halle an der Saale. Doch bereits 1927 verlegte er die Produktion nach Barmen, weil der Stadtteil damals ein wirtschaftlicher Hotspot der Textilindustrie war. Dort perfektionierte er die maschinelle Produktion und meldete zahlreiche Patente an. Bereits Anfang 1925 produzierten 100 Arbeiter t\u00e4glich 500 Meter Rei\u00dfverschluss, und Ende des Jahres waren es dank 1.000 Mitarbeitern schon 10.000 Meter pro Tag. Das zeigt, wie bahnbrechend diese Innovation war \u2013 und wie entscheidend Barmen f\u00fcr ihren Erfolg.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Frau Volkmann, Sie leiten den Lehrstuhl f\u00fcr Entrepreneurship und Interkulturelles Management an der Bergischen Universit\u00e4t. Zu Ihren Lehrstuhlaktivit\u00e4ten geh\u00f6rt auch die Transfer- und Start-up Beratung. Kann man die Firma &#8218;Riri&#8216; eigentlich als ein fr\u00fches Beispiel f\u00fcr ein Start-up Unternehmen in Wuppertal anf\u00fchren?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Christine Volkmann:<\/strong> &#8222;Absolut, auch wenn der Begriff &#8222;Start-up&#8220; damals noch nicht gebr\u00e4uchlich war. Start-ups zeichnen sich durch innovative Gesch\u00e4ftsideen und hohes Wachstumspotenzial aus, und genau das hat &#8218;Riri&#8216; in den 1920er Jahren verk\u00f6rpert. Martin Othmar Winterhalter hat den Rei\u00dfverschluss durch innovatives Denken marktf\u00e4hig gemacht, indem er die urspr\u00fcnglichen Haken und \u00d6sen durch &#8222;Rippen und Rillen&#8220; ersetzte. Zudem erreichte das Unternehmen nach der Verlagerung der Produktion nach Wuppertal-Barmen im Jahr 1925 ein rasantes Wachstum \u2013 mit t\u00e4glich 10.000 Metern produzierten Rei\u00dfverschl\u00fcssen. Das zeigt, dass &#8218;Riri&#8216; damals wie ein modernes Start-up agierte: innovativ, skalierbar und wachstumsorientiert.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_82058\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1930px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-82058 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/RIRI-Logo-CC-BY-SA-4.0.jpg\" alt=\"\" width=\"1920\" height=\"1281\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Das &#8222;Riri-Logo&#8220;, wie es heute gestaltet ist &#8211; \u00a9 CC BY-SA 4.0<\/span><\/div>\n<p><strong>Ab 1925 produzierten 1.000 Arbeiter t\u00e4glich am Flie\u00dfband rund 10 000 Meter \u201eRiri\u201c. Zus\u00e4tzlich wurden zeitgleich 25 neue Patente zur maschinellen Fabrikation angemeldet. Ab 1928 wurde der Rei\u00dfverschluss auch als Lizenz vergeben. Das war doch schon eine gelungene Marketingstrategie. Welche Tipps zur Unternehmensgr\u00fcndung geben Sie heute Gr\u00fcnderinnen und Gr\u00fcndern mit auf den Weg?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Christine Volkmann:<\/strong> &#8222;Die Geschichte von &#8218;Riri&#8216; bietet auch heute noch viele wertvolle Lektionen. Ein zentraler Punkt ist, dass Gr\u00fcnderinnen und Gr\u00fcnder sich auf Innovation und Probleml\u00f6sung konzentrieren sollten. So wie Riri damals den Rei\u00dfverschluss weiterentwickelt hat, k\u00f6nnten heutige Start-ups nach M\u00f6glichkeiten suchen, bestehende Produkte oder Dienstleistungen zu verbessern oder neue L\u00f6sungen f\u00fcr bestehende Probleme zu finden.<\/p>\n<p>Ein weiterer entscheidender Faktor ist die Skalierbarkeit. &#8218;Riri&#8216; hat durch die Einf\u00fchrung der Flie\u00dfbandproduktion enorm an Effizienz und Produktionskapazit\u00e4t gewonnen. Auch heute sollten Gr\u00fcnder von Anfang an Gesch\u00e4ftsmodelle entwickeln, die wachsen k\u00f6nnen \u2013 sei es durch Automatisierung, digitale Produkte oder Lizenzierung. Apropos Lizenzierung: &#8218;Riri&#8216; hat ab 1928 seine Technologie lizenziert, was zus\u00e4tzliche Einnahmequellen erschloss und das Wachstum beschleunigte. Das zeigt, wie wichtig es ist, sich durch Patente oder Markenrechte zu sch\u00fctzen und strategische Partnerschaften einzugehen.<\/p>\n<p>Ein weiterer Tipp ist, auf Qualit\u00e4t zu setzen. Riri hat fr\u00fch in maschinelle Fabrikation investiert, was gleichbleibende Qualit\u00e4t und Produktivit\u00e4t sicherte. F\u00fcr heutige Unternehmen ist das genauso wichtig \u2013 Kunden erwarten nicht nur Innovation, sondern auch Verl\u00e4sslichkeit. Marketing und Branding sind ebenfalls entscheidend. Der Name &#8218;Riri&#8216;, abgeleitet von &#8222;Rippen und Rillen&#8220;, war ein einpr\u00e4gsames Branding-Element. Heutige Gr\u00fcnder sollten eine starke Markenidentit\u00e4t entwickeln und digitale Kan\u00e4le nutzen, um ihre Zielgruppe effektiv zu erreichen.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus sind Agilit\u00e4t und Flexibilit\u00e4t essenziell. Riri hat schnell auf neue M\u00f6glichkeiten reagiert, sei es durch die Verlagerung der Produktion nach Wuppertal oder durch Lizenzvergaben. Auch moderne Start-ups m\u00fcssen bereit sein, ihre Strategien dynamisch anzupassen, wenn sich Marktchancen ergeben. Und schlie\u00dflich ein Punkt, der heute zus\u00e4tzlich an Bedeutung gewinnt, ist Nachhaltigkeit. Kunden achten zunehmend auf \u00f6kologische und soziale Verantwortung. Unternehmen, die das in ihre Strategien integrieren, verschaffen sich einen Wettbewerbsvorteil.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Ab 1929 kassierte der Schweizer praktisch bei jedem Rei\u00dfverschluss mit, der auf dem Erdball produziert wurde. Als die Nazis seine Werke unter staatliche Vormundschaft stellen wollten, lie\u00df Winterhalter in einer Blitzaktion seinen Maschinenpark in Wuppertal auf Lastwagen verladen und in die Schweiz schmuggeln. Wie k\u00f6nnen sich denn heute Start-ups auf Krisen vorbereiten?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Christine Volkmann:<\/strong> Krisen treffen Unternehmen oft unerwartet, weshalb Start-ups bereits in der Gr\u00fcndungsphase pr\u00e4ventive Ma\u00dfnahmen einplanen sollten. Dazu geh\u00f6rt in erster Linie ein solides finanzielles Polster, das unvorhersehbare Ausgaben abfedern kann. Gleichzeitig ist es essenziell, flexibel zu bleiben: Gesch\u00e4ftsmodelle, die auf mehrere Einnahmequellen setzen, sind widerstandsf\u00e4higer. Die Pandemie hat zudem gezeigt, wie wichtig eine digitale Infrastruktur ist \u2013 digitale Gesch\u00e4ftsprozesse und der Zugriff auf cloudbasierte L\u00f6sungen sichern die Handlungsf\u00e4higkeit auch in schwierigen Zeiten.<\/p>\n<div id=\"attachment_82059\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1930px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-82059 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Riri-ehemaliges-Produktionsgebaeude-an-der-Gennebrecker-Strasse-CC-BY-SA-3.0.jpg\" alt=\"\" width=\"1920\" height=\"1280\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Die ehemalige Rei\u00dfverschlussfabrik &#8222;RiRi&#8220; in der Gennebrecker Stra\u00dfe 19a-21 in Wuppertal &#8211; \u00a9 CC BY-SA 3.0<\/span><\/div>\n<p>Ein weiteres wichtiges Element ist die Diversifizierung der Lieferketten, um Abh\u00e4ngigkeiten zu vermeiden. Gerade Start-ups mit begrenzten Ressourcen sollten Szenarien simulieren, um m\u00f6gliche Krisen vorherzusehen und entsprechende Notfallpl\u00e4ne zu entwickeln. Ein gutes Beispiel ist Winterhalter, der bei drohender Gefahr schnell reagierte und seinen Maschinenpark au\u00dfer Landes brachte. Heute k\u00f6nnen Start-ups von solch entschlossenem Handeln profitieren, indem sie sich fr\u00fchzeitig auf Krisensituationen vorbereiten und flexibel auf Ver\u00e4nderungen reagieren. Regelm\u00e4\u00dfige Krisen\u00fcbungen und eine klare Kommunikationsstrategie sind hierbei unverzichtbar.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Winterhalter hatte Fabriken in der Schweiz, in Deutschland, Luxemburg und in Italien. Er war bekannt f\u00fcr sein ausschweifendes Leben. Zwei Mal konnte er sich der Einweisung in eine psychiatrische Klinik durch die Direktoren der &#8218;Riri- Werke&#8216; entziehen. Beim dritten Mal wurde er mit einer Spritze ruhiggestellt und in eine Klinik gebracht: Entf\u00fchrt, durch seine eigenen Angestellten und im Auftrag seiner engsten Angeh\u00f6rigen. Das h\u00f6rt sich wie ein Krimi an. Je gr\u00f6\u00dfer das Unternehmen, desto mehr Neider treten auf den Plan. Wie k\u00f6nnen sich erfolgreiche Gr\u00fcnderinnen und Gr\u00fcnder davor sch\u00fctzen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Christine Volkmann:<\/strong> &#8222;Der Erfolg eines Unternehmens zieht oft unerw\u00fcnschte Aufmerksamkeit auf sich \u2013 sowohl von au\u00dfen als auch von innen. Deshalb ist es entscheidend, dass Gr\u00fcnderinnen und Gr\u00fcnder eine offene und transparente Unternehmenskultur f\u00f6rdern. Eine klare Vision und Werte, die von der F\u00fchrungsebene bis hin zu den Mitarbeitenden konsequent kommuniziert und gelebt werden, schaffen Vertrauen. Dadurch wird verhindert, dass sich Misstrauen und Neid entwickeln.<\/p>\n<p>Gleichzeitig sind klare Hierarchien und Entscheidungsprozesse notwendig. Diese sorgen daf\u00fcr, dass sich alle Mitarbeitenden geh\u00f6rt f\u00fchlen und Konflikte fr\u00fchzeitig adressiert werden. Regelm\u00e4\u00dfige Mitarbeitergespr\u00e4che sowie anonyme Feedbackm\u00f6glichkeiten k\u00f6nnen wertvolle Einblicke in die interne Stimmungslage geben.<\/p>\n<p>Der Fall von Winterhalter zeigt jedoch auch, dass interne Konflikte eskalieren k\u00f6nnen. Deshalb ist es ratsam, ein Netzwerk aus externen Beratern, Mediatoren oder Juristen aufzubauen, das in heiklen Situationen unterst\u00fctzend eingreifen kann. Zudem hilft eine offene Kommunikationspolitik, etwa bei Unternehmensentscheidungen, um Ger\u00fcchten und Missverst\u00e4ndnissen vorzubeugen. Durch pr\u00e4ventive Ma\u00dfnahmen k\u00f6nnen Gr\u00fcnderinnen und Gr\u00fcnder eine starke Unternehmenskultur schaffen, die langfristig vor internen Spannungen sch\u00fctzt.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_82060\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 810px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-82060 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Reissverschluss-gemeinfrei-CC0.jpg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"266\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Ein moderner Rei\u00dfverschluss in einer Jeans &#8211; \u00a9 gemeinfrei \u2013 CC0<\/span><\/div>\n<p><strong>Winterhalter lebte ein Leben zwischen Genie und Wahnsinn. Der K\u00f6nig des Rei\u00dfverschlusses starb entm\u00fcndigt in einer Heilanstalt. Heute werden mehr Rei\u00dfverschl\u00fcsse gebraucht denn je &#8211; in den Industriel\u00e4ndern immerhin \u00fcber zwanzig Meter pro Menschenleben, und auch eine Milliarde Chinesen schaffen statistisch bereits sechs bis sieben Meter pro Person. Auf dem Weltmarkt hat die Firma &#8218;Riri&#8216;, die heute einer Bank geh\u00f6rt, gleichwohl kaum noch etwas zu bestellen. Eine erfolgreiche Gr\u00fcndung kann auch Angst machen. Wo kann man sich da Hilfe holen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Christine Volkmann:<\/strong> &#8222;Der Weg in die Selbstst\u00e4ndigkeit ist oft mit gro\u00dfen Unsicherheiten und \u00c4ngsten verbunden \u2013 vor allem, wenn das Unternehmen w\u00e4chst und die Verantwortung zunimmt. In solchen Situationen sollten Gr\u00fcnderinnen und Gr\u00fcnder nicht z\u00f6gern, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Eine erste Anlaufstelle sind Netzwerke und Gr\u00fcnderverb\u00e4nde, die den Austausch mit Gleichgesinnten f\u00f6rdern. Der Dialog mit anderen Unternehmerinnen und Unternehmern bietet wertvolle Ratschl\u00e4ge und st\u00e4rkt das Selbstvertrauen.<br \/>\nProgramme wie der Berg-Pitch, der in Wuppertal, Solingen und Remscheid stattfindet, bieten jungen Unternehmen nicht nur eine B\u00fchne f\u00fcr ihre Ideen, sondern auch Zugang zu potenziellen Investoren und Mentoren. Solche Veranstaltungen erm\u00f6glichen es, Feedback zu erhalten und sich mit erfahrenen Unternehmerinnen und Unternehmern zu vernetzen.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus gibt es zahlreiche Inkubatoren und Acceleratoren, die nicht nur finanzielle Unterst\u00fctzung, sondern auch beratende Expertise bereitstellen. Auch Coaching-Programme und psychologische Beratung sollten nicht untersch\u00e4tzt werden. Gerade der mentale Druck kann zur Belastung werden, weshalb der Aufbau einer emotionalen Resilienz wichtig ist. Ein Coach kann helfen, \u00c4ngste zu reflektieren, Priorit\u00e4ten zu setzen und einen klaren Fokus zu behalten. Schlussendlich sind auch spezielle Seminare zur pers\u00f6nlichen Weiterentwicklung oder Stressbew\u00e4ltigung wertvolle Hilfsmittel, um mit den Herausforderungen des Gr\u00fcndungsalltags souver\u00e4n umzugehen.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Innovationen und neue Ideen sind immer wichtig. Der Rei\u00dfverschluss ist heute f\u00fcr den t\u00e4glichen Gebrauch unverzichtbar. Dabei haben sich aber nach 100 Jahren sowohl Materialien und auch der Einsatz des Produkts ver\u00e4ndert. Ob in Taschen, Zelten, Taucheranz\u00fcgen, Fisch- und Vogelnetzen oder als 6.300 Kilometer lange Schutzh\u00fclle des transatlantischen Telefonkabels wird er eingesetzt. Ein Gr\u00fcnder muss also auch immer ein Vision\u00e4r sein, oder?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Christine Volkmann:<\/strong> &#8222;Ohne Frage! Gr\u00fcndende sollten die F\u00e4higkeit haben, \u00fcber den Status Quo hinauszudenken. Vision\u00e4re Gr\u00fcnderinnen und Gr\u00fcnder erkennen nicht nur die Potenziale einer Idee, sondern auch, wie diese sich weiterentwickeln und an neue Anforderungen, Bed\u00fcrfnisse und Umgebungen anpassen kann. Der Rei\u00dfverschluss ist ein gro\u00dfartiges Beispiel daf\u00fcr: Urspr\u00fcnglich f\u00fcr Kleidung konzipiert, hat er heute unz\u00e4hlige Anwendungen in ganz unterschiedlichen Bereichen \u2013 von Sportausr\u00fcstung bis hin zu Hightech-Industrien. Solche interdisziplin\u00e4ren Ans\u00e4tze sind essenziell, um innovative L\u00f6sungen zu schaffen, die \u00fcber branchenspezifische Grenzen hinauswirken. Eine vision\u00e4re Gr\u00fcnderin oder ein vision\u00e4rer Gr\u00fcnder erkennt diese Verbindungen und versteht, dass Innovation oft an den Schnittstellen verschiedener Disziplinen entsteht. Der Erfolg liegt darin, unterschiedliche Perspektiven zu vereinbaren und daraus Produkte oder Technologien zu entwickeln, die vielseitig einsetzbar und zukunftsweisend sind.<\/p>\n<p>Ein Vision\u00e4r erkennt solche M\u00f6glichkeiten und l\u00e4sst sich nicht von kurzfristigen H\u00fcrden und anf\u00e4nglicher gesellschaftlicher Skepsis bremsen. Gleichzeitig ist es wichtig, flexibel zu bleiben, denn nicht jede Vision erf\u00fcllt sich genauso, wie sie urspr\u00fcnglich intendiert war. Doch wer einen klaren Blick f\u00fcr zuk\u00fcnftige Trends und Bed\u00fcrfnisse hat, kann Innovationen schaffen, die dauerhaft von Bestand bleiben. Visionen sind das Fundament, auf dem nachhaltiger Erfolg aufgebaut wird.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_56928\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 2278px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-56928\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Bild-18.11.22-um-13.37.jpg\" alt=\"\" width=\"2268\" height=\"1662\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Das &#8222;Cicular Valley Forum 2022&#8220; mit vom Aktionsk\u00fcnstler HA Schult geschaffenen &#8222;Trash People&#8220; am Eingang der Historischen Stadthalle &#8211; \u00a9 Circular Valley<\/span><\/div>\n<p><strong>Zu einer der gr\u00f6\u00dften Veranstaltungen in diesem Zusammenhang ist der Berg-Pitch. Was ist das genau?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Christine Volkmann: &#8222;<\/strong>Der Berg-Pitch z\u00e4hlt zu den spannenden Start-up-Veranstaltungen in der Region Wuppertal, Solingen und Remscheid. Hier treffen sich innovative Gr\u00fcnderinnen und Gr\u00fcnder, um ihre Gesch\u00e4ftsideen vor einer hochkar\u00e4tig besetzten Jury und einem Publikum aus potenziellen Investorinnen und Investoren, Unternehmensvertreter und Interessierten in einem pr\u00e4gnanten sechsmin\u00fctigen Pitch zu pr\u00e4sentieren. Ziel der Veranstaltung ist es, die besten Ideen aus der Region zu f\u00f6rdern und ihnen eine Plattform zur Sichtbarkeit zu bieten.<\/p>\n<p>Die Veranstaltung erm\u00f6glicht nicht nur wertvolle Kontakte innerhalb der Start-up-Szene, sondern bietet auch direktes Feedback und mitunter die Chance auf eine erste Finanzierung. Besonders beeindruckend ist die einzigartige Atmosph\u00e4re: Der Berg-Pitch wird oft an besonderen Orten ausgerichtet, wie etwa in einem ehemaligen Filmtheater, was die Veranstaltung zu einem echten Highlight macht.<br \/>\nZusammengefasst ist der Berg-Pitch weit mehr als nur ein Wettbewerb \u2013 er ist eine B\u00fchne f\u00fcr Kreativit\u00e4t, Innovation und Unternehmergeist. Gleichzeitig setzt er ein starkes Zeichen daf\u00fcr, wie lebendig die Gr\u00fcnderlandschaft im Bergischen Land ist.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Wohin kann ich mich denn wenden, wenn ich nun eine richtig tolle Gr\u00fcndungsidee habe?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Christine Volkmann:<\/strong> &#8222;In Wuppertal gibt es zahlreiche Anlaufstellen, die Gr\u00fcnderinnen und Gr\u00fcnder mit ihren innovativen Ideen unterst\u00fctzen. Eine der zentralen Adressen ist der Freiraum, das START-UP CENTER der Bergischen Universit\u00e4t. Hier erhalten Sie Unterst\u00fctzung von der ersten Idee bis hin zur konkreten Umsetzung \u2013 sei es durch individuelle Beratung, praxisorientierte Workshops oder Hilfestellung bei der Erstellung eines Businessplans. Die Transfereinheit des Jackst\u00e4dt-Zentrums f\u00fcr Unternehmertums- und Innovationsforschung spielt in Wuppertal in der F\u00f6rderung von universit\u00e4ren Gr\u00fcndungsprojekten und von jungen Unternehmerinnen und Unternehmern sowie in der Netzwerkarbeit eine wichtige Rolle.<\/p>\n<p>Ein weiterer wesentlicher Ansprechpartner ist die IHK Wuppertal-Solingen-Remscheid mit ihrem STARTERCENTER NRW, das speziell auf die Bed\u00fcrfnisse von Existenzgr\u00fcnderinnen und Existenzgr\u00fcndern abgestimmt ist. Es bietet Orientierung bei Fragen zu Finanzierung, rechtlichen Rahmenbedingungen und Networking. Nicht zu vergessen sind die Gr\u00fcnderzentren wie das Technologiezentrum Wuppertal (W-tec), das jungen Unternehmen B\u00fcrofl\u00e4chen, moderne Infrastruktur und umfassende Beratungsleistungen bereitstellt. Diese Zentren er\u00f6ffnen oft wertvolle Kontakte zu anderen Start-ups und erfahrenen Unternehmerinnen und Unternehmern, die mit Rat und Tat unterst\u00fctzen k\u00f6nnen. Ein Highlight der Gr\u00fcndungsf\u00f6rderung in Wuppertal ist das &#8218;Circular Valley&#8216;, eine Initiative, die Start-ups mit einem Fokus auf Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft begleitet. &#8218;Circular Valley&#8216; bietet Zugang zu einem globalen Netzwerk aus Wirtschaft, Wissenschaft und F\u00f6rderprogrammen. \u00dcber Wuppertal hinaus gibt es zahlreiche weitere Anbieter, darunter die Gr\u00fcnderschmiede in Remscheid oder das Gr\u00fcnder- und Technologiezentrum in Solingen.<\/p>\n<p>Besonders lohnenswert ist es, an wiederkehrenden Veranstaltungen der Bergischen Universit\u00e4t wie den Start-up Days, dem Women Entrepreneurs in Science Summit oder regionalen Netzwerktreffen teilzunehmen, die von Initiativen wie dem Digital Hub Wuppertal organisiert werden. Hier k\u00f6nnen Sie Gleichgesinnte treffen, wertvolles Feedback einholen und m\u00f6glicherweise erste Investorinnen und Investoren gewinnen. Wuppertal bietet eine dynamische und wachsende Gr\u00fcnderszene mit enormem Potenzial. Daher mein Appell an alle Gr\u00fcnder: innen: Nutzen Sie diese Chance und gehen Sie den ersten Schritt!&#8220;<\/p>\n<p><strong>Uwe Blass<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_82061\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 210px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-82061 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Volkmann-Presse-Kopie.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"266\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Prof. Dr. Christine K. Volkmann &#8211; \u00a9 \u00d6zlem Eryigit<\/span><\/div>\n<h4>\u00dcber Prof. Dr. Christine K. Volkmann<\/h4>\n<p>Prof. Dr. Christine K. Volkmann leitet seit 2008 den Lehrstuhl f\u00fcr Unternehmensgr\u00fcndung und Wirtschaftsentwicklung an der Schumpeter School of Business and Economics der Bergischen Universit\u00e4t Wuppertal. Seit 2010 ist sie an der BUW Inhaberin des UNESCO-Lehrstuhls f\u00fcr Entrepreneurship und Interkulturelles Management.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der geb\u00fcrtige Schwede Gideon Sundb\u00e4ck versuchte 1923 sein Patent Nr. 99924 &#8211; ein Verfahren zur Herstellung l\u00f6sbarer Verbindungen mittels winziger Kugelgelenke und Klemmbacken- in der Schweiz zu verkaufen und geriet an Dr. Martin Othmar Petrus Notker Winterhalter, einen Unternehmer, der aus diesem Patent seinen gr\u00f6\u00dften Coup, n\u00e4mlich die Entwicklung des \u201eRiri\u201c machte.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-82055","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissen"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-20 10:35:22","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/82055","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=82055"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/82055\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":82066,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/82055\/revisions\/82066"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=82055"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=82055"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=82055"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}